Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2148 (24.12.1965)
- Date
- 1965-12-24
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 24 <1e Diciembre de 1965 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Aflo XXVI. — N* 2146 S. ADLER-RUDEL (Jerusalem)*. BARON MORITZ VON HIRSCH Ein grosser jüdischer Philanthrop und sein Werk Israels technische Hilfe (9. Fortsetzung) Der Mangel an geeigneten und der Sache ergebenen Direktoren, sowohl für die zentrale Leitung der Administration in Buenos Aires als auch für die einzelnen Kolonien. machte sich bereits zu Beginn der Kolonisation bemerkbar. Der Geschäftsbericht, der der ersten General. Versammlung der Gesellschaft am 20. Dezember 1892 vorlag, stellt fest: „...Die ersten Männer, die an ihre (der ICA in Argentinien) Spitze gestellt wurden, erwiesen sich den ihnen gestellten Aufgaben nicht gewachsen Nach ziemlich schlimmen Erfahrungen und vielen Acnderungen wurde die Leitung der Angelegenheiten der Gesellschaft in der argentinischen Republik schliesslich dem Colonel Albert E. Goldsmid anvertraut.“ Ehe Berufung von Colonel Goldsmid brachte einen Mann an die Spitze der Kolonisation, der eine geachtete Stellung im öffentlichen und jüdischen Leben Englands einnahm und den Bestrebungen der Menschen, deren Betreuung er übernahm, Verständnis und Sympathie entgegenbrachte. Albert Edward W. Goldsmid (1846—1904) entstammte einer alten jüdischen Familie Englands. Er war als Sohn eines getauften englischen Kolonialbeamten in Bombay geboren und als Christ erzogen worden. Erst nach dem Tode seines Vaters erfuhr er von seiner jüdischen Abstammung. Zutiefst davon betroffen, wandte er sich dem Studium der Heiligen Schrift zu. was ihn dazu führte, im Alter von 24 Jahren mit Frau und Kindern zum Judentum zurückzukehren und den Namen Michael anzunehmen. Er war einer der ersten Anhänger der Chowewe Zion und später Mitbegründer der zionistischen Bewegung. Vor seiner Abreise nach Argentinien am. 10. März 1892 erklärte er in einem Interview’, dass er die jüdischen Kolonien in Argentinien lediglich als eine Vorbereitung für Palästina betrachte, und dass seiner Meinung nach ..die Judenfrage niemals gelöst sein wird, bis nicht ein Judenstaat, garantiert von den Mächten, im Lande Israel entstanden ist‘‘. Als Goldsmid in Argentinien zur Uebernahme seines Amtes eintraf, veröffentlichte er den nachfolgenden Auf. ruf an das jüdische Volk: „Michael aus dem Volke Israel, genannt Oberstleutnant Albert Eduardo Wilhelmsohn Goldsmid, entbietet den Kindern Israels, welche in den Kolonien des Baron Hirsch in Argentinien Hilfe suchen und ¡au finden hoffen, seinen Gruss! — Es hat dem Gotte Israels gefallen, über den Ueberrest Israels seinen Grimm auszuschütten, weil viele gegen ihn gesündigt haben, nicht bloss im Heiligen Lande: sie entweihten seinen heiligen Namen und wurden unter die Völker gejagt, wo sie ruhelos umherirren. Darum ist es unsere Pflicht, von unserem Volke die Schmach zu nehmen, welche uns in den Augen der Nationen erniedrigt, und uns vorzubereiten, dass wir geeignet werden, zurückzukehren und uns anzusiedeln in dem Lande, welches Gott unseren Vätern und ihren Nachkommen zu geben verheissen hat. Deshalb entfernt von Euch jedes Unrecht und jede Hartnäckigkeit, gehorchet freudigen Herzens Euren Vorgesetzten, schaut auf diejenigen, die krumme Wege gehen und Zank stiften, wie auf Störer und Entweiher einer heiligen Sache! — Wenn Ihr zaghaft und halsstarrig seid, wenn Ihr bösen Ratschlägen Gehör schenkt, dann wird Euch der allmächtige Gott verlassen, wie er Eure Väter verlassen hat, welche ohne Speise und Unterhalt blieben, als sie seinem Bunde untreu wurden. Ihr werdet dann zur Schande für ganz Israel werden, welches Eure Schmach tragen wird. Wählt also zwischen dem Wege des Lebens und dem Wege des Todes, zwischen vollkommener Rettung und vollständigem Elend. Am Vorabend des Passahfestes, den 14. Nissan 5652, Buenos Aires. Michael.“ Colonel Goldsmid war aktiver englischer Offizier und — dank der Intervention des mit Hirsch befreundeten Prince of Wales der an dem Projekt interessiert war — von der englischen Armee für die Siedlungsarbeit in Argentinien beurlaubt worden. Er fand dort eine ungemein schwierige Situation vor. E>ie von den europäischen Comités nicht nach sachlichen Gesichtspunkten und in grosser Hast ausgewählten Auswanderer erwiesen sich zum grossen Teil als für die Kolonisation ungeeignet oder waren überhaupt der schweren körperlichen Arbeit nicht gewachsen. Die Administratoren, die für die Aufnahme der neuen Siedler nichts vorbereitet und dadurch viele unnütze Leiden verursacht hatten zeigten sich wiederum den auftretenden Problemen gegenüber völlig hilflos. Sie waren zumeist ehemalige Zöglinge der AJU-Schulen im Orient, die eine französische Erziehung genossen hatten, und verstanden weder die Sprache der Immigranten, noch gar die Hoffnungen und Erwartungen, mit denen die neuen Sied- 1er nach Argentinien gekommen waren. Sie ahnten kaum etwas von ihrem Streoen. in Argentinien eine Gemein ■ schaft freier jüdischer Menschen aufzubauen, die zu einer Zufluchtsstätte und zu einem nachahmenswerten Beispiel für die erwarteten Massen von Neueinwanderern werden sollte. Die schweren Differenzen zwischen den Kolonisten und der Administration führten zu dauernden Reibungen, die die Existenz der jungen Kolonien gefährdeten. Das Erscheinen Goldsmids und der biblische Ton seines ersten Aufrufs Hessen bei den enttäuschten Kolonisten neue Hoffnungen wach werden. Einer der ersten Siedler entwirft in seinen Erinnerungen ein anschauliches Bild von dem Besuch Goldsmids und dem Eindruck, den er in der Kolonie Mauricio machte. Die Kolonisten hatten sich in zwei Reihen aufgestellt, die zu einer Chuppah führten, unter der die ältesten Kolonisten mit ihren Rabbinern standen, die Thorarollen in ihren Armen trugen. Sie erwarteten Goldsmid wie einen König. Endlich erschien eine von weissen Pferden gezogene offene Kutsche und in ihr Goldsmid in der glitzernden Uniform eines hohen englischen Offiziers. Lauter Jubel der Wartenden brach aus. Goldsmid erhob sich und hielt eine Ansprache an die Ko. lonisten, die er mit einem hebräischen Gruss begann, in einem Gemisch von deutsch und jiddisch fortsetzte und mit dem Satz abschloss: „Unsere Idee ist gross! Wir wollen anfangen mit dem A von Argentinien und enden mit dem Z von Zion.“ Die Kolonisten verstanden zwar wenig von dem, was er sagte, waren aber von seinem Bemühen, sich verständlich zu machen, begeistert. Die erste Begeisterung legte sich aber bald, und es! trat relativ schnell eine Ernüchterung ein. Die Kolonisten j forderten konkrete Massnahmen zur Erleichterung ihrer ' schweren Lage, in der ihnen mit prophetischen Reden al-! lein nicht gedient war. Goldsmid zeigte sich der Situation i jedoch gewachsen. Der biblische Redner verwandelte sich 1 in den Ofizier, der gewohnt war zu befehlen. Mit sehr eindeutigen Worten forderte er von den Kolonisten harte Ar-; beit und militärische Disziplin. Den Unzufriedenen stellte 1 er anheim, die Kolonien zu verlassen und auf Kosten der ' ica nach Nordamerika oder Europa (keinesfalls nach I Russland) weiterzuwandern. Die Zahl der Siedler, die die- 1 ses Angebot annahm, war nicht sehr gross. | Als Goldsmid im Jahre 1893 nach England zurück-! kehrte, war ein gewisses Mass von Ordnung in den Koloi nien hergestellt. „Während seiner Verwaltung wurden I enorme Landstriche vermessen und parzelliert. Ueber 700 1 Familien wurden in vier grossen Kolonien angesiedelt, und der grösste Teil der Leute musste erst mit den notwendigsten Voraussetzungen vertraut gemacht werden. Die Ko-! Ionien wurden derart verwaltet, dass bei fortschreitender! Vertrautheit mit allen einschlägigen Fragen die Verwaltung so weit eingeschränkt werden konnte, dass sich die Kolonien selbst leiten konnten.“ Colonel Goldsmids Mission in Argentinien und die von Kindler-T aschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN: Nr. 54: HERMANN KESTEN: Meine Freunde die Poeten. Essays. — Nr 55: J Olk CE CARY’ Spiel ohne Ehre, Roman. Nr. 56: FRIEDRICH SCHILLER: Pitaval Merkwürdi ge Rechtsfäll.e Nr. 57/58/59: GERALD REITUNGER: Ausrottung der Juden Europas 1939—1945. Nr. 60: MARQUIS DE SADE: Die Kastanienblüte und andere Erzählungen. Nr. 61: DIE SIEBEN TODSUENDEN — Vierzehn Essays Nr. 63: ELIA KAZAN: Amerika — Amerika, Roman Nr 64/65- HORST LANGE: Schwarze Weide. Nr 66 GEORGES BERNANOS: Ein böser Traum Nr. 67: 1EONHARD FRANK: Das Ochsenfurtei Man nerquartett Es kosten: Einfachband DM 2.50 Doppelband DM 3,80; Dreifachband DM 4,80. Bestellungen durch alle Buchhandlungen Kindler Verlag G.m.b.H., München Biblioteca Ciencia e Historia de las Religiones dirigida por MARSHALL T. MEYER G. STEPHEN SPINKS: Introducción a la Psicología de la Religión. lEO BAECK: La esencia del Judaismo (Wesen des Judentums) Grandes Epocas é Ideas - del Pueblo Jadío L IEJEZKEL KAUFMANN: Lo Epoca bíblica íl RALPH MARCUS: La Epoca Helenística III. GERSON D. COHEN: La Epoca Talmúdica IV. ABRAHAH S. HALKIN: La Epoca Judeo- Islámica .V CECIL RCTH: La Epoca Europea VI SALO W. BARON: La Epoca Moderna Nicht nur in Israel, auch in Afriika sind isneelische Gesellschaften und Fachleute unermüdlich an der Erschliessung von Wasserquellen und an der Entwicklung seit Jahrtausenden brachliegender Gebiete in hohem Masse beteiligt. Vor kurzem wurden zu diesem Thema aus dem Mitteilungsblatt der Mekorot- Gesellschaft interessante, aufschlussreiche Details bekannt. Die „Vered“-Gesellschaft, ein Tochterunternehmen von Mekorot, die in zahlreichen Ländern in Afrika und in Persien tätig ist. hat im vergangenen Jahr für 120 Mill. IL. Arbeiten getätigt. Ausserdem wurden kürzlich neue Abkommen über 60 Mill. IL abgeschlossen. Die Arbeiten erstrecken sich auf elf Staaten, d. h. Nigeria, (West-, Ost- und Mittelnigeria) Kenya, Tanganjika und Ecuador. Persien, Thailand, Kambodscha sowie auf die Insel Kreta. Ueber 10.000 Arbeiter sind unter Aufsicht israelischer Fachleute in diesen Betrieben beschäftigt. Wie wir erfahren, hat die Vered-Gesellschaft an die 9o Fachleute in die vorher genannten Länder entsandt. Die Gesellschaft hat seit ihrem Bestehen bis zum 1. Januar 1965 Arbeiten für 24 Mill. Dollar übernommen und weitere Vertrüge auf noch auszuführende Pläne für 30.200.000 Dollar gezeichnet. Hierzu kommt der erfreuliche Umstand, dass die Firma nicht nur durch diese Arbeiten dem Staat fremde Devisen einbringt, sondern auch an verschiedenen für die Arbeiten benötigten Werkzeugen aus Israel Waren für 2,5 Mill. IL exportiert hat. Besonders interessant sind die Projekte, die in Persien zur Ausführung gelangen. Dort hat Vered unlängst eine riesige Wasserleitung von 40 km Länge zu der Hauptstadt Teheran gelegt. Die Betonrohre sind ausserordentlich gross und schwer. Sie wiegen pro Rohr 30 Tonnen, und ihr Durchmesser ist etwa anderthalb bis zwei Meter. Um sich eine Vorstellung zu machen, wie kompliziert die Aufgaben waren, die im Rahmen dieser Arbeiten erfüllt werden mussten, genüge nur ein Beispiel; ln den Strassen von Teheran mussten zehn Meter tiefe Kanäle ausgehoben werden, um die Rohre zu legen, aber gleichzeitig dafür Sorge getragen werden, dass sich der Verkehr in der Hauptstadt weiterhin normal abwickeln konnte. Die persische Presse brachte spaltenlange Berichte Uber den in Teheran bisher einzig dastehenden Erfolg israelischer Fachleute, denen es gelungen war. die an sie gestellten Anforderungen reibungslos zu bewältigen. Weitere Arbeiten, die in Angriff genommen wurden, bestehen aus der Anlage eines Wasserkanals, für den drei Mül. IL gezahlt werden, sowie eines Staudamms, der einen Fluss abzulenken hat, um einer hydraulischen Kraftstation die gewünschten Energien zuführen zu können. Dieser Staudamm wird 360 Meter lang sein und bei einem Kostenaufwand von zwölf Mill. IL. im Laufe von zwei Jahren fertiggestellt werden. In Ost-Nigeria errichtet die Vered-Gesellschaft ausser Staudämmen auch Wassertürme nach israelischem Muster, die allerdings viel höher als in Israel sind, und ganze Stadtgebiete mit Wasser zu versorgen haben. Nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in politischer Hinsicht sind die Arbeiten israelischer Fachleute dieses Unternehmens in Nigeria von grossem Erfolg begleitet. Sogar in Teilen Nigerias, die überwiegend von Mohammedanern bewohnt sind und von arabischen Propagandisten gegen Israel aufgehetzt werden, machten die Arbeiten der Israelis und ihre ausserordentlich guten Beziehungen zur Bevölkerung derartigen Eindruck, dass der Name Israel vielen Menschen zu einem Begriff geworden ist. ihm «zielten Anfangserfolge erregten so weites Aufsehen, dass das englische Foreign Office beiden Häusern des Parlaments einen ausführlichen Bericht über die Pläne des Baron Hirsch in Argentinien vorlegte. Der vom englischen Vize-Konsul in Buenos Aires W. G. H. Gashell verfasste Bericht enthält zunächst Bemerkungen über die schwere Lage der Juden in Russland und danach eine eingehende Darstellung der von Hirsch in Argentinien durchgeführten Kolonisation und des Erfolges des von ihm angewandten Systems. Der Bericht schliesst mit dem Satz: „Diese Skizzierung des grossen Planes von Baron Hirsch für die Befreiung der jüdischen Rasse aus Unterdrückung kann in der ganzen Welt nur grösstes Interesse erwecken, besonders da doch philanthropische Unternehmungen, oft nur in den Köpfen von Theoretikern entworfen, selten zu solch praktischen und greifbaren Ergebnissen führen.“ Diese etwas verfrüht ausgesprochene Anerkennung seiner Pläne dürfte für Hirsch eine der wenigen erfreulichen Nachrichten seit dem Beginn der Kolonisation in Argentinien gewesen sein. Die Verwirklichung des Gesamtprojektes blieb trotz allen Bemühungen w’eit hinter seinen Erwartungen zurück. Das Problem einer fähigen Direktion in Buenos Aires fand niemals eine befriedigende Lösung. Als Goldsmids Nachfolger wurde ein Direktorium aus drei Personen eingesetzt: Samuel Hirsch, Maxim Kagan und David Kazis. Samuel Hirsch war vorher Direktor der von der Alliance in Palästina gegründeten landwirtschaftlichen Schule „Mikweh Israel“ gewesen, in der im Jahre 1882 eine Gruppe Biluim als Arbeiter beschäftigt waren. (wird fortgesetzt? LUACH — (KALENDER) Freitag, den 24. Dezember 6. Tag Chanukka Sonnabend, den 25. Dezember Schabbos „MIKEZ“ — Haftarah: 7. Tag Chanukka Sonntag, den 26. Dezember 8. Tag Chanukka Montag, den 27. Dezember Dienstag, den 28. Dezember Mittwoch, den 29. Dezember Donnerstag, den 30. Dezember Freitag, den 31. Dezember Sonnabend, den 1. Januar Schabbos „WAJIGASCH“ — Haft.: Sonntag, den 2. Januar Montag, den 3. Januar Dienstag, den 4. Januar 1. Tewet 2. Tewet Secharja Kap. 2 3. Tewet 4. Tewet 5. Tewet 6. Tewet 7. Tewet 8. Tewet 9. Tewet Jecheskel Kap. 37 10. Tewet 11. Tewet 12. Tewet purd1 Herrn » J“ yeh sulteiita S’SU 5 **“• STÄ* ^iti0nalm hörf^.f1 rabenZ«wt' Bit POB« g^chkenntms strebt ist- In den s-idinete er Aufbau e>n” seien Vollsch. nung scbon ¡[¡genommen Secundario pjof‘ i®iasst Ausbildung der ünR&hmen proeruniins jaulen, aber igiceer GW f-*a Wn der gung :«treten moderne, religio hebräischer düng. Talpiot darum bestrebt lern den .doppel soff zu vermiti will ihnen lesen weisen. Mit grossem führt Dr. Mon gelungen ist. torragende L »innen, die Anstrengungen Ziel zu erreiche! len. Im übrigen fang dieser m Kontakt lang der Jewis religiöse Erzie «durch eine Orientierung 73-1148 STj