Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2160 (18.3.1966)
- Date
- 1966-03-18
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON 2190 — V> izq. JfcJesnxutäjkA&elUa 83 - 26 1 3 T. E. Ano XXVII. BUENOS AIRES, VIERNES 18 DE MARZO DE 1966 N? 2160 Wirtschaftshilfe aus Bonn Der zwischen Israel und der Deutschen Bundes re pu blik geschlossene Wiedergut machungsvertrag ist in voller Höhe durch Zahlung von 350 Millionen Dollar durch die deutsche Bundesregierun erfüllt worden. Mit der Aufnahme von diplomati . sehen Beziehungen sollten auch Verhandlungen über ei ne wirtschaftliche Koopera tion aufgenommen werden, deren Beginn sich allerdings verzögerte. Diese Verhandlungen nahmen nicht den raschen und reibungslosen Verlauf, den die israelische Regierung erwartet hatte. Ministerpräsident Levi Eshkol bemerkte, er hätte eine freundlichere Haltung der deutschen Partner vermutet. In der Politik kann man nicht mit Sentiments arbeiteil. Wer mit Erfolgen rechnen will, muss .persönliche Hoffnungen und Erwartungen zurückstellen. Minister. Präsident Eshkol hat verges sen, dass auch die Verhandlungen über das Reparationsabkommen seinerzeit nur sehr schleppend und nicht ohne amerikanisches Eingreifen vor sich gingen, bis Moshe Sharett, der damalige und leider zu früh verstor. bene Aussenminister Israels, und der jetzige .Altbundeskanzler’ Dr. Adenauer ihre Unterschriften unter dieses Dokument setzen konnten. In einem Interview ist Premier Eshkol gefragt worden, ob Dr. Konrad Adenauer während seiner Ministerpräsidentschaft einen Kredit von 500 Millionen Dollar für Israel versprochen habe oder nicht. Eshkol soll geantwortet haben; „Das ist kein Mär. chen sondern die reine Wahrheit.“ — Ohne Zweifel hat Adenauer dem damaligen israelischen Ministerpräsidenten David ben Gurion bei ihrer historischen Begegnung in New York weitgehende Zusagen gemacht de. ren Umfang in ihrer wirklichen Tragweite nicht bekannt ist. Bei solchen Zusagen ist immer die Möglichkeit gegeben, über ihren verbindli chen Charakter zu debattieren. Ben Gurion und Adenauer haben anderen Männern ihre Plätze eingeräumt. Die Regierung Erhard fühlt sich möglicherweise nicht an die Erklärungen oder Versprechungen gebunden, die von Adenauer zu seiner Zeit abgegeben worden sind. Ausserdem sind einige Jahre vergangen. Der Faktor Zeit hat wahrscheinlich noch nie. mals die bedeutende Rolle gespielt, die ihm in der Gegenwart zufällt. Die Szenerien auf der politischen Bühne wechseln mit einer atemraubenden Geschwindigkeit. von B. B. SAMUEL Zur Zeit Adenauers hatten die Bundesdeutschen enge diplomatische Beziehungen zu den arabischen Ländern, mit Israel dagegen nicht. Heute ist es genau umgekehrt. Die diplomatischen Beziehungen wurden aufgenommen, aber vorher die Verbindungen zu den Ara. berstaaten unterbrochen. Dass die Bundesrepublik ebenso wie die arabischen Länder bestrebt sind, ihre Beziehungen zu normalisieren, ist bekannt. Aus diesem Grunde dürfte die Bundesregierung bei den Verhandlun. gen mit Israel, die in den letzten Wochen gepflogen wurden eine grössere Zurückhaltung geübt haben als dies anfangs beabsichtigt war. Auf deutscher Seite will man jede neue .Herausforderung' gegen die Araber vermeiden. Eine Kreditgewährung in der verlangten Höhe würde mit Sicherheit erneut den Zorn der arabischen Po. tentaten erregen. Die Bundesrepublik ist nicht stark genug, um sich hierüber hinwegzusetzen. Offensichtlich hat die heutige Regierung nicht mehr die Adenauersche Zivilcourage oder aber fühlt nicht die gleiche Verantwortung vor der Geschichte, die einmal in der Zeit nach der Beendigung des Zweiten Weltkrieges das deutsche Gewissen belastete. Wie man erfährt, soll Bonn auf dem Standpunkt stehen die wirtschaftlichen Bezie. hungen zwischen Deutschland und Israel müssten nach der Normalisierung der diplomatischen Beziehungen ebenfalls normalisiert werden. Darunter wird verstanden, dass die Zeit vorbei sei, um dem Staat Israel eine Vorrangstellung vor anderer. Ländern einzuräumen Diese Stellungnahme der deutschen Regierung dürfte ihrem Wunsch entsprechen, die Vergangenheit nach ihren eigenen Konzepten zu bewältigen. I Wenn man sich auf diesen Standpunkt Bonns stellt, dann dürfte für Israel gefragt werden dürfen, aus welchen Gründen dann überhaupt die Notwendigkeit besteht, Kredite in Bonn aufzunehmen, die man si. cherlich unter ähnlichen Bedingungen auch in anderen Ländern erhalten könnte. Grosse Teile der israelischen Bevölkerung — und sehr viele Juden, die ausserhalb Israels leben, — wären durchaus glücklich, wenn auch die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland wieder aufgehoben werden, weil sie die Vergangenheit nicht überwunden haben und das, was von diesem Deutschland den Juden zugefügt wurde, nicht vergessen können. Die Antwort Eshkols dürfte von allen Juden akzeptiert werden: „Das Naziregime hat einen bedeutenden Zweig des jüdischen Volkes abge schnitten, infolgedessen ha ben wir das moralische Recht, von der deutschen Bundesrepublik grössere Hilfe als andere Länder zu verlangen.“ WIE ICH ES SEHE Eine V eroef fent lichun von JEHUDA GOTTHEIMER Schwere Unwetter im Negew Tel Aviv. — Regen und Stürme suchten den Negew heim. Der durch das Unwetter angerichtete Schaden wurde auf eine Million Israel-Pfund geschätzt. Am meisten litt die Gegend von Arawa im Norden von Elat. Die Kupferminen von Timna wurden überflutet. Ein Teil der Landstrassen, einschliesslich des alten Weges und auch der neuen Route nach Elat. stehen streckenweise unter Wasser. (ITA) Wir leben in einer Zeit, in der die alten Werte in sich zusammenfallen, neue Kriterien auftauchen, alte Lebensvorstellungen zerbrechen neue Richtlinien aufgestellt ■werden, alte Staaten durch neue ersetzt, alte Philosophien durch neue berichtigt und alte Erkenntnisse durch neue überholt werden. Eine ungeheure Unruhe, eine bis dahin nicht oder kaum bekannte Unsicherheit beherrscht die Existenz der Menschheit, bestimmt das Leben der Völker, ersehnt tert das Sein des Individuums und ergreift sogar die Gewalten der uns umgeben den Natur, die elementaren Kräfte, die auf um und über der Erde walten. Nicht nur, die politische Landkarte der Erde hat sich in diesem Jahrhundert zu wiederholten Malen tiefgehend geändert. Auch das geistige Panorama, die sittli. chen Vorstellungen sind einer umfassenden Wandlung in vielen Bezirken des Lebens einem dynamischen Entwicklungsprozess unterworfen, der zu erheblich«' Aenderungen selbst innerhalb der Auffassungen fest umgrenzter und in sich ges-chlossener Organismen geführt hat. Die das politische Leben bestimmenden Kräfte der ersten Jahrzehnte unseres Jahrhunderts sind einfach nicht mehr vorhanden. Wer denkt noch an die Oesterreich-Ungarische Monarchie, an das Deutsche Kaiserreich oder selbst an das British Empire? Ganz neue Faktoren sind auf getreten. Der revolu. tionäre Kommunismus una die Sowjetunion sind nicht mehr unter den neuen Gewalten aufzuführen. China ist mit einer elementaren Kraft wieder aufgestanden und bedroht aus vielen Gründen die westliche Zivilisation, die Russen miteingeschlossen. In Afrika und Asi. en vollzieht sich ein Erneuerungsprozess, durch welchen alle Völker dieser Kontinente aufs schwerste erschüttert werden, ohne dass man heute bereits Voraussagen könnte, wohin dieser neue Weg führen würde. Es ist selbstverständlich, dass die alten und sehr alteil Kraftfaktoren, die in den letzten zweitausend Jahren einen gewaltigen Einfluss auf die Entwicklung genommen haben sich in dieser turbulenten Zeit, auf diesem stürmischen Meer des Geschehens neu zu orientieren bemühen. Nicht am Strassenrande der Zeit stehen zu bleiben, das ist die Aufgabe aller, die sich nicht eines Tages ausgeschaltet sehen wollen, weil sie es verabsäum, ten, „mit der Zeit mitzugehen“. Während die meisten Macht- und Ideengebäude in sich zusammenbrachen, hat es die Katholische Kirche verstanden, ein dezidieren der Faktor im alltäglichen Leben von Millionen Menschen und in der internationalen Politik zu bleiben. Aber auch sie war in unserem Jahrhundert der Gefahr ausgesetzt, von neuen Kräf ten verdrängt oder ausge schaltet zu werden. Dass die se Schwierigkeiten jedenfalls vorübergehend überwunden wurden, dürfte — vom kirch liehen Standpunkt aus betrachtet — das historisch- Verdienst des Papstes Johannes XXIII. sein der durch die Mobilisierung der unbe siegbaren Kräfte des Verstandes und des Gefühls zu einer Zusammenfassung aller 1 jener Menschen aufrief, die Dieses heisse Eisen... Dr. W.: — In einer Glosse, erschienen in der Zeitschrift für die „Rechtsprechung zum Wiedergutmachuogsrecht“, März 1966, wird unter dem Titel „Scherbenhaufen“ awm unrühmlich bekannten Paragraphen 19 des Haushalts-Sicherungsgesetzes Stellung genommen, der Modali« läten für die Auszahlung von Entschädigungsbeträgen zu Lasten der Berechtigten hat. Hierüber wurde bereits ausführlich berichtet und wiederholt Stellung genommen. Die Redaktion der zitierten Zeitschrift hat die Form einer Glosse gewählt, obwohl dieses Thema sicherlich eine tiefgehende, ernste Behandlung erforderlich macht. Die Ausführungen sind polemisch und setzen sich mit denen a/useinander, die als journalistische Scharfmacher bezeichnet werden und von einem Scherbenhaufen der Wiedergutmachung oder einem Frontalangriff gegen die Wiedergutmachung sprechen. Insoweit kann man der dort vertretenen Auffassung beitreten und vor einer sinnlosen Scharfmacherei oder vor einer unbegründeten Kritik warnen da hierdurch nur die wirklichen Argumente gegen den Paragraphen 19 und gegen die Politik der Bundesregierung und des Bundestages abgeschwächt werden. — Die von dem Verfasser des Scherbenhaufen-Artikels aufgestellte Behauptung, den „selbstverständlichen .sozialen Erfordernissen“ sei Rechnung getragen worden, wurde nicht bewiesen und ist völlig abwegig. Dass die Pensionen nicht eingestellt werden, ist ebensowenig wie di« Auszahlung von Beträgen bis 5.000.— DM oder an Menschen über 65 Jahre ein Ausdruck sozialen Denkens, sondern eine Rechtsverbindlichkeit. Oder sind die zugesprochenen Pensionen (Renten) soziale Beihilfen? Wenn sie aas Ergebnis eines Rechtsanspruchs sind, kann ihre Zahlung nicht als ein soziales Erfordernis interpretiert werden. Dass man wenigstens denen, die über 65 Jahre alt sind, die ihnen kraft Rechtens und nicht aus sozialer Notwendigkeit zustehenden Beträge sofort bezahlt, kann auch nicht als ein sozialer Akt angesehen werden. Denn eine Zahlung, die ohnehin mindestens 21 Jahre nach dem Eintreten des Schadenfalles zu gesprochen und geleistet wird, ist beim besten Willen nicht als den sozialen Notwendigkeiten entsprechend anzusehen. Die schematische Abgrenzung nach einer willkürlich festgesetzten Altersgrena« kann niemals einer sozialen Notwendigkeit gerecht werden. Ungezählte Fälle schafft das Leben, in denen Menschen unter 65 Jahren weit bedürftiger und in einem viel stärkeren Umfang auf den Eingang der ihnen zustehenden Zahlungen angewiesen sind, als 65-Jährige, wobei man. nur an die vielen Berechtigten denken sollte, denen ein Gesundheitsschaden zusteht, der ihnen jetzt zugesprochen wird, und die infolge ihrer Krankheit ihre Familie mit unmündigen Kindern nicht ernähren können. Liegt hier nicht eine weit stärkere soziale Notwendigkeit zur soforligen Zahlung als in einem Fall vor, in dem Auszahlung wegen Erreichung einer Altersgrenze erfolgt? Dass sehr viele Opfer der Verfolgungen dank der erhaltenen Wiedergutmachwngsbeträge wieder „ihren Kopf höher tragen können“, — gemeint ist wohl nicht zu verhungern brauchen —, ist unbestritten. Aber man kann unmöglich hieraus ein Verdienst der Bundesrepublik herleiten, die doch nicht aus sozialen, sondern aus rechtlichen (und von ihrem Standpunkt aus auch aus politischen) Gründen eine Wiedergutmachung leistet. Vom sozialen Standpunkt aus betrachtet, ist die Anwendung des Paragraphen 19 HSG in jedem Fall ein soziales Unrecht, weil hier Sparmassnahmen gegenüber den Opfern der grausamsten Verfolgungen angewandt werden, gegenüber Menschen, die seit mehr als 20 Jahren auf ihre sogen. „Wiedergutmachung“ warten. ATOMZENTRUM Jerusalem. — Aussenminister Abba Eban erklärte dieser Tage, dass die USA sich nicht das Recht einer Kontrolle der israelischen Atom-Installationen als Gegenwert der projektierten Finanzierung einer Wasser- Entsalzungsanlage ausbedungen hätten. Eban, der der Kommission für äussere Angelegenheiten und Sicherheit Bericht erstattete, sagte, dass die Vereinigten Staaten nur ein Inspektionsrecht über jenen Teil der Anlagen fordern würden, der dem Entsalzungsprojket diene. Diese Forderung, so meinte Eban. wäre „ganz natürlich" da diese Anlage von Israel und den Vereinigten Staaten gemeinsam gebaut und daher auch gemeinsam verwaltet werden würde. Diese Erklärung Ebans bezieht sich auf verschiedene Berichte aus Washington, wonach die nordameri kanische Regierung beschlossen habe, die Anleihe für das Entsalzungsprojekt mit dex Bedingung zu ver. knüpfen, dass die israelischen Atomanlagen in ihrer Gesamtheit einer internationalen Inspektionsmöglichkeit zugänglich gemacht werden müssten. Wortführer des israelischen Aussenministeriums leugneten bisher systematisch, von einer solchen, müder Anleihe verbundenen Bedingung Kenntnis zu haben. Die Vereinigten Staaten hatten jahrelang iibei die Internationale Atomkommission in Wien versucht, Israel dahingehend zu beeinflussen, die Einsichtnahme in ihre Atomproduktion, insbesondere der grössten Anlagen in Dimona, zu gestatten. (ITA) geeignet sind, dem geistigen und materiellen Chaos zu steuern, von dem alle Menschen, alle Nationen, alle Glaubensgemeinschaften und alle Völker bedroht sind. Es war die Botschaft der Liebe, des gegenseitigen Verstehens, der Zusammenar beit, der Hilfe, des Fortschritts und des Friedens, jene Botschaft, die in allen grossen Menschen lebendig war, und die man in allen Religionsgemeinschaften, in philosophischen Systemen und Erlösungsvorstellungen wiederfindet. Es war Johannes XXIII., der die geistige Kraft hatte, diesen Gedanken neu zu formulieren, der auch über die tatsächlichen Möglichkeiten verfügte, ihn in das Stadium der Verwirklichung zu transponieren. Zur Klärung der Position der Kirche zu vielen Fragen des modernen Lebens hatte Papst Johannes XXIII. das II. Vatikanische Konzil einberufen. Zu den Punkten, die einer Analyse unterzogen und einer Prüfung unterliegen sollten, gehörte auch das wichtige Problem der Anna, herung aller Glaubensgemeinschaften, um — falls die Voraussetzungen hierzu vorhanden wären —, eine geschlossene Glaubensfront gegen das Vordringen des Kommunismus und Atheismus zu bilden Im Rahmen dieser Frage, einen modus vivendi und der gemeinsamen Aktion mit den anderen Religionsgemeinschaften zu finden, sollte auch die Stellung der Kirche zu den Juden einer erneuten Ueberprüfung unterzogen werden So entstand der Kampf um die sogenannte „Juden - Erklärung“ des Konzils. Die entsprechenden vorbereitenden Arbeiten wurden einer Kommission übertragen, die unter der Leitung des Kardinals Bea stand, der mit grossem Enthusiasmus und einer umtassenden Sachkenntnis an die Lösung der ihm und seiner Kommission gestellten Aufgaben herantrat. Wer auch nur oberflächlich die Geschichte der Konzilien der Katholischen Kirche kennt, weiss, dass dies nicht das erste Konzil gewesen ist, das sich mit den Fragen beschäftigen sollte die sich auf die kirchliche Stellung zu den Juden oder zum Judentum beziehen. Bereits in einem anderen Zusammenhang haben wir an dieser Stelle darauf verwiesen, dass z. B. das berühmte Trienter Konzil im Jahre 1545 die Juden vom sogen. Gottesmord freigesprochen hatte und die Schuld an der Kreuzigung Schluss auf Seite 2) Adenauer ermahnt Bonn Koblenz. — Westdeutschlands ehemaliger Bundeskanzler, Dr, Kon: ad Adenauer, forderte die heutige Regierung in Bonn auf, die kürzlich begönneneu Verhandlungen mit Israel einer „befriedigen den Lösung ■ z: zuführen Ein Scheitern, so warnte er, würde die Beziehungen Bonns mit anderer. Ländern trüben. Dr. Adenauer betonte in seiner Ansprache, dass die Deutsche Bundesrepublik in den Jahren seiner Regierung stets eine Politik der guten Beziehun. gen mit Israel und Frank reich verfolgt habe (ITA)