Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2129 (13.8.1965)
- Date
- 1965-08-13
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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pueyrredon 2190 — 1’ iza- J&. JkmanaJshjCdzliia i b. 037613 Allo XXVI. BUENOS AIRES, VIERNES 13 DE AGOSTO DE 1965 N* 2129 Hinter arabischen Kulissen Di® Bewegung hinter den Kulissen der arabischen Grenzen wird immer stärker Niemand könnte mit Genauigkeit erklären, um welche Bewegung es sich eigentlich handeln würde. Aber jeder sieht, dass die Unruhe zunimmt, die Sicherheit schwächer wird, und das Durcheinander wächst. Bis . zum Sturz des Ben Beda hatten alle ausländischen Beobachter den Eindruck, als läge die Führung der arabischen Zukunft eindeutig in die Hand Nassers. Alle von ihm nach der Beseitigung seines Freundfeindes Ben Bella entwickelten Aktivitäten und Verhandlungen trugen das Zeichen einer auffallenden Nervosität. Immer häufiger werden die Erklärungen anderer arabischer Länder, die sich um eine Distanzierung von Nas- ser und seiner Machtpolitik bemühen. Die Iraker machten eine fühlbare Drehung, deren antinasseristische Spitze nicht zu übersehen war. Libanon, ängstlich zwischen den grösseren arabischen Staaten, vor allem zwischen Syrien und Aegypten schwankend, versuchte, sich aus jeder nur möglichen Umklamme rung zu befreien. Die Syrer selbst wunderten sich über Nassers zögernde Bereitschaft, ihnen im Angriffsfall zu Hilfe zu eilen, denn sie fürchten sich alle vor dem kleinen Israel, alle, diese gro ■ ssen und laut schreienden Staatsmänner, deren nutzloses Spiel sich jetzt in einem wirren Gegeneinander auswirkt. Die innerarabischen Ge gensätze erreichten etwa vor Monatsfrist einen Höhepunkt, als Nasser sich von seinem politischen Paradestück, dem gemeinsamen Jordanwasser- Projekt, lossagte. Wenn die Araber die Jordanwasser jetzt nicht ableiten könnten, meinte Nasser, dann müssten sie dies später tun. Einen Krieg mit Israel aber könnten die arabischen Länder so lange nicht fühlen, wie fünfzigtausend ägyptische Soldaten im Yemen stünden. Ja, so rief Nasser aus, Aegypten müsse seine revolutionäre Aufgabe zunächst in der arabischen Welt erfüllen.., Diese Rede Nassers zu den sogenannten Palästina-Arabern in Kairo erregte Sensa. tion in den anderen arabischen Hauptstädten. Vor alten waren es die Syrer, die scharf reagierten und Nasser einen Verräter nannten, sie verstanden, dass Nassers „arabische Aufgaben“ in der Einmischung in die Angelevon B. B. SAMUEL Explosion einer Mine Tel Aviv. — Die vier Mitglieder einer isrealisehen Grenz - Patrouille wurden verwundet, als der Jeep, mit dem sie ihre Streife durchführten, auf eine Mine im Jerusalemer Korridor auffuhr. Einer der Insassen trug schwere Verletzungen davon. Man glaubt, dass die Mine von El Fatah-Banden gelegt wurde, die von transjordanischem Territorium aus operrieren, da die Explosion sich einen Kilometer von der trans., jordanischen Grenze entfernt ereignete. UN-Beobachter untersuchten die Stelle, nachdem die Israelis Beschwerde erho'jei: hatten. (ITA) genheiten anderer souveräner Staaten bestehen würden. Sie bekamen auch bald die Konsequenzen dieser neuesten nasseristischen Politik zu spüren. Der ehemali ge syrische Geheimdienstchef und Stellvertreter in Syrien während der ägyptisch-syrischen Union Abdul Hamid Sarradsch, begab sich nach Bagdad, um von dort aus gegen die Regierung in Damaskus zu agitieren. Aber das neue Aktionsprogramm Nassers umfasste auch .subversive* Versuche in Libyen und den reichen kleinen Oelscheicht üm em. Die letzten Manipulationen konzentrierten sich aber um den Yemen, in welchem Nasser seit langem versucht die Mbnarchisten auszuschalten Die zugegebenen 50.000 ägyptischen Soldaten im Yemer. stellen für die Aegypter eine ungeheure Belastung dar Niemand kennt die Ziffern der Opfer, die bereits in den Kämpfen um die arabische Wüste gefallen sind. Die ägyptische Militär-Expedition ist zu einem finanziellen Problem ersten Ranges geworden, nachdem auch die internationalen Geldquellen nicht mehr so reichlich wie früher fliessan. Während bisher Saudi Arabien sich ruhig im Hintergrund hielt und darauf be schränkte, den Monarchisten im Yemen zu helfen, ist es jetzt wieder einmal zu ei nem offenen Konflikt zwischen den Aegyptern und Saudi Arabien gekommen Auch hierbei hat sich Nasser offensichtlich verrechnet der alles getan hatte, um den kranken König zu beseitigen und den jetzigen auf den Thron zu heben. Faisal will von der ägyptischen Intervention im Yemen nichts wissen, denn er begreift, dass die ägyptische Nachoar. schaft eine ständige Bedro hung für Saudi Arabien be deutet. Um einem ägyptischen Angriff vorzubeugen oder vorzugreifen, Ianzierte Faisal Nachrichten in die Presse verschiedener arabischer Hauptstädte, dass eine ägyptische Invasion in Saud, Arabien bevor stehe. Aber Nasser war ebenfalls nicht schweigsam. In einer seiner vielen Reden verkündete er, dass sich Aegypten und Saudi Arabien bisher vergeblich darum bemüht hätten, den schon drei Jahre dauernden yemenitisehen Konflikt zu beenden. Jetzt könnten sie schnell unmittelbar in den Konflikt einbezogen werden... Die Gefahr ist vorhanden Man muss warten, da Prognosen unmöglich sind. — WIE ICH ES SEHE Wissenschaft und Wahrheit ..Ben JEHWA GOTTHEIMER Ungeheure Wogen der Erregung rief die in die Oeffentlichkeit getragene Diskussion über die Haltung ,es Papstes Pius XII. gegenüber dem Nationalsozialismus hervor. Bereits unmittelbar nach dem Krieg fragten einige Politiker und Philosophen, aus welchen Gründen der Papst zu einer Frage geschwiegen oder keine klare Position bezogen habe, die Jahre hindurch die ganze Menschheit bewegt hat. Geistliche erhoben in dieser Debatte ihre Stimme, Historiker nahmen Stellung, Journalisten und Männe: des öffentlichen Lebens gaben Erklärungen, Meinungen und Kommentare ab. Die Debatte wurde, von einigen lebhafteren Aeusserungen abgesehen, im wesentlichen auf einer akademischen Ebene mit grosser Sachlichkeit geführt. Aber die Zweifel, die von verschiedenen Seiten vorgetragen worden waren, konnten nicht beseitigt werden, zumal sich selbst hohe geistliche Würdenträger nicht eindeutig vor ihren Papst stellten, sondern die Möglichkeit offen liessen, kritische Konsequenzen aus der päpstlichen Haltung zu ziehen. Diese Diskussion wurde zwischen Fachleuten oder in einem recht kleinen Kreis von Interessierten ausgetragen. In die breite Oeffentlichkeit drang sie nicht. Die Frage, aus welchen Gründen der Papst zu den nazistischen Greueln geschwiegen habe, obwohl diese ihm doch bekannt gewesen sein mussten, verstummte jedoch nicht. Sie beschäftigte nicht nur die Männer vom Fach, nicht nur die Forscher u^d Geschichtsschreiber, sondern darüber hinaus viele Gläubige selbst, die nach einer Antwort suchten. Auch uns Juden war es unverständlich, aus welchen Gründen der höchste Kirchenftirst in einer entscheidenden Stunde der Menschheit nicht das befreiende Wort gegen die Unmenschlichkeit, gegen den Terror, die Barbarei und den Massenmord gesprochen jhatte. Wir wussten, dass viele gläu- I ige Menschen den Juden in ihrer Not im Rahmen ihrer, meist geringen Möglichkeiten geholfen hatten, weil sie eine solche Tat als ein Gebot der Menschlichkeit und der Nächstenliebe auffassten. Uns war bekannt, dass deutsche Bischöfe mutig gegen verschiedene Entartungserscheinungen zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft eingeschritten waren. Wir haben von dem heroischen Kampf der vielen italienischen Priester in kleinen Ortschaften dieses Landes erfahren, die ihr Leben aufs Spiel setzten, um Juden, italienische Juden und Flüchtlinge aus allen möglichen Ländern, zu verbergen, um sie dem Zugriff der Gestapo und sonstigen braunen Horden und deren Helfershelfern zu entziehen. Wir lernten eine grössere Reihe von Einzelfällen kennen, die von Ueberlebenden berichtet wurden, in denen Geistliche die Gefährdeten in den Bergen versteckten und mit Lebensmitteln versorgten, obwohl sie wussten, dass ihnen die schwarzen und braunen Häscher auf den Spuren sind. Umso mehr quälte nicht nur uns, sondern all die vielen. die hiervon unterrichtet waren, die Frage, aus welchen Gründen der Papst auch damals noch schwieg, als vor den Toren seiner Paläste die SS und der SD die Juden zusammentrieb, um sie zu deportieren, auch dann noch schwieg, als er wusste, welches Schicksal die Unglücklichen erwartete, was Deportation bedeutete, weil er die Grausamkeiten der nazistischen Mordmaschine kannte. Aber zu einer alle Kreise der westlichen Welt umfassenden Debatte war es immer noch nicht gekommen. Erst vor etwa drei Jahren wurde dieses Thema durch das Schauspiel eines jungen deutschen, evangelischen Schriftstellers und Dichters in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gestellt, des bis dahin wenig oder gäcnicht bekannten Rolf Hochhuth. Die sehr gute Berliner Aufführung dieses Theaterstückes in der Inszenierung von Erwin Piscator machte nicht nur den Dichter weitbekannt, sondern wühlte durch die Wahl seines Themas und die Unerschrockenheit seiner Darstellung die Massen auf. Ohne auf die Form der Darstellung za achten, verstanden sofort alle interessierten Kreise die Bedeutung der aufgeworfenen Probleme, wobei die Darstellungskunst und der Mut des Autors zweifellos dazu beitrugen, jene leidenschaftliche Diskussion zu entfachen, die bisher nic it zum Stillstand gekommen ist. Mit einer verständlichen Heftigkeit reagierten die offiziellen Kreise der Katholischen Kirche gegen diesen massiven Angriff, der mit aller Eindeutigkeit gegen das damalige Oberhaupt der Kirche, den Papst Pius XII , den Stellvertreter des christlichen Gottes auf Erden, gerichtet war. Mit einer ähnlichen, wenn auch nicht so vehementen Leidenschalt meldeten sich die Gegner zu Worte, während ein erstaunlich grosser Teil der Teilnehmer an dieser Auseinandersetzung den Versuch zu einer objektiven Stellung nähme unternahm. Auch Stimmen von Juden wurden in diesem Streit laut, die durchaus keine einheitliche Auffassung vor- Sie waren gleichgültig von HORST W1NCKLLR Im Grunde ergab die Verhandlung und die Beweisaufnahme nichts, was nicht aus anderen Kriegsverbrecher- Prozessen bereits bekannt gewesen wäre. Nach fünfmonatiger Verhandlung ist im Freiburger Modr-Proezss das Urteil über die ehemaligen Gestapoangahörigen Robert Weissmann und Richard Arno Sehmisch gefällt worden Das Schwurgericht befand den 57jährigen Hauptangek ag. ten der Beihilfe zum Morde in insgesamt 111 Fällen schuldig und verurteilte ihn zu einer Gesamtstrafe von sieben Jahren Zuchthaus. Der 60jährige Sehmisch erhielt wegen Beihilfe zum Mord in insgesamt 27 Fällen eine Strafe von viereinhalb Jahron Zuchthaus. Die Untersuchungshaft wird beiden Verurteilten angerechnet. Der Ankläger hatte für Weissmann lebenslänglich und für Sehmisch neun Jahre Zuchthaus beantragt, während die Verteidigung für beide Angeklagte auf Freispruch plädiert hatte. Für die Beweisführung hatte das Gericht rund 150 in- und ausländische Zeugen gehört. Dabei wurde vor allem Weisamann vornehmlich von jüdischen und polnischen Zeugen schwer belastet. Er war seit 1929 Mitglied der NSDAP und leitete während des Krieges bis 1943 im polnischen Kurort Zaropa ne eine Gestapodienststelle Sehmisch war als Kriminalsekretär und SS.Untersturmtührer Untergebener von Weissmann und dessen Nachfolger als Dienststellenleiter in Zakopane. Nach den Beschuldigungen des Staatsanwalts sollte der Angeklagte an dem „Schreckenssonntag“ von Nowy Targ am 30. August 1942 bei der Aussiedlung der jüdischen Bevölkerung am Sammelplatz einen Jungen sowie eine Mutter und deren gebrechliches Kind erschossen haben. Das Gericht war der Ansicht, dass Weisanann nicht mit genügender Sicherheit in diesen Fällen als Täte«- überführt werden konnte. Dagegen stehe zweifellos fest, dass an diesem Tage unter seinem Kommando mindestens 80 Menschen, darunter auch Frauen und Kinder, getötet wurden. Ebenso betrachtete es das Gerioht als erwiesen, dass in dem Wirkungsbereich der von Weissmann geleiteten Gestapodienststelle mehr Menschen auf entwürdigen- Bewunderer Hitlers Washington. — Die Regierung Vietnams beantwortete mit einer „Aufklärung“ die Kritiken, die an der öffentlich ausgesprochenen Bewunderung des Ministerpräsidenten Nguyen Cao Ky für Hitler laut geworden waren Deir Pressechef des süd vietnamesischen Zentralcomites der Regierungs- Exekutive unternahm es zu erklären, dass Kys Bewunderung für Hitler nicht dessen Nazilebren gilt, sondern vielmehr dem „Staatsmann, dem es gelungen ist, durch reine Energie und Zielbewusstsein in den dreissiger Jahren Deutschland, das ein geteiltes Land war, zu einer Einheit zu schmieden.“ (ITA) brachten, sondern von verschiedenen Standpunkten ausgehend auch zu voneinander abweichenden Ergebnissen gelangten. Sicherlich waren die meisten jüdischen Diskussion - Teilnehmer zu kritischen Ansichten gelangt, aber eine nicht unbeträchtliche Anzahl bemühte sich darum, Verständnis für die sicherlich nicht leichte Lage aufzubringen, in welcher sich die Kirche und vor allem ihr Oberhaupt damals befunden haben. Die Erörterung dieses Teiles einer von der Menschheit nie nt überwundenen Vergangenheit nahm einen breiten Raum auch in den jüdischen Publikationen ein. Wir selbst haben uns darum bemüht, in dieser Frage nach Möglichkeit Zurücfc- (Schluss auf Seite 2) Israel ist ernstlich besorgt Jerusalem. — Das israelische Aussenministerium erteilte seinen Repräsentanten in den grossen Hauptstädten Anweisung, die betreffenden Regierungen zu unterrichten, dass Israel über die Zunahme der von der neuen arabischen Terroristenorganisation El Fatah hervorgerufenen Grenzzwischenfälle ernstlich besorgt ist. Die Regierungen, die Israel ersucht hatten, angesichts dieser Angriffe Mässigung zu üben, wurden informiert, dass Israel diese unerträgliche Situation nicht hinnehmen kann. „Haboker“, das Blatt der Allgemeinen Zionisten teilte mit, dass im letzten Monat sechs Attacken verzeichnet wurden und in allen Fällen die Spuren zur transjordanischen Grenze führen, so dass „kein Zweifei besteht, dass die Transjordanier die volle Verantwortung für diese Terrorakte tragen.“ (ITA) de und grausame Weise getötet worden seien, als im Schuldspruch zum Ausdruck kommen könne. Ein sicherer Schuldnachweis gegen beide Angeklagten sei in all diesen Fällen nicht möglich Das Gericht sprach beiden Angeklagten das Recht ab, sich auf einen Befchlsnotstand berufen zu können. Sie hätten die ihnen erteilten Mordbefehle nicht aus der Ueberlegung, einer eigenen Gefahr zu entgehen, sondern aus Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Juden befolgt. Ausserdem hät. te vor allem Weissmann die Möglichkeit gehabt, Erschiessungen zu vermeiden. Gleichgültigkeit als Mordmotiv anzunehm.en, ist nicht häufig. Diese richterliche Interpretation dürfte auch nicht als sehr glücklich anzusahen sein. Wer sich dem „Töten von Frauen und Kindern auf eine entwürdigende und grausame Weise“ gegenüber gleichgültig verhält, ist ein kaltblütiger, verabscheu ungswürdiger Mörder — Das Gericht hat aufgrund der Beweisaufnahme angenommen, dass die beiden Angeklagten an viel mehr Verbrechen beteiligt waren, als nach so langen Jahren mit Sicherheit festgestellt werden konnte. Immerhin hat man den Hauptangeklagten bei aller Vorsicht wegen Beihilfe zum Mord in 111 Fällen nur zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Diese auffallend milde-Strafe „entlastet“ das Gewissen vieler. Polizeiliche Untersuchung London. — Scotland Yard hat seinen „Sonderdienst“ eingesetzt, um die Personen oder Organisation ausfindig zu machen die für die seit dem vergangenen Oktober aui 22 Synagogen verübten Attentate verantwortlich sind, bei denen es in 12 Fällen zu Bränden gekommen ist. Kommentaren der londoner Presse war zu entnehmen, dass alle bekannten extremistischen Gruppen deren Leiter bisher vernommen wurden, die Täterschaft leugneten. Dagegen soll eine Geheimorganisaf.ion die keine Verbindungen mit anderen antisemitischen Verbänden unterhält, die Ueberfälie begangen haben. Scotland Yard hat angeordnet, dass alle Synagogen im londoner Stadtgebiet Tag und Nacht von Detektiven bewacht werden. (ITA)