Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1966-01-21 · 2152 (21.1.1966) · p. [Seite 3]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2152 (21.1.1966)
Date
1966-01-21
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9616703-9615320-9615339--4219-9615342
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Viorne*, *1 de Enero de 1988 SEMANA ISRAELITA Ario XXVII. — N* 8152 — 3 Frankreichs jüdische Gemeinde Die jüdische Bevölkerung' Frankreichs zahlte vor dem Zweiten Weltkrieg schätzungsweise 300.000 Seelen, von denen der dritte Teil von den Nazis ermordet wurde. Nach der Befreiung waren verschiedene Einwanderungs- Wellen aus Osteuropa und Aegypten zu verzeichnen. Mit der Immigration aus Nordafnka. im besonderen aus Algerien, die in den Jahren 1956 bis 1960 stattfand, erreichte die französische Judenheit wieder ihr Vorkriegsniveau. Der 1960 einsetzende Exodus der Juden aus Algier fand 1962 mit der Ankunft von 110.000 Flüchtlingen seinen Höhepunkt. Aus Marokko und Tunesien trafen im letzten Jahrzehnt etwa 70.000 jüdische Immigranten ein. AU dies machte die jüdische Gemeinde Frankreichs zah- Ienmässig mit ihren heute über 500.000 Juden zu der bedeutendsten Europas. Die algerische Judenheit ist praktisch in ihrer Gesamtheit nach Frankreich iibergesiedelt. Von den 150.000 Mitgliedern der jüdischen Gemeinde im Jahre 1954 sind ¡nur rund 3.000 in Algerien geblieben, die in ihrer Mehrzahl in den grossen Städten Wie Algier und Oran leben. Aber auch diese letzten Juden verlassen nach und nach das Land. Nur ca. 10.000 algerische Juden haben sich in Israel niedergelassen. Der Grund für diese spärliche Auswanderung nach Israel ist einfach; die Juden Algeriens fühlen sich als Franzosen, sie betrachten sich in Frankreich nicht als Einwanderer sondern als Repatriierte. Ihre Vorfahren waren französisehe Bürger, seit Cremieux 1870 sein berühmtes Dekret erliess. Ihre Sprache ist französisch, ebenso wie ihre Kultur. Sie beteiligten sich aktiv auf Seiten Frankreichs an den beiden Weltkriegen (im ersten fielen von insgesamt 70.000 algerischen Juden 2.850 auf den Schlachtfeldern). Sie fü hlten sich als legitime Söhne des Mutterlandes, selbst i» den tragischen Stunden des Judentums wie zur Zeit des Dreyfus-Prozesses, während der Besetzung Frankreichs durch die Nazis und später unter der Vichy-Regierung. Ihr Patriotismus hinderte sie nicht, gute Beziehungen mit den Mohammedanern zu pflegen und sich voll und ganz für den Fortschritt der ganzen Bevölkerung Algeriens einzusetzen. Die Muselmanen ihrerseits behandelten die Juden wie treue Brüder in den schwär- 1 zesten Stunden des Vichy.! Regimes. I Schon seit langem bildete die dem Jüdischen Weltkongress angeschlossene jüdische Gemeinde Algeriens einen Teil des französischen Judentums als Zweigstelle ihres Zentraiverbandes, des „Consistoire“. Seit 1918 floss ein fast unaufhörlicher Strom jüdischer Akademiker und Kaufleute von Algerien nach Frankreich, die sich dort niederliessen. Die Masseneinwanderung während des Bürgerkrieges und nach der Unabhängigkeitserklärung Algeriens übte einen starken Einfluss auf die Lage der jüdischen Gemeinde in Frankreich aus, was ihre geographische Verteilung, ihre wirtschaftliche und soziale Zusammensetzung und sogar ihre religiöse Struktur betrifft. Der Zufluss nordafrikaniseher Einwanderer glich die Mitgliederzahl der aschkenasischen und sefardischen Sektoren der französischen Gemeinde aus. Soziologisch sind die Algerier zumeist Angehörige der Mittelklasse, denn ausser Akademikern gibt es zahlreiche Angestellte, Handwerker und kleine Kaufleute, wie auch Beamte unter ihnen. In religiöser Hinsicht sind die neuen Einwanderer tief mit der Tradition verbunden im Gegensatz zu den französischen Juden, für die die Religion nur eine Sache des persönlichen Gewissens ist. Die Aufnahme und Ansiedlung der „Repatriierten aus Algerien“ bedeutete für die jüdische Gemeinschaft Frankreichs ein Problem, wie es noch niemals dagewesen war. Trotz der lobenswerten Hilfe der französischen Regierung und ihres (noch nicht existierenden) Ministeriums für Repatriierung, boten sich den Juden des Landes zahlreiche Schwierigkeiten, für deren Lösung sie den Vereinigten Jüdischen Hilfsfonds gründeten und mit der aktiven Unterstützung des nordamerikanischen Joint und anderer westeuropäischer jüdischer Organisationen zählten. Die algerischen Juden empfingen staatlichen Beistand in Form von monatlichen Subventionen, ähnlich wie sie den übrigen Repatriierten aus Algerien zuteil wurde, und eine Sonderhilfe zur Gründung einer Existenz. Die Flüchtlinge aus Marokko und Tunesien jedoch, die Fremde in Frankreich waren, fielen der jüdischen Gemeinde vollständig zur Last. 1 Unter ihnen gab es zahlrei¬ ALFREDO STERN MALERARBEITEN IMITACIONES DE MADERAS MANDONGO PATINADO Y HELADERAS Neue Adresse: VIDAL 1575 fast Ecke PINO Tel: 76—9088 Depósito: V. DE LA PLAZA 1779 Teppichhaus - M. Hochberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpften Teppichen in erstklassigen Qualitäten für jedes gemütliche Heim. EIGENE FABRIKATION UNVERBINDLICHE VORFUEHRUNG AUF WUNSCH ZAHLUNGSERLEICHTERUNGEN Maschinenteppiche in allen Farben und Grössen. Auslegen von Appartements mit rein wollenem Velour VERKAUF AN PRIVATE NUR SAMSTAG UND SONN¬ TAG VON 9—19 UHR IM AUSSTELLUNGSRAUM (ALLE ANDONAEGUI 2083 TEL.: 52 2993 4 Quader von Station Urquiza che kinderreiche Familien, die all ihr Eigentum zurückgelassen hatten, um aus ihrem Ursprungsland auswandern zu können. Sie assen strikt koscher. Viele alte Leute waren darunter, für die die vorhandenen Altersheime nicht ausreiöhten. Die Schwierigkeiten auf den Gebieten der Religion, Kultur und Erziehung und vielen anderen waren schier unüberwindlich. Die jüdische | Gemeinde von Frankreich,! die weit davon entfernt ist.! einheitlich organisiert zu j sein, war völlig kopflos und | wusste nicht, was sie mit den I 200.000 Neuankömmlingen bej ginnen sollte, die über das ganze Land verstreut waren I und unter denen es zehntausende Minderjährige gab. Hunderte Familien siedelten sich in Orten an, in denen es noch niemals eine jüdische Gemeinde gegeben hatte und die überhaupt keinen Kontakt mit dem Judentum unterhielten. Jetzt sind es die neuen Einwanderer, die ausser ihren anderen unzähligen Problemen und Behinderungen sich mit der Gründung von Gemeinden befassen, die bisher weder über Synagogen noch koschere Lebensmittel verfügen. An einigen Orten bemühen sie sich, verlassene Bethäuser zu restaurieren, wie z. B. in Carpentras in der Provence, einer alten Stadt, die wegen ihrer alten Synagoge berühmt war. Einige Zahlen mögen den eingetretenen Wandel erhellen: Paris und seine Vororte beherbergen gegenwärtig etwa 300.000 Juden. Die Gemeinde von Marseille mit ihren ehemals 5.000 Juden zählt heute 80.000. Die Zahl der Juden in Toulouse, wo 3.000 Juden lebten, schwoll auf 18.000 an. In Lyon gibt es schon 20.000 Juden und ebenso viele in Nizza. Längs des Mittelmeeres mit seinem für Nordafrikaner so günstigen Klima entstehen viele neue Gemeinden. Viele jüdische Familien haben sich 1966 30 Jahre CARUTON- Kleidung In diesem Jahre feiert CARL- TON dieses besondere Jubiläum. Ein besonderer Grund, Höchstleistungen in Qualität und Preis zu bieten. Eis beginnt mit einem Januar Sonderverkauf 30 Prozent Rabatt auf alle Fertigkleidung wie Anzug« aus Therylene, leichte Saccos, Sportsaccos. Regenmäntel, Gabardin-Mäntel, Wintermäntel, Hosen aller Art. 10 Punktkleidung (Spezialanfertigung unter Berücksichtigung von Sonderwünschen). Bekleidungs - Kredite bis zu 60.000 durch Credito Ballester, bis zu 300.000.— durch „Club de compra“. In 5 oder 10 Raten, für Einzelpersonen oder Betriebe. Und wenn Sie Masskteidung wünschen, erst recht zu CARLTON. Audi Junioren kaufen gern bei CARLTON. Lohnanfertigung Komplettes Stofflager für die kommende Herbst- und Wintersaison. Täglicher Zustelldienst nach allen Vororten. Kostenloses Parken Maipü und Chartas ERNST KOPPEL Maipu 982, TE 317845 auch wie »ufäliig in Strassburg, Orleans, Perpignan, Avignon, Le Havre usw. niedergelassen. Die meisten gingen in den Süden Frankreichs, aber auch im Norden sind sie heute zu finden. Allein in der Umgebung von Paris, in kleinen Ortschaften, in denen nie Juden lebten, wurden rund 100 neue Gemeinden gegründet, denen es mit Hilfe der Gemeinde von Paris gelang, Gemeindezen. j treu und Schulen zu errichten. Aber in den meisten Fällen können die Juden von solchen Institutionen nicht einmal träumen, und oft wird der Gottesdienst in der Wohnung irgendeines Flüchtlings abgehalten. Manchmal stellte auch irgendein Pastor oder Priester einen Raum für jüdische Andachten zur Verfügung. In Paris fanden zu Jom Kippur Gottesdienste in Kinosälen statt. Trotz der zahlrelonen aus Algerien in Frankreich eingewanderten Rabbiner macht sich ein empfindlicher Mangel an Lehrern, Gemeindebe. amten und geistigen Führern fühlbar. Viele, die selbst noch nicht ihre Ausbildung beendet haben, erteilen freiwillig und teils ohne hierfür bezahlt zu werden religiösen Unterricht. Aber die Zahl der Religionsschulen ist keineswegs ausreichend, und tausende Jugendlicher verlieren jeden Kontakt mit dem Judentum, Trotz der in Frankreich herrschenden offiziellen Trennung zwischen Kirche und Staat zeigen die französischen Behörden grosses Verständnis für di« religiösen Bedürfnisse der aus anderen Ländern eingewanderten Juden. Häufig überlassen sie irgendwelche Säle in staatlichen oder städtischen Gebau den zur Erteilung von Unterricht oder zur Abhai. tung von Gottesdiensten. Auf den öffentlichen Friedhöfen haben sie Felder abgeteilt, auf denen die Juden ihre Toten begraben können. Sie erleichtern auch die Tätigkeit reisender Schochtim, damit die kleinen jüdischen Gemeinden koscheres Fleisch essen können. Allerdings trägt der weltliche Charakter des Lebens in Frankreich auch dazu bei, dass sich die Juden von ihrer Religion entfernen. Diese fühlen sich von der Freiheit. LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE B«. Air«« - PUEYRREDON 2190, 1* izq. - T.E. 83-2613 2*. Januar 1966 2«. Tewet 5736 Ein neuer Flughafen in Israel Tel Aviv. — Der Bar Jehuda-Flugplatz, wahrscheinlich der niedrigste der Welt, wurde an einem Ort zwischen der alten Festung Massada und dem Toten Meer eingeweiht. Er liegt über 300 Meter unter dem Meeresspiegel. Ihm wurde zur Erinnerung an den verstorbenen Verkehrsminister Israel Bar Jehuda, der Namen Bar Jehuda gegeben. Präsident Shazar vollzog die offizielle Einweihung und hob hervor, dass in naher der Gleichheit und der französischen Gastfreundlichkeit, die keine Diskriminierung aus Gründen der Rasse oder Religion kennt, tief beeindruckt. Meiner Ansicht nach sind dringende Massnahmen geboten, um zu verhindern, dass eine verheerende Massenassimilation einsetzt. Zu diesem Zweck wurde ein Verband algerischer Juden gegründet, der von der französischen Sektion des Jüdischen Weltkongresses. dem er ange. schlossen ist, mit Rat und Tat unterstützt wird. Seit Ende 1963 erscheint das Monatsblatt dieses Verbandes „Information Juive“, das früher in Algerien publiziert wurde, in Paris. Zweifellos bedeutet der Exodus von 200.000 Juden aus Nordafrika und ihre Niederlassung in Frankreich für die jüdische Gemeinde dieses Landes eine schwere Belastung, aber gleichzeitig hat sie dieser Gemeinschaft neue Perspektiven für ihre Verjüngung und ihren Fortschritt eröffnet. Zukunft die Touristen aus der ganzen Welt nach Massada gelangen können, um diese historische Stätte, zu besuchen, die ein „Heiligtum einer der heroischsten Episoden unserer Geschichte“ ist. Von nun an werden täglich drei Flüge zwischen Tel Aviv, Bar Jehuda und Elat fahrplanmässig durchgeführt wer- | den. (ITA) ' Flottenkommandant ernannt Tel Aviv. — Oberst Schlo» mo Ereil wurde zum Kommandanten der israelischen Flotte ernannt. Er ist der Nachfolger von Brigadegeneral Jochai Ben Nun, der auf einen hohen Posten im Aussenministerium berufen werden dürfte. (ITA) MOEBELHAUS WATERMANN Das Hans der 3 Gescbät te mit der grösste® Auswahl. SARf&ENTO 1147 T. E. 35 - 1033 CABILÜO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvtrato Eigene Werkstätten. Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung. ISRAEL-BRIEFMARKEN AN WIEDERVERKAEUFER — ALLE NEUAUS¬ GABEN ZUM OFFIZIELLEN KURS AGENCIA FILATELICA OFICIAL DEL ESTADO DE ISRAEL VIAMONTE 550, I. B — Bb. Aires» Rep. Argentina ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL VO »4-» ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦- » » » »-0 Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung BUEROSTUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T. E.: 83 - 2613 / ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Verwaltun gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen T. F. 80 - 6930 PUEYRREDON 2190 esq. Av. LAS HERAS

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.