Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2171 (10.6.1966)
- Date
- 1966-06-10
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9616703-9615320-9615505--4390-9615513- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
FRANQUEO PAGADO o c Concesión 908 Ï? c o *«* °¿ s < O TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 MANA ISRAELITA Año XXVII. BUENOS AIRES, VIERNES 10 BE JUNIO BE 1966 N* 2171 EL EJEMPLArIC en toda la República | PUEYRREOON 2190 1* i«,. T.E. 83 - 2613 Buenos Aires r>» Die grosse Revolution Man spricht viel von der Industriellen Revolution uni geht an der Tatsache vorüber dass eine mindestens ebenso gewaltige Revolution in der Landwirtschaft stattfand. Eier Bauer mit seiner gemischten Wirtschaft tritt in den Hintergrund, und mehr und mehr geht die Landwirtschaft in die Hände von Grossbetrieben über, die unter Einsatz von gewaltigen landwirtschaftlichen Maschinen Riesenflächen bearbeiten und bei wesentlich kleinerem Einsatz an Arbeitskräften ein Vielfaches der bisherigen Ernteergebnisse erzielen. Auch in Israel geht man heute in wachsendem Masse dazu über, die gemischte Wirtschaft, die man einmal als das Ideal auch für den jüdischen Bauern (der zur heimatlichen Scholle zurückkehrte) gehalten hatte, jmf Spezialprodukte umzugtellen. Auf diese Weise gelang es auch, der Landwirtschaft wieder einen höheren Anteil der Gesamtproduktion des Landes zu sichern und auch im Export — abgesehen von Zitrusexport — neue Märkte für Israel-Produkte zu erschliessen. Schon jetzt stieg die Lei stuiig des landwirtschaftlichen Arbeiters auf das Drei fache der früheren Leistung woran natürlich auch der von Dr. KURT OTTENSOOSER ( Israel) Maschineneinsatz einen nicht unwichtigen Anteil hat. Das Ziel der landwirtschaftlichen Planung ist, in den nächsten 10 Jahren die landwirtschaftliche Produktion und auch den landwirtschaftlichen Exporft mindestens zu verdoppeln, wenn nicht noch darüber hinaus zu steigern. Ja, man hält es für möglich, dass dieser Export sogar den industriellen Export (abzüglich Diamanten) einholen können wird. Schon jetzt kann die Land- Wirtschaft Israels praktisch alle Bedürfnisse des Landes an Lebensmitteln, mit Ausnahme des Brot- und Putter getreides decken und darübehinaus nicht unbeträchtliche Quantitäten exportieren. Bei dieser Umstellung der Landwirtschaft muss natürlieh auf die Knappheit an Boden und noch vielmehr den Mangel an Wasser Rück sicht genommen werden. Uni so mehr gilt es auszunützen, was das Land und besonders seine Sonne gibt. So müssen besonders Frühgemüse frühe Obstsorten und Blumen, kultiviert werden, die dank der nem schnell wachsenden Masse, wobei der Zucht unter einer Plastikdecke, oder in plastischen Treibhäusern eine wichtige Rolle zufälht Auch die wissenschaftliche Forschung steht dem Landwirt zur Verfügung, und Bauer und Wissenschaftler arbeiten eng zusammen In der landwirtschaftlichen Forschung sind heute etwa 1.000 Mitarbeiter eingesetzt, davon rund 300 erstklassig ausgebildete Wissenschaftler. Hier wird studiert, welche Sorten in weichen Gebieten die besten Ergebnisse erzielen, welche Sorten früh, welche spät reifen, wie gross der Wasserverbrauch für die einzelnen Gewächsarten ist. Die Landwirtschaft geht damit heute der Industrio auf zwei Gebieten vorbildlich voraus. Vor allem wird reichlich von den Kenntnissen der Wirtschaftler Gebrauch gemacht, um die Produktionsleistung zu erhöhen, und zweitens wird nach Spezialisten Ausschau gehalten, bei denen man den Konkurrenten bei dem Kampf um die Absatzmärkte nicht nur gewachsen, sondern mögli. cherweise sogar überlegen ist Es ist kaum zuviel gesagt, wenn ' wir behaupten, dass die Landwirtschaft für Forschung wesentlich mehr ausgibt, als die Industrie es heute tut. die damit weit hinter dem Ausland zurückgeblieben ist. DER LOKALE MARKT VERHINDERUNG VON SCHWANKUNGEN | Die landwirtschaftliche Proi duktion beläuft sich heute r . , . , | auf rund VA Milliarden IL Immer wieder mussten wir j und der griisste TeU diese,- erleben dass sa,sonma.ssig Prod,jktion findet natürlich bedingt eine Knappneit an auf dem ,okalen Markt diesem, oder jenem Gemüse nen Absatz. Israel jsfc h t eintrat, dass plötzlich in der Saison Quantitäten an den Markt geliefert wurden, die von ihm nicht aufgenommen werden und auch von der Ingrosser Konsument von Ei ern und Hühnern, ebenfalls im Obstverbrauch. Der Konsum an Fleisch, der in den letzten Jahren beträchtlich iivieru werden, aie uüiik uer ¡ *■-muwi wti ciontnen Sonne zu einer Zeit zur Blüj * ,ver‘! gewachsen war, ist zwar im te gebracht werden können wenn in nördlichen Ländern dies noch nicht der Fall ist Dies geschieht heute in eiden konnten. Heute arbeitet man intensiv daran, Gemüsesorten zu j SSAerzte als Moerder von ROBERT M. W. KEMPNER Steigen, doch hinkt Israel noch hinter anderen Län- I dern her, und das wird wohl züchten, die das ganze Jahr! auch so bleiben, da in seinem hindurch die Versorgung mit j Klima kein so grosses Be-! allen Arten von Gemüsen si- 1 diirfnis für Fleischnahrung ehern, ohne dass es dabei zu den heute so oft eintretenden starken Schwankungen in den Gemüsepreisen kommen muss. vorhanden ist. Bemerkenswert ist, dass der Konsum an Milch- und Milchprodukten in den letz ten Jahren stabil blieb, und Für den Export braucht I Israel nicht zu den Ländern men Gemüse und Obstsorj mit besonders hohem Milchten, wie Blumen, die zu einer konsum gehört. Dies wird Zeit reifen, in denen in den man aus Gesundheitsrückeuropäischen Ländern auch | sichten wohl bedauern müs Der frühere Auschwitz-Arzt Dr. Horst Schumann — der vor Jahren nach Ghana geflohen war und dort vom Regime Nkrumah geschützt wurde — wird aufgrund des Auslieferungsvertrages dei Bundesrepublik nunmehr so, . , schnell wie möglich aus Ghana von der dortigen neuen * Treibhäusern solj sen. Regierung der Bundesrepublik ausgeliefert werden. Es : Sj e Produkte noch nicht zur j muss im Moment noch mit der Republik Nigeria verhan-! Kelte gebracht werden kön j delt werden, damit der dortige Flugplatz benutzt werden ' ren“ Eme Erdbeersorte, die i REKORDLEISTUNGEN kann. Der SS-Arzt wird des Mordes an Auschwitz-Häft lingen, begangen u. a. auch durch mörderische Menschenversuche beschuldigt. Er flüchtete zunächst aus Deutschland nach dem Sudan, wurde dort aufgestöbert und ging nach Ghana, wo er jahrelang als persönlicher Arzt und Krankenhausarzt des gestürzten Präsidenten Nkrumah amtierte. Die neue Regierung in Ghana, die mit der Bundesrepublik gute Beziehungen unterhält, hatte kürzlich die Verhaftung des mörderischen Arztes und seine Auslieferung beschlossen. Bevor Dr. Schumann nach Auschwitz ging, war er schon an dem Programm für die Ermordung der sogenannten nutzlosen Esser beteiligt gewesen, das fälschlich als Euthanasie-Programm bezeichnet wird. Der „Manager“* dieses Programms war der Oberregierungsrat und Dr. jur. Gerhard Bohne. Auch seine Ankunft in der Bunüesrepu blik wird dieser Tage „erwartet“; er muss sich vor dem Schwurgericht in Limburg wegen Mitwirkung an dieser Mordaxtion an Kranken usw verantworten. Bohne w;ai nach Argentinien geflüchtet. Jetzt hat der dortige Auslie ferungssenat in höchster Instanz der von Genera Staatsanwalt Bauer beantragten Auslieferung zugestimmt. Gerhard Bohne war schon als junger Berliner Anwalt vor Hitlers „Machtantritt ‘ als Nazi-Spifzel bekannt. Er denunzierte missliebige Richter und Staatsanw'älte bei der Nazi-Zentrale; ich selost habe seinerzeit diesen Fall wäh rend meiner Tätigkeit im Preussischen Innenministerium entdeckt und in dem Buch „Justizdämmerung““ beschrie ben. Wegen Mordes gesucht werden noch immer die SS¬ Aerzte Dr. Mengele, der in Südamerika sein soll und Dr Ei&ele, der angeblich in Aegypten ist. so rechtzeitig reif wird, dass sie in den europäischen Ländern bereits zur Weihnachtszeit zum Verkauf gestellt werden kann, sichert dem Züchter einen sehr guten Preis. Dies gilt auch für frühe Schnittblumen und eine Reihe von Frühgemüsen. Der Markt für diese Produkte ist sehr gross, und in vielen Fällen konnte die Landwirtschaft die Nachfrage nicht befriedigen. Man bemüht sich aber nicht nur um Frühgewächse Zur Zeit arbeitet man eifrig daran auch eine späte Weintraube zu züchten, und die Aussichten dafiir sind recht viel verheissend. Finanzplan Auf einer Reihe ven Gebieten konnte die israelische Landwirtschaft Resultate er zielen, die zu den Weltrekorden gehören, so ist etwa der durchschnittliche Milchertrag einer Kuh pro Jahr 4.250 Liter und gehört zu den höchsten Ergebnissen in der Welt. Aehnliches gilt für die Eier- Produktion und andere Er Zeugnisse. Die Produktion durch Kooperativen (Kibbuz) und Genossenschaften, wie auch die Vermarktung durch eigene Vermarktung^ - Genossen, schäften hat sich in Israel sehr bewährt und die Umstellung auf die neuen Produktionsmethoden zweifellos! erleichtert. I Der Israel-Fachmann auf | landwirtschaftlichem Gebiet | ist heute in der Welt ange-; sehen und geschätzt und wird j von vielen Ländern als Berater und Instruktor heran- : gezogen. Es ist daher kein i Wunder, dass besonders die Jerusalem. — Eine Finanzgesellschaft will „ernste In vestitionen in Firmen vornehmen, welche an der Börse von Tel Aviv figurieren , afrikanischen T ander Ehe Gesellschafter sind die i jungen afrikanischen Lander | gern ihre Leute zur Ausbil Israel schicken, Im Nürnberger Aerzte-Prozess wurde der Luftwaffen- | Isaac Wolfson und Chartes ^d=T”apl1 ist stolz darauf Clore in Gemeinschaft mit una 1 z ’ einer Gruppe schweizer Geld geber und der Israelischen Grossbank Leunii. Die Mitteilung machte der israeli- Arzt Prof. Siegfried Raff von der Anklage des Mordes frei, gesprochen. Die Anklagebehörde konnte ihm nicht zur Ge nugtuung des Gerichts hinreichend nacliweisen, dass seine Experimente an Häftlingen zu Tode geführt haben. Als er jetzt wieder als Professor in Bonn tätig war, erhoben sich gegen seine Lehrtätigkeit ernste Proteste. Es ginge nicht ‘ sehe Finanzminister Pinchas an, dass jemand, der überhaupt mit Häftlingsexperimen- | Sapir bei seiner Rückkehr ten zu tun gehabt hätte, heute an einer Universität leb- | aus London, wo er über dieren dürfte. Ruff selbst hat aus diesen Vorwürfen Jetzt endj sen Plan Verhandlungen lieh die Konsequenzen gezogen und lehrt nicht mehr. ¡ führte. (ITA) diese Hilfe gewähren zu können. FINANZIERUNGS¬ PROBLEME In der Landwirtschaft wurden grosse Beträge investiert, und die nötigen Umstellungen verlangen ständig zu- Ein Dr. W.: — um vom jucuscn-Argentinischen Institut herausgegebene Zeitschrift „Comentario“, die 3ich im all gemeinen auf Wiedergabe von Artikeln aus der amerUcanwch-judischen Zeitschrift „Corfimentary““ beschränk: und Überhaupt den Direktiven des American Jewish Commit tee folgt, bringt in ihrem letzten Heft Nr. 47, Jahrgang 1966, einen Kommentar zum „Stellvertreter“ dem bekannten und viel diskutierten Werk Hochbuths. Der „distinguido publicista ‘ Luis de Balmaceda schreibt über das Thema einen — schwachen — informierenden Artikel, in welchem er sich eigentlich nur darauf beschänkt, einige ohnhiu bekannte Fakten aufzuzählen und sich in „Allgemeinplätzen“' zu verlieren. Comentario ist eine Zeitschrift, eie sich sonst eigentlich durch hervorragende Beiträge auszeichnet. Umso mehr muss es Erstaunen hervorrufen, aus welchen Gründen dieser Artikel veröffentlicht werden konnte. Der Bericht über das Drama „Der Stellvertreter“ ist objektiv richtig, wenn auch nichtssagend. Nur in einem Punkt können wir die Ausführungen unterstreichen. Im letzten Kapitel der Veröffentlichung unter der Ueberschrift. „En la Argentina“ wird kritisiert, dass sich die Mehrheit derjenigen, die für die Aufführung des Dramas und gegen sein Verbot Stellung nahmen, darauf beschränkt hat, auf das Recht der Meinungsfreiheit hinzuweisen, das aber auch immer dann ins Feld geführt werde, wenn es sich um die Verteidigung publizierter Naziliteratur handele. Das ist leider eine Wahrheit. Wir begrüssen, dass auch Comentario diese Auffassung deutlich ausgesprochen hat. Trotzdem trifft die generalisierende Auffassung von Comentario nicht zu. Es fehlten durchaus nicht die Stimmen, die nicht nur Presse- und Meinungsfreiheit postulierten, sondern darüber hinaus sich positiv zu der von Hochhuth vertretenen Kritik äusserten. Es ist auch richtig, dass aie Juden in dieser Debatte Zurückhaltung be. wahrten. Aber es gab auch solche, die den Mut gehabt haben, zu erklären, Hochhuth habe mit seinem Vorwurf durchaus Recht, denn der Papst hätte das Schweigen brechen und gegen den Massenmord Stellung nehmen miis sen, eine Auffassung, die auch in dieser Zeitung umner wieder unterstrichen worden ist. altes Thema sätzliche Investitionen. So wurden allein im Jahre 1964 rund 250 Millionen IL investiert, der grösste Teil davon für Bewässerungs-Anlagen, Bodenaufarbeitung und für landwirtschaftliche Maschinen, wie auch für zusätzliche Gebäude. An Krediten dafür standen der Landwirtschaft dabei 193 Millionen IL seitens der Banken und der Kreditkooperativen zur Verfügung. Aber in dieser Summe ist noch nicht enthalten, was die Regierung an Darlehen über die Landwirtschaftsbank gab. Für die plastischen Decken — man spricht heute gerne vom „plastischen Meer“ des Scharons und für plastische Treibhäuser wurden auch jetzt wieder sehr beträchtliche Summen investiert, Die Regierung gab hierzu Sonderkredite, 240 IL pro Dunam, die aber als Prämie aufgerechnet werden, wenn durch diese Anlagen der Exporterlös des Landwirts entsprechend grösser wurde. Das Einkommen des Landwirts ist in den letzten Jahren nicht unbeträchtlich über den allgemeinen Durchschnitt hinaus gestiegen, aber das landwirtschaftliche Einkommen pro Kopf der landwirtschaftlichen Bevölkerung gerechnet liegt noch immer unter dem allgemeinen Durchschnitt. Dies aber ist in der ganzen Welt so, und der Landwirt findet eben seinen Ausgleich durch die ideelle Befriedigung, die diese Arbeit dem Menschen durch die enge Verbindung mit dem Boden gibt. NEUE SYRISCHE PROVOKATIONEN Tel Aviv. — Ein neuer Zusammenstoss ereignete sich in der Nacht vom vergangenen Sonntag, als syrische Artillerie im Grenzgebiet das Feuer gegen eine Gruppe israelischer Arbeiter in der Gegend von Aschmora eröffnete. Die Syrer benutzten automatische Waffen. Israelische Truppen erwiderten das Feuer und beobachteten, dass einige syrische Felder in Brand gerieten. Auf israelischer Seite waren keine Opfer zu beklagen. Der Schusswechsel dauerte eine Stunde, bis es den UN-Beobachtern der Waffenstillstandskommission gelang, eine Feuereinstellung zu erreichen. Am Dienstag beschossen Einheiten der syrischen Armee zum zweiten Mal israelische Arbeiter in Aschmora. Einige israelische Getreidefelder fingen Feuer, da sich die Flammen von den syrischen Böden her ausgebreitet hatten, wodurch etwa 45 Hektar in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Schäden werden mit 26.000 Dollar beziffert. Radio Damaskus gab bekannt, dass Achmed Schukairy, der Chef der „Organisation zur Befreiung Palästinas“ der syrischen Regierung sein Heer angeboten hat, um es gegen die „Zusammenziehung israelischer Truppen an der Grenze Syriens“ einzusetzen. Wie verlautet, befinden sich 6.000 Mann dieser Armee in Syrien, die aus den arabischen Flüchlingen in Palästina aufgestellt worden ist. (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual 888.707