Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2129 (13.8.1965)
- Date
- 1965-08-13
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9616703-9614788-9615109--3994-9615117- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
FRANQUEO PAGADO Concesión 908 ota sa. v «3 2 fc g s fi te a TARIFA REDUCIDA <ü Concesión 1629 ISRAELITA Am XXVI. BUENOS AIRES, VIERNES 13 BE AGOSTO BE 1965 n* nvt EL EJEMPLAR en toda la República 10.- PUEV RREDON 2190 1« tsq. T. E. 83 2613 Buenos Airea HME EETZTE PHASE Blick in die Welt ven KURT R. GROSSMANN „Aber die unaussprechlichen Verbrechen sind schliesslich im Namen des deutschen Volkes begangen worden. Das legt ihm die Verpflichtung auf, moralische und materielle Wiedergutmachung zu leisten, sowohl was den persönlichen Schaden angeht, den Juden erlitten haben, wie auch was jiidischts Eigentum betrifft, für das keine Anspruchsbereehtigten mehr existieren." (Konrad Adenauer, 27. September 1951) vtn HAROLB SGHWARCZ IM SUDAN verschärft sich die Lage täglioh, sodasa man den Ausbruch des Bürgerkrieges für unvermeidlioh hält. — MAXWELL TAYLOR, der frühere amerikanische Bot. Schaft» in Südvietnam, erstattete einen Bericht an Präsident Johnson. — KOENIG KONSTANTIN von Griechenland verhandelte erneut mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Papandreou. — 17 NATIONEN ersuchten die Abrüstungskonferenz iii Genf um schnelle Massnahmen zur Kontrolle über die Atomwaffen. — GENERAL NASSER bestritt die Behauptungen in der arabischen Presse übetseine Absichten, Saudi-Arabien anzugreifen. — General Antonio IMBERT BARRERA erklärte, dass seine Militärjunta in Santo Domingo an der Macht bleiben wolle und werde. — BOTSCHAFTER KWESI ARMAH, Hoher Kommissar Ghanas, besuchte die vietnamesische Hauptstadt, wi er Friedensverhandlungen führte. — ANDRE MALRATJX, französischer Minister und Sonderbotschafter De Gaulles, verhandelte mit den chinesischen Führern über eine weitere Annäherung zwischen Frankreich und Rotchina — ANTHONY GREENWOOD, der britische Kolonier.mi ■ nister, schlug die Schaffung eines unabhängigen arabischen Staates im südlichen Teil der Arabischen Halbinsel vor. — Dem britischen PREMIER HAROLD WILSON gelang es, ein Misstrauensvotum abzuwenden, das viele Konser. vative unter ihrem neuen Leiter Edward Heath beantrage hatten. GEORGE ATHANASTADES NOVAS erhielt vom griechischen Parlament ein Misstrauensvotum, als er sich nach heftigen Auseinandersetzungen als Ministerpräsident präsentierte. — DIE KOMMUNISTEN feierten den 20. Jahrestag des Potsdamer Abkommens das seinerzeit von Trum an Attlee und Stalin unterschrieben worden war. — KOSSYGIN, sowjetischer Premier, schlug dem amerikanischen Sonderbotschafter Harriman direkte Verhand- -ungen mit Nordvietnam vor. — Gegen ABDULLAH AL SALLAL, den (umstrittenen) Präsidenten des Yemen, soll, wie aus London gemeldet wird, ein Attentat verübt worden sein. — Die PERUANISCHE REGIERUNG teilte mit, dass kommunistische Guerilla-Krieger in die Berge unter die ,halbzivilisiertan' Stämme geflüchtet seien. — Als am 26. Mai 1965 die dritte Lesung zu dem von allen parlamentarischen Instanzen angenommenen Zweiten Gesetz zur Aenderung des Bundesentschädigungsgesetzes stattfand, konnte man aus dem Dialog zwischen dem Sprecher der Chris tlich - Demokratischen Union, dem Abgeordneten Böhme (Hildesheim) und dem Abgeordneten Martin Hirsch (SPD), dem Vorsitzenden des Wiedergutmachungs - Ausscnusses, den Unterschied der Problembetrachtung erkennen Der Abgeordnete Böhme erkannte an, dass „deor Begriff der Wiedergutmachung" als eine „unausweichliche Konsequenz des neuen Rechtsstaates nicht erst im Nachkriegsdeutschland entstanden“ ist und, wie er betonte „es zu allen Zielten und unter allen Rechtssystemen Wiedergutmachung gegeben hat“, stützte er sich jedoch auf vom Bundesfinanzn,inister entwickelte Rechtsnormen, die zu einer wesentli ohen Beschränkung der Gesetzes Vorlage führten Demgegenüber hat der Abgeordnete Martin Hirsch sehr klar zum Ausdruck gebracht, dass einzelne Bestimmungen des Gesetzes unbefriedigend geblieben sind. Das deutsche Grundgesetz erklärt in seinem Artikel 3, Abs. 3, dass „niemand... wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, Seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden" darf. Bei der Frage der Einbeziehung der nach dem 1. X. 53 in das westliche Envschädigungsgebiet gekommenen Naziopfer hat es sich schlicht um die Anerkennung dieses Gleichheitsgrundsatzes gehandelt. Die Verfolgten und ihre Repräsentanten haben anerkannt, dass die Gesetzgebung und die Leistung materiell wie moralisch bedeutungsvoll sind. Keine Summe kann natürlich die Immensität der begangenen Verbrechen wiedergutmaehen; aber die Entschädigungszahlungen werden notwendigerweise in einem realen Zusammenhang mit denselben zu stehen haben. Die , Totalschätzung für das gesamte Wiedergutmachungswerk beläuft sich auf 15 Mrd. DMark, eine Summe, die im Hinblick auf die Sterblichkeitsziffer und Ablehnungsratio von ca. 42 V. zu hoch gegriffen scheint. Es ist tief bedauerlich, dass bei gleichen Leiden nicht gleiche Entschädigungs-Ansprugsrechte existieren und bereits bei Beginn der Entschädigung» - Gesetzgebung Unterschiede zwischen Verfolgten aus Deutschland und denen aus den anderen Ländern gemacht wurden. Gegenüber bestimmten Gruppen von Verfolgten war der Gesetzgeber liberal und grossziigig, gegenüber Verfolgten aus den einst von Deutschland besetzten Gebieten dagegen engherzig. Diese Geisteshaltung ist um so weniger zu verstehen, weil den verfolgten Menschen in Polen, Jugoslawien, Rumänien, Ungarn — in allen Kriegsgebieten — de facto ein zusätzliches Unrecht zugefügt worden ist. In den vergangenen Jahren haben wir gegen das Bundesfinanz - Ministerium wegen folgender drei Argumente polemisiert: 1. Die Entschädigungsfrage als Folge des letzten Krieges zu bezeichnen. Judenverfolgung hatte nichts mit dem Krieg tun, denn sie begann mit dem Machtantritt Hitlers und verschlimmerte sich von Jahr zu Jahr. 2. Die Behauptung, die neuen Wiedergutmachungsansprüche seien rechtlica nicht begründet, weil die im Jahre 1952 beschlossenen Vereinbarungen nicht erfüllt worden seien. Aus dieser Argumentation haben wir schmerzlich fest- Tel Aviv. — Schwarzer Rauch stieg aus einem symbolischen Krematorium bei einer Protestversammlung, die auf einem hiesigen Friedhof gegen die Herstellung diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Westdeutschland abgehalten wurde. Die Veranstaltung vor dem Denkmal für die Mär. tyrer von Treblinka auf dem Friedhof von Nachiat Jizchsk richtete sich ebenfalls gegen die Ernennung von Dr Rolf Pauls, der i»m Zweiten Weltkrieg im deutschen HeeT gedient hat, zum ersten Botschafter in Israel und Dr. Alexander Török zum Botschaftsrat. Beide Diplomaten wurden von beiden Regie rungen als rein von jeder Beziehung zum Naziregime erklärt. Pessach Bernstein vom Comité des Verbandes der Naziopfeir, erklärte dem versammelten Publikum, dass „Deutschland sich nicht geändert hat. Die Regierung von Bonn hat niemanden finden können, der Hitler weniger gedient hat als Pauls, der ein deutscher Soldat war, und Török, der in der ungarischen Botschaft in Berlin gearbeitet hat". Jizchak Zaneman bedauerte, dass wir am 9. Aw. an dem wir die Zerstörung beider Tempel beweinen, die tausende von Jahren zurück liegt, „nicht den Tod von sechs Millionen Juden beklagen welche erst vor 20 Jahren ermordet wurden, sondern Gesandte des deutschen Volkes unter uns begrüssen, das für diesen Mord verantwortlich gewesen ist“. Die gleichen Argumente führten auch andere Redner an. Nach den Ansprachen wurstellen müssen dass der Unterschied zwischen Verbrechens- und Schicksalsschägen nicht anerkannt wurde und der Rechtsanspruch, der nach Par. 823 des BGB auf jeden Fall gegeben ist, den Verfolgten streitig gemacht wurde. 3. Dass es dem Bund ,'oei dem Ausmass der SS-Verfolgungen und der Beschränkung des Wirtschaftspotentials der Bundesrepublik Deutschland infolge der Teilung und des Verlustes d=v deutschen Ostgebiete... nicht möglich ist, im Rahmen des Bundesentschädigungs - Gesetzes alle Schäden in vollem Umfang zu berücksichtigen.“ Das Bundesfinanzministerium gab zu verstehen: a) es handle sich nur um Verfolgungen durch die SS und b) die Opfer der grausamde ein Gedicht von Jizchak I Katzenelson gelesen, das dieser im Vernichtungslager Auschwitz vor seinem Tode geschrieben hat, und in den er das Volk Hitlers für alle Zeiten verflucht. In Kfar Dizengoff wurde ein Schweigeakt gegen die Annunft von Dr. Pauls abge halten, bei dem die Anwesen den einen Gelben Stern trugen, der dem Judenabzeichen nachgebidet war, das Hitler die Juden zu tragen gezwungen hat. Dr. Török stattete im israelischen Aussenministerium einen nicht öffentlich angekündigten Besuch ab, wo er mit dem Chef des israelischen Protokolls Y. Gaulan eine Unterredung hatte Hierauf kehrte er nach Tel Aviv zurück. ZAHLREICHE DEMONSTRATIONEN Auf dem Dizengoff Platz in Tel Aviv versammelten sich tausende Menschen, die der sten Verfolgung unserer geschichtlichen Gegenwart sollen einen Teil der Bürde für die Verbrechen zahlen, die Hitler mit Zustimmung der Mehrheit des deutschen Volkes „in seinem Namen'* begangen hat. Das waren die sehr bedauerlichen Fehlschlüsse des Bundesfinanz-Ministeriums. Das Positive ist dass sich in der Bundesrepublik Politiker, hohe Geistliche, Schriftsteller, Künstler usw. fanden, die für eine gerechte, liberale Entschädigungsschlussgesetzgebung eintraten. Wie jedes von Menschenhand geformte Werk ist auch das Schlussgesetz nicht perfekt. Eine Ausnahme bleibt die Behandlung der Post-1953-Naziverfolgten, für die nur ein Härtefonds in Höhe von 1,2 Mrd. DM mit recht komplizierten Ausführungs - Bestimmungen geschaffen worden ist. In verschiedenen extremen Zeitungen in der Bundesrepublik wurde gegen die „übertriebenen Ansprüche“ der Verfolgtenverbände polemisiert, wobei, sicher nicht unansichtlich, übersehen wurde, dass diese vor allem für die Naziopfer eintraten, die noch keinen Pfennig Entschädigung erhalten haben. Aufforderung der Mapam folgten, um gegen den Botschafter-Austausch mit West deutschland zu protestieren. Der Verband ehemaliger Partisanen, der Haschomer Hazair, die Jugendbewegung Mechnot Olim und Mitglieder des Kibbuz Meuchad beteiligten sich an dieser Kundgebung, bei der die Polizei verschiedene Verhaf. tungen vornahm. Reden wurden nicht gehalten. Die Schauspielerin Batia Lanoet rezitierte ein Gedicht von Abraham Slonsky, in dem es heisst, dass „wir den von den Nt'zLs an der europäischen Judenheit verübten Massenmord bis in die zehnte Generation nicht vergessen werden“. Die Anwesenden sangen das Partisanenlied und bewahrten zwei Minuten Schweigen. Unter den Klän gen der Hatikwa löste sich die Versammlung auf Ueberall in Israel kam es zu Demonstrationen. An verschiedenen Stellen interve Attentate auf englische Synagogen London: — Der Präsident des Verbandes englischer Juden forderte seine Mitglieder auf, im Zusammenhang mit den kürzlichen vandalischen Angriffen auf londoner Synagogen, wachsam die Entwicklung zu verfolgen, wobei er unterstrich, dass kein Grund zur Beunruhigung vorläge. (ITA) Spione Tel Aviv: — Wie jetzt verlautete, entdeckte die isr?lisohe Polizei unlängst ein aegyptisches Spionagenetz. Die Mitglieder der Ba. - tje — arabische Fischer israelischer Nationalität aus ■friirn und Jaffa — pf! jten sich mit aegyptischen Offizieren auf hoher See zu treffen. nierte die Polizei und schritt zu Verhaftungen. In Ramat Gan wurden 15 Angehörige des Haschomer Hazair festgenommen und später freigelassen, weil sie unter dem Verdacht standen, öffentliche Gebäude beschmiert zu haben. In Haifa wurden 6 Leute verhaftet, die Flugblätter verteilten, in denen der deutsche Botschafter Pauls aufgefordert wurde, „wieder nach Hause zu gehen“. Protestanten und Juden Bonn. — 3.000 protestan tische Geistliche, die alle protestantischen Richtungen und alle Landesgemeinden vertraten, eröffneten eine Diskussion über die Beziehungein zwischen Christen und Juden. Dies Thema stand auf der Tagesordnung des Kongresses deutscher protestantischer Kircuen, der zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder stattfand. „Wir müssen versuchen, eine gemeinsame Sprache mit unseren jüdischen Brüdern zu finden“, sagte Kongresspräsident Richard von Weis zacker. Helmuth Go’.lwitzer, der Vorsitzende des Comites, das die Aussprache vorbereitet hatte, unterstrich, dass „die blosse Existenz Israels ein Beweis für das Geschehen von Wundern ist“. Der bekannte deutsche Theologe Hans J. Kraus aus Hamburg erklärte, dass „Israel das Gottesvolk ist und einen Be. weis des göttlichen Willem darstellt“. Professor Ernst Simon von der Hebräischen Universität nahm an dem Kongress teil und regte an, dass die wichtigste Tat der Wiedergutrriachung Deutschlands an den Juden das deutsche Bemühen sein könnte, den Frieden zwischen Israel und den arabischen Ländern herbeizuführen.“ (ITA) Plazet der Regierung Jerusalem. — Das israelische Aussenministexium hat Alexander Török als Botschaftsrat der westdeutschen Botschaft akzeptiert. Török, den die Presse mit dem Nrziregime in Verbindung gebracht hatte wurde zum zweiten Mal vom Aussenministerium approbiert. Die israelische Polizei bewachte das Sheraton Hotel in Tel Aviv, in dem drei deutsche Beamte, die dem Personal der Botschaft angehören sollen, Wohnung genommen hatten und die Ankunft Dr. Töröks erwar teten. Wie Kreise des Aussenministeriums versicherten war Dr. Török niemals Mitglied der NSDAP oder der entsprechenden Partei in Ungarn, wo er als Diplomat während des Krieges Dienst tat. Er nahm 1950 die deutsche Staatsangehörigkeit an. Wie zu erfahren war, na lim Török auch niemals an irgendeiner Aktion gegen Juden teil. (ITA) impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad, Intelectual N9 826.206 Israelis protestieren