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Jüdische Wochenschau · 1966-07-01 · 2174 (1.7.1966) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2174 (1.7.1966)
Date
1966-07-01
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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m o o,E c « *. t t c ** •k «> c o> « O io < FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 SEMANA ISRAELITA A no XXVII. BUBNOS AIRES. VIBRNES 1* DE JULIO DE 19« N* 3174 EL EJEMPLARIC en toda la República | y, PUEYRREDON 2190 1* izq. T.E. 83 - 2613 Buenos Aires Brief aus den USA von KURT R. GROSSMANN James Meredith, der im Jahre 1962 als erster Neger die Universität von Mississippi besuchte und seit Jahren in New York lebt, wurde auf einem Marach, der ihn von Tennessee nach Jackson, Hauptstadt von Mississippi, wo er geboren wurde und aufwuchs. führen sollte, aus dem Hinterhalt durch drei Gewehrschüsse verwunde^. Glücklicherweise waren die ersten Nachrichten, er sei dem Attentat erlegen, irrig, und es war vorauszusehen, dass Meredith bereits wenige Tage darauf aus dem Krankenhaus in Memphis, Tenn., entlassen werden würde. Das offizielle Washington, mit Präsident Johnson an der Spitze bis zu dem Mann auf der Strasse, gab seiner Empörung über dieses hinterhältige Attentat eines der weissen ,,Uebermenschen‘ Ausdruck. Selbst Senator Stennis von Mississippi er klärte, dass der Scnuldige vor Gericht gestellt werden müsse (während sein Kollege Eastland beredt schwieg!, und der Justizminister in Washington glaubt, dass der Täter, ein arbeitsloser Handwerker, unter dem neuen Bürgerrechts-Gesetz 1966 vor ein Bundesgericht gestellt werden könne. Das Vertrau, en zu den Mississippi-Gerich¬ DAJANS REISE NACH VIETNAM Jerusalem. — General Mosche Dajan erklärte, er reise nach Vietnam, „um lie dortigen Kampfmetho den zu studieren'-. Er enthüllte. dass er um die Erlaubnis zum Besuch Rotchinas ersucht habe, ihm aber das Visum abgeschlagen wurde, obwohl der englische Marschall Montgomery sich zu seinen Gunsten verwandte. Israels früherer Generalstabschef gedenkt etwa einen Monat in Südvietnam zu bleiben. Er fügte hinzu, er habe sioh seit je für Südostasien und ,,im besonderen für Vietnam und China interessiert, die heute in der Weltpolitik eine solche Wichtigkeit erlangt haben.“ — (ITA) ten ist nach wie vor sehr ge ring. Warum wollte James Meredith mit einigen Freunden (Neger und Weis.se> den mühsamen Marsch von 220 Meilen durch das für ihn ungastliche Land machen? ^.Damit die Neger in Mississippi sehen, dass sie sich nicht zu fürchten haben.- Dieser Marsch sollte die Teilnahme der Neger an den Vor- und Hauptwahlen steigern, denn Furcht unter den Ne germassen, «egen, den Stachel zu locken, ist in der Tai eines der entscheidenden Elemente für den relativ lang - samen Fortschritt im tiefen Süden. Meredith wollte die Strasse benutzen, um seinem Volke zu beweisen dass er als freier Mann unbehelligt, ja stolz erhobenen Hauptes durch das Land ziehen könne. Zehn Meilen war er in Mississippi marschiert als ihn drei Kugeln trafen. Wird nur: diese Untat noch die vorhandene Furcht der Neger - massen vergrössern oder...? CORE, eine der militanten Bürgerrechts . Organisationen der Neger, hat sofort diesen Krisenpunkt erkannt. Die Exekutive beschloss, den Marsch dort fortzusetzen, wo er durch den Ueberfall auf Meredit-h unterbrochen wurde. Das Element der Furcht hat in der Politik schon immer einen grossen E-influss gehabt; sei es in den fast vergessenen Konflikten zwischen Deutschland und Frankreich, als die Deutschen wie die Franzosen glaubten, der andere würde ihr Land überfallen; sei e« in jenen tragischen Hitlerjahren, als die Furcht so vie len Menschen berechtigterweise in der Kehle sass und das Gewissen ins Unterbewusstsein zurückgedrängt wurde. Im Süden der USA aber ist die Furcht noch so stark im Vordergrund des Denkens, weil die Negermas sen für hundert Jahre, wenn nicht als Sklaven, so doch wie Sklaven von den Weissen behandelt wurden. Sie hin. gen in ihrer schmalen Existenzmöglichkeit von der Gunst oder Ungunst der weissen „Machtstruktur' bzw. ihren tonangebenden Vertretern ab. Hinzu kam das Wirken der Ku-Ktux-Klaner, die ungestraft ..Widerspenstige' , „nichtkonformistische' Neger aus den Häusern schleppten, sie auspeitschten und oft erhängten. Die Furcht der Neger war nur zu sehr be gründet Ein Neger könnt? vor den weissen Geschworenen weder als Ankläger noch als Angeklagter Recht finden. Die gesetzliche Aenderung dieses beschämenden Zustandes beschäftigt zur Zeit Senat und Haus in Washington. Die Elemente der Furcht sind in einem grossen Teii der Südstaaten im Abebben aber für Mississippi und Alabama gilt das noch nicht obwohl auch hier bei den letzten Stichwahlen das erste Mal ein Neger zum Polizeidirektor eines grossen Landbe zirks gewählt wurde;- Der Durchbruch für die Linie der Gemässigten im tiefen Süden ist aber viel schwieriger und langsamer als etwa in Virginia, den Karolinas usw. ★ War Furcht mitentscheidend für das Überaschende Wahlergebnis am 1. Juni in der Dominikanischen Republik, da wider Erwarten Dr Joaquin Balaguer mit erheblicher Mehrheit in einer an: scheinend freien Wahl zum Präsidenten gewählt wurde’ Gewiss, es ist nicht verwun derlich, dass die traditionell konservative Landbevölkerung Balaguer ihre Stimme gab. Man hatte jedoch angenommen, dass Juan Bosch in allen Städten mit überwiegender Mehrheit gewählt und so der Vorsprung Balaguers auf dem Lande aufgewogen werden würde. Das war aber nicht der Fall. Nur in der Hauptstadt des Landes siegte Bosch mit 143.000 gegen 85.000 Stimmen, in allen anderen Städten wurde Balaguer mit Mehrheit gewählt. Balaguer ist nicht nur ein Konservativer, sondern auch einstiger Freund des Diktators Trujillo, in dessen Namen er für einige Zeit Präsident des Landes war, und selbstverständlich ist Ba laguer das Lieblingskind der Generäle und Offiziere. Wer Zeuge jener Volkserhebung in der Dominikanischen Republik im vergangenen Jahr war, wer wusste, dass die Rebellen um ein Haar gewonnen hätten, hätten nicht die Vereinigten Staaten unter einem Vorwand die verhassten Marinesoldaten in das schwergeprüfte Land geschickt, der hätte angenommen, dass Bosch das Rennen .leicht'’ machen würde. Furcht ermordet zu werden, hinderte Bosch, ins Land zu gehen und zu den Wählern direkt zu sprechen. Er benutzte das Radio, um an seine Anhänger zu appellieren. Furcht war sicherlich auch ein Grund für die Tausende gemässigter Wähler, die im Falle einer Wiederwahl Bochs einen neuen Aufstand neues Blutvergiessen, erneute et- Schütterungen der langsam einsetzenden Normalisierung in der Dominikanischen Republik voraussahen — und so wählten sie, nicht aus Ueberzeugung, sondern aus „Vernunft“ , den konservativen. Balaguer, von dem sie wissen, dass er, obwohl das in der Wahlkampagne peinliohst verschwiegen wurde, die Un terstützung der Vereinigten Staaten habe. Die offizielle USA hat sich in den letzten Wochen und Monaten gehütet, Partei zu ergreifen; aber die amerikanische Linie war nicht ganz der nach der Befreiung Deutschlands unähnlich, als Gewerkschaftler und Sozialdemokraten sich wunderten. wie schnell eine Anzahl der mitschuldigen Totengräber aus der Nazizeit von den Amerikanern in Gnade aufgenommen wurde. ★ ln einer der letzten Gal- <up - Volksbefragungen in USA, ob die Amerikaner mit, dem, was Johnson tut, zufrieden seien, haben nur 46 Prozent mit Ja, 34 Prozent mit Nein und 20 Prozent mit Ich-weiss-nicht geantwortet. Interessant ist, dass die Masse der Ja-Sager in der Mehrheit der -nichtakademischen Welt der USA angehört. Als ob es dieses Beweises nooh bedurft hätte, haben 6.400 Akademiker von Universitäten in 39 Staaten drei grosse Seiten der „New York Times“ bepflastert, um den Präsidenten zu ersuchen, von seiner unheivollen Vietnampolitik abzulassen; aufzuhören, den Norden und Süden zu bombardieren; zu erklären, dass er bereit wäre, mit Mitgliedern der Nationalen Befreiungspartei zu verhandeln, nicht in inneren Angelegenheiten des Landes zu intervenieren (seine politischen Auseinandersetzungen) und endlich sich zu „überlegen“, ob die Zeit des militärischen Rückzuges Amerikas aus diesem Gebiet nicht gekommen sei. Diese „Annonce“ wurde von den Unterzeichnenrn mit 20.840 Dollar bezahlt. Eine Analyse der Unterschriften ergibt, dass 3.958 Unterschriften von 180 Hochschulen und Universitäten stammen, darunter von zwei Universitätspräsidenten und 20 Rektoren als Unterzeichner. 190 Professoren kommen von der New Yorker Columbia, 176 von der Harvard Universität, 165 von der New York Universität, 140 vom N. Y. City College und 131 von der Universität in Kalifornien. Ia der Geschichte der politi. sehen Anzeigen ist es das erste Mal, dass eine Gruppe volle drei Seiten eines Welt blattes gekauft hat. Die Namen der Akademiker, die aut den Seiten der N Y. Times erscheinen, repräsentieren in der Tat einen wesentlichen Teil der akademischen Familie der USA, von der man weiss. dass sie schon frühzeitig gegen die Intervention in Vietnam opponierte. Von den 6.400 Männern und Frauen, darunter Geistliche aller Konfessionen. Mitglieder jeder denkbaren wissenschaftlichen Institution, kann man wohl mit Recht sagen, dass sie keine Furcht hatten eines der wichtigsten demokra. tischen Elemente in die Tat umzusetzen: der Meinungs - freiheit Ausdruck zu geben, wie es ihr Gewissen diktiert! Unglaublicher Vorfall In einer Versammlung der neonazistischen „Nationaldemokratischen Partei' in Waiblingen (Baden-Württemberg > ist es zu unglaublichen Vorfällen gekommen. Karl Weinrebe. Mitglied des erweiterten Vorstandes der NPD in Baden-Württemberg, rechtfertigte unter dem tosenden Beifall der Anwesenden die Judenverfolgungen im 3. Reich, die er als „unvermeidlichen Notwehrakt der überfallenen Nation“ bezeichnet hatte. Ein Student, der gegen diese schamlose Hetze protestieren wollte wurde niedergebrüllt und tätlich bedroht. Man senrie ihm: „Verfluchte Judensau- , „Verräter!'' „Gekauftes Schwein“ und ähnliche Liebenswürdigkeiten zu Eine Gruppe drang mit den Rufen; „Hängt den Lumpen auf!“ zum Rednerpult vor. Weinrebe, der als fanatischer Antisemit bekannt ist ist bis jetzt von seiner Partei mit keiner Silbe desavouiert wotden. „Die Stunde der Abrechnung naht!-' hat Weinrebe noch geschrieen, „die nationale Welle ist schon im Anrollen! Bei den Wahlen von 1969 werden wir 50 Abgeordnete haben und dann werden wir ihnen zeigen, aus welchem Hofe wir geschnitzt sind.“' KURT KAISER-BLUETH Diplomatische Offensive j Jerusalem. — „Lamerjaw“, das Organ der Aohdut j Awoda meldete, dass Ministerpräsident Levi 1 Eshkol beabsichtigt, den Präsidenten de Gaulle um eine Uni- ■ terredung zu bitten. Bei dieser Aussprache will Eshkol, ] so heisst es, Frankreichs Verhalten zu dem Wunsch Ts- 1 raels analysieren, in den Gemeinsamen Europamarkt als indirektes Mitglied aufgenommen zu werden. j Im israelischen Aussenministerium war kein Korn. 1 mentar zu dieser Information zu erhalten. Allerdings ' I gaben die Beamten zu, dass Israel binen kurzem eine 1 gaben cie Beamten zu. dass Israel binnen kurzem eine * ~.J Hauptstädten der sechs EWG-Staaten zu unternehmen;J plant. Israel ist von den mageren und entmutigenden ■ 1 Resultaten enttäuscht, die seine langen Bemühungen ■ ' j zur Herstellung von Beziehungen mti dem Europamarkt \ I bisher ergeben haben. (ITA) k I Von den Juden in Russland Wien. — Der 8 Kongress der Soziale‘ischen Jugend schloss mit :,;ner Resolution, in der „die ion der sowjeti sehen Regit -ung der jüdischen Minorität auferlegten kulturellen Beschränkungen“ bedauert we.-den. Die Resolution fordert dass der, russischen Juden die in der sowjetischen Verfassung verbürgte Möglichkeit geboten wird, „an ihrem eigenen kulturellen Leben in gleicher Weise teilzunehmen, wie dies die anderen Minoritäten tun dürfen.‘‘ Ebenso ergeht der Appel! ■ an die Sowjetbehörden, den russischen Juden auf ihren Wunsch das Verlassen des Landes zu gestatten, damit sie sich mit ihren Familien an dem von ihnen gewählten Ort vereinigen können. SEHNSUCHT NACH JUEDJSCHER KULTUR New York. — Trotz Kontrolle, geringer literarischer Tätigkeit und einer entmutigenden Politik ist die einzige erlaubte, in jiddischer Sprache in Sowjetrussland erscheinende Zeitschrift „Sowjetisch Heimland“ als eine „positive Erscheinung'' zu werten, denn sie bietet „.einen, wenn auch leider nur dürftigen Beweis von der un. besiegbaren Vitalität des jüdischen Geistes-'. Zu dieser Schlussfolgerung gelangt eine 64 Seiten lange Analyse der erwähnten Zeitschrift, die von Dr. William A. Wexler, dem Präsidenten der Bne Brit veröffentlicht worden ist. Die Analyse, deren Verfasser der verstorbe-i ne amerikanische jüdische Journalist Joseph Brumberg und sein Sohn Abraham sind,- wurde von der Liga gegen Diffamierung des internationalen Ausschusses der Bne Brit herausgegeben. Abraham Brumberg ist Chefredakteur, einer Publikation des USA- Informationsbüros, die unte*" dem Namen „Probleme des Kommunismus“ erscheint. Beide Autoren stellen in ihrem Bericht fest, dass trotz der von dem Herausgeber des Blattes „Sowjetisch Heinaiand-' ausgeübten Kontrolle und der Angst, in der rutturgemäss jeder jiddisch* Schriftsteller in Russland, lebt, trotz ideologischer Ermahnungen und indirekter Drohungen, in den Seiten dieser Zeitschrift immer wieder gelegentliche Abschnitte zu finden sind, in denen Juden ihrer Sehnsucht nach einer positiveren Form jüdischen Lebens Ausdruck verleihen. (ITA) Schulbesuch Tel Aviv. — Heute besuchen 729.000 Kinder, Schüler und Studenten die Lehranstalten in Israel. Diese Zahl verteilt sich wie folgt: Kindergärten 97.000, Gemeindeschulen 475 000, Gymnasien | 120.000, Fachschulen 8.<W9= Lehrerseminare 7.000, Hoch« schulen 22.000. Das Erziehungsbudget des Landes beläuft sich auf 456 Millionen IL. (ITA) Vorschlag eines Dialogs i New York. — Dr. Alberto Abdala, Mitglied der uru- ‘ guayisehen Regierung, der nach einer Europareise in . New York ankam, befürwortete einen „Dialog zwischen- Israet und den arabischen Staaten, um den Frieden herzustellen''. Er sprach auf einem Bankett, zu dem er von der Konferenz der wichtigsten jüdischen Orga-J nisatiouen in Nordamerika eingeladen wurde. Sk verwies auf die „komplementären Interessen“ beider Völ-.j ker, denn Israel brauche den Frieden, um seinen Aufbau wtiterzuführen, und die Araber, um sieh frei von! Diktatoren und internationalen Intrigen dem Fort-“S schritt zu widmen. "] Dr. Abdala, der libanesischer Abstammung ist, baOd die nordamerikanischen Juden, sich ihm zu „einem gro-J ssei Feldzug für den Frieden im Mittelosten'- analschliessen. „Wir alle-', führte er aus, „sind durch Ban- „ de des Blutes und der Religion mit dieser Region verbunden, und wir müssen uns für eine Lösung einsetzen, die für den Weltfrieden von grösster Wichtigkeit „ ist.'- Er fügte hinzu, er spräche im Geiste des Präsiden- ■ ten Bourguiba und trete für konstruktive Schritte ein, um den Frieden zwischen Israel und seinen Nachbarn herbeizuführen. (ITA) eso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831

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