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Jüdische Wochenschau · 1966-03-11 · 2159 (11.3.1966) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2159 (11.3.1966)
Date
1966-03-11
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — 1? ¡zq. Jkmxxn&Jsha&üia, 83 - 2613 T. E. Año XXVII. BUENOS AIRES, VIERNES 11 1>E MARZO DE 1966 N° 2159 Wandlungen im Orient Was Rusk sagte Vor wenigen Wochen gab der amerikanische Aussenminister Dean Rusk eine Pressekonferenz vor europäischen Journalisten. Selbstverständlich sprach er über den Krieg in Vietnam, das zentrale Thema der heutigen internationalen Politik. Rusk äusserte die Meinung, es wäre an der Zeit, dass europäische Truppen in Vietnam eingesetzt würden. Dass dieser. Hinweis auf wenig fruchtbaren Boden fiel, ■ wurde sohon nicht mehr erwähnt. Immerhin dürfte es auch Rusk nicht unbekannt geblieben sein, dass in den Reihen der ..amerikanischen1* Militärpolizei in Südvietnam fast ausschliesslich ehemalige deutsche Gestapo- oder SS-Leute eingesetzt werden, die dort unter falschem Namen untertauchten. Jedenfalls wurde diese Mitteilung von einer deutschen Illustrierten gemacht, die es wohl wissen muss... Ob diese Aufforderung des amerikanischen Staatssekretärs (Aussenministers) Rusk bei den westeuropäischen Regierungen auf einen fruchtbaren Boden fallen wird, muss abgewartet werden. Franzosen und Engländer werden wohl auf eine solche .Offerte* überhaupt nicht antworten. Ob die deutsche Bundeswehr in der einen oder anderen Form zum Einsatz gelangen wird, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich erwarten die Amerikaner eine positive Antwort von dieser Seite, zugleich als Kompensation für geleistete Hilfestellung beim Wiederaufbau einer deutschen Wehrmacht. Möglicherweise dürfte dies auch der Kaufpreis für die Zulassung zur Atommacht sein, was allerdings nicht allein von den Amerikanern abhängt. In diesem Punkt ist nicht nur mit dem schärfsten russischen Widerstand sondern auch mit einem entschiedenen französischen Einspruch zu rechnen. II. Die Lage aendert sich In den letzten Wochen hat sich die internationale Lage in vielen Hinsichten grundle. gend gewandelt. Man kann nur über die Schnelligkeit erstaunt sein, mit der sich das Panorama ändert, und sich die Schwerpunkte des internationalen Geschehens verlagern. Menschen, Völker, GEDENKFEIER Jerusalem. — Einen Tag, bevor der Unabhängigkeitstag gefeiert wird, der dieses Jahr auf der, 25. April fällt, wird der Gefallenen des Befreiungskrieges gedacht. Der Ministerpräsident und hohe Offiziere nehmen an dieser Gedenkfeier teil. Zum ersten Mal seit der Staatsgründung Israels werden jetzt auch die Veteranen der während der Mandatsregierung ins Leben gerufenen Unter, grundbewegungen Irgun Zwai Leumi und Stern in der Ehrenwache vertreten sein. Bisher durften nur Mitglieder der Haganah an der Zeremonie der Entzündung der Fackel teilnehmen. (ITA) von JEHUDA GOTTHEMER ja Kontinente treten an Bedeutung zurück und müssen anderen Schauplätzen den zweifelhaften Vorrang überlassen, im Mittelpunkt der Ereignise zu stehen. Ohne Zweifel hat die An. näherung zwischen den beiden grossen Nachkriegsantipoden und die chinesische Gefahr das Weltbild tiefgekeit dieser blutigen Kämpfe nicht. Offensichtlich ist es Naivität anzunehmen, dass es auch andere Mittel und Möglichkeiten geben müsste, zu einer Regelung zu gelangen, die auoh den Westen zufriedenstellt. Die alte Krutschewsche Formel der Koexistenz, die im Grunde genommen eine Binsenwahr¬ Israel hilft den Opfern Mit einem Flugzeug der Aerolíneas Argentinas kam gestern in Ezeiza eine Ladung von Medikamenten an, die die Regierung Israels für die Opfer der Ueberschwemmungskatastrophe in den Nordprovinzen Argentiniens geschickt hatte. Die Sendung umfasst 251 Kilogramm Antibiotica, Vitamine, Ampullen gegen Schlangenbisse und Serum gegen das gelbe Fieber. — hend beeinflusst. Die russische Zurückhaltung im Vietnam-Konflikt ist beeindrukkend und beweist, dass der russisch-chinesische Gegensatz weit grösser ist, als dies aus Zeitungsmeldungen im allgemeinen hervorzugehen pflegt. Immerhin ist die Lage für die Amerikaner ernster als dies aus den Reden und sonstigen Erklärungen amerikanischer Politiker und Sonderbeauftragter zu ersehen ist. Präsident Johnson hat erst kürzlich das amerikanische Volk auf einen langen Krieg vorbereiten wollen, der Opfer von jedem Bürger verlangen wird. Der einfache Mann, nicht nur in Amerika, versteht die Notwendigheit darstellt, wird sich auch in Vietnam nicht auf die Dauer ausschalten lassen. — III. Der Wüstenkoenig Durch die neue Entwicklung der Weltpolitik und die augenblickliche Lage bedingt, Igt- —cter Nftho odtrr Mittler«? Osten aus dem Blickfeld der internationalen Beobachter in den Hintergrund getreten, ohne allerdings von der Tagesordnung der ständigen Auseinandersetzungen, Konferenzen und Diskussionen zu versohwinden. Die Entwicklung der mittelöstlichen Verhältnisse hat ebenfalls zu einer Kräfteverlagerung oder zum Beginn einer gründlichen Veränderung der Einflüsse geführt. Trotz seiner zweifellos geschickten und teilweise auoh erfolgreichen Verhandlungen mit den Grossmächten ist es dem ägyptischen Diktator niemals gelungen, seine weitschweifenden Träume und Aspirationen auch nur in bescheidenen Anfängen zu verwirklichen. Nasser wollte sich zum Oberhaupt aller Moslems machen; als dieser Plan scheiterte, versuchte er sich mit der Rolle des Führers aller arabischen Natio. nen abzufinden. Aber die Arabische Liga, die er als Instrument zur Realisierung dieser Politik einsetzte, scheiterte bei ihren Unternehmungen. Nassers Stern leuchtet nicht mehr am politischen, auch nicht mehr am arabischen Himmel in früherer Helligkeit. Ob es ihm heute gelingen wird, das eindeutig verlorene Terrain wieder zu gewinnen, dürfte mehr als zweifelhaft erscheinen. Wenn der Orient auch heute noch von Geheimnissen umwoben ist, so dürfte dies weniger auf die Geschichten aus Tausend und einer Nacht, sondern eher auf die beinahe sagenhaft gewordene Figur des Wüstenkönigs Ihn Saud zurückzu, führen sein der aus den unendlichen Sandmeeren der w Liste em gewaiuges K'virnF reich geschaffen und seinen Gewaltstaat zu einem Faktor im internationalen Leben gemacht hatte. H. C. Armstrong, einer der vielen Biographen Ibn Sauds (1880— 1953), nannte ihn, den König aus dem Morgenland, den unbestrittenen Führer des arabischen Volkes. Das war noch 1936. Inzwischen haben die Führer wiederholt Nazis: „Ja “ - Juden: „Nein “ London. — Der Jüdische Weltkongress äusserte sich! zur Haltung Bonns in der Frage der Wiedergutmachung! dahingehend, dass diese Haltung nur neue Erbitterung ge- I gen Deutschland aus lösen werde. Dieser Feststellung wurde hinzugefügt, dass mar. ernstlich Zweifel darüber hege, ob das ,.deutsche Wirtschaftswunder“ nicht eine Illusion sei, wenn Deutschland sich genötigt sehe, sein Defizit auf Kosten jener Opfer zu decken, die am längsten dem Martyrium der Nazizeit ausgesetzt waren. „Wieder einmal .Armes Deutschland* “ lautet der Titel des Leitartikels dei Januar-Febrisar-Nummer des „World Jewry“, dem in London erscheinenden Organ des . Jüdischen Weltkongresses In dem Leitartikel werden die j Behauptungen der Deutschen arigezweifelt, wonach als Grund für die Verschleppung der Wiedergutmachungs- Zahlungen nach 15 Jahren des „deutschen Wirtschafts. Wunder“-Wohlstandes eine wirtschaftliche Krise angege- , ben wird. Diese deutsche Begründung wird als „zynische i Missachtung nicht nur der Weltmeinung, sondern auch I des deutschen Gewissens bezeichnet, jenes Gewissens, das, wie man uns erklärte, ewig die Last der tragischen Hitlerjahre tragen werde...“ „Die Massnahmen der Regierung Westdeutschlands, die Entschädigungszahlungen an die Naziopfer hinauszuschieben, weckt bittere Erinnerungen an die Vergangenheit“ heisst es in dem Artikel. „Die Deutschen scheinen Meister des alten Tricks zu sein, Vertrauen zu erwecken, um. ihre Niederlagen in Siege umzuwandehi“, stellt der Wortführer des Weltkongresses fest und erinnert daran, wie es den Deutsetien gelang, sich die Hilfe ihrer Feinde von Gestern zu sichern und nach beiden Weltkriegen auf diese Welse zu neuem Wohlstand zu gelangen, während ihre Besieger unter der Last ihrer Verpflichtungen ächzten. Etwas Ähnliches ereignet sich jetzt mit der Wiedergutmachung er Naziopfer. Jene, die Westdeutschlands Kostenanschlag zusammenstellen, können immer noch Fonds für Pen. sionszahlung an Ex-Nazis freimachen, die seinerzeit den perversen Zielen zur Zerstörung der Freiheit und Versklavung der Menschheit dienten. Doch sie haben keine Fonds für die Opfer, obwohl, sie vor wenigen Monaten beschlossen hatten, ihre Forderungen zu erfüllen.“ Der Artikel schliesst mit folgender Festellung: „Die böswillige Entscheidung der Regierung von Bonn, die Gerechtigkeit für die Notleidendsten unter den Naziopfern hinauszuschieben, löste überall in der Welt Empörung aus. Wenn Deutschland diese kurzsichtige und gefühllose Haltung auch weiterhin einnehmen sollte, wird die Reaktion notgedrungen eine neue noch tiefere Bitternis gegen das „neue“, jedoch allem Anschein nach sehr mangelhaft wiederhergestellte Deutschland sein“. _ Aufruf zur Solidaritaet Angesichts der schweren Folgen der katastrophalen Überschwemmungen im Nordosten Argentiniens hat die DAIA an die ganze jüdische Kollektivität des Landes einen Aufruf gerichtet, ihre Solidarität mit den Geschädigten zu beweisen und Wäsche, Medikamente. Lebensinittel sowie andere notwendige Dinge zu spenden. Die Pakete sind direkt bei der offiziellen Behörde abzugeben, die die Hilfsaktion leitet, und zwar bei der Dirección de Defensa Aérea Pasiva in der Strasse Beruti 3048. Spende der AMIA Zur wenigsten teilweisen Linderung des furchtbaren Unglücks von dem die Bewohner der argentinischen Nordprovinzen Chaco und Formosa betroffen worden sind, hat die Exekutive der AMIA in ihrer letzten Sitzung beschlossen, tausend wollene Decken zu stiften, die der Nationalen Hilfskommission für die Opfer der Ueberschwemmungen übergeben werden sollen. Wie schon in früheren Fällen von Katastrophen, von denen Teile der argentinischen Bevölkerung heimgesucht wurden, war die Kehilla von Buenos Aires auch dieses Mal unter den ersten, die durch konkrete Beiträge ihren Mitbürgern, die all ihr Hab und Gut verloren haben, Hilfe bieten. Hilfe für die Obdachlosen Die Leitung des Jüdischen Krankenhauses „Ezrah“ kündigte an dass es Medikamente und Artikel für den persönlichen Gebrauch, sowie Produkte zur Bekämpfung einer Ausbreitung der unter den Evakuierten in den Ueberschwemmungsgebieben ausgebrochenen Krankheiten zu spenden bereit ist, um auf diese Weise seine Solidarität zum Ausdruck zu bringen. Appell der Jüdischen Wochenschau Die Jüdische Wochenschau macht sich zum Sprachrohr des Appells, den die DAIA an alle jüdischen Bürger Argentiniens gerichtet hat um ihren Anteil zur Linderung der Not der Opfer der Ueberschwemmungs-Katastrophe beizutragen Wir wenden uns insbesondere an alle Juden unseres Sektors, zu diesem Hilfswerk der Solidarität und Menschlichkeit beizusteuern, um zugleich auch auf diesem Wege einen Sonderbeitrag derjenigen zu leisten, die selbst einmal durch eine furchtbare Katastrophe in diesem Land die Möglichkeit einer ruhigen Existenz, des Aufbaus eines neuen Lebens und der Entfaltung ihrer Fähig keiten erhalten haben. Hier ist die Notwendigkeit gegeben spontan den vielen Unglücklichen beizu stehen, die ohne Verschulden nicht nur ihre Habe, sondern in vielen Fällen auch ihr Heim verloren haben Alle Hilfesendungen sind an der oben angegebenen Stelle abzuliefern. — gewechselt, und Saudi Arabien ist in eine zweite oder drittrangige Rolle im politisehen Leben der Araber zurückgefallen. Mit dem neuer, sauditischen Herrscher Faisai allerdings ist ein neuer Mann aus der Wahabiten- Dynastie auf die Bühne ge. treten, der es in kurzer Zeit verstanden hat, den Aegyp- * ■ 8Wf) Bvtwgf - uii«n;-- strittenen Führungsposition zumindestens zurückzudrängen. Dass Faisal als gleichbe. rechtigter Partner keinesfalls gewillt ist, von Nasser Anweisungen entgegenzunehmen, hat er nicht nur durch sein Abkommen über den Yemen bewiesen, sondern auch durch seine kürzlichen Verhandlungen mit dem Transjordanier Hussein und dem persischen Schah gezeigt, worüber Nasser — von seinem Standpunkt aus sicherlich mit Recht — erschrocken und entsetzt war. Noch im Januar bezeichnete eine Zeitung in Beirut diesen Vertrag zwischen Faisal und Nasser über den Yemen als eines der beiden wichtigsten Ergebnisse für die arabischen Länder. Nur einen Monat später ist klar geworden, dass dieser Vertrag nichts wert ist und von Nasser offen gebrochen wurde So schnell erhebt sich der Wüstenwind... IV. Fehler Nassers Heute stimmen die meisten europäischen Beobachter darin überein, dass der von Nasser geforderte und von den anderen arabischen Staaten durchgeführte Abbruch der Beziehungen zur Bundes, republik Deutschland ein schwerer Irrtum des ägyptischen Diktators gewesen ist. Bei der deutsch-arabischen Krise trat Nasser zum letzten Male als „Führer der Araber“ auf. Für die arabi* sehen Staaten ist die Bilanz negativ. Die Einsicht hat sich verbreitet, dass Nassers rnüihflrv ' "uv u ^Politik den Arabern nichts eh'ujll -“ - bracht hat. Sie bahnte nur eine engere Zusammenarbeit mit Israel an. Die arabischen Nachbarn Israels haben die Möglichkeit eingebüsst, mit diplomatischen Interventionen in Bonn für ihren Stand, punkt zu werben. Die Waffe des diplomatischen Abbruchs war stumpf. Nachträglich fiel dann noch manchen Arabern ein, dass selbst Nassers Ulustre Freunde Tito und Castro diplomatische Vertretungen in Israel unterhalten. Das arabische Jordanwas. serprojekt, das Nasser 1964 zum Hauptstück seiner Palästina-Politik erklärt hatte, blieb im vergangenen Jahr hoffnungslos stecken. Syrien, der Libanon und Transjordanien hatten mit der Arbeit begonnen. Aber Aegypten versagte für die Kanalbauten an der israelischen Grenze den militärischen Schutz. Dass dieser Irrtum Nassers auch Rückwirkungen auf die allgemeine Politik, vor allem auf die Haltung der Amerikaner gehabt hat. wird immer deutlicher. Nasser hoffte auf einen neuen Vertrag über die Lieferung amerikanischer' „Ueberschuss-Giiter“ im Wert von 500 Millionen Schluss auf Seite 2> Vorbereitungen zu Shazars Reise Santiago de Chile — Der israelische Botschafte, in Chile, Uri Naor, hatte eine Aussprache mit dem Sekretär des Aussenmmistenums, Oscar Pinochet, in deren Verlauf das Programm des im Juni stattfindenden Staatsbesuchs des Präsidenten Zalman Shazar bespro chen wurde. Gle’c.izeilig wurde auch der vor kurzem zwischen den beiden Ländern abgeschlossene Handelsvertrag gewürdigt. Bei dieser Gelegenheit kam auch ein vor wenigen Tagen auf die Botschaft der Vereinigten Arabis hen Republik verübtes Attentat zur Sprache Der VAR-Bot schafter Tawiik Chetila hatte behauptet dass das Attentat gegen die Botschaft und ihren Aufseher von spezialisierten israelischen Kommandos begangen wor den sei. Der israelische Botschafter wies diese Anschuldi gung zurück.

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