Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1966-02-18 · 2156 (18.2.1966) · p. [Seite 8]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2156 (18.2.1966)
Date
1966-02-18
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/9616703-9615320-9615375--4260-9615383
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

O 03 O C V * — FRANQUEO PAGADO Concesión 908 O " OI c < O TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 MANA ISRAELITA Ano XXVII. BUENOS AIRES, VIERNES 18 DE FEBRERO DE 1966 EL EJEMPLAR en toda la República 15.- No 2156 PUEYRREDON 2190 1« izq. T.E. 83 - 2613 Buenos Aires Im Land der Superlative Kuwait, das arabische Scheichtum im Nordwestzipfel der sauditischen Halbin- «•■i(isteji) Land voller eigenwilligster Gegensätze. Man glaubt sich von einer Fata- Morgana genarrt, wenn sich nach stundenlanger Autofahrt durch trostloses Wüsteugelände plötzlich übergangslos in der Abenddämmerung b'.eite verscnwenderiseh erleuchtete Boulevards aui'tun, von ultramodernen Villen flankiert und einem Verkehr dwchbrandet, der es an Ausmass und Chromglanz mit jeder mittleren ,»Solange der Vorrat reicht“ Die berüchtgte Ritialmord-Nummer der unvergessenen Zeitung ,,Der Stürmer” ist aus ihrer finsteren Vergangenheit wieder auferstanden und wird in den Vereinigten Staaten als Neudruck! — zum Verkauf angeboten. Eine der vielen kleilien antisemitischen Hetzschriften Amerikas, die in St. Petersburg (Florida) erscheinenden ..National Christian News” bringen ein mit dikkem s-hnsnen Rand umrahmres Inserat, in dem mitgeteilt wird, dass vom Neudruck dieser Nummer des ,,Stürmer- — ..der grössten Tat des grossen patriotischen Judenfeindes Julius Streicher“ — noch Exemplare zu haben sind, zum Preis von 50 Cent vom Herausgeber in Florida erhältlich, „solange der Vorrat reicht“. „Diese seltene Ausgabe des Stürmer-, so fährt die Vertriebsanzeige fort, „ist ein gro.ssariiges Dokument, da, man h üten soll wie eine seltene Münze oder ein Erbstück: es ist das Werk eines grossen Mannes, der den Juden zu Gefallen ermordet wurde.. . “ Die ..National Christian Publishers“ die für das Hetzblättchen „National Christian News” und das darin enthaltene St'irmer-Angebot verantwortlich zeichnen und die dieses „Erbstück“ zum Verkauf anbieten, sollte man wohl einmal ein wenig gründlicher unter die Lupe nehmen. „Der Stürmer“ hat endgültig ausgestürmt, und man sollte diesen abgrundtiefen Schmutz nicht, ,solange der Vorrat reicht“, fröhliche Urständ feiern lassen. H St. «"Aufbau. New York! amerikanischen Stadt aufnehmen kann. Flackernde Neonreklame taucht die City in strahlendes Lacht. in den Auslagen der gläsernen Geschäftsfronten konkurrieren pariser Parfüms mit den Erzeugnissen einheimischer Goldschmiedekunst. Vor dem grössten Kino der Welt drängen sich die Menschen, knusprige Hähnchen duften vom Grill, die Strassenrestaurants sind überfüllt. In ihre blütenweisse. nachthemdartigen Gewänder gehülU starren die Gäste fasziniert auf die zahllosen Mattscheiben der landeseigenen Tele. Vision. Nur die lautsprecherverstärkte Stimme des Muezzins, der vom Minarett der Al Ottoman Moschee zum nezuela). Der Anteil Kuwaits an der Weltproduktion betrug 1963 mit 97 Millionen Tonnen 7,5 Prozent. In die Förderung und Verwertung des Oelschatzes teilen sich fünf britische, amerikanische und japanische Dachgesellschaften, die dem Staat vertraglich fixierte Abgaben zahlen. Es gehört fast schon zum guten Ton, diese Abgaben mit zahlreichen, im rüden Erdölgeschäft üblichen Tricks möglichst niedrig zu halten. Erst jüngst sollen kuwaitische Ingenieure in die Pipeline einer Ge- Seilschaft montierte Geheimrohre entdeckt haben, durch die der kostbare Saft floss, ohne mit den Zählwerken in Berührung zu kommen. Weit- Freundschaft mit Israel Montevideo. — Die uruguayische Regierung beabsichtigt. wie man nier mitteilte, eine Erklärung zugunsten Israels als Antwort auf die Haltung der Dreikontinentalen Konferenz in Havanna abzugeben. Es soll die Freundschaft zwischen Uruguay und Israel vom ersten Tage des Bestehens Israels an unterstrichen werden. Schon die AkUonen der UN zugunsten Israels seien von Uruguay unterstützt worden. „Das Recht des jüdischen Volkes auf sein Vaterland zu diskutieren, ist eine für Uruguay nicht duldbare Haltung“. — ■ ' Jerusalem. — In Kreisen des israelischen Aussenministeriums wurde die von der Regierung Uruguays abgegebene Erklärung der Solidarität mit Israel und dem jüdischen Volk aufs wärmste begrüsst. Die uruguayische Stellungnahme unterstreicht einmal mehr die Freundschaft zwischen den beiden Ländern. — Gebet ruft, erinnert daran, dass Mekka kaum 1.000 Kilometer entfernt ist. Nicht ohne Stolz nennen die Kuwaitis ihr Land eines der reichsten der Erde (jähr. liches Pro-Kopf-Einkommen über 1.500 Dollar). Fanalen gleich flackern die Symbole ihres Wohlstandes an den flachen Horizonten des 15.000 Quadratkilometer grossen Landes: die entzündeten Fontänen frisch erschlossener Erdölquellen. Der schwär, ae Goldstrom schoss ans Licht, als im Jahre 1938 vierzehn Meilen vor der Küste des Persischen Golfes eine Bohrstelie erstmals gefunden wurde. Seitdem quillt das Oel von Jahr zu Jahr mächtiger aus Aladins unterirdischer Wunderlampe uhd brachte den im Juni 1961 souverän gewordenen Staat an die vierte Stelle unter den Erdölgiganten der Welt (hinter USA, USSR und Ve- Antisemitisches Buch verboten Genf. — Ein Gericht in Lausanne verbot die Ver breitung eines antisemitischen Buches und ordnete die Beschlagnahme aller vorhandenen Exemplare an. Das Gericht fällte seine Entscheidung aufgrund einer Anzeige des schweizerischen Jüdischen Gemeindeverbandes. der ausgeführt hatte, dass das Buch ..Vergangenheit. Gegenwart und die jüdische Frage“ des Dr. J. A Mathes gegen die Bestimmungen des schweizerischen Zivilgesetzbuches verstossen würde. In dem genannten Buch sind lange Auszüge aus den „Protokollen der Weisen von Zion“ und anderen antijüdischen Schmähschriften enthalten. U a. werden die Juden auch der Schuld an den beiden Weltkriegen bezichtigt. D\°r Autor ist ein bekannter Arzt aus Vevey ein reicher Mann, der selbst die Kosten für die Herausgabe des Buches getragen hat. 500 der insgesamt 1000 aufgelegten Exemplare sollen verkauft wo:den sein. Es handelt sich um das erste Buch in 20 .Jahren, das gegen die Juden in der Schweiz verlegt worden ist. — aus grösseren Kummer indes bereitet nicht nur Kuwait die offizielle Preispolitik der Förderstaaten, gegen die sich im Jahre 1960 die Ödländer des Orients Iran und Kuwait in der „Organisation der ölexportierenden Staaten (OPEC)“ zusammenschlossen. Eines der Hauptziele der Vereinigung ist es. die 1960 von den Gesellschaften einseitig gesenkten Rohölpreise auf ihren vormaligen Stand zurückzubringen. Für einen Staat wie Kuwait, der 93 6 Prozent seiner Einnahmen aus Erdölkonzessionen bezieht. liegt die schnelle Verwirklichung dieser Bestrebungen als volkswirtschaftliche Notwendigkeit auf der Hand. Im Haushaltjahr 1963—64 flössen den 321.000 Wünstensöhnen — rund 40 Prozent davon stammen aus den arabischen Nachbarstaaten — über 500 Millionen- Dollar an Oelgewinnen zu. Kuwait-City, die Metropole, ist geradezu das Paradebeispiel einer gelenkten Pianung.Die City wird von neuen Vorstädten umschlossen, von denen jede wiederum eine kommende Stadt für sich darsteilt: Mit Schulen, Klinik, Einkaufszentrum, Moschee, Klubs, Sportplätzen und Vergnügungsparks. Die Strassen der Stadt haben die Ausmasse von Autobahnen die Nebenstrassen eingeschlossen. Kreuzungen gibt es kaum, der starke Verkehr — jeder Kuwaiti besitzt mindestens einen Wagen — läuft reibungslos über riesenhaft angelegte Rondelle ab. 14 Kilometer von der City entfernt entsteht, über eine nachts taghellerleuchtete Au tobahn zu erreichen, einer der modernsten Flughäfen der Welt. Da gerade von Superlativen die Rede ist: Das wasserarme Land verfügt natürlich auch über die grösste je gebaute Meerwasser . Entsalzungsanlage. In ihr werden täglich rund 27 Millionen Liter Meerwasser zu Trinkwasser aufbereitet. Kürzlich erst stiess man nahe der irakischen Grenze auf ein natürliches Wasserreservoir, das eine zusätzliche Ration von 22 Millionen Liter pro Tag garantiert. Wasser ist in Kuwait fast so kostbar wie Oel. Trotzdem leistet man sich den Luxus, die aus gedehnten Grünalagen der Stadt regelmässig zu bewässern. An Zustände im Schlaraffenland erinnert das Sehul- und Sozialwesen des Landes. In 141 Schulen werden von fast 3.000 Lehrkräften annähernd 60.000 Schüler unterrichtet. Sie erhalten neben freien Lehrmitteln und freier Verpflegung jedes Jahr zwei neue Anzüge auf Kosten der Regierung. Ebenfalls auf Regierungsrechnung studierten 1964 über 800 Kuwaitis im Ausland. Eine landeseigene Universität ist geplant. Die Vergünstigungen des Schul- Systems stehen auch Ausländem offen, ebenso wie die vorbildlichen Leistungen ärztlicher Versorgung. Kuwait dürfte wohl — schon wieder ein Superlativ — das einzige Land der Welt sein, in dem auch ein nur kurzfristig eingereister Tourist gleich weicher Nationalität kostenlos ärztlich behandelt wird. Und sei es, dass eine komplizierte Magenoperation mit mehrwöchigem Klinikaufenthalt notwendig ist. Einheimische und Fremde bezahlen diese paradiesischen Zustände mit einem bitteren Tribut: Begrenzt von Meer und Wüste leidet das Land unter höllischen klimatischen Bedingungen. Die Durchschnittstemperatur beträgt in den Sommermonaten von Mai bis September 45 Grad. In dieser Zeit erreicht die Quecksilbersäule nicht selten die 55-Grad-Marke, die Luftfeuchtigkeit in Küstennähe liegt bei 90 Prozent. Gesellt sich hierzu dann noch der Shemal, der 4. Tage lang mit Geschwindigkeilten bis zu 100 Kilometer in der Stunde aus der Wüste heranfegende Sandsturm hinzu, müssen selbst widerstandsfähige Leu te kapitulieren. Doch die Anziehungskraft des Oels scheint stärker als alle Widrigkeiten der Natur. In den letzten zehn Jahren stieg die Einwohnerzahl von Kuwait-City um fast 100.000 Menschen. Amerikanische Politik Washington. — Das State Department teilte dem. Kongress mit, dass „der Zustand der ständigen Spannung im Nahen Osten das Ergebnis der Streitigkeiten zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn“ sei. Gleichzeitig aber würden es die Vereinigten Staaten von Nordamerika tür wünschenswert halten, juüb in Zukunft Waffen an beide Parteien entsprechend deren Notwendigkeiten von Fall zu Fall zu liefern. Diesen Standpunkt brachte Douglas Mac Arthur, der zweite Staatssekretär für Kongressangelegenheitfen, zum Ausdruck. Diese Stellungnahme ist als Antwort aut den gemeinsamen Protest von 75 Parlamentariern anzusehen die jede Waffenlieferung an die arabischen Staaten bedauert haben. Sie hatten verlangt, dass die Sicherheit Israels berücksichtigt werden müsse. Mac Arthur richtete ein Schreiben an den Kongressmann Erna, nuel Celler, den Dekan des Abgeordnetenhauses. In dem Schreiben Mac Arthurs, das im Namen de« Staatssekretärs Dean Rusk abgefasst war, wurde die kürzliche Stellungnahme des State Department ratifiziert. Es sei das Richtige, So heisst es in diesem Schreiben, so wenige Waffen wie möglich an den Nahen Osten zu liefern. Aber hierin könnten die Amerikaner nicht nach ihren eigenem Willen verfahren, sondern müssten zu einem Einvernehmen mit allen Ländern gelangen, die Waffen in dieses Gebiet schicken. Man müsste dahin kommen, dass kein Wettrüsten statt finde; ausserdem müsse man die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Differenzen zwischen den die Waffen liefernden Nationen beseitigt werden...— (ITA) Der „kleine" Auschwitz - von ROBERT M. W. KEMPNER Wieder ein Feuer Tel Aviv. — Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit brach in Tel Aviv ein Grossfeuer aus. Im Bürohaus Pinsker 2 in der Nähe des Mograbiplatzes als in den Kellerräumen des Hauses chemische Produkte in einem Laboratorium in Brand gerieten. Vier Personen trugen leichte Verletzungen davon. Wiederum stehen drei An. geklagte vor dem Schwurgericht Frankfurt am Main, die als SS-Funktionäre angeblich die Mordmaschinerie in Auschwitz bedient haben Es sind der 61jährige frühere Verwaltungsleiter des KZ Auschwitz und ehemaliger 55 - Sturmbannführer Wilhelm Burger aus Dachau, der 56 Jahre alte ehemalige SS- Sanitäter und Oberscharführer Gerhard Neubert aus Diepholz und der 68jährige frühere SS-Oberscharführer Josef Erber aus Hof in Bayern; er ist am stärksten beschuldigt, denn es wird ihm zur Last gelegt, als Angehöriger der Lager-Gestapo und Leiter der Aufnahmeabteilung des Nebenlagers Birkenau zahlreiche jüdische Häftlinge aus reiner Mordlust in die Gaskammern geschickt oder erschossen zu haben. Er ist ein ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS, deren Angehörige sich erst kürzlich auf einer Tagung in Rendsburg um Pensionszahlung durch die Bundesrepublik bemüht haben. Einer der wichtigsten und ersten Zeugen der Staatsanwaltschaft in diesem Prozess wird Norbert Wollheim aus USA sein, dessen Bemühungen um die Opfer von Ausch witz insbesondere um Zahlungen für die dort geleistete Zwangsarbeit für industrielle Unternehmungen unvergesslich sind. Der Auschwitz-Prozess begann mit einem tragischen Auftakt, denn Professor J. Sehn, Leiter des kriminalistischen Instituts der Universität Krakau und ehemaliger Untersuchungsrichter gegen den Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höss, starb plötzlich in einem frankfurter Hotel. Um die Aufklärung der Massenmorde in Auschwitz hat er ein ganz besonderes Verdienst, auch um das Zustandekommen des Lokaltermins im grossen Auschwitz - Prozess von Frankfurt. Dir jetzige Prozess soll 3 bis 4 Monate dauern. Hermann Langbein weist tn seiner unlängst herausgekommenen ausgezeichneten Dokumentation zum Auschwitz- Prozess (2 Bände mit über 1.000 Seiten, Europa-Verlag Wien) darauf hin, dass im ganzen bisher 600 Personen in Auschwitz begangener Verbrechen angeklagt worden sind, in erster Linie vor polnischen Gerichten, dann aber auch vor nordamerikanischen, britischen, französischen und sowjetrussischen Militärgerichten. Auffällig ist es, dass bis heute noch nicht ein Prozess gegen den ehemaligen Staatssekretär in Hitlers Reichsverkehrs - Ministerium Dr. Ganzenmüller stattgefunden hat, der für das Deportations - System, z. B. auch nach Treblinka, an höchster Stelle verantwortlich war, oder gegen diejenigen Beamten des Ribbentropschen Auswärtige« Amtes, welche die Zustimmung zur Deportation von Juden aus nichtdeutschen Ländern an Eichmanns Dezernat 4 IV B 4 vom Reichssicherheitshauptamt gegeben haben. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N? 868.7071 Israel verlangt Opfer Tel Aviv. — Frau Goida Meir, die inzwischen zum Generalsekretär der Mapai ernannt worden ist, erklärte, die Mapai als die grösste Partei Israels habe das Recht, grössere Opfer vom Volk zu verlangen. Die Mapai muss die Kraft und den Mut besitzen sagte Golda Meir, ohne auf Sympathien zu achten, von Menschen und Gruppen grössere Anstrengungen für das Gemeinwohl zu fordern. Diese Erklärung gab die frühere israelische Aussenministerin bat der Uo~ bernahme ihres neuen Amtes ab. (ITA)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.