Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2163 (15.4.1966)
- Date
- 1966-04-15
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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X — Viernes IK de de 1966 SEMANA ISRAELITA Am XXVn. — N» 2163 Widerstand im Untergang «Schluss von Seilt M tiefe Abgrund nazistischen Verbrechertums spricht Zeile für Zeile aus diesem Stroop Bericht. Beim Betrachten der Bilder steigt der Ekel lang sam empor. Des haben Nazis gemacht, die Deutsche •waren. So haben sie gehauet, gemordet geplü ndert... Wenn man diesen, von den Deutschen herausgegebenen Bericht betrachtet, kann man sich eine kleine Vor. Stellung davon machen, wie sich das ,,Leben“ im Ghetto abgespielt hat. Ursprünglich befanden sich nach Stroop etwa 400.000 Juden in diesem jüdischen Wohnbezirk. Wahrscheinlich waren es in Wirklichkeit noch mehr. Nach Stroop standen für diese Menschenzahl, die allein eine ansehnliche Grosstadt bevöl kern könnte, 27.000 Wohnungen mit durchschnittlich zweiundeinemhalben Zimmer zur Verfügung. Das bedeutet, dass bei Zugrundelegung dieser Ziffern 6 Personen in einem Zimmer wohnen mussten, selbst wenn man die hat toen Zimmer als ganze Zimmer ansetzt. In seinem Schlussbericht stellt Stroop fest, dass insgesamt 56.065 Juden durch die Grossaktion „vernichtetworden seien. Das bedeutet, dass etwa 350.000 Juden vorher deportiert oder utage bracht worden sind. Denn es gab schliesslich keinen jüdischen Wohnbezirk mehr... Die Zustände im Warschauer Ghetto waren nicht schlimmer und nicht furchtbarer als in allen anderen Ghetti auch, die in ihrer überwiegenden Mehrheit in Wirklichkeit Vernichtungslager gewesen sind. Bei der Befreiung wurde auch nicht ein einziges Ghetto erhalten angetroffen. Sehr viele der kleinen Ghetti wurden bei ihrer .Liquidierung“ einfach angezündet, nachdem sie von SS und ihren Helfern um. Dr. FRiY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1’ izq. nachm. 16—19 Wir Telefon: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialqeschaeft CORRIENTES 569 T. 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Wenn man bei Stroop den Aufwand nachliest, der erforderlich war, um praktisch unbewaffnete Juden nieder zuschlagen, so muss man mit einem hohen Respekt voi dem Mut der Tapferkeit und der Entschlossenheit der Ghetto. Kämpfer sprechen nicht nur wir, sondern alle. Hier und in allen anderen Ghetti und Lagern, in denen die Waffenlosen und Entrechteten, die Ausgehungerten und Verzweifelten, die in ihrer Menschenwürde degradierten und von der Umwelt völlig abgeschlossenen verlassenen Juden sich gegen ihre bis an die Zähne bewaffneten Feinde erhoben haben wurden die wahren Heldenepen des letzten Krieges geschrieben. Das Ghetto von Warschau leistete der deutschen Armee — und nicht etwa nur einer Polizeibrigade, denn Polizisten sind üblicherweise nicht mit Pan. zerwagen und schwersten Waffen ausgerüstet —. schon zeitlich einen längeren Widerstand als Frankreich, Belgien, Norwegen und im wesentlichen auch Polen, das noch am tapfersten sich ge gen den deutschen Ueberfall gewehrt hatte. — An diesem Gedenktag müssen wir erneut gegen eine Behauptung auftreten, die von jüdischen Theoretikern mit einer ebenso beschämenden Leichtfertigkeit wie unverantwortlichen Kenntnislosig keit aufgestellt worden ist. Die Juden seien selbst zu einem guten Teil an ihrem Unglück schuldig denn sie haben keinen Widerstand geleistet. Seit der ausgezeichneten Arbeit von K. Schabbetai; ,,Wie Schafe zur Schlachtbank geführt?“ sind die unerhörten Thesen bis in alle Einzelheiten widerlegt worden. Schabbetais 1965 in deutscher Uebersetzung erschienenes Buch setzt sich mit der „Feigheitslegende“ auseinander. Zur Illustration sollten sich diejenigen die in einer so oberflächlicher Form das Andenken der Ihr Friseur ERICH JACOBSOHN BEDIENT SIE IN IHREM HAUSE T. E. 76-5842 Confitería NIZA Servicios d¡e lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76-0286 73-1049 Märtyrer besudeln, die Bilder ansehen_ die zum Stroop- Bericht gehören. Dass wir überhaupt diese Frage debattieren müssen, beweist, welche destruktive Wirkung der Hitlerismus selbst auf Menschen unserer Kreise gehabt hat. — In Paris steht ein Denkmal des „Unbekannten jüdischen Märtyrers“, das unseren Toten und vor allen Dingen denen gewidmet ist, die im ak tiven Widerstand gegen Hitler gekämpft haben. Bei einer vor kurzem im jüdischen Dokumenten-Zentrum zu Paris eröffneten Ausstellung in der die Dokumente des jüdischen Widerstandes gesammelt und dem Publikum zugänglich gemacht worden sind, ergriff Dr. Naehum Goldmann, der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und des Jüdischen Weltkongresses, das Wort zu einer meisterhaften Rede, dis jetzt auch im spanischen Wortlaut (herausgegeben von der Lateinamerikanischen Exekutive des Jüdischen Weltkongresses) vorliegt. Mi* Vehemenz wendet sich Goldmann gegen den Versuch, diese Generation, die durch das Feuer der Naziverfolgungen geschritten ist. zu verunglimpfen, indem man ihr Passivität vorwirft, demzufolge sie sich hat in die KZ verschleppen lassen. Auf die se Weise auch noch das Gesicht dieser Generation zerstören zu wollen, sei ein Verbrechen, das er der physischen Vernichtung gleichstellt. Die gewaltige Mehrhe:t aller Menschen dieser Generation, so sagte Dr. Goldmann, habe die grosse Tra dition der jüdischen Geschichte und des aussergewöhnlichen Schicksals unseres Volkes weitergeführt. Niemand sollte die Tatsache übersehen dass nur ein Volk, das sich widersetzt, das Widerstand leistet, überlebt! Gideon Hausner, der aus dem Eichmann-Prozess bekannt gewordene Ankläger schreibt in seinem Vorwort zu der Schrift Schabbetais u. a. bei der Erörterung der von den Juden durchgemachten Leiden: „Dass es aber über all das hinaus zu bewaffneter jüdischer Erhebung kommen konnte, kann nicht anders denn als ein unbegreifliches Wunder bezeichnet werden. Woher nahmen diese jungen Menschen nach Jahren beispiellosen Elends und Leidens die Kraft, zur Waffe zu greifen, und woher schöpften sie den Mut, sich der riesigen deutschen Kriegsmaschine entgegenzustellen? Es bleibt ein Rätsel“... Es ist wahr, dass dieser jüdische Widerstand mit seinen Erhebungen in verschiedenen Ghetti und Konzentrationslagern, auch in Auschwitz und Treblinka, die einzige Widerstandsbewe- JACOß LAPIDUS dipl. Mohel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037 io B 46-1716 und 48-2124 MOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 T.E. 78-4784 u. 76-2312 Kennedy appelliert an Moskau Washington. — Robert F. Kennedy, demokratischer Senator für New York, nahm das Pessachfest zum An. lass, um die Sowjetunion aufzufordern, die Lage der Judenheit zu verbessern und bei der guten Gelegenheit des 23. Kongresses der Kommunistischen Partei dieseneue Politik zu verkünden. In seiner Erklärung bezog er sich auf kürzlich gemeldete „ermunternde" Erleichterungen für die Juden, wie z. B. die Eröffnung eines jüdischen Theaters in Wilno die geplante Errichtung eines Denkmals in Babi Jar und das Versprechen, he bräische Gebetbücher zu drucken und wieder eine Jeschiwa in Moskau einzurichten. Noch wichtiger als diese Zusagen nannte Kennedy die Aufhebung der religiösen und kulturellen Beschrän kungen für die Juden und forderte von den sowjetischen Behörden eine wirksame Kampagne zur Ausrottung des Antisemitismus und die aktive Förderung jüdischer gemeindlicher und kultureller Institutionen. — (ITA) gung in einem von den Na zis besetzten Land gewesen ist, die offen den Kampf gegen ihre Unterdrücker aufgenommen hat. Wenn man die Lösung dieses Rätsels oder die Erklärung für dieses Wunder nur in der Hoffnungslosigkeit der Situation suchen wollte, in welcher sich diese Juden befunden haben, dann wird man diesem einzigartigen und überraschendem Phänomen des jüdischen Widerstandes nicht gerecht. Gewiss war die Lage ausweglos und die Stimmung verzweifelt. Aber auch die Lage von tausenden russischen Kriegsgefangenen, die doch geschulte Soldaten gewesen sind, bot im Angesicht der in den Lagern geübten nazistischen Mordpraxis das gleiche Bild der Ausweglosigkeit, ohne dass sie — obwohl waffengeübt, — sich erhoben und gegen den sicheren Tod empört hätten. Hierin allein kann also nicht die Deutung des Geschehens gesucht werden. Dies war nicht das den Ausschlag gebende Motiv für die Menschen des Ghetto, die Jahrzehnte zuvor von einem jüdischen Dichter als die Träumer des Ghetto besungen worden waren. In den Herzen all dieser Menschen — und keinesfalls nur der Jungen unter ihnen. — lebte jener Willen des Volkes zum Ueberleben, war jener unbezwingbare Glauben an die endliche Erlösung des Volkes und jene unbezwingbare Sehnsucht nach Freiheit lebendig, die Jahrhundert um Jahrhundert, durch die ganze lange Nacht unserer Geschichte Generation nach Generation erfüllt haben. Im jüdischen Volk sind die hohen Gedanken der Menschheit und der Menschlichkeit als gestaltende Kräfte wirksam, die auch noch in der Versklavung und Verfolgung, die im Angesicht der Gefahr und des Todes die jüdischen Gemüter und Herzen erheben. Gerechtigkeit und Freiheit sind keine leeren Parolen, keine hohlen Phrasen, sondern den Menschen formende Gewalten, die ihn beherrschen und über die Peiniger hinauswachsen las. sen. Nicht jene überheblichen Unterdrücker mit ihren schmucken Uniformen und blinkenden Waffen, die sich als „Herrenrasse“ fühlten, repräsentieren den Stolz und die Würde des Menschen, sondern die ausgemergelten, nur noch in Lumpen gehüllten Kämpfer des Ghetto, deren Geist und menschliche Haltung sich noch im Unter gang über die nackten Interessen eines bis zum Absurden getriebenen Materialismus erhoben hat und der ganzen Menschheit ein leuchtendes Beispiel für die edel sten Eigenschaften bot, die ein Volk auszeichnen können. Die Kämpfer der Ghetti haben durch ihren Mut und ihre Entschlossenheit, nicht widerstandslos unterzugehen, nicht allein die Ehre und die LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparee* los Viernes. Editado por Estrellas Editorial £?tda. Director; Amoldo W. B. Swaraenaky Pueyrredón 2190, 1’ izq. T.E. 83-2613 Abono-Preise Argentinien: $ 700.— pro Jahr Ausl. $ 1.000,— jährl. Würde eines verfolgten Volkes gerettet. Sie haben das Panier der Menschlichkeit entrollt und den Glauben an eine bessere Zeit bewahrt, als bereits alles um sie herum in Flammen aufging und in Trümmer versank. Der Tag, an dem das jüdische Volk des Aufstandes im Warschauer Ghetto als Symbol des jüdischen Widerstandes gegen den nazistischen Ungeist gedenkt und als Besinnung auf die wahren Werte der Menschheit begeht, sollte ein Erinnerungstag für alle Menschen sein, die an die hohen Ideale des Geistes glauben und sich gegen die Macht der Gewalt und des Unrechts zur Wehr zu setzen bereit sind, auch wenn der Kampf zunächst aussichtslos erscheinen mag. CENTRO PRIVADO DE ORTOPEDIA Y TRAUMATOLOGIA Prof. Dr. I. BlumenfeW (Director) Jefe del Servicio de Ortopedia y Traumatología del Hospital Israelita — Profesor de la Facultad de Ciencias Médicas de Buenos Aires. UNICAMENTE ENFERMEDADES DE LOS HUESOS Y ARTICULACIONES — FRACTURAS 41-2331 — 2240 47-5875 J. E. URIBURU 285 Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO ENFERMEDADES CARDIOVASCULARES APARATO CIRCULATORIO Médico del Hospital Fernández CUBA 2141 — T. 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