Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2128 (6.8.1965)
- Date
- 1965-08-06
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQUEO PAGADO Concesión 908 eea g.3 _ £ ï s g Ss r°x bé a W L, 4> TARIFA REDUCIDA < o Concesión 1629 ISRAELITA Ano XXVI. BUENOS AIRES, VIERNES 6 »E AGOSTO DE 1965 N» ms BL EJEMPLAR en toda ta República 10.- PUEYRREDON 2196 19 fx«. Y. E. 83 2«1S Buenos Aires VERSPRECHEN UND ZWEIFEL New York. — Sowjetische Beamte versprachen. einige j Mksstand« zu beheben, die | seit langem Gegenstand von Protesten wegen der gegen die Juden geübten Diskrimination sind, wie die moskau- I er Presse berichtete. Die Zu-; Sicherungen wurden an den Oberrabbiner von Moskau,; Jehuda Leib Levin. gemacht, der sie einer Delegation von neun Mitgliedern des Rabbij nerrates von Amerika über. ' mittelte, welche in Moskau 2« einem Besuch eingetrof- : fen waren. Laut ..New York Times“ und „Herald Tribüne“ bein- 1 halten diese Versprechen die Bewilligung zum Druck von , 10.000 Gebetbüchern, die Auf i enthaltserlaubnis für 20 Stu- \ deuten aus den verschiedenen Jeschiwot des Landes in Moskau, um an der Jesehiwa in der moskauer Zentral- Synagoge studieren zu können. sowie die Erlaubnis, dass die Juden zum nach, sten Pessachfest Mazzot bak- ' ken dürfen. Der Korresponi dent der ,,Herald Tribüne“ i fügt dieser Nachricht hinzu, i dass den Juden nach dem sowjetischen Gesetz immer : das Recht gustand, Mazzot zu! backcb, ntrf naben ihnen bisher die lokalen Behörden nicht die Möglichkeiten hier- I zu gegeben. Eine Beschwerde, die nicht berücksichtigt wurde Ist der : Platzmangel in den Friedhö.; fen, und im besonderen auf dem jüdischen Friedhof in ' Leningrad. j Rabbi Levin sagte seinen Besuchern aus USA, er habe die genannten Versprechen von) Präsidenten des sowjetischen Staatsrates für religiöse Fragen, A. A Puzin, erhalten. Rabbi Israe1 Miller aus Amerika soll ihm geantwortet haben: „Ich bleibe skeptisch. Sie wissen sehr wohl, dass früher auch schon alles Mögliche versprochen worden ist“. Ein anderer amerikanischer Rabbiner warf ein: .Jetzt möchten wir gern Taten sehen.“ Die russischen Juden haben seit vielen Jahren keine Neuauflage von Gebetbüchern gehabt, und sie benutzen in den wenigen Synago gen, die sie noch offen hal - ten dürfen, immer die gleichen, alten, abgegriffenen Sidurim. De Frage der Aufenthaltserlaubnis für Jeschiwastudenten in Moskau wurde als „schmerzlich“* bezeich net. Offiziell wird dieser. Studenten gestattet, sich in der Jeschiwa einzuschreiben, aber die in Moskau geltenden Vorschriften erlauben ihnen nicht, in der Jeschiwo zu wohnen, und sie Vonnten an keinem anderen Ort eine Wohngelegenheit finden. Die sowjetischen Juden bitten um eine Erweiterung der Möglichkeiten zur kulturellen Entfaltung in jiddischer Sprache, wozu auch eine weitere Zeitung ausser der Monatsschrift Sowjetisch Heimiand“ gehört, so. wie um die Herausgabe jiddischer Bücher. Dies teilte Herr Novick mit. der Sowjetrussland vor kurzem besucht hat. Novick, Chefredakteur SCHICKSAL DER RUSSISCHEN JUDEN der linksorientierten newyorker Zeitung ,. Morgen freiheit“, verneinte das Vorhandensein eines vom Staat gelenkten Antisemitismus in der USSR. Er berichtete u.a , dass das vor zwei Jahren von der Akademie der Wissen. schäften in Kiew verlegte Buch „Juden ohne Schminke“ praktisch aus dem Buchhandel gezogen wurde- Die nordamerikanische Kon ferenz über die sowjetische Judenheit teilte in einer Deklaration mit, dass „trotz der in jüngster Zeit erfolgten symbolischen Konzessionen die Lage der russischen Juden unverändert ist“ Die Erklä rung wiederholt den „Entschluss der Konferenz die Proteste gegen die antijüdi sehen Diskriminatior.en in der USSR fortzusetzen, da die sowjetischen Juden weiter Gegenstand einer Politik der systematischen Vorenthaltung ihrer Rechte sind, um sie zur Assimilation zu zwingen und kulturell und geistig zu vernichten“. Rabbi Sevmour Cohen. Vorsitzender der Ständigen Kommission der Konferenz, sprach die Hoffnung aus, dass „die Berichte über neue Versprechen der sowjetischen Machthaber, Gebetbücher zu drucken und Wohnräume in einem Seminar für 20 Jeschiwastudenten bereit zustellen, den Tatsachen entsprechen““. Allerdings warnte | er vor „übertriebenem Opti- : misrnus“. da die Sowjetbehöri den „schon früher aus Propagandagründen derartige Versprechungen geleistet haben und später gelegene Ausreden fanden, um anfangs erteilte Bewilligungen wieder zur ü ckzuziehen“. I . Dar Oberrabbiner von Moskau, Jehuda Leib Levin, erklärte nordamerikanischen Korrespondenten, er habe zwei Jahre dazu verwendet, um für die sowjetischen Zensoren die russische Uebersetzung des Gebetbuches fertigzustellen, das jetzt in Russland auf Hebräisch erscheinen soll. Er fügte hinzu, er wisse nicht genau, wann das dreibändige Buch herauskommen werde, doch „seihst wenn der Text schon morgen der Druckerei übergeben wird so können noch zwei bis drei Monate bis zu seiner Drucklegung vergehen“ Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass das Buch bis zu den Hohen Feiertagen erscheinen werde, aber bis es so weit sein werde, habe er „inzwischen seiner Gemeinde nichts über dieses Eieignis mitgeteilt“. Hierauf sagte er: „Bis ioh den Sidur nicht in Händen halten werde, habe ich nichts weiter zu erkläklären.“ Rabbi Levin äusserte ferner zu den Korrespondenten, er hoffe, dass sich 30 Stu den ten in seiner Jeschiwa im kommenden Herbst anmelden werden, von denen 20 aus Orten ausserhalb Moskaus kommen würden. Der Oberrabbiner und Menasche Michailowitsch, Präsident der Zentralsynagoge versicherten den norcamerikanisehen Korrespondenten, dass jüdische Besucher aus ihrem Land einzeln oder in Gruppen stets willkommen seien, „wenn sie im Geist des Friedens und der Einheit kommen und nicht mit der Absicht, später Verleumdungen über unser Land zu schreiben“. (ITA) Blick in die Welt von HAR0LB SCHWARC2 PRABSEDENT Lyndon B. JOHNSON teilte mit dam die USA weitere 50.000 Mann nach Vietnam sohicten werden. — KOMMUNISTISCHE? ASTRISCHE Attentate gegen amerikanische Petroleumgesellschaften werden aus Veneauela gemeldet. — SEMYON TSARAP’KIN, sowjetischer Delegierter bei der Genfei- Abrüstungskonferenz erklärte, die Abrüstung sei schwieriger als vorher geworden. — PIERRE HARME/j ist der neue Ministerpräsident einer belgischen Koalitionsregierung, in der erstmalig in Belgien eine Frau, Margarethe Deriemaeker Minister (für Familienangelegenheiten) wurde. — EDWARD HEATH ist der neue Chef der britisohen Konservativen und als solcher Nachfolger von Sir Alec Home. — MARSCHALL TITc konferierte mit dem amerikanischen Sonderbotschafter W. Averell Harr im an und dem indischen Premier, Lai Bahadur Shastri, über die Lage in Vietnam. — D&R KREML forderte die westeuropäischen .Sozialisten auf, ideologische Differenzen zu vergessen und gemeinsam mit den Kommunisten eine Einheitsfront gegen die amerikanische Vietnam-Politik zu bilden. — TSCHIANG KAI TSCHECK, Generalissimus, Präsident des Nationalen Chinas, erklärte, Truppen nach Süd- Vietnam schicken zu wollen. — DIE LIBANESEN sollen mit Arbeiten zur Ablenkung der Jordan-Wasser begonnen haben. — ADMIRAL AMBRICO THOMAZ, einziger Kandidat bei den Präsidenten-Wahien in Portugal, erhielt 95 Prozent der Stimmen. — PRAESIDENT SUKARNO erklärte, Indonesien habe eigene Atombomben. — DREI DEUTSCHE erklärten sich in einem gegen sie ln Kairo geführten Prozess für schuldig, zugunsten Israels Spionage betrieben an haben. —. Fünf NEUE GRABSCHAENDUNGEN wurden ^¡»U* Bayern gemeldet. — TERRORAKTE wurden u. a. aus den folgenden lateinamerikanischen Republiken gemeldet: Venezuela, Kolumbien, Honduras, Ekuador, Santo Domingo und Guatemala. — FRANKREICH wird binnen wenigen Wochen einen Fünfjahresplan zur Entwicklung des Landes vorlegen — ARGENTINIENS Heereskommandant, General J. C. Ongania, weilte zu einem Besuch in der Bundesrepublik — ARTHUR J. GOLDBERG, der neue USA-Botschafter vor den UN und Nachfolger Stevensons, erklärte die Bereitschaft seines Landes, mit dem Sicherheitsrat bei der friedlichen Beilegung des Vietnam-Konflikts zusammenzuarbeiten. — New York. — Nachdem Oberrichter Arthur Goldberg vom Präsidenten Johnson zum Chef der Delegation der Vereinigten Staaten vor den UN ernannt worden ist. kann man enthüllen, dass der vorige Präsident John F. Ken nedy kurz vor seinem tragischen Tode die Absicht hatte, Goldberg nach Russland zu schicken, damit er sich über die Lage der dortigen Juden durch Augenschein informiere. Zwei jüdische Senatoren, Jacob K Javits und Abraham Ribicoff, sollten Goldberg begleiten Präsident Kennedy wollte, dass drei angesehene amerikanische Juden mit dem seinerzeitieen sowjetischen Ministerpräsi denten Krutschew und leiten den Sowjetfunktionären zusammenträten, um sich mit ihnen über die Beschwerden zu unterhalten, welche die Juden in aller Welt gegen die Unterdrückung d2S kulturellen und religiösen jüdischen Lebens ln der Sowjetunion erheben. Präsident Kennedy besprach diese Angelegenheit mit den drei jüdischen Politikern im Weissen Haus, kurz bevor er sich auf seine Reise begab, die ihren unglückseligen Abschluss in Dallas fand. Auch der sowjetische Botschafter m Washington, Anatol Dobrynin. wurde von diesem Plan in Kenntnis gesetzt, doch, wie es heisst, zeigte sich Dobrynin nicht sehr begeistert Im Weissen Haus jedoch glaubte man, dass Krutschew zögern würde, bevor er drei so prominenten Amerikanern das Visum verweigerte, denn eine solche Ablehnung nach offiziöser Bekanntwerdung des von Präsident Kennedy gehegten Interesses an dieser Delegation, wäre für Moskau gleichbedeutend mit dem Zugeständnis gewesen, dass es in der „jüdischen Frage“ etwas zu verheimlichen gab. Der plötzliche und gewalt. srme Tod des Präsidenten Kennedy war der Grund, dass der Plan nicht zur Ausführung gelangte, und mit der späteren Entfernung Krutsehews aus dem politischen Leben der USSR wurde das Projekt fallen gelassen. Als in Washington dann auf der Tagung der Nationalen Konferenz jüdischer Organisationen Proteste gegen die antijüdische Diskrimination in Sowjetrussland laut wurden, trat Arthur Goldberg als einer der Hauptredner auf. Senator Ribicoff unterbreitete dem Senat eine auf diese Zustände bezügliche Resolution, die mit den Stimmen zahlreicher Senatoren angenommen worden ist. Im Kongress gelangte die gleiche Resolution, jedoch ohne besondere Erwähnung der Juden zur Annahme. BORIS SMOLAR Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Registro de la Propiedad Intelectual Rivadavia 831 N"? 826.205 Mordverdaechtiger wurde entlassen Bundesminister spielte merkwürdige Rolle Die Staatsanwaltschaft in Hamburg betreibt seit dem Jahre I960 ein Ermittlungsverfahren gegen SS-Obersturmbannführer Gerhard Maywald, der mit der Liquidierung der Insasen des Rigaer Ghettos und der jüdischen Bevölkerung Lettlands zu tun hatte Nach dem Zeugnis Ueberlebender war M.ywald auch für die ‘“Liquidierung“ von Juden aus der Tschechoslowakei und Deutschland verantwortlich. Ein Zeuge schreibt, dass er diesen Mann zwanzig Jahre lang gesucht habe, denn er war es, der mit einer Bewegung seiner Hand ‘ meine junge Mutter in den Tod schickte.’ Dieser Zeuge hat dem Appell der Zentralstelle der Landesjustizverwaltungen in Stuttgart Folge geleistet und hat alles getan, damit der Gerechigkeit Genüge geschieht. Ende April berichteten deutsche Blätter, dass der Bundesminister für wissenschaftliche Forschung, Hans Lenz, der Hamburger Staatsanwaltschaft ein Kautionsangebot für die Entlassung Maywalds aus der Untersuchungsohaft gemacht habe. In Deutschland kennt von KURT R. man nur ausnahmsweise die Entlassung eines Untersuchungsgefangenen gegen Kaution, und diese ist bei Mordverdacht ohnehin nicht möglich. Der Minister erklärte, dass nicht er, sondern seine Frau dieses Kautionsangebot gemacht habe, aber gab dem Manne das Zeugnis der Untadeligkeit und verwies darauf, “dass der frühere SS-Führer jede Schuld bestreitet.’’ Es scheint Minister Lenz entgangen zu sein dass auch die 23 Auschv.itz- Angeklagten, wie auch Karl Adolf Eichmann ebenfalls ihre Schuld bestritten Wenn man des Mordes Verdächtige vor dem Prozess auf Grund ihrer Beteuerung auf freien Fuss setzte, dann allerdings würde jede Verfolgung von Missetätern ad absurdum geführt werden. Der Staatsanwalt lehnte jede Angabe über die Höhe der von der Familie Lenz angebotene Kautionssumme ab, aber in Bonn wurde bekannt, dass Lenz ein Dritte! der Kaution mit 6000 DM übernehmen wollte. Andere Quellen sprechen von 40.000 DM. GROSSMANN Der Oberstaatsanwalt beim Landgericht in Hamburg hat am 17. Mai 1965 mitgeteilt, „dass Maywald durch Beschluss des Landgerichts Hamburg vom 5. März 1965 vom weiteren Vollzug der Untersuchungschaft verschont wurde, und zwar gegen Sicherheitsauflagen, die die Gefahr einer Flucht ausschliessen sollen.” Wir sind froh, dass der Oberstaatsanwalt das Wörtchen “sollen” hinzugesetzt hat, denn er ist sich nicht sicher, ob Maywald, gegen den immerhin ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes schwebt, nicht doch eines Tages das Weite suchen würde. Verdunklungsgefahr, so beteuert der Hamburger Hüter des Rechts, läge nicht mehr vor. Was aber den Bunaesminister für wissenschaftliche Forschung, Hans Lenz, anbetrifft, so hat Maywalds Haftverschonung nichts mit seiner Eingabe zu tun — denn die Schreiben des Bundesministers Lenz und seiner Ehefrau “stammen vom 18 August und 9. September 1964”. Bis zur tatsächlichen Haftentlassung seien doch, so wird argumentiert, fast sechs Monate verstrichen und es hätten ‘‘die Schreiben auf die Dauer der Untersuchungshaft keinerlei Einfluss gehabt.” Warum aber ist denn Maywald aus der Haft entlassen worden? Der Staatsanwalt sagt: „Ausschliesslich auf Grund gesetzlicher Bestimmungen”; und fügt hinzu, dass, wie sollt« es eigentlich auch anders sein, er an solche “wie in jedem Rechtsstaat geburlden“ sei. Dieser Bescheid lässt mehr Fragen unbeantwortet, als dem Staatsanwalt recht sein kann. Wie hoch war die Kaution? Wey hgt sie bezahlt? Ist ein Teil davon von Bundesxninister Lenz und seiner Frau bezahlt worden? Wann begannen die Ermittlungen, die zur Haftentlassung führten? Lagen dem Landgericht Hain bürg die Lenz-Briefe vor? Welche Antworten wurden auf die Schreiben vom 18. August und 9. September 1964 dem Minister gegeben? Und welche anderen Mordverdächtige, die nicht einen Bundesminister als Fürsprecher hatten. sind ebenfalls von weiterer Hafl verschont geblieben?