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Jüdische Wochenschau · 1966-02-25 · 2157 (25.2.1966) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2157 (25.2.1966)
Date
1966-02-25
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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o ûû o ■*-* O 05 c < o FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 MANA ISRAELITA Año XXVII. BUENOS AIRES, VIERNES 25 DE FEBRERO DE 1966 Ni 2157 EL EJEMPLAR en toda la República 15.- PUEYRREDON 2190 1* ¡«|. T.E. 83 - 2613 Buenos Aires Moeglichkeiten zur Verstaendigang^nd&lm°esterreich £ » -» T ■% rn n ■ k A m T TV -m~* 'm.t , rm-, _ . - - Dass' sich gewisse Umbildungen im arabischen Lager vollziehen, steht auch dann fest, wenn die Araber dies absireiten. Die Bemühungen des ägyptischen Präsidenten sich zum eindeutigen und unbestrittenen Führer der arabischen oder gar der muselmanischen Welt aufzuschwingen. sind gescheitert. Soweit man die Zukunft zu beurteilen imstande ist, dürfte es nur sehr geringe Perspektiven für ein Gelingen solcher Pläne geben da andere Interessen die Politik der verschiedenen Länder bestimmen als sentimentale Er Wägungen. Durch die Besprechungen die kürzlich von Faisal «on Saudi Arabien und Hussein von Transjordanien in Am man abgehalten wurden, fand eine Annäherung det zweiten Front statt, die?anz offensichtlich gegen Nasser und seine Pläne auf der arabischen Halbinsel gerichtet sind. Saudi Arabien fühlt sich durch die ägyptischen Interessen im Yemen unmittelbar bedroht. während Transjordanien seit vielen von EL B. SAMUEL Jahren mit ägyptischen Ein- und Uebergritfen rechnen muss ln dem Augenblick, in welchem sich die beiden Könige verständigt haben ist die niemals überdeckte Kluft zwischen den verschiedenen arabischen Staaten mit ihren voneinander abweichenden Ambitionen wieder deutli eher geworden. Offensichtlich bemühen sich die Könige darum die Iraker in ihre politischen Kombinationen einzubeziehen. Hierbei ist zu bedenken, dass der Irak, neben Syrien das Land mit aer unsichersten Regierung ist. da die inneren Spannungen seit Jah ren nicht überbrückt werden konnten. Immerhin dürfte sich Aref. der heute die Regierung in Bagdad beherrscht, mit einer gewissen Erleichterung dem Bündnis mit den Königen anschiie. ssen, da er auf diesem Umwege zu einer Stabilität der eigenen Lage zu gelangen hofft. Welche Position aber werden die Syrer beziehen die fVas Otto Strasser schreibt von JOEL LIEBMAN FRANTZ An Zeiten, die meinals dreissig Jahre zurückliegen, wird man bei der Lestiire einer Polemik erinnert deren Hacptakteure zwei ehemalige Nazis sind, deren Namen heute rur noch sehr gelegentlich genannt werden. Der eine i on ihnen ist Dr. Otto Strasser, der schon vor der Ma .: teigreifung mit dem offiziellen Kurs der NSDAP nicht einverstanden war. Hitler-Gegner wurde und nach Prag fliehen musste. Er ging später nach Kanada unc kehrte nach dem Krieg in die Bundesrepublik zurück w> er schriftstellerisch tärig ist. Dr. Strasser ist der Erfinder aes „Deutschen Sozialismusdessen Theorien aber nicht von der Parteimehrheit angenommen worden sind soüass er als Dissident in Schwierigkeiten geriet. Strasser gründete damals die Schwarz Front, die aber niemals zu irgendeiner politischen Bedeutung gelangen konnte, und die vordem von ihm „Vereinigung revolutionärer Nationalsozialisten“ genannt worden war. Der zweite Ehemalige, gegen den sich Strasser heute scharf wandte, ist de: Exkommandant der Leibstandarte Adolf Hitler. Exgenerai Sepp Dietrich, der bei einem Treffen der ehemaligen Waffen-SS vor einigen Monaten in der bundesdeutschen Stadt Rendsburg mit grossem Applaus be. griisst worden ist. Die demokratischen Kräfte und demokratische Presse in dei Bundesrepublik und in der Welt haben seinerzeit ihrer Empörung Ausdruck gegeben, dass die bundesdeutschen Behenden diesen Spuk zugelassen haben, dass die Waffen-SS von offizieller Seite begrüsst und Sepp Dietrich geieiert worden ist. Diese Vorgänge sind ernste Symptome für den geistigen Standort der deutschen Demokratie. Ottc Strasser hat nur. in der von ihm nerausgegebelien Korrespondenz „Vorschau“ Ex-Dietrich scharf ange griffen. Er schrieb- „Nichts dagegen, dass sich die alten Männer von der Waffen-SS zu einem Kameradschaftstag zusammen finden, aber alles dagegen, dass sie einen Mör der, der selbst von einem bonner Gericht (wenn auch in München tagend) wegen Beihilfe zum Totschlag rechts kräftig verurteilt wurde, stürmisch feierten Doppelt so wenn der Ermordete und wir bleiben im Gegensatz zum Gericht bei der Bezeichnung Mord und „Mörder“ und würden uns freuen, wenn Herr Dietrich uns Gelegenheit zur Aufiohung der ganzen „Röhm-Affäre“ geben würde« der revolutionäre Nationalsozialist Ernst Rohm war, dem sein Mörder Dietrich in keiner Weise das Wasser reimen konnte! Dass der Mörder der SA heute vom Quandt-Knnzern als Direktor angestellt ist, dass er bei Veranstaltun i gen der Ritterkreuzträger in Gegenwart von amtierenden Ministern zu erscheinen wagt und dass er von der alten Waffen-SS .besonders stürmisch gefeiert1 wird — das ist bezeichnend für die deutsche Grossindustrie, bezeichnend für die Waffen-SS und bezeichnend für das ganze Bonner Regime — und die Zukunft Deutschlands!“ — Den Worten des Ex-Nationalsozialisten Dr Otto Strasser ist kaum etwas hinzuzufügen. Wenn derartige Gestalten wie Dietrich bereits wieder gefeiert werden können, muss man tatsächlich der Republik Deutschland mit äusserster Skepsis begegnen, trotz des guten Willens man eher Kreise, die einmal mehr ins Hintertreffen geratet werden unweigerlich, wenn diese Entwicklung weitergeht. zwischen Transjordanien und Irak eingeschlossen eine Zeitlang mit Nassers Plänen so weitgehend Konform gingen, dass sie unter Aufgabe der eigenen Souveränität die Vereinigte Arabische Repu blik mit Aegypten gebildet haben. Diese Allianz gi»S zwar bald in die Brüche Syrien distanzierte sich mehr und mehr von Nasser, aber das oesagt nicht, dass man heute in Damaskus wieder eine Annäherung an Kairo suchen könnte nachdem die unmittelbaren Nachbarn sich von einer gemeinsamen Plattform entfernt naben Syrien ist unsicher geworden. Möglicherweise sind die letzten Ueberfälle an der israelischen Grenze als Ablenkungsmanöver gedacht mit dem Ziel, den arabischen „Brüdern“ den „wirklichen gemeinsamen Feind“ zu zeigen. Die durch nichts gerechtfertigten wilden Schiessereien im Hulegebiet zeigen nur die arabische Schwäche Offensichtlich haben die Syrer vergessen die aus Damaskus an die israelische Grenze kamen, dass der Weg von Israel nach Damaskus I kürzer als weiter ist. .. | Während Nasser im arabij sehen Lager keine Erfolge ' aufweisen kann, suchte er im fernen Kuba, nach neuen Lorbeeren. Grosspurig und vielversprechend wie alle Diktatoren und ihre Trabanten beschlossen die kommunistischen und mit den Kommunisten sympathisierenden Länder. Pläne zur Anstif tung von Aufständen Erhebungen und Revolutionen in beinahe allen südamerikanischen Staaten zur Durchführung zu bringen Diese Entschliessungen der Dreikontinentalen (von den Kommunisten durchgeführten) Konferenz erzürnten den Präsidenten Kolumbiens. León Valencia, der offensichtlich noch zu den ganz wenigen Politikern des Westens gehört, der -bereit ist aus gewissen Tatbeständen und Sachverhalten Konseqenzen zu ziehen. Valencia gab bekannt, dass durch die auf der zitierten Konferenz beschlossenen Pläne Kolumbien und Vene zuela besonders betroffen werden sollten pressevertre tern erklärte der Präsident nach einer Staatsfeier mit dem Präsidenten Venezuelas dass beide Länder — Kolum bien und Venezuela — den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit der Vereinigten Arabischen Republik in Erwägung ziehen wiir en ganz abgesehen davon, dass sie Massnahmen gegen jeden Versuch einer kommunistiselien Ernetmug in inren Ländern gemeinsam bekämpfen würden. Die Erklärung Valencias ist auch dann von grosser Be deutung, wenn seine politische Stimme nicht so mächtig wie die anderer ist. Hier hat endlich wieder einmal ein Mann gesprochen det es offensichtlich mit seinen Zielen und Bestrebungen ernst meint und der auch bereit ist, hieraus Folgerungen zu ziehen. Wenn die Amerika ner hiervon lernen würden, sähe es in dieser Welt des Jahres 1966 besser aus. Mit denen zu paktieren, die mit den Feinden Zusammenarbeiten, kann niemals zu brauchbaren Ergebnisen führen. Die Völker verlieren den Rest ih. res Vertrauens zur Führung, zu den Grossmächten und den wenigen Autoritäten die geblieben sind. Solange aber die Amerikaner, um nur ein Beispiel zu nennen, den Aegyptern Waffen liefern, obwohl diese mit den Russen kol laborieren, solange wird die Verwirrung und die Spannung zwischen allen Völkern anhalten. Wenn die Mitglieder einer Konferenz an einem Be. eh*e4 gehlusg mitwirkten, in einer Gruppe von Staaten Umsturzbewegungen zu fördern so dürfte es wohl unmöglich sein, mit denen, die an solcher Verschwörung teilnah. men, diplomatische, d. h. freundschaftliche Beziehungen aufrechtzuerhalten. Das hat Valencia, der Präsident von Kolumbien, verstanden. Warten wir also ab ob die angedeuteten Konsequenzen tatsächlich auch durchgefiihrt werden, und welche weiteren Folgerungen daraufhin eintreten. — von SEM FRANKEN ST EL' In Brüssel wurde Robert Jan Verbelen wegen Kriegs¬ und Nazi verbrechen zum Tode verurteilt. Aber der Angeklagte war bei seinem Prozess abwesend. Er konnte sioh rechtzeitig aus dem Staube machen. Dieser Verbelen war oeutscher SS-Obersturmbannführer, war Sturmbannführer der belgischen SS und Stabsleiter der Organisation .De Flag“, deren Aufgabe im wesentlichen darin bestand. Widerstandskämpfer zu liquidieren. Ob er auch Juden getötet hat ist nicht bekannt. Dass er aber durch sein Mitwirken am nazistischen Vernichtungsapparat als Söldling Hitlers und als Freiwilliger eine ungeheure Mitschuld an Kriegsverbrechen auf sich geladen hat, dürfte nicht diskutierbar sein. Der zum Tode Verurteilte iebte in« Oesterreich, das so vielen früheren Nazis Asyl bot, natürlich nicht ofizieil, aber immerhin.. Ohne seine Personalien näher zu prüfen, wurde Verbelen auch die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen... Aber Robert Verbelen hatte sich einen anderen Namen zugelegt. Er hiess Jean Marais. Dieser Jean Marals lenkte die Aufmerksamkeit auf sich, da er als Journalist zahlreiche ,neo-nazistische‘ Artikel veröffentlichte, bis man dann nachforschte, wer Jean Mara s eigentlich sei. Er wurde vor Gericht gestellt und... von einem österreichischen Geschworenengericht freigesprochen. Der Prozess und nicht nur das Urteil war eine Provokation, wenig geeignet, Vertrauen in das heutige Österreich zu erwekken. Verteidigt wurde Verbelen von einem ehemalign SS- Mann, namens Dr. Führer. Als Dolmetscherin bei Gericht wirkte eine Nazifrau, die ehemals Sekretärin des in Nürnberg zum Tode verurteilten Statthalters von Holland. Seyss-Inquart, gewesen ist. Eine nette Gesellschaft war bei diesem Gericht im Volksösterreich versammelt. Verteidiger Führer durfte frei Nazi-Propaganda betreiben. Die Geschworenen sprachen den Angeklagten frei. Sie billigten ihm in zwei Fällen Befehlsnotstand zu. Mit anderen Worten räumten sie dem Angeklagten ein, er habe nicht anders handeln können, als der Befehl lautete. Diese Auffassung widerspricht der regelmässigen Spruchpraxis aller deutschen Gerichte. Weit weniger als die deutschen SS-Leute, die zum Lagerdienst abkommandiert walen und zu feige gewesen sind, um ihre Versetzung zu bitten, kann sich dieser Verbelen auf einen Befehlsnotstand berufen. Denn er ist doch freiwillig zum Verräter an Recht und Freiheit geworden. Er gehörte doch zu je ner berüchtigten Fünften Kolonne, die erst den Nazis den Weg geebnet hatte. Er war nur allzu gern bereit, obwohl Belgier SS-Dienste zu leisten. Da kann man noch von einem Befehlsnotstand sprechen? So geschah es in Oesterreich. Alle freiheitlich gesinnten Menschen in der Welt sollten zur Kenntnis nehmen, was in Oesterreich möglich ist... heute. Man sollte auch die gegebenen Konsequenzen ziehen. Verzicht Bielefeld. —- Der Soziologe Prof. Helmut Schelsky hat sein Amt im Gründungsausschuss für die Universität Bielefeld—Herford niedergelegt, nachdem er wegen einer Veröffentlichung aus der NS-Zeit öffentlich angegriffen worden ist. (AWZ) Verfahren gegen SS-Fiihrer Keines der Verfahren, das im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) geführt werden wird, ist vor 1968 zu erwarten. In einigen Fällen würden die Ermittlungen sogar bi6 1972 in Anspruch nehmen. Dies erklärte kürzlich Oberstaatsanwalt Severin, der in Berlin mit der Leitung der Ermittlungen betraut ist Elf Staatsanwälte befassen sich ausschliesslich mit dem sehr verzwickten Komplex des Reichssicherheits - Hauptamtes Seit fast zwei Jahren sondieren sie in mehr als als einem Dutzend Archiven im Bundesgebiet und in Berlin, um eine genaue Uebersicht über die Tätigkeit dieses berüchtigten Amtes zu bekommen. Der berliner Justizsenator hat seinen finanziellen Beitrag zur Aufklärung dieses Komplexes in jüngster Zeit verzehnfacht. Der Erfolg dieser verstärk, ten Bemühungen sind Berge von Akten und Material, die zu durchforschen sind. Es bestehtbei dieser für d;ese Ermittlungen gebildeten Arbeitskommission bereits eine Kartei, auf der 7.000 Personen erfasst sind, die in irgendwelchem Zusammen- Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N? 868.707 hang m.t der Tätigkeit dieses Amtes gestanden haben sollen. 6.000 Dokumente und 25.000 Fotokopien sind schon bearbeitet worden. Dabei ergaben sich drei Sachkomplexe, nach denen nun die Ermittlungen geführt werden. 1. Beteiligung des RSHA an der Endlösung der Judenfrage. 150 Angehörige des RSHA konnten ermittelt werden, die sich im Namen der Endlösung von 1940 bis 1945 an der Ermordung von Juden beteiligt hatten. 2. Beteiligung des RSHA an den sogenannten Einsatzgruppen und Einsatzkommandos in der Sowjetunion, in Serbien, Kroatien und der Steiermark. Allein der Komplex der E;nsatztruppen umfasst 20 Dokumentenbände. Ungefähr 120 Angehörige des RSHA sind verdächtigt, an Massenerschiessungen mitgewirkt zu haben. Auch die Tötungen in Gaswagen werden von diesem Komplex erfasst. 3. Beteiligung des RSHA an Massenerschiessungen von Kriegsgefangenen. 20 Angehörige des RSHA sind ver dächtig, in den Jahren 1941 bis 1943 in Konzentrationslagern russische Kriegsgefangene aus rassischen oder politischen Gründen liquidiert zu haben. Dazu gehört auch der Komplex „Sonderbehandlungen“, die sich gegen politische und auch Es wurde an diesen gen etwa Gegner, Priester Juden richteten, festgestellt, dass Sonderbehandlun- 200 RSHA-Angehörige beteiligt waren. Die Ermittlungen werden nach dem Gesichtspunkt geführt, nur solche Beamte des RSHA zur Verantwortung zu ziehen, die tatsächlich an den Schalthebeln sassen. Kleinere Angestellte sollen nur zur Aufklärung des Komplexes herangezogen werden. Inwieweit man auf die „Mitarbeit“ dieser Kreise rechnen kann, dürfte nach den bisherigen Erfahrungen vor deutschen Gerichten allerdings zweifelhaft sein. Während man nun bestrebt ist, innerhalb der neu. en Verjährungsfrist bis 1970 die Verfahren gegen die Verantwortlichen zumindest eröffnet zu haben, sodass keine Verjährung eintreten kann, ist man sich schon jetzt darüber im klaren, dass der Komplex Reichssicherheitshauptamt zahlreiche Prozes. se über Jahre hinaus auslösen wird. Im Augenblick bearbeiten die berliner Staatsanwälte bereits 20 Verfahren, bei denen einzelne jeweils über hundert Angeklagte haben werden. Man darf diesen Verfahren mit besonderem Interesse entgegensehen, da es sich durchweg um sogenannte Schreibtischmörder handelt und bisher das Strafmass für derartige Täter meist sehr niedrig ausfiel.

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