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Jüdische Wochenschau · 1966-03-04 · 2158 (4.3.1966) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2158 (4.3.1966)
Date
1966-03-04
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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-■m ' ■& FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 ISRAELITA Año XXVII BUENOS AIRES, VIERNES 4 DE MARZO DE 1966 EL EjEMPLArIC en toda la República | %ß PUEYRREDON 2190 1» ¡zq. T.E. 83 - 2613 Buenos Aires Am Rande der Kristallnacht von JAKOB KATZ-ROGASEN Gottesdieülie nicht völlig Sohabbos T’ZAÎ?>sin\de Freitagabend; 19 Sà der 1938 in Falls von dem 17jährigen jüdischen Emigranten Hersihel Grünspan erschossen wurde spielen eine Rolle in einem Meineidsprozess, der in 5,ssen durchgeführt wurde. Vor der 6. Grossen Strafkammer ist der frühere Ministerialrat im Reiefispropagandaministerium, Wolfgang Diewerge, angeklaft. Die Staatsanwaltschaft v»irft dem 59jährigen vor in einem länger zurückliegenden Verfah. ren als Zeuge unter Eid verschwiegen zu haben, dass ihm schon 1938 bei der französischen Untersuchung gegen Grünspan fcekannt geworden sei, zwischen Täter und Opfer hätten möglicher, weise homosexuelle Beziehungen bestanden. Auch habe er fälschlich ausgesagt, zu dem geplanten Volksgerichtsverfahren gegen Grünspan 1942 nach der Beset. zung Frankreichs sei es lediglich wegen oestimmter innen- und aussenpolitischer Entwicklungen nicht gekommen. Zu dem Meineids-, orwurf sagte Diewerge er habe homosexuell-e - Ge'-f’h'-spunkte bei der Bluttat immer für ,.völlig unwirklich1gehalten. Er glaube arrh heute noch, dass Grünspan aus politischen und nicht aus privaten Gründen niemals vor ein deutsches Gericht gekommen sei. Schliesslich habe er per sönlich nach dem Einmarsch in Frankreich für ein Verfahren gegen Grüpspan vor dem Volksgerichtshof plädiert. Was Diewerge jetzt als Falsr haussage vorgeworfen wird, stützt sich auf seine Zeugenangaben in einem Prozess gegen den Münchener Schriftsteller Dr. Michael Graf Soltikow. Tn einem Illustrierten-Bericht hatte Soltitaw 1652 homosexuelle Hin. tergrlinde bei dem Fan Rath angedeutet. Er war darauf hin von einem Bruder Raths wegen Verunglimpfung eines Toten zur Rechenschaft gezogen worden. Zur Unterstützung der Ehrenrettung des Ermordeten hatte sich der Bruder an Diewerge gewandt. Soltikow wurde zunächst verurteilt, sein Delikt fiel aber später unter eine Amnestie. In der Zeugenreihe des Meineids - Prozesses sollten mehrere „Prominente“ der NS - Zeit, unter anderem Oberreiohsanwalt Ernst Lautz und die Staatssekretäre Prof. Franz Schlegelberger und Leopold Gutterer. gehört werden. Es ist auffallend, dass man bei verschiedenen Aktionen der Nazis bis heute nicht mit Sicherheit hat feststellen können, auf wessen Initiative sie eingeleitet wurden Dies gilt u. a. für den Reichstagsbrand ebenso wie für die Kristallnacht, in der die Synagogen in Deutschland angezündet, die jüdischen Häuser und Geschäfte geplündert und zerschlagen, und tausende Juden verhaftet worden sind. Der Vorgang als solcher ist bekannt und erforscht. Die Nazis hatten den grossen Schlag gegen das deutsche Judentum von langer Hand vorbereitet. Die sogenannten Aktionen liefen mit der Verhaftung und Verschleppung der vorbestraften Juden in die KZ an. Als Vorstrafe genügte eine geringfügige Polizeistrafe für eine Verkehrsübertretung. Die nächste Aktion betraf schon einen erheblich grösseren Kreis, nämlich die in Deutschland leDenden Juden polnischer Staatsangehörigkeit die im Oktober 1938 ei nes frühen Morgens aus ihren Betten geholt und sofort abgeschoben wurden Man. che sind noch einmal zurückgekommen weil die Polen die Transporte nicht akzeptierten. Sehr viele dieser Deportierten natten zwar polnische Pässe hatten aber Polen niemals gesehen, waren in einer deutschen Stadt geboren, auf deutschen Sehu. len gewesen und sprachen kein Wort Polnisch. Diese beiden Aktionen wur d,n als Versuchsballons gestartet. Bis auf vereinzelte Proteste vonseiten jüdischer Organisationen war kaum eine Reaktion festzusteilen Die Nazis glaubten nunmehr den Hauptschlag ohne grösseres Risiko gegen das deutsehe Judentum selbst richten zu können. Die Vorbereitungen nierzu waren seit lange Zeit getroffen Als die Schüsse in Paris gegen den deutschen Gesandtschaf tssekre. tär fielen, war dies nur der willkommene Vorwand, jetzt loszuschlagen. Dies konnte das Attentat gegen die Juden rechtfertigen oder verständlicher machen, so kalkulierten die nazistischen Führer. Als der gewaltige Pogrom in ganz Deutschland begann wusste die jüdische Leitung, so weit sie nicht verhaftet war, sofort, dass es sich um einen bis in Einzelheiten vorbereiteten Plan handelte. Von spontaner Volkswut konnte gar keine Rede sein. Alles war organisiert. Die An- Weisungen waren von oben bis in die Details gegeben worden. So hatten die Feuerwehren den Befehl, nur die angrenzenden Häuser vor Brand zu schützen, nicht, aber das Feuer zu löschen, das an die Synagogen gelegt worden war. Kurz nach diesen Vorkommnissen im November 1938 wurden Zweifel geäussert, ob Herschel Grynszpan, dessen Eltern mit der Polenaktion aus Deutschland deportiert worden waren, wirklich aus politischen oder Rache.Motiven den Schuss gegen von Rath, jenen unglücklichen deutschen Konsularbeamten, der das Opfer des Anschlages geworden war, gerichtet hatte. Man sagte, von Rath sei selbst immer ein Gegner des NS- Systems gewesen und entstamme einer Familie die als Nazigegner bekannt sei. Auch die Mutter des von Rath soll erklärt haben, dass sie mit diesen Racheaktionen gegen die Juden nichts zu tun habe und nicht der Ansicht sei. dass Unschuldige für die Tat eines Einzelgängers haften müssen. Diese Versionen zirkulierten damals in Deutschland. Seit den ersten Wochen nach der Kristallnacht blieb die Frage unbeantwortet, aus welchen Motiven der Mord an von Rath begangen worden ist. Die übliche Geschichtsschreibung hat sich mit der Version abgefunden, dass Grynszpan Rache nehmen und den deutschen Bot. schafter in Paris, Johannes von Felczeck, ersehiessen Ungarn zur Israel-Frage Washington. — „Washington Post-' brachte einen Bericht seines Korrespondenten aus Beirut, wonach „zum ersten Mai seit vielen Jahren ein prominenter Kommunist es gewagt habe, sich der arabischen Empörung auszusetzen indem er Verhandlungen zur Lösung des Palästina-Konflikts verschlug.1' Der Korrespondent Joe Alex Morris berichtet, dass der ungarische Ministerpräsident Gyula Kallay anlässlich seines Besuches in Kuweit :n einer Pressekonferenz erklärte, dass das Palästinaproblem genau wie alle Internationalen Streitfragen im Rahmen pazifistischer Verhandlungen gelöst werden müsste. Kallay meinte, dass jede Lösung, die die arabischen Staaten begünstigte, viele neue Konflikte bringen würde. Arabische Dipjomaten reagierten auf diese Erklärung mit der Feststellung, sich nicht erinnern zu kön nen, wann eine führende, kommunistische Persönüch. keit zuletzt für die Araber so verletzende Aeusserungen gemacht habe. Seit etwa zehn Jahren wären die kommunistische und die arabische Welt in ihrer Einstellung Israel gegenüber vereint, indem sie diesen Staat als eine imperialistische Schöpfung betrachteten. Allerdings wurde festgestellt, dass dei ungarische Premier seine Erklärung in einem Moment abgab in dem die Beziehungen zwischen Moskau und der Mehr heit der arabischen Staaten abgekühlt seien. Die von Krctschew übernommenen Verpflichtungen inbezua aut militärische und wirtschaftliche Unterstützung werden in Moskau als lästig empfunden Auch die ägyptischer. Versuche, den Krieg im Yemen zu beenden brachten Schwierigkeiten mi' sich. Moskau vertiefte die Beziehungen zu Ländern die den Aegyptern verhasst sind nämlich der Türkei und dem Iran. Die westlichen Beobachter naben den Eindruck dass diese Erklärungen des ungarischen Ministerpräsidenten von den arabischen Ländern als eine Verletzung ihrer Auffassungen betrachtet werden. (ITA) Was wir auf diesem Bild sehen, ist der NEUE FLUGHAFEN VON . . . MASADA. Ja, ganj richtig, Masada. OLschon es kaum glaublich erscheint, entsteht dort, wo vor kurzem noch ein unwirtlicher Felsberg inmitten der Wiiste stand, ein wahres Nationalheiligtum, zu Ehren der heroischen Kämpfer des Bar Kochba, die der Welt ein Beispiel gaben, als sie es vorzogen, den Heldentod zu sterben, bevor sie sich den römischen Eindringlingen ergaben. Hier nun wurde der neue Flughafen eingeweiht. In wenigen Jahren wird er internationale Bedeutung haben, weil er Reisende zu einem der touristisch wichtigsten Punkte Israels befördern wird. Ein Diplomat warnt von ARIE ASHKENAS Seit längerer Zeit wird eine Auseinandersetzung über die Möglichkeiten des Auflebens eines neuen deutschen Nationalismus geführt, wobei das Wort und der Begriff „Nationalismus“ mit einem Beigeschmack von Chauvinismus benutzt wird. Vie.leicht würde man besser daran tun, die an sich gesunde Erscheinung eines Nationalismus nicht in diesem Zusammenhang zu nennen, sondern von jener Art nationalistischer Verirrung deutlich zu sprechen, die schon zweimal der Ausgangspunkt für schreckliche Kriege in unserem Jahrhundert gewesen ist. Es ist interessant, dass sogar solohe Kreise, Journalisten und Zeitschriften, die früher einmal zugegebenermassen diesen Ideologien zugänglich gewesen sind, vor einer derartigen Wiederholung des Rückfalls in den alten .Nationalchauvinismus1 warnen. Auch von einer anderen, allerdings ganz anderen Seite erfolgte eine Warnung. Gegen ein Wiederaufleben eines deutschen Nationalismus erhob der frühere niederländische Aussenminister und NATO-Generalsekretär Dirk Stikker in seinen Memoiren seine mahnende Stimme. Der 68jährige Diplomat und Staatsmann vertritt die Auffassung, dass die heutige Bonner Politik einen unklaren Kurs steuere, meint auch, dass ein neuer deutscher Nationalismus für die internationale Politik verheerende Folgen haben könne. „Diese Sorge“, schreibt Stikker, der als Nachfolger des Belgiers Spaak von 1961 bis 1964 an der Spitze der NATO-Verwaltung stand und vorher als Aussenminister und Botschafter seinem Lande diente, „teile ich mit Altbundeskanzler Dr. Adenauer, mit dem mich eine enge Freundschaft verbindet“ Aus einem Gespräch zwischen dem damaligen NATO-Öberbefehlshaber Lauris Norstadt, Adenauer und ihm selbst verzeichnet Stikker in seinen Memoiren, dass Adenauer sich besonders Sorgen über den wachsenden französischen Nationalismus gemacht habe „Er war nicht nur darüber erzürnt, sondern vor allem in Sorge, dass dies eine ähnliche Entwicklung in Deutschland auslösen könne und er keinen Nachfolger sehe, der nach seinem Tode stark genug sein werde, um sich mit Erfolg einer solchen Entwicklung zu widersetzen und die Bildung einer nationalen deutschen Atommacht zu verhindern.“ Dass die von Dirk Stikker wiedergegebene Auffassung zu Widerspruch herausfordert, dürfte nicht näher begründet werden müssen. Denn der von Adenauer kritisierte französische Nationalismus ist nur die sichere Reaktion auf den erwachenden deutschen Nationalismus. Die Darstellung verlangt dringend einer Korrektur. Es ist nämlich genau umgekehrt, was Adenauer behauptet. Die Franzosen sehen mit Skepsis die Entwicklung der von den Amerikanern hochgezüchteten Bundeswehr. Sie wittern mit dem sicheren Instinkt des gebrannten Kindes die ihnen anwachsende Gefahr. — Der Hinweis auf den fehlenden Nachfolger, der stark genug wäre, gewissen Erscheinungen entgegenzutreten, dient der bei Dr. Adenauer seit Jahrzehnten zu beobachtenden eigenen Wertschätzung seiner Person. Hierin ist nur eine überflüssige Verquickung einer ernsten Entwicklung mit innenpolitischen Konstellationen zu erblicken. Im übrigen ist die von Adenauer gekennzeichnete Gefahr der Bildung einer nationalen deutschen Atommacht von niemandem anderen als von ihm selbst geschaffen worden. — Um so aufmerksamer sollte die Welt diese Warnungen aufnehmen. wollte, aber nicht vom Botschafter, sondern von einem Sekretär, nämlich dem unglücklichen von Rath, empfangen worden wäre. Diese Darstellung ist von den meisten übernommen worden, die jene aufregenden Tage schildern. Demgegenüber wurde schon unmittelbar nach der Tat behauptet, dass zwischen dem Mörder und dem Ermordeten unerlaubte Beziehungen bestanden hätten. Aber von Rath und Grynszpan sind tot. Aus welchen Gründen man auf dieser Fähre forscht, ist nicht deutlich erkennbar. Man hat den Eindruck, dass nur die Sensationslust eines breiten Leserpublikums der deutschen Illustrierten befriedigt werden soll. Dass die Erklärung der Motive und die Behauptung illegaler Beziehungen schon kurz nach dem Vorfall kursiert haben, dürfte deutschen und vor allem nazistischen Beamten nicht unbekannt gewesen sein. Ob dieser { Hakenkreuze Köln. — Während einer Vorstellung von Shaws „Heiliger Johanna“ fand der Schauspieler Eric Schildkraut in seiner Garderobe im kölner Schauspielhaus zwei Hakenkreuze vor, die ein Unbekannter mit Schmierstift oder rotem Filzschreiber auf seinen Schminktisch und seinen Garderobenspiegel geschmiert hatte. In die Aufklärung des Falles wurde die Kriminalpolizei eingeschaltet. (AWZ) Grund wirklich seinerzeit den Ausschlag dafür gegeben hat, keinen Prozess gegen Grynszpan anzustrengen, muss bezweifelt werden. Aus irgendwelchen weitergehenden Gründen müssen die Nazis befürchtet haben, dass dieser Prozess wie ein Bumerang auf ihre Köpfe niedersausen werde, wie dies schon einmal, nämlich beim Reichstagsbrandprozess, der Fa.ll gewesen ist. — Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de ja Propiedad intelectual N? 868 >107

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