Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2169 (27.5.1966)
- Date
- 1966-05-27
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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O -, o C m £ ~ _ t \ «■» V u c < 0) O FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 SEMANA ISRAELITA Año XXVII. BUENOS AIRES, VIERNES 27 DE MAYO DE 1966 No 2169 EL EJEMPLArIC en toda la República | Ji"* PUEYRREDON 2190 1» izq. T.E. 83 - 2613 Buenos Aires Abba Ebans Aassenpolitik\F™*™:itl°lea In der Einschätzung der Möglichkeiten und Begrenzungen der israelischen Aussenpolitik herrschte bisher bei den Parteien von weit rechts bis weit links vielfache Uebereinstimmung. Kann die kiirzliche Knesset-Debatte im Anschluss an Abba Ebans Budgetrede als Anzeichen fiir einen Wandel dieser Grundhaltung gesehen werden? Schon bei der Debatte über den von Gachal und RAF! früher eingebrachten Misstrauensantrag gegen den Aussenminister, weil er angeblich in einem ,,Le Monde“1- Interview die Politik Ben Gurions als ..abenteuerlich1“ und die Linie Begins als ,,ex tremistisch-“ gebrandmarkt hatte, platzten die Gegenstäze nart aufeinander. Aber im Grunde ging es nicht um die zukünftige Linie, sondern um die Beurteilung der bisherigen israelischen Aussenpolitik. Und das liess den alten Kämpen Ben Gurion nicht ruhen, nunmehr seinerseits in die Debatte einzugreifen und als Erster die Tribüne der Knesset zu besteigen. nicht ohne eine höfliche Verbeugung vor Gachal. dass diese grösste Oppositionspartei ihm ganz gelitik der Abenteuer betrieben zu haben. Er erinnerte Aoba Eban daran, dass dieser selbst als Mitglied der Knes- I sete unter BG Israels aussen- Ebans Rückkehr aus Warschau Tel Aviv. — Möglicherweise wird es einige Aenderungen in der israelischen Politik zum osteuropäischen Block als Resultat der dreitägigen Besprechungen zwischen Ausser.minister Abba Eban und den in jenen Ländern akkreditierten israelischen Diplomaten geben. Dies erklärte Eban bei seiner Rückkehr von seinem Besuch in Warschau, dem ersten, den ein israelischer Aussenminister einem kommunistischen Land abgestattat hat. Abba Eban berichtete, dass die Lage in den sieben Ländern Osteuropas einer „sorgfältigen Prüfung1unterzogen wurde und ..gewisse Vorschläge“ zur Folge hatte. Er erwähnte auch seine beiden Gespräche mit dem polnischen Aussenminister Adam Rapacki. bei denen „eine grosse Zahl von Fragen der Weltlage und unsere gegenseitigen Beziehungen erörtert wurden.“ Der Aussenminister lehnte es jdoch ab, über die behandelten Fragen im einzelnen Auskunft zu erteilen. (ITA) gen die Gewohnheit den Vortritt gelassen hatte. Mit aller Entschiedenheit verwahrte sich Ben Gurion gegen den Vorwurf, eine Po- RECHTE DER RUSSISCHEN JUDEN von BORIS SMOLAR Die Jüdische Konferenz Nordamerikas über die sowjetische Judenheit hat auf ihrer kiirzlichen Tagung, an der 24 jüdische Organisationen aus den Vereinigten Staaten teilnahmen, über einen Vorschlag zur Aufbringung von 500.000 Dollar beraten. Die Summe soll für die Finanzierung einer koordinierten Kampagne gegen die religiösen und kulturellen Beschränkungen dienen, denen die Juden in der Sowjetunion unterliegen. Nicht alle auf dieser Konferenz anwesenden Delegationen stimmten diesem Vorschlag zu, während ihn andere entschieden verfochten und sich erboten, Beiträge für einen solchen Fonds zu leisten, damit Gelder vorhanden sind, um die öffentliche Weltmeinung ständig über die religiöse und kulturelle Unterdrückung der russischen Juden zu unterrichten. Verschiedene Konferenzteilnehmer wiesen darauf hin. dass aus einer Reihe von Ereignissen, grossen und kleinen, im letzten Jahr zu entnehmen war, dass sich die Lage der Juden in Russland grundlegend gebessert habe. Dies führten sie darauf zurück. dass sich die sowieti sehe Regierung nicht völlig den Protesten verschliessen konnte, die aus aller Welt gegen die Behandlung ihrer jüdischen Bürger erhoben wurden. Ihrer Meinung nach wäre noch mehr zu erreichen. wenn die Aufgabe, die zivilisierte Welt laufend über die die russischen Juden betreffenden Geschehnisse zu informieren, nach einem koordinierten Schema durchgeitilirt würde. Die Konferenz erarbeitete feine Analyse, um darzulegen,' in welchem Masse und auf welche Weise die vorsichtigen Hoffnungen auf eine Aenderung der den Juden gegenüber befolgten Politik auf Tatsachen beruhen, um zu einer realen Beurteilung der heute herrschenden Situation zu gelangen. Es wurde festgestellt, dass Moskau auf die vom Ausland erhobenen Proteste gegen den sowjetischen Antisemitismus recht empfindlich reagiert und diese Wirkung in drei Etappen ihren Ausdruck gefunden hat. Zuerst versuchten sowjetische Sprecher einfach die Beschwerden glatt zu ignorieren. Diese Phase nahm vor zwei Jahren ein Ende. Hiernach schritten die Sowjetbehörden zu einer offenen Gegenoffensive, indem sie zu beweisen versuchten, dass die Assimilation der Juden freiwillig geschah und wie stark der jüdische Anteil im Leben des Landes war. Schon vor anderthalb Jahren mussten die sowjetischen Politiker erkennen, dass ihre Methode keinen Erfolg hatte. So traf Moskau andere Beschlüsse, die die dritte und heutige Etappe einleiten. Jetzt kann man einige symbolische Konzessionen fest - stellen, die teils in Verspre chen. teils in tatsächlichen Erleichterungen bestehen und die zu einer Linie ge führt haben, welche in recht \ SDitzfindischer Prooaganda die erweckten Hoffnungen | auszubeuten versucht. Das bedeutsamste Ereignis der letzten Monate war die ] Aufhebung des Verbote, Mazzot zu backen. No:h grössere Bedeutung Kommt jedoch der öffentlichen Verdammung des Antisemitismus durch den icsvjatischen Ministerpräsidenten Kosygin zu, die er in einer Rede in Riga aussprach, und dem kurz hierauf auf der Titelseite der ,,Prawda‘‘ publizierten Artikel, in dem das Volk der Sowjetunion daran erinnert wurde, dass Lenin jedwede Form von Antisemitismus „mit Zorn angriff“. politische Aktionen von 1948 über 1956 bis vor zwei Jahren zugestimmt habe; Ebans ,,präzendenzloser“ Seitennieb auf die damalige Politik sei also offenbar auf den Einfluss Levi Eshkols und seines Adlatus Schapiro erfolgt. Damit brach bei Ben Gurion wieder die unsägliche Erbitterung über den Premierminister und den Justizminister durch, die er fiir die Spal tung der Mapai verantwortlich macht und für die Weigerung, die „Affäre“ (La- I von) wiederaufzurollen. Und damit mundete eigentlich die; aussenpolitische Debatte wie- 1 derum in eine innerpoliti-; sehe, und alte Wunden brachen wieder auf wie bei jeder geeigneten und nicht geeigneten Gelegenheit... Das dürfte man im Ausland licherlich ebenso gebührend zur Kenntnis nehmen wie Abba Ebans ausgewogene, nach Ansicht der Rechtsopposition etwas zu akademischen Ueberblick über die aussenpolitische Situation, die sich im letzten Jahr jedenfalls nicht verschlech tert hat. Und das ist sicherlich auch ein Erfolg! Heute der Welt verkünden zu können, Israels Bereitschaft und Streben sind wie eh und je auf den Frieden mit den Arabern gerichtet, aber für die Existenz des jüdischen Staates ist der Frieden nichf mehr Vorbedingung — das ist ein stolzes Wort. Es findet seine Grundlage in der ständigen Verbesserung der militärischen Schlagkraft Israels, die zweifelsohne abschreckende Wirkung hat Sie wäre jedoch unzulänglich, wäre sie nicht gekoppelt mit vorsichtig-lavierender Diplomatie, die nun ih rerseits wieder auf einem Axiom beruht: auf der Erkenntnis nämlich, dass — wie Eban es ausdrückte — heute quasi zum eisernen Bestand der internationalen Diplomatie der Grundsatz gehört, Grenzen souveräner Staaten dürfen nicht mit Gewalt geändert werden Ir> dieser Ablehnung von Gewaltmassnahmen, in dieser uneingeschränkten Brand markung einer auch nur geplanten Aggression sind sich heute die USA und die Sowjetunion, der Westen und der Osten (ausgenommen China) einig. Keiner will den Selbstmörder spielen oder anderen gestatten, sich auf selbstmörderische Unternehmen einzuiassen. „In unserer Generation fällt die Ent. Scheidung: entweder gelingt es der Menschheit, den globalen Krieg abzuschaffen oder der globale Krieg wird die Menschheit zum Erlöschen bringen.“1 Wer die Auslassungen Nassers über die Jahre verfolgt, und wer den ständigen israelischen Friedensbeteuerungen lauscht, wird ein wenden: Worte, nichts als Worte. Gerade erst vor kurzem erging sich der ägyptische Diktator wieder in wütenden Hasstiraden gegen Israel, und in wohlorganisierten Sprechchören kam das begeisterte Echo der ihm begierig lauschenden Volksmassen. Auf der anderen Seite steht der Diplomat Abba Eban, wiederum Oelzweig und Friedenspalme schwenkend. Kann man sich in einer solchen Situation, in der Israelis und Araber offensichtlich immer nur aneinander vorbeireden, wundern, wenn ein Abie Nathan einen unkonventionellen Ausweg aus der Sackgasse sucht und begeisterte Zustimmung findet? Es ist ja nicht nur der Wagemut und das Abenteuer, die der Jugend hüben und drüben imponieren, sondern auch der Versuch, die Mauer der offiziellen Diplomatie zu durchbrechen. Die Weltgeschichte wickeH Friedhofs- und Grabsteinschändungen gehören in der Bundesrepublik seit vielen Jahren zur Tagesordnung. Diese Feststellung, an der leider irgendwelche Zweifel nicht möglich sind, wirft seit langer Zeit einen schwarzen Schatten auf das neue Deutschland, das sich von seiner Vergangenheit und Geschichte im Dritten Reich bei jeder Gelegenheit zu distanzieren bemüht. Dass dieses Begehren der verantwortlichen Stellen und der führenden Parteien aufrichtig ist, dürfte als eine reale Tatsache ohne Diskussion angenommen werden. Aber dass diese Neuorientierung allein schon genügt, dass ein Bruch mit der Praxis und den Vorstellungen des NS-Regimes allein noch nicht genügen, um einen wirklichen Wandel in der Grundhaltung eines Volkes herbeizuführen, dürfte ohne weiteres verständlich sein. Die Frevel gegen die Toten unterstreichen diese Auffassung. Dass sich diese Friedhofschändungen ständig wiederholen, wirft nicht nur die Frage nach den Ursachen dieser Verbrechen auf, sondern verlangt auch eine Untersuchung, ob von den verantwortlichen Stellen wirklich alles geschieht, um diese Frevel aufzuklären und zu verhindern. Nachdem sich bei den letzten Wahlen in der Bundesrepublik gezeigt hat, dass eine rechteextreme Partei einen erhebliche« Zulauf hatte, der zu vielen Kommentaren in der deutschen Presse geführt hat, liegt die Annahme nsthe, dass zwischen diesen beiden negativen Erscheinungen, zwischen dem Bekenntnis eines Wählerkreises zu den alten radikalen NS-Ideen und den Verfehlungen gegen die jüdischen Toten ein unmittelbarer Zusammenhang gegeben ist. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Freiherr von Guttenberg, der einer Regierungspartei angehört, erklärte, man müsse die Entwicklung der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NDR) mit Sorge betrachten. Gewerkschaftsführer forderten gesetzliche Massnahmen gegen die NDR. SPD-Führer verlangten, man solle die Anziehungskraft der NDR auf die Jugend beachten. Die Besorgnis der drei grossen demokratischen Parteien ist begründet, nachdem der NDR bei den Gemeindewahien in Bayern 103 Mandate zufielen, sie also an allen grossen und Mittelgemeinden mit mindestens einem Stadtrat beteiligt ist, wie sie selbst meldete. Jetzt wurden auf dem jüdischen Friedhof in Dortmund 31 Gräber geschändet. Die Attentäter beschmierten die Grabsteine mit roter Farbe und zertrümmerten die Marmorumfassungen. Mitten auf dem Friedhof stellten sie ein riesiges Hakenkreuz auf. Schon einige Tage zuvor wurden auf einem in der Umgebung Dortmunds gelegenen jüdischen Friedhof 70 Grabsteine umgeworfen und zerschlagen. Dass die Täter gefasst worden sind, wurde nicht mitgeteilt. Jahre hindurch hat man in gleich gelagerten Fällen die „beruhigende“ Erklärung abgegeben, dass es sich bei den Tätern um „spielende Kinder1- oder um „Geisteskranke“ handeln würde. Niemand hat diese Behauptungen glauben können. Es musste befremden, dass deutsche Kinder auf jüdischen Friedhöfen spielen und Grabsteine, darunter sehr schwere, umwerfen würden. Hat man diesen Kindern nicht gesagt, dass sie sich andere Spielplätze und andere Spiele aussuchen sollten? Wird man wieder erklären, dass es Kinder waren, die in Dortmund die niedrigsten Freveltaten ausübten und die Ruhe der Toten störten? Wie viele Kinder sind es wohl gewesen, die 31. Gräber auf dem einen und 70 auf einem anderen jüdischen Friedhof zertrümmerten? Die Hakenkreuzfahne, die man auf einem Jüdischen Friedhof hisste, hat nicht nur die Ruh eder Toten gestört, sie sollte endlich den Lebenden zum Bewusstsein bringen, dass die alten zerstörenden Kräfte am Werke sind. Washington nimmt Stellung Washington. — Der Sprecher des State Department erklärte, dass sein Ministerium die Verbreitung der Atomwaffen in den Ländern des Mittelostens zu verhindern bestrebt sef Pressesekretär Robert McCloskey machte diese Aeusserung, der er hinzufügte dass „die Haltung der Vereinigten Staaten in dieser Frage wohl bekannt und positiv ist“. Er versicherte, dass die USA interessiert sein würden, einen Plan, den irgendjemand vorlegen würde, um die Herstellung nuklearer Waffen in Nahost zu vermeiden, eingehend zu überprüfen. Diese Kommentare machte McCloskey in Beantwortung von Fragen der Journalisten über die nordamerikanische Posit on zu Erklärungen des israelischen Ministerpräsidenten Levi Eshkol, die dieser zur Frage der Atomwaffen abgegeben hatte. (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N* 868.707 sich jedoch nicht so ab, wie der kleine Moritz sie sich vorstellt, und wie er sie zu beeinflussen sucht. Politik gleicht einem Anbohren harter Bretter mit Geduld und Augenmass, erklärte einmal Max Weber. Geduld und Augenmass sind Tugenden, wie man sie von ungestümer Jugend gewiss nicht erwarten kann, wie man sie aber vom Aussen - Ministerium eines zwar selbstbewussten aber nicht grössenwahnsinnigen Staates verlangt. Die Politik der kleinen Schritte erscheint unter den ■ obwaltenden Umständen die einzig mögliche. Ob man sich dabei auf den „Geist von Taschkent““ beruft, oder ob man eine andere Formel findet, bleibt letztlich gleich. Nicht auf die Formel kommt es an, sondern auf die beharrliche Verfolgung des Zieles unter Wahrung aller Vorsichtsmassnahmen. DELEGATION IN PARIS Paris. — Eine bedeuten, de israelische Delegation honer Staatsbeamter, die das Wirtschaftsleben Israels leiten, befindet sich auf Einladung des französischen Aussenministeriums in Paris. An ihrer Spitze stehen David Gotan vom Finanzministerium und Avi Schluch vom Aussenministerium. Der sechsköpfigen Delegation gesellten sich in Paris drei weitere Diplo maten zu. Aufgabe der Delegierten ist, gemeinsam mit den französischen Repräsentanten die Möglichkeiten einer noch engeren Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern in Handel und Industrie zu prüfen. (ITA)