Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1966-02-11 · 2155 (11.2.1966) · p. [Seite 3]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2155 (11.2.1966)
Date
1966-02-11
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9616703-9615320-9615366--4246-9615369
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

I Vrr«eH, it Ae Febrero de 1966 SEMANA ISRAELITA Aré» XXVI*. No 2155 Sind die Karaeer Juden? Kürzlich waren es zehn Jahre, dass in Kairo der junge Aizt Dr. Mosche L Marsuk gemeinsam mit Schmuei Asar durch den Strang hingerichtet wurde. Beide zum Tode Verurteilten gehörten au einer grösseren Gruppe von Juden, denen Spionage zugunsten Israels und Terrorakte in Kairo und Alexandrien zum Vorwurf gemacht wurden. Der Prozess erschütterte damals die Judenheit in. Aegypten und versetzte sie in Panik, aber auch in Israel wurde dieser Prozess leidenschaftlich diskutiert. Dr. Mosche L. Marsuk war tatsächlich ein überzeugter Zionist. Er war in Kairo als der ältere Sohn eines angeselienen Apothekers geboren, studierte an der dortigen Universität und wurde nach Absolvierung seiner medizinischen Studien in ägyptische Dörfer zur Behandlung von Augenkrankheiten entsandt. Nach Beendigung dieses Dienstes trat er in das jüdische Krankenhaus in Kairo ein. wo er in der chirurgischen Abteilung tätig war. Mit 31 Jahren bestieg er das Schaffot und besiegelte mit seinem Blute die Liebe zu Volk und Land Isarel. Dr. Marsuk war Karäer, ein gläubiger Mann, für den Gottes Wort in der Heiligen Schrift der Hebräischen Bibel die Richtschnur seines Lebens war, aber zugleich verband er mit dieser Haltung eine liberale Einstellung gegenüber religiösen Problemen: er sah nicht das Trennende zwischen seiner karäischen Einstellung und der rabbanitischen Juden, sondern die Einheit Israels, Proteste jüdischer Studenten New York. — Jüdische Studenten veranstalteten eine Kundgebung vor den Büros der sowjetischen Delegation vor den Vereinten Nationen, um gegen die religiöse und kulturelle Diskriminierung der Juden in Sowjetrussland zu protestieren. (ITA) Wachsende Einnahmen Jerusalem. — Die Einkommenssteuereinnahmen in Israel für das laufende Finanzjahr sind auf 1.225 Mio Pfund angesetzt, 27 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. von SCHALOM BEN CHORIN und die brennende Liebe zum Land der Verheissung, zum Land Israel erfüllten seine Seele, wie heute sein jüngerer Bruder, der Apotheker Joseph Marsuk in Aschdot bezeugt. Dieser Bruder und die greise Mutter, die Witwe des Apothekers Leon Ar je Marsuk, nahmen zur zehnten Jahrzeit an der Trauerfeier, lichkeit in der Anan-Hanassi-Synagoge der Karäer in Aschdot teil, die Raw Ovadya Mazliach, der Seelsorger der karäischen Gemeinde in Aschdot, leitete, der vor zehn Jahren in der Todeszelle dem Verurteilten Dr. Marsuk und seinem Leidensgefährten Asar die Tröstungen der Religion gespendet hat. Die Synagoge, in der des Märtyrers und Patrioten Dr. Mosche L. Marsuk gedacht wurde, trägt den Namen des Anan Ben-David, der zwischen 760 und 770 in Babylon wirkte und als Stifter der Karäer gilt, die ursprünglich nach ihm Ananiten hiessen. Die Karäer sind die jüdischen Protestanten: sie bekennen sich nur zur Bibel, natürlich Alten Testaments, und lehnen den Talmud als inspiriertes und autoritatives Offenbarungszeugnis ab. Manche Forscher nehmen an, dass die Karäer die geistigen Nachkommen der Sadduzäer sind. In Aegypten und in der Krim erhielten sich bis auf unsere Tage Zentren der Karäer, und auch die Jerusalemer Altstadt hatte eine karäische Synagoge in unmittelbarer Nachbarschaft der chassidischen Synagoge Tiferet-Israel (Nissan Back) aufzuweisen. Zu besonders scharfen Auseinandersetzungen kam es zwischen den Gaonen und den Karäern und später zwischen Maimonides und den Anhängern des Anan Ben-David. Der Leitsatz des Anan war: „Suchet eifrig in der Schrift, und verlasset euch nicht auf meine Worte“, womit er das klassische protestantische Prinzip der Verantwortung des Einzelnen vor der Heiligen Schrift vorwegnahm. Dennoch entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte eine karäische Theologie, die ihrerseits ein Religionsgesetz aufzuweisen hat, das im Prinzip ähnlich ist wie das rabbi¬ ALFREDO STERN MALERARBEITEN IMITACIONES DE MADERAS MANDONGO PATINADO Y HELADERAS Neue Adresse: VIDAL 1575 fast Ecke PINO Tel: 76—9088 Depósito: V. DE LA PLAZA 1779 Teppichhaus - M. Hochberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpften Teppichen in erstklassigen Qualitäten für jedes gemütliche Heim. EIGENE FABRIKATION UNVERBINDLICHE VORFUEHRUNG AUF WUNSCH ZAHLUNGSERLEICHTERUNGEN Maschinenteppiche in allen Farben und Grössen. Auslegen von Appartements mit rein wollenem Velour VERKAUF AN PRIVATE NUR SAMSTAG UND SONN¬ TAG VON 9—19 UHR IM AUSSTELLUNGSRAUM CALLE ANDONAEGUI 2083 TEL.: 52 2993 4 Quader von Station Urquixa nische, aber jeweils von diesem in den speziellen Entscheidungen differiert. So gestatten die Karäer z. B. den Genuss von Fleisch und Milchspeisen zusammen, da ja nur verboten ist „das Böcklein in der Milch seiner Mutter zu kochen“, sodass also z. B. ein Hammelbraten mit Rahmsauce (Kuhmilch) keineswegs unter dieses Verbot — im karäischen Sinne — fällt. Auch der Kalender der Karäer differiert von dem der Rabbaniten; z. B. fällt das Schawuot-Fest immer auf einen Sonntag, alles in wörtlicher Erfüllung der biblischen Vorschriften. Im zaristischen Russland genossen die Karäer Vorrechte gegenüber anderen Juden, was sie zeitweise naturgemäss bei diesen unbeliebt machte. In Aegypten, das bezeugte der verewigte Religionsminister Raw Toldedano, der als Rabbiner in Alexandrien wirkte, waren die Beziehungen zwischen Karäern und anderen Juden längst positiver Natur, und das Rabbinat gestattete dort auch Ehen zwischen Karäern und anderen Juden, während bis heute das Rabbinat in Israel diese Ehe nicht gestattet, ja sogar Uebertritte von Karäern zum rabbanitischen Judentum sind fast unmöglich, da auf diesen noch immer ein achthundertjähriger Bannfluch lastet. Dr. Marsuk war ein gläubiger Karäer, ein glühender Zionist und ein jüdischer Patriot. Sollte sein Opfertod nicht die sinnlos gewordenen jahrhundertealten Vorurteile aufheben? Längst ist es eine Fiktion anzunehmen, dass alle Juden den Talmud als bindende Autorität ansehen. Das gilt weder für die Konservativen 1966 30 Jahre CARLTON- K lei du reg In diesem Jahre feiert CARL- TON dieses besondere Jubiläum. Ein besonderer Grund, Höchstleistungen in Qualität und Preis zu bieten. Es beginnt mit einem Sonderverkauf 30 Prozent Rabatt auf alle Fertigkleidung wie Anzüge aus Therylene, leichte Saccos, Sportsaccos, Regenmäntel, Gabardin-Mäntel, Win. termäntel, Hosen aller Art. 10 Punktkleidung (Spezialanfertigung unter Berücksichtigung von Sonderwünschen). Bekieidungs - Kredite bis zu 60.000 durch Credito Ballester, bis zu 300.000,— durch „Club de compra“ ln 5 oder 10 Raten, für Einzelpersonen oder Betriebe. Und wenn Sie Masskteidnng wünschen, erst recht zu CARLTON. Audi Junioren kaufen gern bei CARLTON. Lohnanfertigung Komplettes Stofflager für die kommende Herbst- und Winter saison. Täglicher Zustelldienst nach allen Vororten. Kostenloses Parken Maipü und Charcas ERNST KOPPEL Mai?« 982, TE 31 7845 LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires - PUEYRREDON 2190, 1» izq. - T.E. 83-2613 noch für die Reform, die Liberalen und Progressiven in Amerika und Europa, und vor allem nicht für die Masse der j „nur-nationalen“ Juden in; Israel und in der Diaspora. Ein Chawer des Haschomer Hazair, der ein erklärter marxistischer Atheist ist, ist in den Augen unseres Rabbinats akzeptabel. Keinem Kibbuz wird die rituelle Trauung verweigert, ja man ist empört, wenn in einem areligiösen Kibbuz wie Delia die Chawerim zu einer eigenen Trauungszeremonie schreiten unter Ausschaltung des Rabbinats, aber gottesfürchtigen Karäern, die sich streng an Gottes Wort in der Thora halten und es buchstäblich zu erfüllen bestrebt sind, verweigert man die religiöse Trauung. Die Jewish Agency hat die Karäer als Volljuden anerkannt und sich um ihre Alija und Einordnung bemüht, x und heute leben einige Tau-' send Karäer in Israel. Selbst das Religionsministerium hat ihnen Hilfe angedeihen lassen. Unter der Aegide von Religionsminister Toledano s. A. erschienen mit Unterstützung des Religionsministeriums eine karäische Haggada und ein karäisches Gebetbuch, aber das Oberrabbinat hält daran fest, dass die Karäer keine Juden sind und nicht einmal zum Judentum übertreten können. Es gab Fälle, in denen Karäer die christliche Taufe zum Schein nahmen, um dann vom Christentum zum Judentum übertreten zu können und so einen jüdischen Partner zu heiraten. Das ist eine Komödie, aber keine göttliche. Der Opfertod des Dr. Marsuk für Volk und Land Israel sollte nicht vergeblich gewesen sein: Sein Vermächt. nis ist die Ueberwindung des sinnlos gewordenen alten Hasses: die Karäer sind Juden wie wir alle. So wie es Orthodoxe und Liberale, Chassidim und Mitnagdim gibt, so auch Karäer und Talmudisten, aber der Glaube an den Gott Abrahams. Jizchaks und Jaakobs und die Liebe zum Tenach, zum jüdischen Volk und zum Land Israel einigt uns alle. 11. Februar 1966 21- Sbewat $726 Jüdischer Kongress in London London. — Ein von der Kulturabeitlung des Jüdischen Weltkongresses und seinen englische^ und französischen Zweigstellen veranstalteter Kongress wurde in London eröffnet. Es war die fünfte Veranstaltung dieser jährlich stattfindenden Tagungen, von denen die vier früheren in Paris abgehaiten worden sind. Das Thema dieses Jahres lautete: „Das Jiddische im jüdischen Leben“. Die Teilnehmer kamen aus Belgien, Frankreich, Dänemark, Deutschland, der Schweiz, Schweden und aus Argentinien Mark Turkow. Ein zahlreiches Publikum wohnte der Eröffnung bei. Dr. Aaron Steinberg, der Leiter der Kulturabteilung, mahnte in seiner Rede . diejenigen, die die Haltung zum Jiddischen andererorts, z. B. i hinter dem Eisernen Vorhang, kritisieren, besser einen Teil der für diese Kritiken aufgewandten Energie zur Förderung des Jiddischen auf dieser Seite des Vorhangs aufwenden könnten. Nicht, dass es nichts zu kritisieren gäbe, vieles bietet hierzu Anlass. aber wir dürfen auch für unsere Probleme nicht blind sein...“ Er fügte hinzu, dass das Jiddische so fest im jüdischen Leben verwurzelt sei, dass es auch beute noch eine mächtige Kraft hn Judentum darstellt Isaac Pugaton üh-rbraehte die Grüsse des französischen Judentums. Der Dichter F. Blanc sprach im Namen .'’er belgischen Juden und I. Natnany für die englische Sektion des JWK. Mark Turkow, der als Vertreter der lateinamerik wüschen Judenheit auf Jiddisch zu den Versammelten sprach, berichtete, dass es in Süd« amerika einige wenige Zeitungen in jiddischer Sprache und einen erheblichen Prozentsatz von Juden gibt, die jiddisch spricht. Er nannta es tragisch, dass nur noch die ältere Generation und! Leute mittleren Alters des Jiddischen mächtig sind, während von den Menschen unter dreissig Jahren nur sehr wenige diese Sprache sprechen, geschweige lesen oder schreiben können. — (ITA) MOEBELHAUS WATERMANN Das Haas der 3 Geschät te mit der grösste« Auswahl. SARMtNTO 1147 T. E. 35 1033 CABILDO2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvtrato Eigene Werkstätten Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung. ISRAEL-BRIEFMARKEN AN WIEDERVERKAEUFER — ALLE NEUAUS- GABEN ZUM OFFIZIELLEN KURS AGENCIA FILATELICA OFICIAL DEL ESTADO DE ISRAEL VIAMONTE 550, I, B — Bs- Aires, Rep. Argentina ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN BUEROSTUNDEN; im FEBRUAR DIENSTAG und MITTWOCH von 15—18 Uhr T. E.: 83 - 2613 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Verwaltungen - Miets-, Zivil- und Handelssachen T. E. 80 - 6930 PUEYRREDON 2190 esq. Av. LAS HERAS

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.