Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2161 (25.3.1966)
- Date
- 1966-03-25
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — 1? izq. JGxJéi*ui*í&2JkA&e¿iícL 83 - 26 1 3 T. E. Año XXVII. BUENOS AIRES, VIERNES 35 DE MARZO DE 1966 N1? 2161 Gegen religioese Intoleranz Leserzahl gestiegen von HORST W1NCKLEK Immer sind es die antidemokratischen Kräfte, die sifti am wirkungsvollsten die Wohltaten der Demokratie nutzbar zu machen verstehen. Die Weimarer Republik, der grandiose, aber misslungene Versuch einer Demokratisierung des deutschen Volkes, liefert hierfür den klarsten Beweis. Um die demokratischen Prinzipien zu bewahren und zu retten, sah man zu, wie die Totengräber der Republik und Nutzniesser der Freiheit diese missbrauchten, um ihr« eigenen dunklen politischen Geschäfte zu machen. Mit einer an Leichtsinn grenzenden Grosszügigkeit gestattete die Republik den antirepublikanischen Parteien, sich im Schutze einer idealen, aber unwirklichen Verfassung auszubreiten und zu entwickeln. Der Glauben an das Recht war in der Republik stärker als der Wirklichkeitssinn der Verantwortlichen, die somit letztlich unverantwortlich weil nicht real handelten. Die Achtung vor der Verfassung und ihren hohen Grundsätzen wurde von rücksichtslosen Abenteurern als Schwäche ausgelegt. Nur so konnten die dunklen Gewalten triumphieren, deren Sieg nicht nur den Untergang und Tod für ihre Gegner bedeutete, sondern die Vernichtung Europas. — Es ist schwer zu sagen, ob sich diese bedauerliche Entwicklung wiederholt. Aber Anzeichen hierfür sind vorhanden. Dass es nicht gelingen werde, die Schlacken der Vergangenheit in wenigen Jahren oder Jahrzehnten zu überwinden, musste allen Beobachtern bewusst sein. Man hätte deswegen erwarten dürfen, dass die demokratischen Kräfte weit wachsamer sein werden, als sie es waren und sind Die vielen gerichtlichen Fehlentscheidungen, die zahlreichen in Amt und Würden befindlichen Ehemaligen, die häufige« antisemitischen und antidemokratischen Demonstrationei*, Hakenkreuzschmierereien Friedhofsschändungen und Provokationen waren Warnungszeichen, die kaum beachtet worden sind, weil man sie, wie einst in Weimar, für unbedeutend, nebensächlich und ungefährlich hielt. Aber irgendwie hat es auch damals harmlos unwichtig, lächerlic*» begonnen, bis aus den .harmlosen- Soldatenspielereien, de» vereinzelten Krawallen und den lächerlichen Verleumdungen ernste und schliesslich unüberwindbare Hindernisse für die Entfaltung eines demokratischen Lebens geworden waren, bis es_mit einem Wort gesagt — zu spät war, um zu reagieren. Das Bundesinnenministerium veröffentlicht regelmässig seine Kontrollen und Feststellungen über die Entwicklung der radikalen Presse mit ihren extremistischen Ausfällen und Attacken. Die .Deutsche National-Zeitung und Soloatenzeitung“ kann ungehindert Woche für Woche ihr Gift veispritzen und im Gegensatz zu anderen Presseerzeugnissen über die Zunahme ihrer Leserzahl berichten. Ist das ein Zufall? Warum kann eine Zeitung die Pressefreiheit dazu benutzen, um Teile der Bevölkerung in übler Weise zu beschimpfen und Behauptungen zu verbreiten, die unzutreffend und verleumderisch sind? Was dort abgedruckt die Haltung von Thomas Mann dargestellt, der ,.Goethe i« wird, ist eine Schande. Als „erbärmlicher Betrug'* wird u. a. antideutschem Sinne verfälscht“ habe... Gegen den Auschwitz-Prozess wurde in einer Weise polemisiert die eine Verdrehung aller Rechtsbegriffe darstellt. Antijüdische Artikel gehören zum Tagesprogramm. Aber es geschieht nichts. Denn es herrscht (eine falsch verstandene) Pressefreiheit..., bis es eines Tages wieder zu spät sein dürfte. Vereinte Nationen. — Mit Bsrael und den USA auf der einen Seite und der Sowjetunion an der Spitze der Opposition wurde in der UN- Kommission für Menschenrechte eine heftige Debatte über einen israelischen Vorschlag zu einem Appell an die ganze Welt geführt, alle Vorurteile, „wie z.B. den Antisemitismus“ zu bekämpfen. Die Ursache des erbitterten Wortwechsels war ein Projekt für eine Konvention über die Ausschaltung aller Formen religiöser Intoleranz eit* Vorschlag, der bekanntlich von Sowjetrussland seit sechs Jahren in dieser Form durch yerschleppungsmanöver hintertrieben wird. Der israelische Repräsentant in dies«- Kommission. CJiaim Cohen Mitglied des Obersten Gerichtshofes, unterbreitete einen Zusatz zu dem Entwurf dieser Konvention, in dem der Antisemitismus ausdrücklich als eine Form der zu verdammenden Vorurteile erwähnt wird. 0wgeni Nasinowsky, der sowjetische Delegierte, unterbreitete einen Zusatz, in dem das Wort „Antisemitismus“ nicht vorkommt und statt dessen die Aufforderung ergeht, dass „alle Menschen und Organisationen ohne Unterschied der Religion usw. ihre Kräfte vereinen sollen.“ Der Delegierte der UBA vor der Kommission, Morris B. Abram, griff an dieser Stelle ein, um den israelischen Antrag zu verteidigen. Er bezeichnet* den Antisemitismus als „das hervorstechendste Merkmal des Uebels, das wir auszurotten versuchen“, und fragte die Kommission, „welcher Schaden durch die Erwähnung des Antisemitismus in der Konvention verursacht werden könne“. „Meine Regierung“ erklärte Abram, „ist der Ansicht, dass die ausdrückliche Erwähnung des Antisemitismus nicht nur angezeigt sondern aus vielen Gründen sogar notwendig ist. Der Antisemitismus ist ein Musterbeispiel für religiöse Intoleranz in ihrer seit je bestehenden und beleidigstendste nForm.“ CHELE STELLT EINEN ANTRAG Israel zog in einer späteren Sitzung seinen Antrag auf den Zusatz zurück, in dem der Antisemitismus ausdrücklich in der UN-Konvention über Beseitigung der religiösen Intoleranz aufgeführt sein sollte. Die israelische Delegation unterstützte dagegen eine von Chile vorgelegte Klausel, die sich auch auf den Antisemitismus bezieht, jedoch eine Er weiterung der auf die zu bekämpfenden Vorteile bezügliche Formulierung darstellt. Die chilenische Klausel, die vom Repräsentanten Chiles in der Kommsision, Narciso Irureta, vorgeschlagen wurde, spricht von „Be- (Der folgende Artikel ist die Fortsetzung des in der vorigen Woche erschienenen Aufsatzes „Eine Veröffentlichung“ — Nur wenige Wochen lagen zwischen der Mitteilung des Kardinals Bertram an den Herrn von Papen: „Wer (seinen Standpunkt) revidieren muss, ist der Führer der Nationalsozialisten selbst ... “ und den ersten Rückzugsmanövern, zu denen sich die deutschen Bischöfe gegenüber den neuen Herren Deutschlands „gezwungen“ sahen. Wiederum war es Kardinal Bertram, der als Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz die Initiative ergriff und auf Anraten des Münchner Kardinals Faulhaber das Signal zum schrittweisen Rückzug gab. Als Grund wurde angegeben dass die Gläubigen der Kirohe fernbleiben und zu evankämpfung von Vorurteilen, wie z. B. Antisemitismus oder anderen ähnlichen Fällen der Diskriminierung gegen besondere religiöse Bekennt, nisse“. Der israelische Delegierte Chaim Cohen erklärte, Israel würde diesen Wortlaut akzeptieren. Der sowetische Delegierte, Evgeni Nasinowski, bestand hingegen darauf, dass eine Fassung gefunden werden müsse, in der das Wort Antisemitismus nicht steht. Er beantragte eine Klausel in der es heissen sollte, dass „die Vorurteile gegen die christliche, mohammedanisehe, buddhistische, jüdische und andere Religionen bekämpft werden sollen“ Er argumentierte, dass wenn es unbedingt erforderlich sei den „Antisemitismus“ zu erwähnen, dieser Ausdruck seigelischen Gottesdiensten gehen würden. Dies ergibt sich aus einer deutschen Dokumentensammlung, in der das Schreiben des Kardinals Bertram vom 24. März 1933 enthalten ist. Immerhin war zwischen dem 30. Januar 1933 und dem 24. März schon ,etwas* geschehen. Die Konzentrationslager gab es bereits. Wilde und gelenkte Aktionen gegen die politischen Gegner waren im Gange. Das sind historische Fakten, die man z B. bei Gisevius nachlesen kann. Aber die Kardir.äle, vor allem Bertram und Faulhaber, waren der Meinung, es sei noch etwas zu retten. Wen sie vor den Angriffen der neuen Regierung bewahren wollten, war die Kirche. Die Uebergriffe gegen andere wurden nicht als eine ernste Gefahr betrachtet. Die Verletzung der Verfassung wurde hingenommen. Man suchte nach einem erträglichen modus vivendi. Wenigstens die Kirche sollte intakt bleiben. Man vertraute auf das Wort derer, die man bis gestern und sogar bis heute bekämpft hatte. Eine beruhigende Erklärung des Kanzlers hatte genügt, um neue Hoffnungen zu erwecken. Selbst Bertram war wankend geworden, der bisher wie ein Fels jede nazistische Attacke abgewehrt hatte. Auch er wurde langsam bereit. seinen eigenen Frieden mit den Nazis zu schliessen und in das Lager derjenigen Bischöfe überzutreten, die gewillt waren, die verschie denen über die NSDAP ver hängten Verbote aufzuheben Gewiss spielte dabei eine Rolle, dass Verhandlungen über ein Reichskonkordat ganz überraschend im Gange waren, bei denen der frühere Führer des Zentrums, der Prälat Monsignor Kaas eine grosse Rolle gespielt hat Um das Konkordat zustandezubringen, waren beide beteiligten Parteien zu Konzessionen bereit. Natürlich wusste die Reichsregierung, dass sie in der internationalen Politik mit den grössten Schwierigkeiten zu rechnen hatte. Alle Botschafter und Beobachter der ausnem Inhalt entsprechend in einer Resolution figurieren müsse, die sich mit rassischen. und nicht mit der religiösen Intoleranz befasst. Wie erinnerlich war es die Sowjetunion, die die Bemühungen zunichte machte, den Antisemitismus in der Konvention aufzuführen, die zur Verdammung der rassischen Intoleranz vor einigen Monaten in derselben Kommission zur Annahme gelangte. Die Russen verlang, ten damals den Zusatz einer Klausel, in der Antisemitismus und Zionismus mit Na zismus und Neonazismus in gleichem Atem genannt werden sollten, so dass schliesslich angesichts der russisehen Haltung beschlossen wurde, alle diese „Ismen“ fortzulassen und in der Konvention nur die Apartheid zu erwähnen. (ITA) wärtigen Mächte hatten ihren Abscheu vor einer Bewegung kundgetan, die mit den rücksichtslosesten Mitteln, mit Lüge, Verleumdung und Verrat gearbeitet hatte, bis sie zur Macht gelangte. Selbst die Italiener betrachteten die deutschen Nazis mit grösstem Vorbehalt. Eis hat lange gedauert bis Mussolini sich zu einer Kooperation mit diesen Deutschen bereit gefunden hat. Wahr- Handelsvertrag mit Frankreich Paris. — Ein französich-israelischer Handels, vertrag für das Jahr 1966 ist in Paris geschlossen worden. Der neue Vertrag erneuert das frühere Abkommen zwischen beiden Ländern, sieht jedoch einige Erhöhungen der Quoten für Fruchtsäfte, Weine, Mazzot und Oliven vor. (ITA) scheinlich wusste er am besten, dass dies seinen Untergang bedeuten würde. Um die antideutsche Stimmung des Auslandes zu überwinden, fiel dem Konkordat eine ungewöhnliche Bedeutung zu. Hitler erkannte sofort, dass dies das Entreebillet für die allgemeine internationale Politik ist. Denn er konnte unschwer argumentieren, dass auch die anderen Staaten seine Regierung akzeptieren müssten, wenn erst einmal der Vatikan ihn als Vertragspartner angenommen habe. Die Berechnung ging später auch zu einem guten Teil auf. Andrerseits haben die deutschen Katholiken sehr bald erkannt dass die naz'stisehen Ideen und Methoden zu einer Schwächung, wenn nicht zu einer Vernichtung des deutschen Katholizismus führen würden. Sie waren anfangs entschlossen, den Kampf aufzunehmen. Der Vatikan lenkte ein, wie man annimmt, vor allem unter dem Einfluss des früheren Nuntius Pacelli. In Rom rechnete man damit dass eine Verständigung möglich wäre, weil die Nazis sich nicht auf einen weiteren Kampf gegen die Kirche ein. lassen würden. Dass man im Vatikan ernsthaft annahm, die Nationalsozialisten würden ihr Wort halten, ist nicht anzunehmen. Immerhin sollte das Konkordat den nazistischen Ansturm bremsen und ein Minimum von Berechtigungen der Kirche bewahren. Dass die deutsche Reichsregierung die Abmachungen vom ersten Tage an gebrochen hat, ist bekannt. Aber der von der Kirche in den meisten Fragen ausgeübte Widerstand war schwach, mitunter sogar sehr schwach, was sich aus den deutschen Quellen ergibt. Zunächst wurden alle kirchlichen Verbote gegen die NS-Bewegung mit der folgenden Begründung aufgehoben: „Es ist nunmehr anzuerkennen; dass von dem höchsten Vertreter der Reiohsregierung, der zugleich autoritärer Führer jener Bewegung ist, öffentlich und feierlich Erklärungen gegeben sind, durch die der Unverletzlichkeit der katholischen Glaubenslehre und den unveränderlichen Aufgaben und Rechten der Kirche Rechnung getragen, sowie die vollinhaltliche Geltung der von den einzelnen deutschen Ländern mit der Kirche abgeschlossenen Staatsverträge durch die Reichsregierung ausdrücklich zugesichert wird. Ohne die in unseren früheren Massnahme» liegende Verurteilung bestimmter religiös - sittlicher Irrtiimer aufzuheben, glaubt daher das Episkopat das Vertrauen hegen zu können, dass die vorbezeichneten all- Schluss auf Seite 2) Ankündigung aus Saigon Washington. — Der vietnamesische Botschafter Vu Van Thai kündigte an, dass seine Regierung „die Auf. nähme voller und normaler Beziehungen mit Israel beschlossen hat, nachdem die kürztichen Verhandlungen mit israelischen Diplomaten in Bangkok zu einem glücklichen Ende geführt wurden.“ Dieser Beschluss wurde nach seiner Aussage in einem offiziellen Kabel von Saigon nach Washington übermittetlt. Vu Van Thai brachte zum Ausdruck, dass er von dieser Nachricht „nöchst erfreut“ sei und hoffe, dass die diplomatischen Beziehungen „den Beginn eines verstärkten israelischen Hilfsprogramms bedeuten“. En* erinnerte an seinen Besuch in Israel im Jahre 1958 an der Spitze einer vietnamesischen Delegation. Br spraoh von dem tiefen Eindruck, den die Kibbuzim auf ihn machten und von der Bedeutung, die seine Regierung den Nachal-Einheiten beimisst, deren Mitglieder Soldaten und Landwirte zugleich sind, so dass sie den Wunsch hege, in verstärktem Masse von Israel technische Hilfe und anderen Beistand zu erhalten. Der Botschafter enthüllte, dass die Verhandlungen mit Israel in diesem Sinne seit Juli 1964 geführt wordeu sind und ihren Höhepunkt nach der Konferenz von Honolulu erreichten, „auf der Präsident Johnson zur Unterstützung Saigons eine aktivere Rolle Israels vorschlug“. Unmittelbar danach wurden die diplomatischen Gespräche mit Israel in Bangkok eingeleitet, die jetzt mit der aus Saigon ergangenen Ankündigung von der Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen endeten. Er fügte hinzu, ein zweites Kabel seiner Regierung habe ihn verständigt, dass Saison das israelische Angebot angenommen habe. 15 Landwirte nach Israel zu schicken, die dort von landwirtschaftlichen Experten ausgebildet werden sollen. (ITA) Atomfreie Zone in Mittelost Tel Aviv. — Der sowjeti.-vche Botschafter Dimitri Schuwayin sprach auf einer Sitzung des Jüdischen Weltkongresses und machte den Vorschlag, „im Mittelosten eine atomfreie Zone zu schaffen“, die nach seiner Auffassung dazu beitragen würde, „grössere Möglichkeiten für Friedensgespräche zwischen den Regierungen in diesem Raum zu bieten“. Er bezog sich auf den „Geist von Taschkent“, mit dem Hinweis, dass seine Regierung bemüht sei, auf ähnliche Weise Probleme in an deren Teilen der Welt zu lösen, und wandte sich an die organisierte jüdische Meinung mit der Aufforde rung, die sowjetische Opposition gegen die Gesinnung des „westdeutschen Vergeltungsdurstes und Militarismus“ zu unterstützen. Auf der gleichen Sitzung gab der Bürgermeister von Tel Aviv, Mordechai Namir, der Hoffnung Aus druck, dass die Regierung in Moskau „unsere Gefühle iiir die russischen Juden verstehen und den Juden in Sowjetrussland erlauben möge, ihre Tradition und Kultur zu pflegen, sowie diejenigen, die auzuwandern wünschen, die Erlaubnis erteilen wird, damit sie sich mi* ihren Familien in Israel wieder vereinigen können.“ —- (ITA) WIE ICH ES SEHE—...-. .. i Nicht mit einem Wort} :=■■■■ von JEHUDA GOTTHEIMER »;jacaawsgc*«'*