Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2167 (13.5.1966)
- Date
- 1966-05-13
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Viernes, 13 de Mayo «le 19*66 SEMANA ISRAELITA Ajio XXVII. — N<< 2167 Ereignisse der Jubilaeum einer Zeitung Die ..Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutsch land‘\ die in Düsseldorf erscheinende jüdische Wochen, schrift, hat vor kurzem ihr 20jähriges Jubiläum begangen. Die Zeitung wurde von Karl Marx in einer schweren Zeit begründet, als das Schicksal des jüdischen Volkes und der in Deutschland befindlichen Juden noch ungewisser als heute war. Wuss te man doch nicht, ob Juden sich dazu entschliessen könnten, in diesem Land zu bleiben. in dem sie sich durch Zufall bei Kriegsende aufhielten. unter ihnen solche, die während des Krieges versteckt gelebt haben, die in deutschen KZ befreit worden sind, die dorthin aus anderen Gründen verschlagen wurden. Ohne dass diese Prag« ent. schieden worden wäre, entschloss sich Karl Marx zur Herausgabe der Wochenzeitung oder der Allgemeinen, wie man sie zu nennen pflegt, um ein Informationsorgan für die „Uebrig-Gebliebenen‘‘ zu schaffen, das ihnen zugleich als Orientier :ng dienen sollte. Die persönlichen Fähigkeiten des Journalisten und des Politikers Karl Marx und das grosse Talent seiner Frau Lilii machten aber aus dieser Zeitung mehr als ein Informa tionsorgan für Juden oder verzweifelte Juden, denen sie einen Halt boten. Sie schufen eine Zeitung, die zugleich von der desorientierten deutschen Umwelt und später von der neuen deutschen Republik beachtet worden ist und einen wichtigen Einfluss auf die öffentliche Meinung in der Bundesrepublik ausgeübt hat Die Wertschätzung, deren sich diese Zeitung in deutschen Kreisen erfreut, die Beachtung, die sie in der jüdischen Welt gefunden hat. ihre Stimme für den Staat Israel und die Interessen des jüdischen Volkes haben die Allgemeine zu einem wichtigen Organ und Bestandteil des zeitgenössischen indischen Lebens gemacht. Journalist Marx Persönliche Freundschaften zwischen Gleichgesinnten sind nicht selten; sie sind eine .normale' Erscheinung. Persönliche Freundschaften zwischen Menschen verschiedener Gesinnung, Lebensanschauung und politischer Ansichten sind selten Ohne zu werten, möchte ich meinen, dass sie wertvoller sind als bei Uebereinstimmung persönlicher Gefunle und sachlicher Auffassungen. Die Jüdische Wochenschau und ihr Herausgeber vertreten sehr häufig ganz anoere Ansichten als die Allgemeine und Freund Marx. Aber das war immer so und hat eigentlich niemals den persönlichen Bindungen einen Abbruch getan «nd das war gut. In einer schweren Zeit leinten wir uns kennen, bei der Zweiten Weltkonferenz des Jüdischen Weltkongresses in Montreux (1948- Die Turbulenz der Nachkriegszeit hatte sich noch nicht gelegt. Alles war noch im Werden. Viele derjenigen, die damals die Juden aus Deutschland vertraten, sind längst anderswo. Die meisten DP’s haben Deutschland ver lassen. Norbert Wollheim, der | Freund aus dem anderen Lager der Jugendbewegung mutiger Vorkämpfer für jüdisches Recht, lebt in den USA. Josef Rosensaft, der kleine tapfere Chef der Ju den im KZ Bergen Belsen, ein Mann von grosser Unerschrockenheit, lebt in Israel. Der ehemalige bayerische Kommissar Auerbach, eine schillernde Persönlichkeit und Mischung von Charakter und Schwäche, lebt nicht mehr, ein Spätopfer der Verfolgungen, und so viele andere. die ich damals traf | wiedersah oder kennen;ern te. Und dann war dort ein Karl Marx, noch jung, sehr lebhaft, zurückhaltend, die deutsche Position bejahend als solcher damals eigentlich ein Einzelgänger. Auch er war Erscheinungen wie den damaligen jüdischen Kommissaren im Grunde genommen skeptisch gegenüber In Montreux waren zwei er schienen, Auerbach aus München und Eppstein aus Frankfurt; ob es mehr gab, erinnere ich mich nicht. Marx sah seine Verpflichtung und Chance, dort in Deutschland zu bleiben und .auszuhalten', wie er sich ausdrückte. Er sah seine Aufgabe darin, eine jüdische Position in Deutschland zu verteidigen; für ihn war das kein Tdeal. sondern die Er füllung einer de facto vorhandenen Pflicht. Aus dieser Sicht entstehen die Meinungsverschiedenheiten. die auch noch heute bei allem gegenseitigen Ver ständnis der Standpunkte vorhanden sind. Anerkennungen Die Bemühungen Marxens um die jüdische Position in Deutschland, um die Bezie- Woche , hungen zu Israel, um die Wiedergutmachung sind nich. ( zu verkennen. Ohne Zweifel I ist er derjenige der ir. j Deutschland lebenden Jui den, der nicht nur allein die! se Erfolge für sich beansprui c-hen kann, sondern der auch I heute noch die Verbindungen zu den entscheidenden Kveij sen aufrecht erhält onne j hierbei die Verdienste eini; ger Funktionäre einschrän. | ken zu wollen. Aber Marx j hat einmal mehr bewiesen, dass der Presse der eit.sc hei; dende Einfluss zufällt wenn sie richtig geleitet ist. j Selbstverständlich haben; die deutscnen Kreise die I’ä | tigkeit Marxens immer höher eingeschätzt als die jüdi sehen. Das liegt in der Natur dei Sache; der Prophet gilt immer mehr ausserhalb seines Vaterlandes. In einem Ehrenbuch das für Marx herausgegeben worden .st haben die führenden Männer der Bundesrepublik, an ihrer Spitze Adenauer, die Persönlichkeit von Karl Marx gewürdigt Anerkennung kann ein Mensch aber auch bei denen finden die gegen seine Anschauungen opponieien, oder die nicht in allen politischen Frage mit ihm übereinstimmen. Wir anerkennen die Geradlinigkeit Marxens auch dort, W’O er irrt. Selbstverständlich hat auch eine liberale, freie Presse die in einem Land ohne Zensur ar beitet, gewisse Rücksichten zu nehmen. Deswegen Kann es sein, dass die Meinung des Menschen Marx mitunter garnicht so weit von der Meinung entfernt ist. die in diesen Blättern zum Ausdruck kommt, nur kann man dort das nicht sagen, was hier zu eagen möglich ist. Das ist auch für jede andere Presse denkbar, keinesfalls nur für unsere jüdische Presse zu berücksichtgen. die sich durch Mut und Entschiedenheit im allgemeinen auszuzeichnen pflegt: vor allem durch den Mut zur Unpopularität. Wir wollen diesen Glückwunsch zum 20jährigen Bestehen der Allgemeinen nicht zum Anlass einer Diskussion nehmen, obwohl auch dies nützlich sein könnte. Wbwollen wünschen dass Kar’ Marx zusammen mit seiner Gattin noch viele Jahre seine wertvolle Arbeit fortsetzen kann. Tagung der DAIA Die DAIA wird vom 21. bis 24. Mai eine territoriale Kon. Die Einheitskampagne teilt mit: Die Tisch-Aktion der Einheitskampagne an den Sonntagen 15. und 22. Mai ist in diesem Jahr CHAJ des Staates Israel von besonderer Bedeutung, da das persönlicne Erscheinen bei den Annahmestellen, die in der Zeit von 10—12 Uhr bei allen unseren Gemeinden eingerichtet sind, ein Beweis der Solidarität des Gebers mit dem einzigartigen Aufbauwerk des jüdischen Staates darstellt. JEDER sollte daran denken, dass seine spontane Selbstbesteuerung unseren unermüdlichen ehrenamtlichen Mitarbeitern ihre Arbeit erleichtert und dadurch auch Zeit gewonnen wird, Säumige zu besuchen. JEDER sollte auch überlegen, dass seine SELBSTBESTEUERUNG eine würdige und seinen wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechende sein sollte, da die Einheitskampagne keine Samm lung neben anderen — immer wichtigen — ist, sondern die finanzielle Mobilisierung des gesamten jüdischen Volkes für eine heilige Aufgabe darstellt. JEDER sollte auch wissen, dass Quotenzahlungen viel Arbeit und Unkosten verursachen und deshalb seine SELBST. BESTEUERUNG auf einmal zahlen, JEDER sollte dadurch Mitarbeiter des Keren Hajessod sein, dass er seine Verwandten und Freunde auf die Notwendigkeit einer SELBSTBESTEUE¬ RUNG für die Aktion Chaj der Einheitskampagne aufmerksam macht. JEDER soll das Bewusstsein haben, dass die Menschen, die beauftragt sind die Einheitskampagne durchzuführen, in dieser oft undankbaren Arbeit eine jüdische Verpflichtung sehen und mit Recht erwarten können, dass ALLE, aber auch wirklich ALLE in diesem Jahr CHAJ eine würdige Antwort auf den an sie ergangenen Appell geben. vention in Mendoza abhalten. Das umfangreiche Programm sieht eine grosse Reihe von Referaten und Kornmissionsberat ungen vor. U.a. werden auf dem Bankett der Konvention der Gouverneur der Provinz Mendoza, Ing. Francisco J. Gabrielli, der gewählte neue Gouverneur Dr. Emilio Joffre, der Botschaftsrat Israels, Dr. Gefen, der Präsident der DAIA u.a. das Wort ergreifen. Der Rat der israelischen Botschaft Dr. Aba Gefen wird auf der Eröffnungsveranstaltung ebenso wie Dr. J. Goldenberg, Präsident der DAIA. Herzl Gesang Generalsekretär der DAIA, Gregorio Feingersch. Präsident des Waad Hakehillot, u. a. sprechen. Das argentinische Haus Grosse Propaganda und Trommelschlagen haben wir in den letzten Tage für das Argentinisch - Israelische Haus miterlebt. Ausserordentlich erfreulich ist das Vorhaben, ein solches Haus für Argentinien und für Argentinier in Israel zu errichten. Wenn man sich mit diesem Problem aber näher beschäftigt, tauchen einige Fragen auf, die eine korrekte Antwort verlangen Dass die leitenden Persönlichkei- (Fortsetzung der Ereignisse auf Seite 5) Literarische Notizen Kindler-Taschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN: Nr 54: HERMANN KESTEN: Meine Freunde die Poeten Essays — Nr 55: JOVCE CARY Spiel ohne Ehre Roman. Nr 56 FRIEDRICH SCHILLER: Pitaval Merkwürdi ge Rechtsfälle Nr 57/58/59 GERALD REITUNGER: Ausrottung der Juden Europas 1939—1945 Nr 60: MARQUIS DE SADE: Die Kastanienblüte uno andere Erzählungen Nr 61: DIE SIEBEN TODSUENDEN — Vierzehn Essays Nr- 63: et .TA KAZAN: Amerika - Amerika Roman Nr 64/65: HORST LANGE: Schwarze Weide. Nr 66 GEORGES BERNANOS: Ein böseT rraum Nr. 67: LEONHARD FRANK: Das Ochsenfurtei Man nerquartett Es kosten: Einfachband DM 2.50 Doppelband DM 3,80; Dreifachband DM 4,80. Bestellungen durch alle Buchhandlungen Kindler Verlag G.m.b.H., Milichen Biblioteca Ciencia e Historia de las Religi [iones dirigida por MARSHALL T. MEYER G. STEPHEN SPINKS: Introducción a la Psicología de lo Religión. lEO BAECR: Lc esencia del Judaismo (Wesen des ludentums) Grandes Epocas é Ideas dei Pueblo Judío 1 IEJEZKEL RAUFMANN: Lc Epoca bíblica II. RALPH MARCUS: La Epoca Helenística ffl GERSON D. COHEN: La Epoca Talmúdica IV. VI ABRAHAH S. HALKIN: La Epoca Judeo. Islámica CECIL ROTH: La Epoca Europea SALO W. BARON: La Epoca Moderna Peídos Buenos Aires Preisträger Professor André Weil vom Institut für Fortgeschrittene Studien an der Universität Princeton (USA), erhielt den ..Science Price-' der Jeschi wa-Universität. Monat der jüdischen Musik Für ein Konzert während des „Monats der jüdischen Musik-' in London, in dem auch der 15. Jahrestag der Gründung der Ben . Uri- Kunstgesellschaft begangen wird, wurde ein neues Werk von Wilfred Josephs in Auf trag gegeben, der 1963 den ersten Preis der Stadt Mailand in einem internationalen Wetbewerb erhalten hat Englische Anthologie Eine englischsprachige Anthologie der Werke, Aussprüche und Lehren von Raw Abraham Kook, erstem aschkenasischem Oberrabbiner Israels, wird in Israel unter Ueberwachung durch Zwi Jehuda Kook herauskommen. Man hofft, das Werk in zwei Jahren fertigzustellen. Heimindustrie Von den Wizo-Heimindustrien wurden 35 Frauen in Kiriat Gat in Bastarbeiten ausgebildet und haben im letzten Sommer eine grosse Bestellung von 4 000 Hüten mit 4.000 dazu passenden Handtaschen ausgeführt. Todesnachricht In Kiew starb Abraham Kahan. ein sowjetisch-jüdischer Schriftsteller, im Alter von 65 Jahren. Der Verstorbene stammt aus Berditschwe. Er hat viele Romane geschrieben, die sich mit dem ■ ben. Leben in Russland unter dem Kommunismus befassen. In der Sowjetpresse fand besonders sein Roman gegen Hitler, ,.Auf unserer Erde'1, viel Beachtung. Sein letztes Werk befasste sich mit dem Beilis-Prozess, dem Ritualmordprozess im zaristischen Kiew. Schachmeister von Israel Der 60 Jahre alte Jizchak Aloni hat den Titel eines Schachmeisters von Israel wiedererlangen können, den er schon zweimal innehatte. Er erhielt 11 Punkte bei 15 Spielen. Der letztjährige Meister, Josef Porat, erreichte den vierten Platz mit 9 Punkten. Auf dem zweiten Platz steht der 23jährige Schimon Gagan, ein Ingenieur, mit 10% Punkten, gefolgt von Rafi Persitz, 31 Jahre alt, mit 10 punkten. Auszeichnung für Peter Weiss Der Preis der schwedischen sozialdemokratischen Organisationen „Arbeiterbildungsvereine“ (ABF) für 1965 von 5 000 Kronen zum Zweck der Literaturförderung ist Peter Weiss zuerkannt worden. In der Motivierung heisst es, dass er den Preis für seine Beiträge als Kulturjournalist und Verfasser kraftvoller dramatischer Werke für interessante Themen erhalten hat. Bia ik arabisch Das Institut für asiatische und arabische Forschung an der Hebräischen Universität Jerusalem hat Bialik-Gedichte mustergültig ins Arabische übersetzt. Sie wurden vom Dvir-Verlag herausgege- LUACH—(KALENDER) Freitag, den 13. Mai 23. Ijar 38. Tag im Omer Sonnabend, den 14. Mai 24. Ijar Schabbat B HAR - BECHUKOSAI Haftara Jeremias, Kap. 16 — 39. Tag im Omer Sonntag, den 15. Mai 25. Ijar 40. Tag im Omer Montag, den 16. Mai 26. Ijar 41. Tag im Omer Dienstag, den 17. Mai 27. Ijar 42. Tag im Omer Mittwoch, den 18. Mai 28. Ijar 43. Tag im Omer DonnerstEig, den 19. Mai 29. Ijar 44. Tag im Omer Freitag, den 20. Mai 1, Siwan Rosch Chodesch — 45. Tag im Omer Sonnabend, den 21. Mai 2. Siwan Schabbat BAMIDBOR — Haftara Hosea, Kap. 2 46. Tag im Omer Sonntag, den 22. Mai 3. Siwan 47. Tag im Omer Montag, den 23. Mai 4. Siwan 48. Tag im Omer