Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2154 (4.2.1966)
- Date
- 1966-02-04
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Año xxvn. Vi»nM», 4 de Petam de 1966 REN 6 N 6 ISRAELIT* X* 2154 — 5 Ereignisse der Woche (Fortsetzung der Ereignisse von Seite 4) hat. Zwei Jahrtausende hat die Kirche von der jüdischen Schuld am Tode Christi gesprochen. Das Konzil hat diesen Irrtum bekannt und die Beschuldigung zurückgezogen. Spätere kirchliche Historiker werden vielleicht zugeben, dass die These des Christen Hochhuth über die päpstliche Stellung gegenüber den nazistischen Massenmorden nicht so falsch ist, wie die schlecht informierten Parteigänger des verstorbenen Papstes meinen. In Rom selbst ist man viel zurückhaltender in dieser Frage als in Buenos Aires. Annäherung der Bekenntnisse, auch Verständigung mit den Juden, wurde vom Konzil gefordert. Nichts von diesem Geist der Verständigung war in der Pressekonferenz zu bemerken. Im Gegenteil! Ohne den geringsten Grund zu erkennen, aus welchem es überhaupt erforderlich war, die Juden in diesen Streit um ein christliches Theaterstück hineinzuziehen, wird die DAIA erwähnt, wird gedroht, wird mit Rassenkämpfen gespielt, die heraufbeschworen werden, als ob man von der DAIA oder ,den Juden“ erwarten könne, dass sie in diesen Streit eingreifen und zu einem Theaterstück Stellung nehmen, in welchem sich Christen mit Christen über die Verbre- Die Lage ist ernst H. Sw.: — Vielleicht ist es die Ferienstimmung, möglicherweise sind andere Beweggründe massgebend, _ man kann sich im allgemeinen in unseren Kreisen des Eindrucks nicht erwehren, als würden sich allzu viele in einer unberechtigten Sicherheit wiegen. Gewiss ist kein Raum für eine Alarmstimmung, immerhin dürfte es angebracht sein, mit der erforderlichen Aufmerksamkeit die Entwicklung zu verfolgen, die sich in unserer Umgebung vollzieht. Zunächst sind es verschiedene Konflikte, die sich in erster Ui nie mit Arbeitsproblemen beschäftigen, die von interessierter Seite zum Anlass politischer, antijüdischer, rassistischer Angriffe benutzt worden sind und täglich immer wieder benutzt werden können. Aus diesem Grunde nehmen wir hierzu Stellung, während wir es sonst immer vermeiden, Meinungen in Fragen der Partei- oder der Landespolitik zu äussern. Mit Recht hat die DAIA, deren Arbeit nur das volle Einverständnis und Lob der jüdischen Gemeinschaft Argentiniens und Lateinamerikas finden kann, auf Begleit, crscheinungen hingewiesen, die sich während der häufig turbulenten Vorkommnisse in Tucumán abgespielt haben. Schon vor Wochen musste die antijüdische Agitation einiger Gewerkschaftler auffallen, die natürlich noch besser als der Durchschnittsbürger wissen, dass ihre Gesprächspartner und Verhandlungsgegner nicht die Juden, sondern die Zuckermagnaten Tucumäns sind, unter denen sich kein Jude befindet. Trotzdem kam es-in letzter Zeit wiederum zu einem Aufsehen erregenden antisemitischen Zwischenfall. Ein Lastwagen fuhr mit Spruchbändern durch die Stadt: ,,Mueran los judíos“, was zu Deutsch nichts anderes als die „Juden sollen sterben (krepieren)“ heisst. Auch wurden Rufe in diesem Sinne laut. Die ganze Aktion machte einen vorbereiteten Eindruck, um unter Ausnutzung der bestehenden Verwirrung auch gleich noch ein antisemitisches Geschäft zu betreiben. Das ist eine alte Taktik der Judenfeinde, die jedes Durcheinander ausnutzen, um im Trüben zu fischen. Jedoch ist der Plan, wie die DAIA berichtet, gescheitert, und die bekannten Nazimethoden hatten keinen Erfolg. Dass es zu solchen Aktionen kommen konnte, beweist das Vorhandensein von Strömungen und Kräften, die soziale Kämpfe und Konflikte immer noch zum Anlass politischer und vor allem antisemitischer Angriffe benutzen. Obwohl die DAIA im zitierten Fall sofort einschritt und die zuständigen Behörden unterrichtete, sind alle aufgefordert, ähnliche Erscheinungen sofort der DAIA mitzuteilen. Ohne die Bedeutung solcher Vorkommnisse zu vergrössern, ist dennoch höchste Aufmerksamkeit angebracht, gerade weil die Zeiten sozialer Kämpfe immer die Voraus- Setzungen für die Entstehung primitivster Gegnerschaften schaffen und für die Verbreitung eines antisemitischen „Klimas“ prädestiniert sind. Unzufriedenheit der Massen die gegen die Juden gelenkt wird, hat stets antijüdisohe Gefühle erzeugt oder geschürt. Auch die Differenzen in klerikalen Kreisen, die in ihrer Art neu sind, — jedenfalls in Lateinamerika —, lassen es ratsam erscheinen, mit grösster Aufmerksamkeit Ent- Wicklungen zu verfolgen, deren letzte Ursachen in der allgemeinen Evolution dieses Kontinents hegen. Wir wissen, dass wir als Juden — weder als Individuen noch als Gesamtheit —, in dieser Auseinandersetzung von historischer Bedeutung und entscheidender Richtunggebung mitzuwirken haben. Denn hier handelt es sich nicht um ein oder das jüdische Problem. Aber als Juden müssen wir darauf achten, dass wir nicht als Kampfobjekt oder Kampfparole in diesen Strudel hineingerissen werden. — DEIN HOBBY DEINE SPARKASSE Israel-Briefmarken Beratang durch: STÄMPS CENTER M Alle»ky RA. — TEL AVIV — P.O.B. 4444 eben anderer Christen auseinandersetzen! Der Präsident der veranstaltenden Organisation (Unita6) meint, die Juden sollten rechtzeitig beweisen, dass sie nicht verantwortlich seien. Mit welchem Recht stellt dieser Mann ein solches Verlangen? Wer ist er, dass er solches fordern kann? Absurd seine Unterstellung, dass es eine jüdische Verant- Wörtlichkeit geben könne? Worin sollte sie bestehen? Selbst wäre Hochhuth ein Jude, was er nicht ist, was haben dann schon die Juden hiermit, ziu tun? Vielleicht hat dieser Herr auch davon gehört, dass selbst die Deutschen ihre Gesamtverantwortung an der Ermordung der sechs Millionen Juden abgelehnt haben. Aber jeder kann daher::paziert kommen und öffentlich „die“ Juden verdächtigen verleumden und verantwortlich machen? Im freien Lande Argentinien sollte endlich einmal mit diesen Methoden aufgeräumt werden, — Pilgerfahrt nach Israel Vor einigen Tagen flog eine aus neun Personen bestehende Gruppe zur 3. Kulturellen Pilgerfahrt nach Israel ab. Die Zeit dieser Reise ist auf 30 Tage bemessen. Nach einem kurzen Besuch in Rom und Neapel werden die Pilger ein reichhaltiges Programm in Israel absolvieren, wo sie ausser den Städten Jerusalern, Tel Aviv, Haifa und Blat die heiligen Stätten der Christen aufsuchen werden und auch die modernen Einrichtungen des Landes ebenso wüe alte Synagogen, römische Befestigungen und andere interessante Orte besichtigen wollen. Gregorio-Werthein- Preis Die Annahmefrist für die Arbeiten der Bewerber um den vom Jüdisch-Argentinischen Kultur- und Informationsinstitut ausgeschriebenen Gregorio-Werthein-Preis ist bis zum 1. März 1966 verlängert worden. Die Arbeiten über die Lösung argentinischer Agrarprobleme müssen in einem Original mit fünf Kopien bis zu diesem Datum im Sekretariat, Tucumän 2137, übergeben werden. r »Ich bitte hoiljchst um ein kleines Opi ¡»«lias- . mif 1^ fei?? (Aus „Nürnberger NacimciJt.en“) Leider hat der Karikaturist vergessen, dass nicht nur vom deutschen Michel ein „kleines Opfer“ verlangt wird, der immerhin ganz saturiert aussieht, sondern auch von den Opfern des deutschen Michels, den ehemaligen Verfolgten des NS-Regimes. EIN PROFESSOR FUER CHINESISCH In der Hebräischen Universität in Jerusalem herrschte ernste Besorgnis: der einzige Professor für Chinesisch an der Fakultät für Ostkunde hatte sein Arbeitsverhältnis gekündigt und war nach Frankreich zurückgekehrt. Der Lehrstuhl blieb ohne Erben. Plötzlich wurde die Lage durch eine indirekt« sowjetische ,,techn;sche Hilfe“ gerettet: die Sowjetunion schenkte Israel einen Professor für chinesische Sprache, Literatur und Geschichte. Es handelt sich um Lowa Rubaschow, den Neffen des Staatspräsidenten Shazar und Sohn von Dr. Abraham Rubaschow. der mit seiner Gattin im Zuge der Familienvereinigung nach Israel einwandern durfte. Und bald darauf kam auch Lowas Schwester mit ihrem Mann, einem Ingenieur der Elektrotechnik. Für Lowa Rubaschow war die Veränderung weit radikaler, als für seinen Vater, Dr. Abraham Rubaschow". Denn während der Vater noch eine Erziehung in „Jiidischkeit“ genoss, der hebräischen Sprache mächtig war, ist der 40jährige Lowa bereits ein reines Produkt der sowjetischen Erziehung. Die hebräischen Buchstaben waren am Tage seiner Ankunft für ihn ebenso fremd wie es die chinesischen Zeichen für seine [ Schüler-Anfänger sind. Erst in Jerusalem besuchte er zum ersten Male in seinem Leben eine Synagoge, und der Schofar während der Hohen Feiertage war für ihn ein wildfremdes „Instrument“. In Israel musste Lowa zuerst einmal in einen Ulpan. Er war wohl der einzige „Ulpanist“, der seine Mittagspause in der Präsidentschaftsresidenz, am Tisch seines Onkels, des Staatspräsi denten, verbrachte. Doch er blieb ein Optimist: wenn er Chinesisch zu erlernen vermocht«, dürfte er es auch mit dem Iwrit schaffen... Schliesslich hatte es Lowa Rubaschow ja auch in seiner früheren Heimat nicht so leicht. Sein Vater sass in den Jahren 1949—54 im Gefängnis. Vorher noch, in den Kriegsjahren, befanden sich beide Eltern als Aerzte im Dienste der Roten Armee, während die Kinder hinter das Ural-Gebirge evakuiert worden waren. Nach Kriegsende studierte Lowa Diplomatie — sein Lehrer hiess Andrej Wischinsky. Aber schon zu jener Zeit gab es für Abramowitschs und Rubaschows keine grossen Aussichten auf diplomatische Karrieren, und so begab sich Gedenkfeier Bukarest. — An dem Tage, an dem vor 25 Jahren das Judenmassaker in der Hauptstadt Rumäniens stattfand, bei dem Juden im Schlachthaus an Fieischerhaken aufgehängt, viele Synagogen angezündet und die jüdischen Wohnviertel geplündert wurden, fand in der Grossen Synagoge von Bukarest eine Trauerfeier statt. Oberrabbiner Dr. Moses Rosen gedachte der jüdischen Opfer aus jener Zeit und betonte, dass die heutige Regierung des Landes den Antisemitismus nicht duldet und die jüdische Bevölkerung vor rassischer und religiöser Diskrimination schützt, (ITA) Lowa nach Leningrad, um dort an der Fakultät für Ostkunde zu studieren und sich zum Sinologen ausbilden zu lassen. Er wurde Uebersetzer in Chinesisch und Russisch und schliesslich Lehrer an derselben Universität, an der er selbst seine Ausbildung fand. Und plötzlich war der Lehrer wieder zum Schüler geworden: im Ulpan „Etzion“ in Jerusalem, um sofort nach Abschluss des Ulpans wieder Lehrer zu werden: an der Hebräischen Universität. ZEEV BARTH JUAN JULIUSBURG MALERARBEITEN 73-1148 BLANCO ENCALADA (646 HOTEL LAGO lt?3 RIO CEBALLOS — SiERRAS DE CORDOBA CASILLA CORREO 34 Das einzige koschere Hotel in den Bergen. Auskunft in Buenos Airse von 8— 10 Uhr: 76-2009 Mi 1^3 Hotel-Restaurant M. FLAMM CHASCOMUS — T. E. 2910 — Cordoba 38 unter Aufsicht s. Ehrw-, Rabb. Dr. J. Oppenheimer Reiten — Schwimmen — Ausflüge auf den See Telei. Auskünfte in Bs. Aires: 76-2312 u. 70-5805 Neuerscheinungen des Verlages »f 0LAMENU ik in TEL AVIV. POB 3002, ISRAEL Dr. E. J. GOERLICH (Wien): RUTH. — Geschichte eines jüdischen Mädchens. Ein Wiener Roman aus der Nazizeit. — Kart. $ 5.—. Prof. Dr. HARRY ZOHN (Waltham): Wiener Juden in der deutschen Literatur. Reich illustriert. 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