Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2167 (13.5.1966)
- Date
- 1966-05-13
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9616703-9615320-9615469--4348-9615471- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2 — Viernes, 13 de Mayo de 1966 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Das ist nicht erlaubt (Schluss von Seite 1) ligkejt, die letzte diabolische Grausamkeit der Deutschen gegen unschuldige Menschen als ein Verbrechen gegen die christliche Zivilisation anzuprangern. Wir appellieren gleichzeitig an Eure Heiligkeit, einen Aufruf an alle ungarischen Christen und die Christen anderer Völker zu erlassen, damit diese ihre jüdischen Mitbürger vor dem anhaltenden Terror der deutschen Feinde der Menschheit Schutz gewähren'*. — Auch damals erfolgte keine Intervention. Verwirrendes Schweigen: Schon in den Jahren 1935/36 wurden die deutschen Bischöfe von katholischer Seite auf die verwirrenden Folgen ihres Schweigens aufmerksam. Diese Kritiker betrachteten die Frage selbstverständlich nur von ihrem eigenen — katholischen — Standpunkt. ,.Dieses Schweigen musste die Christen verwirren und die Nichst christen ... enttäuschen. So verloren sie ihr Vertrauen auf die Kirche, weil diese es immer wieder versäumt ihren Abscheu vor offensichtlicher Ungerechtigkeit zu zeigen.“ Man warf der Kirche einen verfehlten Opportunismus vor. Aber die Bischöfe reagierten nicht. Bischof Buchberger (Regensburg) gab dem Kardinal Bertram den Rat, ,.einem förmlichen Bruch so lange wie möglich auszu weichen“ Diesen Weg bezeichnete der Bischof als ein Gebot der Klugheit. Dass die Bischöfe zu Beginn des Zweiten Weltkrieges die katholischen Soldaten zur Pflichterfüllung auf riefen und für den Sieg der deutschen Waffen beteten, wird man verstehen können, wenn man bedenkt, dass zu allen Zeiten in allen Kirchen von Feind wie Freund zu dem gleichen Gott für den Sieg der Waffen, der eigenen natürlich gebetet worden ist und nicht nur in den Kirchen ... Was aber wäre aus de- Welt, was wäre aus der Kirche geworden, wenn die Wünsche des Hirtenbriefes in Erfüllung gegangen wären?; ... Das gläubige Volk rufen wir auch zu heissem Gebet, dass Gottes Vorsehung den ausgebrochenen Krieg zu einem für Vaterland und Volk segensreichen Erfolg; und Frieden führen möj ge*'...., und dies, nachdem zum „Gehorsam gegen den Führer“ aufgefordert worden war. Nur der Berliner Bischof, Konrad von Preysing hat als einziger sich darauf beschränkt, seiner väterli. ehen Sorge um alle zu den Waffen gerufenen Männer Ausdruck zu verleihen. Es ging also auch anders. .. Zu welchen Merkwürdigkeiten diese devote Haltung der Bischöfe geführt hat, zeigt eine Erklärung des Bischofs Bornew'asser f Tri er). der den deutschen Sieg über Frankreich als einen Kampf der deutschen Truppen feierte, „wie ihn die Weltgeschichte noch nicht eriebt hat“ — Einige Zeit später, im Januar 1941, als die deutschen Einsatzkommandos bereits wüteten, und hunderttausende Juden in Ghetti eingepfercht waren, erliess Bischof Kaller von Ermland (Ostpreussen) einen Hirten, brief, in dem es u. a. hiess: „... Gerade als Christen sind wir entschlossen unsere ganze Kraft einzusetzen, damit der endgültige Sieg unserem Vaterland gesichert werde Gerade als gläubige, von der Liebe Gottes durchglühte Christen stehen wir treu zu unserem Führer, der mit sicherer Hand die Geschicke unseres Volkes lei tet.‘‘ Dieser emphatische Patriotismus mit dem „Glauben an den Sieg für die „gerechte“ Sache kann nicht damit wörtlichen Bischöfe, die zu ihren Huldigungen für den Führer keineswegs gezwungen waren. — Jüdische Katholiken: — Die Rassengesetze der Nazis hatten zur Folge, dass getaufte Juden d. h. Menschen, die als Juden geboren waren aber später iüs irgendwe'- chen Gründen zum Cbri - stentum übergetreten waren auch den gelben Judenstern tragen mussten Einige dieser Leute baten die Polizei, in die Kirche ohne den Judenstern gehen zu dürfen. Sie wandten sich an die Geistlichkeit, sie bei diesem Ersuchen zu unterstützen. Die Bischöfe zeigten Mitgefühl, obwohl es ihnei. nicht behagte, wie uns berichtet wird, dass „Juden“ an katholischen Gottesdiensten teLnehmen sollten; das würde die Feindseligkeit der Nationalsozialisten gegenüber der Kirche verschärfen. Auch wussten sie nicht, wie die Gemeinden auf diese „jüdischen Katholiken'* — welch eine paradoxe Formulierung — reagieren würden. Kardinal Bertram riet: „Zu vermeiden sind... über eilte Anweisungen, die für jüdische Katholiken als verletzend angesehen werden könnten, z. B. Einführung besonderer Juden - Bänke Trennung bei Spendung der heiligen Sakramente. Einführung von Sondergottesdiensten, in bestimmten Kirchen oder Privathäusern. .. Erst wenn sich grössere Schwierigkeiten durch den Kirchenbesuch der nicht-arischen Katholiken ergeben sollten, ... ist mit den katholischen Nichtariern selbst die Abhaltung von Sondergottesdiensten zu erwägen-*... Sollte es notwendig werden die Gläubigen anzuhalten den jüdischen Katholiken mit brüderlicher Liebe zu begegnen möge man den Apostel Paulus zitieren,... nicht zu vergessen, dass es unter denen die an Christus glauben, keinen Unterschied gibf zwischen Juden und Griechen, denn derselbe Herr ist über allen.. .* Nach den vorliegenden Quellen war das deutsche Episkopat immer, mit Sicherheit aber ab Dezember 1941 über die Vorgänge im europäischen Osten unterichtet. Die Vorgänge in den Todeslagern liessen sich nicht geheim nalten. Mehr als 100.000 deutsche Juden wurden Ende 1942 im Osten ermordet. Auch katholische Offiziere die aus dem Osten kamen, informierten die Bischöfe über die Massenmorde an Juden. Einer dieser Offiziere, Dr. Alfons Hildenbrand, nahm Sonderurlaub von seiner Einheit, die bei Minsk stationiert war, um dem Kardinal Faulhaber von den Massenmorden zu berichten deren Augenzeuge er gewesen war. Dr. Joseph Müller, ein JACOB LAPIDUS dipl. Mohel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037 4« B 46-1716 und 48 2124 MOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 NEUES TELEFON: 78-4784 Anklagen gegen Israel London. — Am Vorabend der Reise des sowjetischen Premierministers Kosygin zu einem lltägigen Besuch in Kairo beim Präsidenten Nasser gefiel sich die Sowjetpresse in heftigen antiisraelischen Angriffen. Das Blatt der Regierung „Istwestja“ behauptete. Israel versuche, einen bewaffneten Zusammenstoss mit Syrien zu ..provozieren“ Aebnliche Beschuldigungen erschienen in letzter Zeit häufig in vielen anderen sowjetischen Zei. tungen. (ITA) deutscher Abwehroffizier, der ein Vertrauter des Kardinals Faulhaber war, hat ebenfalls das Episkopat laufend über die Massenmorde in Kenntnis gesetzt. Es geschah nichts. Nur Bischof Preysing verlangte, man solle sich nach dem Ergehen der nichtarischen Katholiken erkunden, die deportiert worden waren, aber, so verlangte dieser Bischof als einziger, „es müsste darüber hinaus deutlich gespro- . chen werden über die Greuel an den Juden überhaupt“.1 Kardinal Bertram appellierte zwar an den Innenminister und das RSHA (Reichs- Sicherheitshauptamt, dem die KZ unterstanden), aber er sprach nur von den .Notleidenden', von denen viele den Strapazen erlegen sein sollen. Die Bischöfe sähen sich im Hinblick auf den Ruf des deutschen Namens im Ausland und auf die christliche Sittenlehre gezwungen, für eine Verbesserung der Lebensbedingungen in den Lagern einzutreten. Es wurde angeboten, christliche Priester zur Abhaltung von Gottesdiensten in den Lagern zu schicken... | Irgendeine deutliche Absa-; sage an die Nazis oder eine klare Distanzierung von deren Verbrechen gegen die Juden erfolgte nicht. Nur in allgemeinen Erklärungen wurde von dem Recht aller j Menschen gesprochen Eis sei ein Unrecht, so hiess es in einem Hirtenbrief 1943, Unschuldige zu töten, auch wenn es durch die Obrigkeit und angeblich für das Gemeinwohl geschehe wie im Fall der „Menschen fremder Rassen und Abstammung*. Aber auch in solchen Erklärungen dieser allgemeinen Formulierung wurde nicht von den Juden gespro. chen, obwohl man diese Aeusserungen auf deren Schicksal beziehen kann. Jedenfalls sagte der Regierungspräsident von Regensburg im Oktober 7943, dass der gemeinsame Hirtenbrief, in dem die Tötung Unschuldiger verurteilt wurde, keine anhaltende Wirkung gehabt habe: „Die Bevölkerung nimmt derartige, verklausulierte Vorlesungen kaum in sich auf.“ Dass aber ein eindeutiger Protest gegen die Morde, der Dr. B' Schwanz ZAHNARZT ESTOMBA 2283 - 52-8214 RAYOS X PARADENTOSE Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 219C 1? izq. nachm. 16—19 Uhr Telefon: 86-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 PROPIEDADES FRANKENBERG S. R- L. berät Sie kostenlos und unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 ertciari weraen, dass diese Kirchenfürsten von dieser „gerechten Sache*' überzeugt gewesen seien. Bundespräsident Lübke sagte i960, als er über den von Hitler ent fachten Zweiten Weltkrieg sprach: „Wer nicht völlig verblendet oder gänzlich unerfahren war, konnte nicht ganz frei sein von dem driikkenden Bewusstsein. dass dieser Krieg kein gerechter Krieg war.*' Diese Bemerkung bildet eine — vielleicht ungewollte — schwere Kritik an der damaligen Haltung der verant. Ihr Friseur ERICH JACOBSOHN BEDIENT SIE IN IHREM HAUSE JUDITH SCHENKOLEWSKI KULTUSST1CKEREIEN Schabbosdecker ra Diebe u tel Käpochen Mar zot-Tasehen Hand two Maschitjensäckerej von Bett und Tischwäsche Dr. P. I RIVERA 2585 (fr Bebedero) T. E 13-9155 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76-0286 73-1049 BERNARDO STERN Ausführung saemtlicher MALERARBEITEN HELGUERA 1915 — T. E. 58-44)52 TELEF. VORANMELDUNG an die Regierung gerichtet worden wäre, ein Echo gefunden hätte, dürfte kaum zu bezweifeln sein. Die Geschichte wird vorwerfen: — Es war ein Kardinal, der schon Mitte 1940 die volle Problematik der kirchlichen Haltung klar erkannt hatte. Unter dem Eindruck der deutschen Greueltaten in Polen, — die also schon Mitte 1940 in ihren Anfängen bekannt waren, — schrieb Kardinal Tisserant aus dem Vatikan an den Kardinal Suhard, den Erzbischof von Paris: „Unsere Oberen wollen die Natur des wahren Konflikts nicht begreifen.“ Er, Tisserant, habe den Papst gebeten, eine Enzyklika über die Pflicht jedes einzelnen zu erlassen, dem Rufe seines Gewissens selbst beim Vorliegen verbrecherischer Befehle zu folgen und diesen nicht Folge zu leisten. Der Kardinal schrieb, unsere Oberen wollen nicht begreifen, er schrieb nicht, sie begreifen nicht. Warum wollten die Oberen nicht begreifen? Der Brief ist erhalten geblieben. Bei einer Durchsuchung des erzbischöflichen Palastes in Paris haben ihn die Deutschen mitgenommen Et wurde dann nach dem Krieg in den Akten der deutschen Reichskanzlei gefunden und von mehreren Autoren veröffentlicht. Tisserant sagte u. a.: „Ich fürchte, die Geschich¬ JMU xxvn. IA SEMANA ISRAELITA' Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Amoldo W. B. Swarsenaky Pueyrredón 2190, 1? izq T.E. 83-2613 Abono-Preise Argentinien: $ 700.— pro Jahr Ausl. $ 1.000,— jährL te wird dem Heiligen Stuhl vorzuwerfen haben, er habe eine Politik der Bequemlichkeit für sich selbst verfolgt, und nicht viel mehr. Das ist äusserst traurig, vor allem, wenn man unter Pius XI. g$. lebt hat'* ... Das schrieb Kardinal Tisserant. Mehr als 20 Jahre später versuchen kirchliche oder der Kirche nahestehende Kreis eine sachliche, auf historischen Tatsachen basierende Kritik zu verhindern, was nur bedauert wer. den kann. Die Oeffentliehkeit dürfte an Polemiken kaum interessiert sein, hat aber einen Anspruch darauf, die Tatsachen zu kennen. Aus diesem Grunde sehen wir mit grossem Interesse den weiteren Publikationen des Quellenmaterials durch den Vatikan entgegen. — CENTRO PRIVADO DE ORTOPEDIA Y TRAUMATOLOGIA Prcf. Dr. I. BlumenfeM (Director) Jefe del Servicio de Ortopedia y Traumatología del Hospital Israelita — Profesor de la Facultad de Ciencias Médicas de Buenos Aires. UNICAMENTE ENFERMEDADES DE LOS HUESOS Y ARTICULACIONES — FRACTURAS J. E. URIBURU 285 41 2331 — 2240 47.5875 ROENTGENSTR AHLEN — ZAHNZIEHEN — BE¬ HANDLUNG MIT GASBETAEUBUNG — REGU¬ LIERUNG DER ZAHNSTELLUNG Sprechstunden: Die-nstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung JOSE HERNANDEZ 2518, T.E. 76-8673 u. 73-0500 Enfermedades Cardiovasculares Aparato Circulatorio Dr. SAUL UMANSKY Sarmiento 3116 T. E. 87-136: CUBA 2141 Dr. BERNARDO GOLDSTEIN Consultas: wochentags von 15—18 Uhr Donnerstag keine Sprechstunde Sonnabend: 14—16 Uhr ENFERMEDADES CARDIOVASCULARES Médico del Hospital Fernández Dr. L. KLEIN - Medico MAGEN- und DARMKRANKHEITEN ROENTGEN-UNTERSUCHUNGEN SPRECHSTUNDEN Montag, Dienstag, Mittwoch u. Freitag von 15—19 Uhr Es wird gebeten, sich vorher telefonisch anzumelden. SANTA FE 1391 T. E. 44-9493 u. 44-1542