Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2133 (10.9.1965)
- Date
- 1965-09-10
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9616703-9614788-9615149--4034-9615157- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Oflû e a“ © g FRANQUEO PAGADO Concesión 908 fc g s S t a w h A) TARIFA REDUCIDA <o Concestón 1629 RAELÍTA Ano XXVI. BUENIS AIRES, VIERNES 10 DE SEPTIEMBRE DE 1965 N® 3133 EL EJEMPLAR Ii!» en toda ta República '*• PUEYRREDON 2190 1» teq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Schwache irdische Richter von SEM FRANKENSTEIN Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ, ALBERT SCHWEITZER, Arzt, Menschenfreund Pazifist Forscher, Nobelpreisträger für den Frieden ist ’ über 80 Jahre alt in dem von ihm geschaffenen ßmffcenhaus in Aequatorialafrika gestorben. _ FIDEL CASTRO liess mitteilen, es sei ein Attentat ge. gen ihn verübt worden, bei dem zwei Begleiter getötet, er seihst unverletzt geblieben ist. — HECTOR GARCIA GODOY. 44 Jahre alt, hat die provisorische Präsidentschaft der Dominikanischen Republik übernommen. — ERNESTO' GUEVARA, gebürtiger Argentinier, kubanischer Industrieminister, soll Gerüchten zufolge auf der Seite dominikanischer Rebellen den Tod gefunden haben. FERNANDO BELAUNDO, der Präsident Perus, ordnete die Verlängerung des Belagerungszustandes an. — Der GRIECHISCHE KRONRAT soll das zustande bringen, was dem Parlament nicht gelang: die Regierungskrise lösen. — PRAESIDENT NASSER verlangte vor seiner Abreise aus Moskau die Einstellung der amerikanischen Angriffe in Vietnam. — DIE IHREN PAZIFISMUS stets betonenden Inder wunderten sich darüber, dass Pakistan ihre Angriffe erwiderte. — U THANT, Generalsekretär der Vereinten Nationen, forderte Indien und Pakistan auf, die Waffenstillstandslinie in Kaschmir zu beachten. — JOSEPH BROZ TITO und Abdel Nasser baten in einer gemeinsamen Erklärung um Beendigung der Feindseligkeiten in Vietnam. — Die DOLLAR-KRISIS wurde überwunden, erklärte der nordamerikanische Schatzsekretär, Henry H. Fowler. — AEGYPTEN drohte damit, nicht zur Konferenz in Casablanca zu erscheinen, wenn Syrien nicht die anti-ägyptische Politk aufgeben würde. — Interview mit Rolf Pauls Das Bonner Schwurgericht hat in der zweiten Auflage des Kulmhof-Prozesses, in dem es *m Beihilfe zum Massenmord an 152.000 Juden aus Deutschland, Polen, Oesterreich und der Tschechoslowakei ging, nach elf Verhandlungs - Tagen gegen die fünf Hauptangeklagten Zuchthausstrafen zwischen sieben und dreizehn Jahren ausgesprochen. Verurteilt wurden diese Angeklagten wegen Beihilfe zum Massenmord. Drei weitere Angeklagte erhielten je dreizenn Monate und zwei Wochen C-ffängnis, bei drei ande en wurde von einer Best *tf;ng afcges-hen Bei den letzten sechs Angeklagten hat des Schw urgericht die kü :< li erlassener Haftbefehle wieder aufgehoben; bei den zu Zuchthausstrafen verurteilten Hauptbeschuldigten wird die seit 1960 erlittene Untersuchungshaft voll angerechnet. Verurteilt wurde Gustav Laabs zu dreizehn Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust; Walter Burmeister und Alois Häfele erhiel. een die gleiche Strafe, Kurt Möbius acht Jahre Zuchthaus ur.d sechs Jahre Ehrverlust, Karl Heinbl sieben Jahre Zuchthaus und fünf Menschen und Völker werden durch gemeinsame Interessen oder — was auch mitunter der Fall ist — durch gemeinsame Ideale und Ueberzeugungen zusammengehalen. Bei der arabischen Völkergemeinschaft hat sich im Laufe von Jahrzehnten zur Genüge gezeigt, dass eine gemeinsame antiisraelische Haltung oder der gemeinsam gepredigte Hass gegen den Staat Israel nicht ausreichen kann, um eine gemeinsame arabische Front zu schaffen oder eine gemeinsame Linie der arabischen Politik zu finden. Die. se Erfahrung muss als ein Faktor zur Kenntnis genommen werden. Man darf sie auch in das politische Konzept aller interessierten Länder auf nehmen. Auch Israel darf damit rechnen, dass die arabischen Länder im Gegensatz zu der von ihnen gemachten Propaganda keinen einheitlichen politischen und militärischen Block darstellen. Diese Fest. Stellung darf jedoch nicht zu dem Trugschluss führen, dass nunmehr die israelische Position nicht oder nicht mehr gefährdet sei. Da man Entwicklungen nicht oder nur sehr schwer voraussehen kann, bleibt immer die Möglichkeit offen, dass zu bestimmten Zwecken und Zielen wie zum Beispiel für einen Angriff gegen Israel eine arabische Koalition zustande kommt, mit der man bei der augenblicklichen Situation „eigentlich“ nicht rechnen konnte. Der Ueberraschungsfaktor ln der Politik Ist stets gegeben. Man braucht nur an den Hitler- Stal in-Pakt zu denken, der die ganze Welt einfach des- Jahre Ehrverlust. Das Schwurgericht hatte gegenüber dem ersten Urteil das Strafmass bei den Hauptangeklagten nur im Falle von Laabs und Häfele um zwei Jahre Zuchthaus vermindert Ebenso wie der Bundesgerichtshof nahm auoh das Schwurgericht nicht zu dem Paragraphen 47 Absatz 2 des früheren Militärstrafrechts Stellung, nach dem von Stra_ fe abgesehen werden kann, wenn die Schuld eines Angeklagten gering ist. Der Vorsitzende des Schwurgerichts, Landgerichtsdirektor Bohnen, hat in der Einleitung zur Urteilsbegründung einige grundsätzliche Bemerkungen gemacht, die sich auf Monstreverfahren mit ungeheuerlichen Vorwürfen von Massenmorden bezogen. Zur strafrechtlichen Schuld der Angeklagten sagte er: “Kein einziger Mörder ist hier abgeurteilt worden, vielmehr Gehilfen von Massenmördern.“ Keiner der Angeklag_ ten sei aus freien Stücken und aus eigenem Willen zum Wachpersonal des Veiynichtungslagers Kulihhof gegangen. Ihre Auswahl dazu sei blinder Zufall gewesen. Auch hier müsse der irdivon B. B. SAMUEL wegen elektrisierte, weil niemand damit rechnen konnte und „eigentlich“ auch nicht zu rechnen brauchte, weil ein solches Abkommen ganz ausserhalb der Grenzen des Denkbaren oder Normalen lag. Das zeigt, dass im politischen Leben alle Eventualitäten einkalkuliert werden müssen. Die Gegensätze zwischen den arabischen Ländern bestimmen die Nahostpolitik dar Grossmächte seit mehr als 150 Jahren. Nirgends konnten die Engländer, die wirklichen Erben des römischen Imperialismus, den alten Grundsatz des „divide et impera“ mit solchem Erfolg und dieser Sicherheit aus. nutzen wie in der arabischen Welt, die von rivalisierenden Scheichs, Königen und nunmehr Präsidenten beherrscht wird, meist Militärs, die durch Staatsstreiche und Revolutionen "an die Macht gekommen sind. Dass zwischen Aegypten und Babylon seit Jahrtausenden ein Kampf um die Hegemonie ausgetragen wird, ist bekannt. Was wir heute in den Auseinan. dersetzungen zwischen Nasser und Alef, zwischen Kairo und Bagdad erleben, ist eine Fortsetzung. Nur dass sich heute noch andere Spannungsfelder ergeben haben, die zu weiteren innerarabischen Konflikten geführt haben, zum Gegensatz zwischen Nasser und Feisal von Saudi Arabien, zu Kämpfen im Sudan, im Yemen und auf der südliclien arabischen Halbinsel, deren Ausgang durchaus noch nicht entschieden tet. sehe Richter ein Gefühl des Mitleides den Angeklagten gegenüber bewahren. Das zu übersehen, wäre pharisäerhaft. Die Massenmörder des Dritten Reiches hätten sich bei der Judenvernichtung Menschen mit Kadavergehorsam oder geistig noch nicht herangereifter junger Männer bedient. Mit erhobener Stimme aber erklärte der Vorsitzende, dass jedes einzelne Opfer Anspruch auf die lebenslange Zuchthausstrafe seines Mörders habe Das Schwurgericht bedauerte, dass die eigentlichen Massenmörder aus Kulmhof nicht auf der Anklagebank gesessen hätten. Dies seien jene gewesen, die als Initiatoren anzusehen seien und deren man möglicherweise bis heute noch nicht habe habhaft werden können. Die Angeklagten im Alter zwischen fünfzig und sieozig Jahren nahmen das Urieil, soweit sie hohe Zuchthausstrafen hinnehmen mussten, gelassen und ohne sichtbaren Eindruck und, soweit sie keine oder nur geringe Strafe erhielten, erleichtert auf. Wenn man dieses Urteil liest, wird man vielleicht Seit Jahren bemüht sich Nasser darum, seine Position auszubauen und Aegypten in die alle anderen arabischen Länder beherrschende Macht zu verwandeln. Mit einer grossen Geschicklichkeit, aber auch abstossenden Spiegelfechterei führt der ägyptischA Diktator eine Politik, in welcher eigentlich nur das Wort als solches eine Rolle spielt. Alle Taten, alle Entwicklungen und alle Geschehnisse stehem mit den von Nasser vorgezauberten politischen Kunststücken in diametralem Gegensatz. Er bewegt sich in der ersten Reihe der die Welt dirigierenden StJatsmänner, er treibt hohe Politik, er konferiert in Moskau und Zagreb, in Djidda und Kairo, aber überall dort, wo es auf Ergebnisse ankommt, überall dort, wo Entscheidungen getroffen werden, erleidet Nasser Niederlagen. Pyrrhus sagte einst, dass er zugrunde gehen werde, falls er -noch einen solchen Sieg erringen würde. Nasser kann von sich das Gegenteil sagen. Jede und eine noch so blamable oder empfindliche Niederlage steigert sein Prestige. Jetzt ist vielleicht erstma. lig Nassers Position ernsthaft erschüttert worden. Was der verlorene Sinai-Krieg oder die Yemen-Schlappe nicht vermochte, hat der Aufstand einiger tausender Wafd-Leute zustande gebracht: die Schwäche Nassers zu offenbaren. Hieraus gilt es die richtigen Rückschlüsse zu ziehen, die nicht in Sorglosigkeit, sondern in erhöhter Wachsamkeit bestehen sollten, - mit einigem Kopfschütteln feststellen, dass der Vorsitzende Richter Mitleid mit den Angeklagten empfindet. Es ist nicht das erste Mal, dass ein deutscher Richter von Mitleid mit den Massenmördern spricht Dabei muss man wissen, weiche Schreckenstaten von den Angeklagten im Kulmhof Prozess begangen worden sind, die bei den Gerichtsverhandlungen zu beobachten allein scljon ein Bild des Grauens menschlicher Entartung darbot. So sahen also die deutschen Wachmannschaften aus, denen hilflose Juden, vor allem Frauen und Kinder, auf Tod und Verderben ausgeliefert waren. Kein Zeichen der Reue war ihnen anzumerKOi. Während der Pausen der Verhandlungen standen sie, soweit sie unverständliche! - weise nicht in Untersuchungshaft waren, in den Korridoren des Gerichtsgebäudes herum. Ein schreckliches Gefühl für jeden, jedenfals für mich, .sich in der Nähe dieser Mörder zu wissen. Was haben diese Menschen getan, für die der Vorsitzen, de Mitleid aufbrachte. In Kulmhof wurden die Menschen, die aus anderen Schreckensstätten kamen, durch lange Gänge geschleust, bis sie dann unbekleidet in den Vergasungswagen gepeitscht und gestossen wurden, in dem sie erstickten, um dann irgendwo im Walde verscharrt zu werden. Das waren die Verbrechen, an denen alle Angeklagte mit wirkten. Die ei_ nen trieben die Menschen in die Gänge und Räume, wo sie sich entkleiden mussten die anderen beaufsichtigten den Weg von den Entkleidungszimmern zum Aur,gang des Hauses, die nächsten stiessen sie dann in den Wagen, einige begleiteten diesen Wagen in den Wald, die nächsten mussten dann die Ermordeten herausnehmen und die Gräben zuschütten, in die man die Leichen warf: Männer, Frauen, Kinder. Mitleid mit Menschen zu haben, die an dieser Mordmaschine in irgendeiner Funktion mitwirkten, muss peinlich wirken. Selbst wenn der Mörder oder der an diesen Schandtaten Beteiligte ein Junge von 18 oder 20 Jahren gewesen wäre, konn_ te er ohne weiteres das Verbrecherische solcher Handlungsweise erkennen. Selbst wenn es ein Zufall gewesen wäre, zu einem solchen Mordkommando abkomman. diert zu werden, stellt das Mitwirken an diesem Geschehen ein Verbrechen dar, wie es schwerer nicht gedacht werden kann. Durch nichts ist die Behauptung des Gerichtsvorsitzenden bewiesen, dass es sich um geistig noch nicht herangereifte Männer gehandelt habe. Denn um die Schändlichkeit solchen Tuns zu verstehen, braucht man nicht ,,herangereift“ zu sein. Selbst der primitivste Kadavergehorsam findet dort seine Grenze, wo Verbrechen begangen werden, die in dem Jerusalem. — Die Zeitung „Jerusalem Post“ veröffentlichte das erste Presseinterview mit dem neuen deutschen Botschafter Dr. Rolf Pauls, der seine Gefühle beschreibt, die er auf dem Wege zum Hause des Präsidenten vor Uebberreichung seiner Beglaubigungsschreiben empfand und die Menge ihm „Geh nach Hause, zu Wehrmachtsoffizier“ zuschrie. „Ich hörte die Rufe“, sagte Pauls, „aber ich blickte auf diese wunderbaren Soldaten der Ehrenkompagnie. Ihr Hauptmann und seine Leute machten auf mich den Eindruck ausgezeichneter Soldaten.“ Ueber seine militärische Vergangenheit äusserte Dr. Pauls: „Die Heere Preussens und Deutschlands sind niemals politische Institutionen gewesen. Ich trat in die Abschlachten von Menschen bestehen. Welche sittliche Reife ist erforderlich, um die Strafbarkeit solcher Grausamkeiten erkennen zu müssen? Auch darin wird man wohl schwer dem Vorsitzenden folgen, dass die Bestrafung dieser Verbrecher deswegen erforderlich sei, weil jedes Opfer Anspruch auf eine lebenslange Zuchthausstrafe seines Mörders habe. Als ob diese Prozesse für die Ermordeten und nicht für die Lebenden geführt werden, für den Gedanken der Gerechtigkeit, die eine Ahnung des Verbrechens erforderlich macht für die Wiederherstellung des geschändeten Rechtes und des verletzten Rechtsbewusstseins sowie für die Säuberung einer durch Verbrechen verpesteten Atmosphäre. Reichswehr ein. Als junger Offizier begann die Krise für mich am 4. Februar 1938, als von Fritsch, der Kommandant der Reichswehr, und mit ihm viele andere abgesetzt wurden. Von diesem Augenblick an erkannte ich das verbrecherische Element in dem Regime. Ich war niemals ein Anhänger der Nazis und niemals Mitglied einer Naziorganisation. In ge_ wissam Mass war dies der Grund meines Eintritts in die Reichswehr. DJe Wehrmacht als solche war* nicht in alle die kriminelle^ AJ^tivitäten des Regimes^ verwiclpeit. Die Truppen an derjf'ront richteten ihre Blicke auf den Feind, den-- es zu besiegen galt. Sie sahen nichts von dem, was hinter ihnen vorging.“ Pauls erklärte, er habe von den Konzentrationslagern gewusst, und „jeder Deutsche wusste es“. Doch von den Ausrottungslagern habe er zum ersten Mal nach seiner Gefangennahme durch die Nordamerikaner erfahren. Er sah in einer Zeitung der USA-Armee Filme von Bergen Belsen, und „ich konnte es nicht glauben“. Pauls begleitete Adenauer im Jahre 1955 nach Moskau, als Deutschland*' diplomatische Beziehungen mit Russland aufnahm. Er erinnert sich, dass Knitsche w ihn fragte, wo er seirten Arm verloren habe. „In® Russland“, antwortete Pauls. Hierauf entgegnete Krutschew: „Ich verlor einen Sohn. Sie haben einen Arm verloren. Wir dtirfen niemals wieder einen Krieg führen.“ Pauls bemerkte, dass er als Sekretär Hallsteins eng mit der Ponmulierung des deutschen Reparationsabkommens im Jahre 1952 verbunden war. (ITA) Imprrio én la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N9 826.20) Die arabische Krise