Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2164 (22.4.1966)
- Date
- 1966-04-22
- Page
- [Seite 12] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQUEO PAGADO O CQ o c Concesión 908 « ~ tr c h 41 ¿ o? S TARIFA REDUCIDA < o Concesión 1629 ISRAELITA Ano XXVII BUENOS AIRES, VIERNES 32 DE ABRIL DE 1966 Nv 3164 el ejemplar en toda (a República 15,- PUEYRREDON 2190 1* izq. T.E 83 - 2613 Buenos Aires Einer bat um Verzeihung SS-Mann weinte Dieser seltene, vielleicht in seiner Art einmalige Voriah ereignete sich vor dem Stuttgarter Schwurgericht im Tar. uopol Prozess, wo Zeugen vernommen wurden, die heute in aller Herren Länder leben. Unvorstellbare Grau samkeiten wurden auch dort verübt. Mit dieser kurzen Feststellung ist aber noch nicht viel gesagt Ist es doch nicht möglich mit Worten eine Schilderung dessen zu geben, was damals geschehen ist. Denn Worte sind zu schwach und reichen nicht aus. um die abgrundtiefe Schlechtigkeit der Henker und die furchtbaren Leiden der Verfolgten der Nachwelt zu übermitteln. Die meisten Verbrecher, die sich heute zu verantwor. teil haben, berufen sich entweder auf Befehlsnotstand oder leugnen überhaupt, an den ihnen zur Last gelegten Verbrechen beteiligt gewesen zu sein Der Einwand es habe ein sogen Befehlsnotstand Vorgelegen, täuscht ein juristisches Argument vor, das in Wirklichkeit nicht gegevon JAKOB K AT Z-ROG ASEN ben ist, schon deswegen nicht, weil die meisten aus freiem Willen gemordet oder an der Judenvernichtung mitgewirkt haben, oder aber weil jeder das Verbrecherische des Befehls hätte un schwer erkennen können und auch erkannt hat. Schliesslich ist erwiesen, dass derjenige SS-Mann. Soldat oder Nazi-Beamte, der nicht mitmachen wollte, sich ohne Folgen hat versetzen lassen können. Von einem Notstand kann also nicht die Rede sein. Die auffallende Feigheit, mit der sich die Angeklagten verteidigen, öffnet neue Abgründe eines unmenschli chen und menschenunwürdigen Verhaltens Umso über raschender war es, als ein Angeklagter nicht nur Reue zeigte, sondern um Entschul digung gebeten hat. ,,Nachdem ich mich von meinen früheren Vorsteilun gen freigemacht habe, ist es mein tiefes Bedürfnis mich bei Ihnen für das. was ich Ihnen und Ihrer Familie angetan habe, zu entschuldigen.“ Mit diesen Worten bat Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ IN DJAKARTA, der Hauptstadt Indonesiens, wurde die rotchinesische Botschaft gestürmt. —! LYNDON JOHNSON wurde bei seinem Besuch in Mej xiko zur Einweihung eines Lincoln-Denkmals stark gefei- : ert. — I DER VERSUCH, die über Rhodesien verhängte Blök - 1 kade zu brechen, führte zu neuen Spannungen zwischen europäischen Ländern. — DIE TÜRKISCHE Regierung lehnte einen griechischen Vorschlag ab, erneut in Verhandlungen über die Zukunft , Zyperns einzutreten. — \ NGUYEN CAO KY, Ministerpräsident von Südvietnam, verhandelte mit den rebellischen Buddhisten, mit denen ei zu einer Verständigung gelangt ist..., jedenfalls vorii bei gehend. — CHARLES DE GAULLE erklärte in einer Rede, Farnkreich werde nicht ewig warten, bis sich die amerikanischen Truppen zurückziehen. — PAPST PAUL VI. erschien gemeinsam mit dem Erzbischof von Canterburry sowie dem orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel in einem Televisionsprogramm „Menschen und Glauben“ des italienischen Senders. — OLIVEIRA SALAZAR, der portugiesische Diktator drohte dass jeder „neue falsche Schritt“ in der Rhodesien- Krise zum Krieg führen könne. — INDONESIEN hat sich aus durchsichtigen Gründen bereit erklärt, den Staat Singapur anzuerkennen. — ABDUL SALEM AREF, Präsident des Irak, einer der starken Männer in der arabischen Welt, stürzte mit anderen Mitgliedern seiner Regierung tödlich ab. — SENATOR ROBERT F. KENNEDY, forderte die la teinamerikanische Jugend auf, sich ernsthaft mit der Zu kuni't ihres Kontinents zu beschäftigen. — KUSHAK BAKULA, Minister von Kaschmir, bezeich nete die Lage an der indisch-chinesischen Grenze als be unruhigend, da die chinesischen Truppen ihre Positionen ausbauen würden: — . . , ,lo„„ LUIS VIDAL ZAGLIO, der Aussenmmistej- Uruguays erklärte bei seiner Rückkehr aus Israel, er sei von der Wirklichkeit dieses Landes ..entzückt“. — EINE CHOLERA-Epidemie verlangte in Pakistan zamreiche Todesopfer. — . , _ SULTAN ISMAIL Nasiruddin Shah wurde zum vierten König von Malasien gewählt. — T.n.hv.ä..oi» IRLAND feierte den 50. Jahrestag seiner Unaöha g g IN HONG KONG wurde der Ausnahmezustand verhängt, nachdem es wiederholt zu schweren Unruhen gek°mGENERAL BARRIEN TOS hat sich nun doch bereit erklärt, für die Präsidentschaft zu kandidieren GROMYKO, der russische Aussenmimster. i^ nächst — Gerüchten zufolge — dem Papst einen Besuct abstatten. — im Ta ruopol-Prozess gegen zehn ehemalige SS-Angehö riger der angeklagte frühere SS-Sturmbannführer Hermann Müller unter Tränen den 53jährigen Zeugen Dr. Jakob Wolf Gilsohn aus Is rael um Verzeihung. Dr. Gilsohns Eltern sind wahrscheinlich bei einer von Müller geleiteten sogenannten Aussiedlungsaktion in den Gaskammern von Belzec umgekommen. Weinend und mit kaum vernehmbarer Stimme fuht Müller fort: „Ich bin mir meiner Schuld bewusst und bitte, meine Reue symbolisch für alle Opfer anzuneh men.“ Dr. Gilsohn, der unter dem SS-Regime in Ostgalizien schwer gelitten und viele Angehörige verloren hat antwortete schlicht: „Ich verzeihe Herrn Müller für meine Eltern.“ Der Industrielle Jakob Salzberg aus Brasilien und der Wäschereibesifzer Nunio Weissmann aus Israel be schuldigten vor allem den Angeklagten Paul Raebe grauenhafter Taten Beide Zeugen waren in den Zwangs lagern Kamionki I und II, die unter Raebe ls Leitung standen, inhaftiert und konn. ten vor der Liquidierung der Lager flüchten. Nach ihrer Aussagen wurden in den beiden Lagern auf Befehl Rae bels geflüchtete Häftlinge er hängt An solche Exekutionen habe Raebe! Warnungen vor Fluchtversuchen geknüpft Ein anderes Mal ha be Raebel beim Appell jeden j zehnten Häftling erschiessen lassen. Augenzeuge einer besonders \ grausamen Exekution durch | Raebel war nach seinen Aus- | sagen Nunio Weissmann im ■ Zwangsarbeitslager Kamion- I ki II. Zwei geflohene, aber wieder aufgegriffene Arbeits häftlinge soll Raebel eigenhändig aufgehängt haben Bei einem sei der Strick gerissen, so dass der „Delinquent“ zu Boden stürzte und Raebel um sein Leben anflehte. Raebel habe den Mann aber noch zweimal aufhängen lassen. Als beide Male wieder der Strick riss, ha be er ihn schliesslich mit der Pistole erschossen An ein in seiner Grausam-! keit. taum zu überbietendes j Ereignis erinnerte sich der; Zeuge Jakobo Salzberg. Im; Winter 1943 sgi er mit ande! ren Häftlingen nachts aus dem Lager getrieben worden, um deutsche Wehrmacntsfahrzeuge, die wegen Glatteis steckengeblieben waren, eine Anhöhe hinaufzuschieben Man habe Sand und Steine i unter die Räder geworfen um die Wagen wieder in l Gang zu bringen. Plötzlich! sei Raebel erschienen und habe gebrüllt: „Werfen wit doch die Hunde die Schweine unter die Räder!“ Er ha be eine Pistole gezogen einen Häftling erschossen und mit dem Fuss untei die Rä der geschoben Als Unterlage für die Räder seien noch mehrere erschossen worden, aber man habe dazu auch Lebende verwandt. II. Ein Major der Wehrmacht Wegen dreifachen Mordes und versuchten Mordes in einem Fall hat das Hamburge: Schwui gericht den 57 Jahre alten ehemaligen Major der Infanterie Manfred Blume aus Hamburg zu 15 Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt Dem Angeklagten wurde — wie auffallend und merkwürdig bei einem Mann, der es immerhin zum Major gebrach: hatte — erheblich verminder te Zurechnungsfähigkeit zur Tat zugebilligt. Die Anklage hatte Blume zur Last gelegt im Juni und Juli 1942 bei Woronesch fünf sowjetische Kriegsgefangene, darunter eine Frau, getötet zu haben Ausserdem habe er einen anderen Russen durch einen Schuss verwundet. Der Staatsanwalt hatte lebenslänglich Zuchthaus gegen Blume beantragt Blume war 1947 in der Sowjetunion schon zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden, jedoch nach neun Jahren und acht Monaten entlassen worden. Die in der Sowjetunion verbüsste Strafhaft und die 14'-jmonatige Untersuchung? haft in Deutschland wurden Blume vom Hamburger Schwurgericht auf die Strafe angerechnet, Das Schwurgericht kam zu der Ansicht, dass nur drei Morde nachgewiesen werde:, konnten. Blume hat danach beim Uebergang über den kleinen Fluss Tim einen sowjetischen Kriegsgefangenen I von hinten durch einen Pistolenschuss getötet und einen anderen Russen schwer J verwundet. Später hat er vor Woronesch eine uniformierte Russin durch Seitengewehrhiebe getötet und einen Mongolen mit einem Feldspaten erschlagen. Diese Tötungsdelikte seien rechtswidrig, hiess es in der Urteilsbegründung. Im Krieg sei es zwar die Pflicht eines Soldaten, zu töten. Diese Pflicht entfalle aber in dem Moment, da der Gegner als Gefangener wehrlos ist. Der Angeklagte habe aus niedrigen Beweggründen gehandelt. Er habe den Tod seines von Partisanen ermordeten Bruders rä chen wollen, aber auch aus Hass getötet, weil er der Propoganda der Nationalsozialisten erlegen gewesen sei und in den Soldaten der Roten Armee“ nur „Untermenschen“ gesehen habe. Die Urteils - Begründung stimmt bedenklich Ist es wirklich die Pflicht eines Soldaten im Kriege zu töten? Aus welchen Gründen war diese Behauptung erforderlich? Denn die Tat des Angeklagten war ein gemeiner Mord, als er auf Wehrlose schoss. — III. Die Zuhoerer lachten Als fanatischen Gegner des Hitlerregimes bezeichnete sich der frühere Oberregierungsrat und SS-Sturmbannführer Heinz Richter (62) aus Kiel. — Unter dem Gelächter der Zuhörer behaup Reuige Nazis in England London. — Vier ehemalige Mitglieder der winziger» englischen Nationalsozialistischen Partei, die gestanden, Synagogen in London angezündet zu haben wurden von Richter Aarvold am Old-Bailey-Gericht freige lassen. Der Richter begründete sein Urteil damit, dass die Angeklagten ihre Tat bereuten und verspiacben, keine antijüdischen Attentate mehr zu begehen. Es handelt sich um den ,24jährigen John Evans, den 20jährigen David Thorne,’ den 23jährigen Michael Trowbridge und den 18jährigen Raymond Hemsworth. Evans, Thorne und Trowbridge bekannten sich schuldig, die Synagoge von Brondesbury vorsätzlich angesteckt zu haben, wobei ein Schaden von 340.000 Dollar verursacht wurde. Evans und Hemsworth gestanden, den Brand in der Synagoge von Bayswater gelegt zu haben. Ein anderer Verdächtiger, Gordon Perker, wurde für unschuldig befunden und freigesprochen. Evans erklärte vor dem Richter, dass er der Partei im Oktober 1964 beigetreten sei. jetzt jedoch einsehe, dass ihre Lehren „entestzlich falsch“ sind und „Anstand und Sitte“ völlig zuwiderlaufen. Er versicherte, nur die Propaganda von Collin Jordan und seiner Frau hätten ihn zu den Verbrechen angestiftet (ITA) tete der Zeuge, der 1-942 Leiter des Sondereinsatzkom mandos VIII im Osten war in einer fast zweistündigen Verteidigungsrede: „Ich bin objektiv und subjektiv (an den Morden) unschuldig“. Richter -äumte auf Fragen des Gerichts schliesslich ein dass während seiner halbjährigen Tätigkeit als Leiter des Sondereinsatzkommandos die Erschiessungen weitergelaufen seien. „Aber ohne mein Zutun und Wissen“, versicherte der Angeklagte denn er habe sich „aus innerster Ueberzeugupng von diesen Dingen ferngehalten“ Richter will auch nicht wissen. wer die Erschiessungs aktion befohlen habe. Weser seines Widerstandes gegen den Massenmord sei sogar ein Kriegsgerichtsverfahren gegen ihn eingeleitet worden. „Ich war dem Sondereinsatzkommando VIII ausgeliefert“, behauptete der Zeuge Er sei als „Flasche“ und Feigling angesehen worden, „weil ich an keiner Judenaktion teilnahm“. Sein Untergebener Harnischmacher könnte nicht so gewesen sein, wie er jetzt von Zeugen im Prozess geschil dert werde. Er sei der freund, lichste unter den SS-Fiihrern gewesen. Gegen Richter, der nach seinen Angaben Hunderten von Juden das Leben gerettet haben will läuft in Kiel ein Verfahren wegen Beteiligung am Mord. „Einen Menschen wie mich gab es eben nur einmal“, beteuerte der Zeuge, der seinen Vor ganger beim Sondereinsatz, kommando VIII, Dr Otto Bradfisch, einen Mörder nannte. IV. Fellenz u. a. Martin Fellenz stand schon mehrere Male wegen seiner an Juden begangenen Verbrechen vor Gericht Immer wurde er für schuldig befunden und verurteilt Ihm wurde u. a. die Beteiligung an der Ermordung von 40.000 oder mehr Juden bei der „Aussiedlung“ der Juden aus Krakau' vorgeworfen. Fellenz wirkte auch bei einer ganzen Reihe anderer Aussiedlungen mit. Natürlich hält er sich für unschuldig. Der Vorsitzende wies darauf hin, dass sich der Fellenz bei diesen Aussiedlungen besonders her- . vorgetan habe: aus den erhalten gebliebenen Akten ergäbe sich, dass er dafür von seinem Vorgesetzten als „un. ermüdlich und mitreissend ‘ im Einsatz, lies beim Mor-. den. gelobt worden ist. — Jüdische Zeugen belasteten im Bochumer Neu-Sandez-Prozess zwei Angeklagte schwer. Der Kaufmann Leo Gatterer aus Stuttgart be schuldigte den pensionierten Polizeiobermeister Bruno Baunack aus Lahr, als Gendarmerie - Beamter mehrere aufgegriffene Juden erschossen zu haben. In einer früheren Verhandlung hatte bereits ein anderer Zeuge diesen Angeklagten ähnlich belastet. Baunack bestreitet jedoch alle diese Taten. —- Als „anomalen Sadisten“ bezeichnete den ehemaligen Oberaufseher des Gestapo- Gefängnisses Johann Bornholt der jüdische Lehrer Ephraim Goldberg aus München. Er war nach seinen Angaben Augenzeuge, wie der Angeklagte Bornholt einen Juden in dessen Wohnung grundlos erwürgt hat. Ausserdem sei eine Jüdin von Bornholt aus dem zweiten Stock eines Hauses geworfen worden. Die Tote habe er selbst auf dem Hof liegen sehen. — Im zweiten Frankfurter Auschwitz-Prozess ist der angeklagte frühere SS-Oberscharführer Josef Erber beschuldigt worden, eigenmächtig Frauen in die Gaskammern des Konzentrationslagers geschickt zu haben. Die Zeugin Stanislawa Rachwal aus Krakau, einst Häftlingsschreiberin in der i Aufnahme - Abteilung von | Auschwitz II (Birkenau) sagte als Zeugin aus. Erber habe damals eine im achten Monat schwangere Polin persönlich zum Krematorium gebracht. Ferner habe et aus eigener Initiative französi - sehe Jüdinnen in den Tod geschickt, die bereits im Frauenlager aufgenommen worden waren. „Nacht einer- Weile kam der Vermerk: gestorben“. sagte die Zeugin. Zehn bis zwölf österreichische Offiziersfrauen, darunter eine Mutter mit ihrer 14jährigen Tochter, habe die Zeugin auf Befehl Ebers selbst aus dem Lager holenmüssen... Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N* 868.797