Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2175 (8.7.1966)
- Date
- 1966-07-08
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Aber dann versuchter, sie, über diesen Abgrund — Brücken zu schlagen; zum erstenmal in der Kirchengeschichte wurde eine militante Häresie nicht vor aller Welt verdammt, sondern es wurde kirchenamtlich versucht, mit dieser „Häresie des Jahrhunderts“ (Bischof Sproll) politisch zu paktieren. Das war der 8imdenfall der Verantwortlichen in der Kirche. Aus dieser giftigen Wurzel konnten für sie nur Domen und Disteln wachsen. Sie sind — und zwar für die Kirche insgesamt — zorniger gewachsen als die schlimmsten Schwarzseher befürchtet hatten. Sie ganz auszurotten ist bis heute noch immer nicht gelungen. Dagegen helfen nur Schuldbekenntnis und Busse. Und um das, dieses ehrlich-de mütige Eingeständnis der Kirche, zu wenig geglaubt geliebt, geopfert zu haben, zu oft ein Auge oder beide Augen zugedrückt, zu viel geschwiegen zu haben — geht es bei den nun schon jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen dem Vatikan und seinen Anklägern. * # * Gewiss hat Pius XII. (auch schon als Kardinalstaatssekretär Pacelli) mit den Mitteln und auf den Wegen der ihm so vertrauten Kirchen - Politik bittere Klagen und eindeutige Proteste nach Berlin gerichtet. Aber doch erst dann, wenn ihm kirohli. che Interessen unmittelbar gefährdet schienen oder schon verletzt waren. Gewiss hat er unter den Naziverbreehen menschlich gelitten, den Nazikrieg persönlich verurteilt, die Nazimorde an Millionen Juden verdammt (und hier auch selbst geholfen, wo ihm Hilfe möglich war). Aber trohz allem — und ungeachtet seiner bösen Erfahrungen mit dem Reichskonkordat von 1933 — hat er immer von HANS WERTZ wieder versucht, mit den Nazimachthabern zu einem Modus vivendi zu kommen. Verführt und getäuscht durch seinen Glauben ah die Erfolgsmacht kluger Kirchenpolitik, durch seine blinde Liebe zu Deutschland und durch seine Angst vor dem Kommunismus, „vor dem Hitler Kirche und Welt bewahren wird“... Es waren bestimmt nicht persönliche Feigheit, Entschuldigungsgründe oder gar heimliche Zustimmung, die ihm als Papst der Kirche, die sich als 'das Gewissen der Welt“ weiss, die Stimme ver schlagen haben; es war jene weltliche — kirchenpolitische — „Klugheit“, die unbedingt den offenen Kampf vermeiden wollte; die dadurch die christliche „Weisheit des Kreuzes“ zur ungetauften „Torheit des Kreuzes“ verfälschte; die dadurch zum grössten Aergernis aller Verfolgten, Gequälten und Gemordeten wurde; die dadurch letzten Endes zu tragischer Schuld geworden ist. Dasselbe oder ähnliches gilt auch von den episkopalen Vertretern der katholischen Kirche in Deutschland Es sei ihnen gerne ein geräumt; dass sie in einer heillosen Lage waren, auf derer. Bewältigung sie weder menschlich-persönlich, noch kirchenamtlich vorbereitet waren. Man hatte sich mit dem Staat und sogar mit der Demokratie der Weimarer Republiek arrangiert Also werde man sich auch — auf Grund des Konkordats — mit Hitler Freisler. Goebbels, mit dem „Stürmer“, dem Krieg und dem „Juda verrecke!“ zurechtfinden können — wenn man nur klug zu schweigen und ohne jede Schärfe zu reden wisse. Und so schwieg man klug, sofern nicht Dogmen angegriffen und kirchliche Belange verletzt wurden. Und so redete man sanft, wenn es — wie bei den Euthanasie-Morden — nicht mehr zu umgehen war. Wohl hat hier ein Bischof von Galen eine härtere Spracne gewagt oder auch als es gegen die Klostedaustreibungen ging. Aber dafür hat es auch einen Bischof Berning von Osnabrück (Mitglied des Preussischen Staatsrats) gegeben und einen Erzbischof Konrad Gröber ( .Handbuch der deutschen Gegenwartsfragen“), einen Kardinal Faulhaber.. * * * Das ist nun alles schon sc lange her. Papst Pius XII und die Bischöfe von damals sind lange tot. Aber die Vergangenheit lebt noch. Ihre Feststellungen, Fragen, Vorwürfe werden immer lebendiger Man möchte wissenob das damals im Vatikan und in der Kirche bei uns in Deutschland mit rechten Dingen zugegangen sei; ob nicht einiges anders hätte gemacht ■werden können, gemach“ werden müssen. Solcherlei Fragen werden heute mit ärgerlichen Argumenten und mit peinlichen Dokumenten belegt, die von den einen als Dichtung abgelehnt und von den anderen als Wahrheit gewertet werden. Der Nichtkatholik Hochhuth 1 at mit seinem , Stellvertreter“ den Stein ins Rollen gebracht. In der Kirche hat man sich gegen diesen ..Stellvertreter“ leidenschaftlich gewehrt. Paul VI hat am Ende des Konzils Pius XII. völlig überraschend — neben Johannes XXIII — auf die Liste der zukünftigen Selingen und Heiligen der Kirche gesetzt: eine unmiss verständliche vatikanische Geste zur kirchlichen Ehrenrettung des angegriffenen Papstes. Aber damit ist das Aergernis noch nicht aus der Welt geschafft. Denn es gibt inzwischen eine reiche Geschichtsliteratur, in der dem Vatikan wie auch dem deut sehen Episkopat unverblümt vorgeworfen wird; mit dem Hitlersystem kollaboriert ohne doch eine nazifreundliche Kirchenpolitik betrieben zu haben. Im Vatikan und anderswo ist die Behauptung als lästerliche Verleumdung zurückgewiesen worden, ohne offensichtlich die gewünschte Wirkung gehabt zu haben. ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL M——MW—»MXMW>M—M>W Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGCrRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung BUEROSTUNDEN; DIENSTAG. MITTWOCH and FREITAG von 16 IG Uhr T. F.: 83 - 2613 Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Vjr waltun gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen T. E„: 80 - 6930 MIEYRREDON 2190 aso. A». LAS HERAS Deshalb hat sich die Römische Kirche zu einer Gegenaktion, wie sie sonst nicht üblich ist, entschlossen; Während sonst vatikanische Akten erst nach Jahrzehnten veröffentlicht werden, hat sie drei Historikern (Jesuiten, die Herausgabe einer amtlichen Dokumentation über „Der Heilige Stuhl und der Zweite Weltkrieg“, ermöglicht. Bisher sind davon die beiden ersten Bände erschienen. Damit sind diese bitteren Auseinandersetzungen vielleicht für spätere Generationen auf eine höhere sachliche Ebene (soweit das nötig ist) gehoben worden. Für uns Zeitgenossen, die wir im Lan de das Ungeheuer des ,111. Reiches“ erleben und erleiden, aber auch die — milde gesagt — zwiespältige Haltung kirchlicher Amtsstellen erfahren mussten, haben alle römischen Erläuterungen und Erklärungen nur einen sehr bedingten Wert. Wir glauben gerne, dass man sich manchmal im Vatikan und auch in den deutschen episkopalen Kurien den Kopf zerbrochen hat: was und wie und wo das leidige „kleinere Uebel“ sei, das ningenommen werden müsste, um grösseres Uebel zu vermeiden und noch zu retten, was noch möglich sei. Aber wir haben auch schon damals gewusst — und es den Verantwortlichen, soweit sie noch dafür zugänglich waren, unmissverständlich gesagt — dass manche amtlichen Aeusserungen für uns unerträglich und viele Entscheidungen irrig seien. Und dass die tiefste Quelle dieser geistlichen Fehlleistungen in. dem tragischen Irrtum lägees könnte die Kirche überhaupt und erst recht in schwerster Zeit mit den weltlichen Mitteln der Kirchenpolitik regiert werden anstatt mit den charismatischen Kräften des Kreuze' und des Heiligen Geistes... An dieser unserer biblischen Ueberzeugung werden auch alle vatikanischen Veröffentlichungen — Erläuterungen und Rechtfertigungen — nichts ändern können Gewiss verlangt die gute Leitung de” Kirche auch eine bestimmte menschliche Klugheit und weltliche Erfahrung. Die letz, te Hilfe aber liegt im Glauben. Glauben heisst hier; den Mut aufbringen zum Sprung in den Abgrund Gottes. An diesem Glaubensmut zum Wagnis hat es gefehlt Das ist unsere Klage. * * * Deshalb haben wir kirchentreuen Widerständler — und mit uns die Welt _ 1945 ein öffentliches Schuldbekenntnis der Verantwortlichen in der Kirche erwartet. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hat am 18. Oktober 1945 in Stuttgart vor den Vertretern des Oekumenischen Rates der Kirchen ein solches Schuldbekenntnis abgelegt: ,,.... wir klagen uns an. dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender Musik in Buenos Aires Buenos Aires hat im Moment zwei ganz besonders hervorragende Kammermusikensembles zu Gast Das „Ensemble Baroque de Paris“, welches uns zum zwei ten Mal besucht und das uns schon mehrfach bekannte „Quinteto Ohigiano“. Das erstere unter Leitung von Jean- Pierre Rampal — von vielen als der grösste lebende Flötist angesehen — hat in zwe. Konzerten der „Asociación Wagneriana“ im Cine Broadway und einem vom Mozarteum im Coliseo veranstalteten Proben seiner gepflegter. Kunst gegeben. Dieses Ensemble besteht in diesem Jahr nur aus vier Instrumentisten; ausser dem schon erwähnten Rampal noch Pierre Pierlot (Oboe), Robert Gendre (Violine), und Robert Veyron - Lacroix (Klavier, Cembalo). Das Programm be steht fast ausschliesslich aus Werken von Autoren des 17. und 18. Jahrhunderts, aber nicht nur der französischer Schule, sondern auch der italienischen besonders Vivaldi und deutschen, wüe Telemann und vor allem Bach. Die sonst perfekte Wiedergabe dieser Meister, hat in man ehen Fällen diesmal gelitten durch den Umstand, dass der für Cembalo geschriebene Part auf dem Klavier gespiel“ werden musste. Das italienische Quintett geliebt haben.“ In der katho lischen Kirche hat man sich sei 1945 bemüht, zu beweisen dass man „schon immer insgeheim Widerstand geleistet“ habe... Hochhuths „Stellvertreter“ hätte offene Tiiren eingerannt, alle Anklagen gegen die Kirche im „III. Reich“ wären erst gar nicht erhoben w’orden, der Vatikan hätte seine Akten nicht vorzeitig zu veröffentlichen brauchen — wenn man rechtzeitig in der Kirche das eigene kleinmenschliche Versagen ehrlich zugegeben hätte. Eigene Ankläger finden milde Rieh ter... „Cbigiano“ besucht uns diesmal in etwas anderer Besetzung: Ricardo Brengola und Amoldo Apostoli (Violinen), Tito Riocardo (Bratsche), Allain Meunier (Cello) und Sergio Lorenzi (Klnüer). Sein Programm umfa-st wieder von den alten Me s n-n bis zu den allermodern.-vm, das gesamte Kammer.rms:kschaffen. Das von Moza teum im Colón vera1 sta¡ :?t,e Konzert brachte ein Quartett von Mozart (G-moll K. 478 mit Klavieri; das Qui tett von A. Ginastera und ein Quintett (Op. 57) von D. Schostakowütsch. Die Aufführung des Mozartquartetts und des Quintettes von Scnostakowitsch waren von bemerkenswerter Perfektion wobei, wie auch in allen früheren Konzerten, der Klavierpart, von Lorenzi gespielt, fx:sonders gefiel. Ueber die Wiedergabe des Quintetts von Ginastera kann man schwer urteilen, da es im ganzen ziemlich unverständlich ist. Das begeisterte Publikum erzwang zwei Zugaben Das Mozarteum hatte das Chigiano-Quintett auch für ein Mittagskonzert im Gran Rex verpflichtet, wo das Quintett von Cesar Franek gespielt wurde. Auch hier spendete das sehr zahlreich erschienene Publikum dem berühmten Quintett grosse Ovationen. Dr. B. Sch. Gemüse aus dem Negew Beer Schewa. — Bisher wurden im Negew 136 Dörfer auf dem Wüstenboden err-c-htet, und eine Million Dunam Erde, die früher nichts als Sandfläche waren, können dank der Bewässerungsanlagen bebaut werden viele Felder im Negew wurden mH einer Pastikdecke überzogen, eine Erfindung des Ingenieurs Blass, so dass die Brnten verdreifacht wurden. Die auf ihnen gezogenen Tomaten und andere Gemässe werden nach Europa zu guten Preisen exportiert (ITA> HOTEL LAGO -,E>2 Cas. 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