Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2164 (22.4.1966)
- Date
- 1966-04-22
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9616703-9615320-9615438--4316-9615439- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
PUEYRREOON 2190 — 1’ izq. Año XXVII. JûxJ&tojcutaJbàcjUiici 83 - 26 1 3 T. E. BUENOS AIRES, VIERNES 22 OE ABRIL DK 1966 N" 2164 Israel im Jahre CHAJ Ein Traum in Wisklichkeit geworden. wird von J EHUD A GOTTHFAMER Touristen, ohen, um das jüdische Land den jungen Staat, die israelische Realität kennen zu lernen, um sich gleichzeitig aber auch mit jenen Idealen zu verbinden, die beinahe zweitausend Jahre hindurch die jüdische Volksseele bewegt haben und die der Ausdruck einer religiös-nationalen Sehnsucht gewesen sind. Bewusst oder unbewusst tritt Israel — Staat, Land und Volk — immer deutlicher in den Mittelpunkt des Denkens unseres gesamten Volkes. Der Kreis derjenigen erweitert sich, die für sich und ihre Kinder erwägen, nach Israel zu übersiedeln, um dort ein neues Leben in der Freiheit anaufangen. Ohne Propaganda, ohne Ermahnung von aussen, ohne Appelle üben das Land und der Staat eine gewaltige Anziehungskraft aus trotzdem je dermilk und viele andere vor allem aber Israels 1. Präsident, der langjährige Präsident der Zionistischen Organisation Prof. Dr. Chaim Weizmann, die diese Theorien als Unwirklichkeiten zurückwiesen. Erez Israel wird so viele Juden aufzunehmen imstande sein, wie den Willen haben, dort zu leben. Diese uralte These Weizmanns entsprach — jedenfalls bisher — der Wirklich keit, und niemand weist den Gedanken von sich ab, dass auch noch mehrere weitere Millionen Juden in Israel leben können, wenn sie es nur wol len. In wenigen Wochen nach seiner Proklamierung hatte der Staat Israel jene jiidi sehen Flüchtlinge aufgenommen, um dertewillen die Welt vor Aufregung und internationalem Geschrei er- Millionen Immer grösser wird die j hie man von der britischen j 29 Millionen Dollar im Jah Zahl derjenigen, die nach IS- . Mandatsregierung bemüht rael streben immer bemer- | hatte. Um der jüdischen Einkenswerter der Strom der , Wanderung einen Regiel vor " - . jjjg xsrael besu ’zuschieben. Demgegenüber waren es Männer wie Lowi re 1949 auf 406 Dollar 1965. Als weitere« Beispiel sei die Schiffahrt angeführt 1948 hatte Israel 4 Schiffe zu seiner Verfügung, 1965 : 90 Schiffe. Die Tonnage vervielfachte sich 155 Mal! 1948: 6.000 to. 1965: 932.000 to. Die landwirtschaftliche Anbaufläche wurde beinahe verdreifacht. Nur ein Beispiel sei erwähnt: Die Produktion Augenblick griffen sieben arabische Staaten den jungen jüdischen Staat an. Noch Im Kriege fanden die ersten parlamentarischen Wahlen statt (25. Januar 1949». — (Am 16. Februar 1949 w-;rde Chaim Weizmann zum ersten Präsidenten des Landes gewählt. Am 24. Februar Unterzeichnete als erster arabischer Staat Aegypten den Waffenstillstand. Am 10 März 1949 wurde das erste, aus öffent liehen Wahlen hervorgegangene Kabinett Ben Gurion von der Knesset bestätigt Jahrestag des Staates Israel dem die Schwierigkeiten bej ternationalem Geschre kannt sind, die mit einer zitterte- Kommissionen wa- Verwurzelung in einem anderen Lande und unter völlig ren eingesetzt worden, um die Frage dieser unglücklineuen ‘ Lel^nsb^dinaungen! che" Opferndes' NaUonaîsoverknüpft siml. zialismus und Ueberlebenden zialismus und Ueberlebenden der Katastrophe zu debattie- Am 18. Unabhängigkeitstaa: ren. Das grosse britische Israels, zu Beginn des Jahres Weltreich führte seinen eige CHl.I To V. —a-t - CHAJ. des Jahres des Le bens. ist es angezeigt, einen schnellen-Rückblick auf Erreichtes und Erstrebtes zu weifen, wobei wir uns nur auf amtliches Material stützen wollen, das vom Presseamt der israelischen Regierung zur Verfügung gestellt worden ist. I. nen Krieg gegen die Flucht - lingsschiffe. Die übrige Welt verharrte in Schweigen und war nicht imstande, einige hunderttausend Juden aufzunehmen, obwohl diese (oder gerade deswegen, weil) diese Menschen die unerhörtesten Leiden haben erdulden müssen. Nüchterne Ziffern : Der Weg der Einordnung , dieser Einwanderer war lang und schwer. Es folgten die Die Bevölkerung des Lan- Rettungsaktionen für die in des erhöhte sich um mehr als j arabischen Ländern lebender, das Dreifache. 1948 lebten j Judenheiten die von einem 790.000 Menschen auf dem ' jungen Staat aufgenommen Territorium Israels, heute be- I worden sind, der selbst noch -trägt die Bevölkerung über 2 Millionen 600.000 Seelen In diese Ziffern ist auch der nicht jüdische Teil der Bevölkerung miteingeschlossen weit davon entfernt war konsolidiert gewesen zu sein. Nichts aber dürfte klarer die Entwicklung des Staates durch Arbeit und Energie 3 GUTER WILLEN FEHLT Dr. W.: — Die Behandlung der Juden aus der Bukowina beweist sehr deutlich, dass die deutschen Wiedergutmachungsbehörden nicht den guten Willen besitzen, den die gesetzgebenden Körperschaften ohne Zweifel gezeigt haben. Dieser innerdeutsche Vorgang beweist einmal mehr, wie gesetzgeberische Absichten durch Verwaltungsmassnahmen illusorisch gemacht werden können. Diese Praxis et innert nur allzu deutlich an die Haltung der antidemokratischen Kräfte in der Weimarer Republik. Nachdem man durch Gesetz festgelegt hatte, dass die Bukowiner Juden zum deutschen Sprachuna Kulturkreis gehören, verlangte man plötzlich den Nr**- eis. dass diese Juden ein „national-politisches Bekennt .is zum deutschen Volk“ abgelegt haben (!>. Sie sollten also neuerlich und völlig unsinnigerweise den Beweis erbringen, dass sie Verfolger und Verfolgte in einer Person sind... Aber auch d’e-ser Ein wand wurde dann vom Gesetzgeber beseitigt; ein Bekenntnis zum deutschen Volk kann nicht mehr gefordert werden. Die Behörden gaben sich gegenüber ihrem eigenen Gesetzgeber nicht geschlagen. Sie deuteten jetzt den Begriff der Zugehörigkeit zum deutschen Sprach- und Kulturir-ms auf ihre Weise, indem sie zu prüfen begannen ob diese Juden vielleicht noch eine andere Sprache beheics'nen würden. Hierzu erging eine Dienstanweisung des Landesamtes für Wiedergutmachung Mainz, in der es heisst: „Jeder Mensch kann grundsätzlich nur einem Sora-h- und Kulturkreis angehören. Die Kenntnis und Behe-'rschung der deutschen Sprache, die Kenntnis der deutschen Literatur usw. sind insbesondere für -die Zugehörigen der gehobenen Schichten und namentlich-für die Angehörigen der früheren österreich-ungarischen Monarchie nicht die ausschlaggebenden Merkmale für die Zugehörigkeit zum deutschen Sprach- und Kulturkreis. Dazu gehört, m hr. Bei der Feststellung dieser Zugehörigkeit ist von eidesstattlichen Erklärungen, soweit vermeidbar abzosei »n wenn ein von der Wissenschaft zesammengetrage es historisch-ethnographisches Material bereits vorltegt oder erreichbar erscheint. Von den Sachberetern ist in subjektiver Beziehung zu fordern, dass sie die Ueberzeugung gewinnen. dass der betreffende Antragsteller tatsächrrb i'*m 1 deutschen Sprach- und Kulturkreis angehört bat und in ihm verwurzelt war. Sprachpriifunaszeugpis-e sh'd vur ein wertvolles, aber keineswegs unkritisch zu verwertendes 1 Beweismittel.“ Lesen Sie ruhig diese Dienstanweis >ng zweimal um : besser zu verstehen, wie hier die Argumente für die Ab- 1 Lehnung eines Antrages dem Beamten suggeriert werden. Dabei sind die vorgetragenen Gesichtspunkte unzutrefte d. Ganz abgesehen davon, dass ein durchschnittlicher Beamter garnicht die Kriterien aufbringen kann um sich ein solches Urteil zu bilden, ist die Behauptung, dass ein Mensch nur einem Kulturkreis angehören kann, höchst problematisch. Gebildete Menschen gehören meist mehr als einem Kulturkreis an. Man braucht dabei durchaus nicht nur an Persönlichkeiten von einer überragenden Bedeutung wie Martin Buber zu denken der im jiddischen Kulturkreis aufgewachsen ist, im deutschen K"lturkreis gewirkt und im hebräischen gelehrt hat. Es bedarf keiner Polemik, um zu der Feststellung zu gelangen, dass diese neueste Version aus Mainz die Ungesetzlichkeit einer von dieser Behörde favorisierten Massnahme mit unrirhLeen Argumenten zu rechtfertigen sucht. Hierbei lässt sie sich durchaus nicht von den klaren gesetzlichen Bestimw'mgen stören, die von ihr auf eigene Weise mit subjektiver Sicht ausgelegt, oder ins Gegenteil verdreht werden. — Die arabischen Flüchtlinge „_ -,uuiai nroeii und Energie Wa<s bedeutet diese Zahl? seiner Bürger kennzeichnen Erinnern wir uns noch der als Tatsachen, heftigen Diskussionen, die in j Die industrielle Produktion der „vorstaatlichen Zeit“ zwi- I wurde um das Zehnfache gesehen Zionisten und Nichtsteigert. Legt man die Preise Zionisten -' wurde 7 Mal grösser. Sie ent- [ Schon am 11. Mai 1949 wird Zionisten geführt worden sind. Niemals würden dort mehr als eine Million Juden leben können, wandten nicht nur verschworene Gegner des Zionismus gegen die zionistischen Bestrebungen ein, sondern auch „Experten“ von 1958 zugrunde, so betrug die Industrie - Produktion 1948 in israelischen Pfunden 540 Millionen, denen heute 5 Milliarden, 500 Millionen IL gegenüberstehen,.. Der Export stieg um das Vierzehnfache, von knapp Juden im englischen Parlamenl London. — Bei den kürzliehen englischen Wahlen wurden alle faschistischen und kommunistischen Kandidaten geschlagen. Oswald Mosley, der es aufgegeben hat, die Juden anzugreifen und sich jetzt auf die Farbigen spezialisiert, erhielt in einem Distrikt 1.000 von 24.000 Stimmen. Die Resultate in Distrikten mit einer grossen jüdischen Bevölkerung erwiesen, dass die Juden als Gruppe keinen Einfluss auf die Ergebnisse hatten. Insgesamt dürften 40 jüdische Abgeordnete gewählt worden sein, die alle in Distrikten, in denen wenig Juden leben, kandidiert hatten. Sir Keith Joseph und Sir Henry Goldsmid. beide jüdische Konservative wurden trotz der Niederlage der Konservativen Partei gewählt. Zu den Laboristen, die in das Parlament zurückkehren, sind Emanuel Shinwell, Sir Barnett Jänner, Sir Meyer Galpern, Maurice Edel man, lan Mikardo, Marcus Lipton, Sam Silkin, John Silkin David Weitzman, John Diamond, Leslie Lever, Harold Lever u.a.m. Sydney Silverman wurde mit erdrückender Mehrheit wiedergewählt. In keinem Augenblick während der ■Wahlkampagne wurde die jüdische Frage aufs Tapet gebracht. (IT.A> spricht heute einem Wer. von 1 Milliarde 150 Millionen IL (!) Schliesslich sei die Entwicklung auf dem Gebiet der Erziehung hervorgehoben. Sechsmal so viele Schüler werden in israelischen Schulen von sechsmal so vielen Lehrern herangebildet: 1948: 130.000 Schüler 1964: 720.000 Schüler 1948: 5.700 Lehrer 1964: 34.340 Lehrer Wenn man bedenkt, dass sich die Bevölkerung „nur“ verdreifacht, die Schülerzahl aber versechsfacht hat so kann jeder allein ermessen, was das für einen jungen, im Aufbau befindlichen Staat für Opfer und Anstrengungen bedeutet. Beinahe 30.000 Lehrer für ein Erziehungswerk heranzubilden und einzuordnen, ist allein schon eine so überragende, glänzende Leistung, dass sie als bei spielgebend gelten darf. — II. Politische Daten Nur einige wichtige politi sehe Daten seien festgehalten. Am 14. Mai 1948 wurde der jüdische Staat, damals noch namenlos proklamiert Am nächsten Tage verliessen die Truppen der Mandatsmacht das Land. Im selben Israel, noch vor seinem er sten Geburtstag, in die UN aufgenommen. Der politische Kampf um die Existenz Israels ist vom militärischen kaum trennbar Das kleine Land wurde, abgesehen einmal von den permanenten militärischen und diplomatischen Angriffen durch die arabischen Länder, von allen Seiten bedroht, unter Druck gesetzt und... isoliert. Israel hatte nur einen Alliierten, der sich allerdings bis zum heutigen Tage als ein treuer und ergebener Verbündeter erweisen sollte, der niemals Bedingungen ge- Sohluss auf Seite 2) Unverbesserlich London. — Oesterrei chische Delegierte berichteten auf einer zweitägigen Sitzung des Büros der Sozialistischen Internationale, dass bei den kiirzlichen Wahlen in Oe sterreich mehrere Juder körperlich misshandeü wurden. Sie bestätigten auch, dass die von der. Organisationen der Rech ten verteilte Wahlpropaganda antisemitische Ver- . leumdungen enthielt. — (ITA) Vereinte Nationen. — Israel ist bereit, in den Ver-; handlungen und Abkommen I zu einer „konstruktiven und! friedlichen“ Lösung des Pro- | blems der arabischen Flüchtlinge mitzuwirken, einschliesslich die Regelung von Ansprüchen auf Entschädi gung in Betracht zu ziehen, wie Israels ständiger Repräsentant vor den UN, Michael! S. Comay, dem Generalsej kretär U Thant mitteilte. I Comay betonte, dass die wahre Lösung dieser Frage in der Absorption der arabischen Flüchtlinge unter ihren Brüdern in der arabischen Welt ruht, ebenso wie Israel fast die gleiche Anzahl von Juden absorbiert hat. Der israelische Repräsentant machte seine Erklärung über die Frage der arabischen Flüchtlinge in einem Schreiben an Dr. Thant in Entgegnung auf eine an diesen unlängst gerichtete Schrift, die von 12 der 13 Staaten der Arabischen Liga unterzeichnet war. In dieser arabischen Botschaft wurde U Thant zu einem Besuch der von der UNRWa unterhaltenen arabischen Flüchtlingslager eingeladen. um sich von der „verschlechterten Lage der Flüchtlinge und der bedrohlichen Lage in diesem Gebiet zu überzeugen Nach Aussagen der Araber ist verstärkte Hilfe für die 1.200.000 Flüchtlinge erfor derlich, während die UN RWA sich einem Defizit von 4-200.000 Dollar gegenübersieht. „Den Informationen zufolge — schreibt Comay — sind der Generalkommission der UNRWA zusätzliche freiwillige Beiträge zu geflossen Daher entbehrt die von den Aiabern in ihrer Eingabe aufgestellte Behauptung >on einem Defizit der Grundlage.“ In dem arabischen Schreiben werden die alten Beschuldigungen gegen Israel und die UN wiederholt, dass diese an der , palästinensischen Tragödie“ die Schuld trügen. Comay vertritt aie Auffassung. dass das Memoia ’dum der Araber hauptsächlich aus Propagandagründen verbreitet worden ist und politis he Slogans und Verdrehungen der Tatsachen über den Charakter des Ursprünge dieses Problems enthält. Die einzige arabische Nation, die das Schreiben an U Thant nicht Unterzeichnete, war Tunesien. (ITA) Israels Hilfe nicht erwünscht London. — Indien hat Israels Hilfsangebot zur Bekämpfung des Hungers abgelehnt, wie aus lew Delhi verlautete. .Observer“ berichtete, dass die Angelegenheit im Unterhaus zur Debatte getan gen soll, da viele Abge ordnete die Haltung der indischen Regierung missbilligen, die aus Gründen der Aufrechterhaltung ihrer Beziehungen mit den Asaberstaaten Israel zu beleidigen bereit ist. Israels Angebot erging kürzlich, nachdem; UN- Generalsekretär U Thant und die FAO dazu aufge fordert hatten, Indien zu helfen. (ITA)