Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2136 (1.10.1965)
- Date
- 1965-10-01
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Viernes, 1? de Ocíulue de 1965 JÜDISCHE WOCHENSCHAU feignisse Innenminister Gast der DÂLA Anlässlich der Hohen Feiertage veranstaltete die DAIA in der vergangenen Woche ein Essen, an dem als Ehrengast auch der argentinische Innenminister Dr. Juan ß. Palmero teilnahm. Der Präsident der DAIA, Dr. Isaac Goldenberg. ergriff das Wort und betonte einleitend, dass das Fest des Neujahres und der ihm zenn Tage später folgende Ver- Böhnungstag den Juden Anlass zur Prüfung ihres Gewissens und Stärkung ihres Glaubens bieten. Er erläuterte den Sinn des Jom Kipur, der den Juden gebietet, sich auerst mit ihren Nachbarn au versöhnen, um zur Versöhnung mit ihrem Schöpfer au gelangen, und zitierte den Propheten Jesaia, der verkündete, dass der Mensch »ur auf die göttliche Gnade bauen könne, wenn er selbst seinen Taten Gerechtigkeit augrunde legt. “In diesem Geiste”, fuhr Dr. Goldenberg fort, "im Geiste der Bibel, bieten wir unsere Hand als Argentinier und Juden unseren nicht jüdischen Mitbürgern ermutigt von dem Edelmut des Herrn Innenministers Dr. Juan S. Palmero, mit dem er anlässlich der kürzlichen Interpellation im Parlament wegen der Aggressivität totalitärer und antisemitischer Gruppen seine Antwort erteilte und aussprach, dass die antijüdieche Agitation in letzter Zeit eine neue Färbung angenommen hat und "Antizionismus” genannt wird. Der Herr Innenminister sagte auch, als er über Vorurteile und begriffliche Entstellung sprach, dass ‘die Juden in ihrer überwiegenden Mehrheit sich dem Leben auf ihrem heimatlichen Boden anpassten, ohne desmegen aufgehört zu haben, sich als Juden zu fühlen, und moralisch und materiell Israel unterstützen, doch ihrem "Vlaterland die Treue halten.“ Der Redner verwies auf die lautere Gesinnung der argentinischen Regierung, der Dr. Palmero beredten Ausdruck verliehen habe, als er unterstrich, dass zur Zeit als die jüdischen Kinder und Enkelkinder aus anderen Ländern nach Argentinien kamen, „niemand sie je nach Ihrer Rasse oder ihrem Glauben fragte, denn wir haben keine Schildwachen in den Gotteshäusern, weil es zwischen dem Menschen und seinem Gebet keine Zensur geben kann. Unser Boden fragt nicht den Pflug, der in ihn eindringt, nach der Farbe dessen, der ihn führt, und wir bieten stets jedem Manne oder jeder Frau die Hand.“ Die Juden in der Zerstreuung ‘‘Der Jude, der heute in anderen Ländern als Israel lebt“, führte Dr. Goldenberg an anderer Stelle aus, lebt mit dem Volk des Landes, in dem er Wurzeln geschlagen hat, und nicht nur neben ihm. Er liebt das Land und empfängt seine Liebe, wie jene aus ihrer spanischen Heimat vertriebenen Sefardim, die heute noch als rührende Reliquie die Schlüssel der Heime bewahren, deren Türen sie zum letzten Mal bei ihrer Austreibung hinter sich schlossen. “Aber der Jude trägt unerschütterlich die Tora oder die Liebe zur Tora im Herzen, die Sehnsucht nach dem Boden Zions und seiner tausendjährigen Kultur so wie eine stete geistige Entspannung im Kreise der Völker, mit denen er zusammenlebt. "Die Kultur der Völker wird durch die Besonderheiten ihrer Glieder bereichert und verarmt, wenn wenn ihr diese Werte entzogen werden. Nur totalitäre Regime, in denen Gott meist gestorben ist, fordern eine einzige Treue, ein einziges Gefühl, einen einstimmigen Chor, eine Herde Mensch, aus der anstelle der Kultur nach dem Bilde Got. tes nur Ungeheuer hervorgehen können.“ Aus diesen Gefühlen und in diesem Geist entbot Dr. Goldenberg im Namen der DAIA und der jüdischen Kollektivität des Landes der Regierung Argentiniens und seinem Volk, ebenso wie den jüdischen Brüdern in Israel und der ganzen Menschheit den traditionellen jüdischen Neujahrsgruss. Die Rede des innenministers Innenminister Dr. Juan S. Palmero dankte der DAIA für die an ihn ergangene Einladung, der er mit besonderem Vergnügen gefolgt sei, um am Tisch einer Gemeinschaft Argentiniens zu sitzen, die mit anderen Gemeinschaften zusammen die Nation bildet und am Schicksal des gemeinsamen Landes mit Liebe, gutem Willen und Glauben mitarbeitet. Br nahm im weiteren auf Kindler-T aschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN: Nr. 54: HERMANN KESTEN: Meine Freunde die Poeten. Essays. — Nr 55: JOYCE CARY: Spiel ohne Ehre, Roman. Nr. 56: FRIEDRICH SCHILLER: Pitaval Merkwürdi ge Rechtsfälle Nr. 57/58/59: GERALD REITUNGER: Ausrottung der Juden Europas 1939—1945. Nr. 60: MARQUIS DE SADE: Die Kastanienblüte und andere Erzählungen. Nr. 61: DIE SIEBEN TODSUENDEN — Vierzehn Essays Nr. 63: ELIA KAZAN: Amerika — Amerika, Roman Nr 64/65: HORST LANGE: Schwarze Weide. Nr. 66 GEORGES BERNANOS: E5n böser Traum Nr. 67: LEONHARD FRANK: Das Ochsenfurter Man nerquartett. Es kosten: Einfachband DM 2.50 Doppelband DM 3,80; Dreifachband DM 4,80. Bestellungen durch alle Buchhandlungen Kindler Verlag G.m.lhH., München seine derzeitigen Erklärungen im Parlament Bezug und versicherte erneut mit Entschiedenheit, dass in Argentinien kein Raum für Antisemitismus sei. Er hob hervor, dass gelegentliche Ruhestörungen nur den Umtrieben gewisser kleiner Gruppen zuzuschreiben seien und die Regierung in jedem Augenblick entschlossen ist, im Falle der Notwendigkeit energisch einzugreifen. "Wir sind Antirassisten“, so erklärte er u. a., ‘denn der Rassenhass ist ein Verbrechen gegen die Intelligenz, [ gegen die Gefühle und gegen Gott. Wir wiederholen, dass wir Demokraten sind, denn wir sind Argentinier, die unter Opfern und Preisgabe von Leben, ohne diese zu messen oder jene zu zählen, in den letzten siebzig Janren unserer Geschichte für die Demokratie gekämpft haben, und wir werden in Freiheit leben.” Dr. Palmero sprach von den jüdischen Propheten, den Helden des Volkes Israel und den jüdischen Märtyrern der Neuzeit den Kämpfern des warschauer Ghetto, und der Wiedergeburt des alten Volkes auf seinem Hei. matboden. Er liess es sich angelegen sein zu unterstreichen, dass in einem Lande wie Argentinien eine jede Gemeinschaft die Gelegenheit hat, in Frieden zu leben, denn das Land mit seiner Geschichte, seinen Menschen und seiner Landschaft bietet der Brüderlichkeit Raum, weil es ein Land ist, in dem nur diejenigen verpönt sind, welche Arbeit, Gesetz, Gerechtigkeit und Recht verabscheuen. Er bat die Anwesenden als Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft die in dieser Atmosphäre der Achtung vor der Gerechtigkeit und des freundschaftlichen Zusammenitbens wohnen, dieses wahre Bild Argentiniens allen jenen zu vermitteln, die kleinmütig oder unsicher seien. ‘‘Erzählt ihnen”, so schloss er, "dass Argentinien ein Land ist, in dem man ohne Furcht leben kann, und dass es bei uns eine starke und streitbare Demokratie gibt, der Menschen dienen, welche ihr Leben Ano XXVI. — N? 2136 r A4 ^y<Vv. .“ V* y'-'y-i't'y**-» SW\»' tí - J iis *•* ' Der neue Botschafter Israels in Argentinien, Dr. MOSHE ALON, mit dem Herausgeber der Jüdischen Wochenschau dem Kampf gegen jeglichen extremistischen Hass geweiht haben, und die niemals die Fahnen einziehen werden, die sie für ihre Jugend mit Liebe und für immer gehisst haben.” 20 Jahre Editorial Paidös Im Jahre 1945 gründete eine Reihe hervorragender Intellektueller und Pädagogen den Verlag Paidös, um Fachliteratur über Psychiatrie. Psychoanalyse, Religion, Soziologie und Erziehung in spanischer Sprache zu verbreiten. Dieses Vorhaben wurde auf hohem Niveau und in einem solchen Umfang verwirklicht, dass eine ganze Generation von Spezialisten und Lehrern, Eltern und Studenten mit den modernsten Errungenschaften auf den vorgenannten Gebieten vertraut gemacht wurden. Anlässlich seines 20jährigen Jubiläums hat der Verlag beschlossen, seinem Ziel getreu, für die Bildung aller Schichten zu wirken, einer jeden der Schulen in den argentinischen Provinzen eine vollständige Fachbibliothek zu schenken, die den vielen Lehrern auf dem Lande die Möglichkeit bieten soll, sich zur Erfüllung ihrer sozialen Aufgaben über den Fortschritt der Erziehungsmethoden zu orientieren. Den zahlreichen Glückwünschen aus Verlegerkreisen, die dem Editorial Pai- Neuerscheinungen des Verlages „OLAMENU“ in TEL AVIV. POB 3002, ISRAEL Dr. E. J. GOERLICH (Wien): RUTH. — Geschichte eines jüdischen Mädchens. Ein Wiener Roman aus der Nazizeit. — Kart. $ 5.—. Prof. Dr. HARRY ZOHN (Waitham): Wiener Juden in der deutschen Literatur. Reich illustriert. Halbleinen $ 3.50. ZEITSCHRIFT FUER DIE GESCHICHTE DER JUDEN Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD. Abonnement nur ganzjährig $ 8.50. DEMNAECHST ERSCHEINT: HUGO GOLD: GESCHICHTE DER JUDEN IN WIEN Das Standardwerk der jüdischen Geschichte Wiens. Hunderte Illustrationen. Ermässigter Subskriptionspreis vor Erscheinen $ 20.—, nach Erscheinen $ 35.— IN VORBEREITUNG: „HISTORV OF THE JEWS IN AUSTRIA". Ein Jahrbuch in deutscher und englischer Sprache. Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD. GEDENKBUCH DER UNTERGEGANGENEN JUDEN¬ GEMEINDEN DER TSCHECHOSLOWAKEI. Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD. ET. scheint in zwei Bänden. I. Band Böhmen, Mähren und Schlesien. — II. Band Slowakei und Kaipatorus. Alle diese Publikationen erscheinen im Rahmen des im Entstehen begriffenen CHAJES-INSTITUTS dös zu seinem Jubiläum ausgesprochen wurden, schliesst sich auch die Jüdische Wochenschau an. Ehrung für Alberto Gerschunoff Die ‘‘Sociedad Hebraica Argentina” wird morgen eine Ehrung für Alberto Gerchunoff veranstalten, bei der die Schriftsteller Leónidas de Vedia, Guillermo Ara und Prof. Isaías Lerner die Persönlichkeit ihres berühmten Kolegen würdigen werden, dessen Bücher ‘‘Los gauchos judíos” und ‘‘Retorno de Don Quijote” u. a. zur Bereicherung der argentinischen Literatur beigetragen haben. Bei dieser Veranstaltung wird die Bibliothek der ‘Hebraica” den Namen Alberto Gerchunoff erhalten. In der Israel-Botschaft Mit dem üblichen Zeremoniell wurde der neue israelische Botschafter Mosne Alón zum Präsidenten der Republik geführt, dem er seine Beglaubigungsschreiben übergab. Nach einer längeren Unterhaltung, in der die freundschaftlichen Beziehungen zum Ausdruck kamen, die Argentinien mit Israel verbinden, verabschiedete sich der Botschafter vom Präsidenten Dr. Illia und wurde von einigen höheren Beamten der Republik sowie von dem militärischen Dekan des Präsidenten und den Kommandanten der Grenadiere San Martins zum Gebäude der Botschaft zurückgebracht. Dort hatten sich inzwischen die führenden Persönlichkeiten des argentinischen Judentums eingefunden, die dem Botschafter vorgesteilt wurden. In freundschaftlicher Form und in vorfeetlicher Stimmung blieben die Anwesenden — in Gespräche vertieft — geraume Zeit zusammen. Ein Kongress F.U.C.A. berichtet in Comunión Democrática über den in München veranstalteten internationalen Kongress gegen Nazismus, E'aschismüs und Antisemitismus. Die zahlreichen Mitteilungen und Ausführungen dürften das Interesse weiter (Fortsetzung der Ereignisse auf Seite 5) D0RITA TANNHAUSER MIGUEL MELCHIOR VERLOBTE Montevideo Maggiolo 568 Buenos Aires Tomás A. Lebretón 5775 Empfang am Sonntag, den 10. Oktober, von 16 Uhr 30 bis 18 Uhr 30 Tornas Lebretdn 5775 NID0 ALEGRE ERICO JACOBSOHN UND FRAU wünschen allen Freunden und Bekannten nnsn nma mt?? und daiken allen für das uns jahrelang bewiesene Vertrauen. Wir beehren uns mitzuteilen, dass wir unser Recreo aufgegeben haben und nach Buenos Aires, Ciudad de la Paz 2515, 1? K (Tel.: 76-5842) verzogen sind. LUACH — (KALENOER) Freitag, den 1. Oktober 5. Tischri Sonnabend, den 2. Oktober 6. Tischri Schabbat SCHUVl Parschat WAYELECH 5. B. M. XXXI 1—30 Haftara: Hoschea XIV 2—10 — MICHA VII 18—20 Sonntag, den 3. Oktober 7. Tischri Montag, den 4. Oktober 8 Tischri Dienstag, den 5. Oktober 9. Tischri KOL NIDRE Mittwoch, den 6. Oktobe 10. Tischri JOM HAKIPURIM — Fast- und Versöhnungstag Yiskor — Totengedenkstunden Donnerstag, den 7. Oktober 11 Tischri Freitag, den 8. Oktober 12. Tischri Sonnabend, den 9. Oktober 13. Tischri Parschat HA’ASINU 5. B. M. XXXII 1—52 Haftara II, B. Schmu’el XXII 1— 51 Sonntag, den 10. Oktober 14. Tischri ER.EW SUKKOT Montag, den 11. Oktober 15. Tischri 1. Tag Sukkot Dienstag, den 12. Oktober 16. Tischri 2. Tag Sukkot .i 1