Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1965-07-30 · 2127 (30.7.1965) · p. [Seite 8]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2127 (30.7.1965)
Date
1965-07-30
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9616703-9614788-9615091--3976-9615099
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

FRANQUEO PAGADO Sta Concesión 998 o 3 » 33 *3 k S fs A i» a W fc» ii TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 SEMANA ISRAELITA Año XXVI. Bl/KNOS AIRES. VIERNES 3« DE JULIO DE 196S N* 3181 SL EJEMPLAR 1í) „ en Mi Ii República *'*■ PUEVRREDON 21M 1* hp. ». E. S3 2613 Buenos Aires Weltkongress tagte in Strassburg H. Sw.: — In diesem Jahr trat die Executive des Jüdischen Weltkongresses in Strassburg, der Hauptstadt des Eisass, zusammen. Die schöne Stadt mit ihren mittelalterlichen Bauten, aber auch mit ihren modernen Anlagen bot äusserlich eilten angenehmen Rahmen für eine Tagung, die sich über bald eine Woche hinzog. Natürlich hatte die Wahl dieses Tagungsortes auch seine Nachteile, denn die Bequemlichkeiten einer wirklichen Weltstadt fehlten. Dafür aber gibt es in Strassburg eine jüdische Gemeinde, die in mancher itinsicht vorbildlich sein dürfte. 12.000 Juden leb*n heute in Strassburg, Juden, die sich dort aus allen Enden der Erde angef n^den haben, dort Geborene, dorthin Verschlagene aus dem europäischen Osten, ei.is hl Deutschland, au« Nordafr.ka usw. Die Juden haben da- Gliiok, in der franzövsehen Stadt ein glückliches Lehen führen zu können; sie sind geachtet und angesehen. Sic ■habe« — jedenfalls jetzt — keine spezifisch - jüdischen Probleme. Die alte Strassburger Svn . agoge die sehr schön war. ist von den Nazis niedergebrannt und völlig zerstö-t worden. Die neue Synagoge und das wunderbare Gemeindehaus sind aus Wiedergutmachungsgeldern erbaut worden. Die geschmackvollen und grossen Räume des Gemeindehauses waren für die Sitzungen der Weltkongress - Executive sehr geeignet. — In der Synagoge fand am französischen Nationalfeiertag ein Festgottesdienst in Anwesenheit des kommandierenden Generals, der zivilen und militärischen Behörden sowie der Executive- Mitglieder des JWK statt, der nach dem eigenen "jüdisch - elsässischen” Stil durchgeführt wurde, dessen Anklänge wir hier in Buenos Aires in der Synagoge der Congregación wiederfinden. Der tiefe Einfluss der Umgebung macht sich dort schon im äusseren Zeremonial und in der Kleidung der geistlichen (jüdischen) Würdenträger bemerkbar. — Die Feier selbst war straff, konzentriert, würdig und eindrucksvoll. Sie trug dem Charakter dieses auch für unser Volk so wichtigen Datums in vollem Umfang Rechnung und spiegelte die Verbundenheit der Juden Frankreichs mit ihrem Vaterland wider. — Teilnehmer an der Tagung Derartige Tagungen, die von Delegierten aus so vielen Ländern der Erde beschickt werden, sind scho l deswegen immer interessant, weil man die Möglichkeit hat, mit bekannten, wichtigen und befreundeten Persönlichkeiten des jüdischen Lebens aus allen Kontinenten zu sprechen und ... alte Freunde wiederzufinden. Wer, wie der Schreiber dieser Zeilen, seit 1948 beinahe an allen Weltkongresskonferenzen und den Beratungen der Executive teilgenommen hat, konnte nicht nur gewisse Erfahrungen sammeln sondern gleichzeitig bestand die Möglichkeit, die Verbindungen nach allen Seiten hin zu pflegen. Und das ist für die jüdische Arbeit sehr wichtig. Die Executive des JWK besteht aus vier Teilen, die aus geographischen Gründen gebildet werden mussten; Jerusalem, London und Genf t Europa-Executive), Der Fall von Poelnitz Die Humanistische Union hat ln Briefen an die Abgeordneten des bayerischen Landtags erneut den Griindungsdirektor der Universität in Regensburg, Professor Freiherr von Pölnitz, wegen seiner „braunen Vergangenheit“ scharf attackiert. Dem bayerischen Kultusminister Huber, der die Beschuldigung gegen Pölnitz als „sachlich unwahr" bezeichnet hatte, wird vorgeworfen, dass er die offensichtliche Irreführung" bis heute noch nicht korrigiert hat. In dem neuen Schreiben zum ,Rail Pölnitz" an die Landtagsabgeordneten heisst es: „Herr Kultusminister Dr. Huber gab auf Anfragen hin dem Parlament die Auskunft, die Vorwürfe der Humanistischen Union gegen Professor von Pölnitz hätten sich als .sachlich unwahr* erwiesen. Diese offensichtliche Irreführung der Abgeordneten hat er ungeachtet der inzwischen durch die unabhängige Presse bekanntgewordenen zahlreichen Belege für die Berechtigung unserer Bedenken gegen der. Rgensburger Gründungsrektor bis heute nicht korrigiert. Die Humanistische Union sieht sich deshalb zur Entkräftung de« gegen sie erhobenen Vorwurfs der Unwahrhaftigkeit veranlasst, Ihnen und der Oeffentlichkeit alle Dokumente vorzulegen, die zu ihrem Schritt gegen Professor von Pölnitz veranlagten.“ Grundsätzlich stellt die Humanistische Union fest: ,.I. Freiherr von Pölnitz* politische Grundhaltung deckte sich weitgehend mit der des Nationalsozialismus. Gewisse konfessionell bedingte Vorbehalte wichen seiner Begeisterung für die NS Bewegung in dem Mass, in dem die faktische Macht dieser Bewegung zunahm. Die nationalistische, antidemokratische rassistische, militaristische Grundeinstellung, verbunden mit ausgeprägtem Opportunismus und bedenkenlosem Karrierestreben, befähigten den Freiherrn, sich aus einem — kirchenpolitischen — Gegner einer damals oppositionellen Partei innerhalb kurzer Zeit in einen Lobsänger und Aktivisten derselben — nunmehr an die Macht gelangten — Partei zu verwandeln. Dass er trotzdem nach dem Krieg einige rettende „Benachteiligungen“ vorzuweisen hatte, verdankt Freiherr von Pölnitz im wesentlichen seinem Ungeschick bei xsM) Auswahl seiner Idole unter den NS-F ||iiern.,‘ „2, Freiherr von Pölnitz stellte zumindest ab 1933 seine rednerischen und schriftstellerischen Talente in den Dienst der faschistischen Agitation im Hochschu,bereich und rühmte sich 1939 öffentlich der Erfolge seiner nationalsozialistischen Schulung«- arbeit... Seine Haltung im Dritten Reich erregte bei seinen früheren politischen Freunden Widerwillen und Verbitterung; er wurde in Kreisen des katholischen Widerstands als Verräter betrachtet.“ Dem Brief der Humanistischen Union ist eine Dokumentation „Götz Freiherr von Pölnitz und der Nationalismus" beigelegt die Auszüge aus Briefen und Schriften von Pölnitz aus der Nazizeit und und Urteile über den Professor aus jener und .eus der Nachkriegszeit enthält. In einem Gutachten der Münchner Universität aus dem Jahre 1935 über Pölnitz heisst es: „Seit der Machtübernahme durch den Führer hat Herr von Pölnitz sich entschlossen zum Nationalsozialismus bekannt und ist in seinem persönlichen Verhalten sowie in Wort und Schrift offen für die Ideale des Dritten Reiches eingetreten. Im Lager und auf der Dozentenakademie hat er durch seinen ausgeprägten Kameradschaftssinn sich die ungeteilte Be.iebtneit bei seinen Kommilitonen erworben: an der Universität ist er als mitreissender und vom neuen Geist erfüllter Lehrer von seinen zahlreichen Schülern nicht minder geschätzt als von seinen nationalsozialistischen Kollegen, in deren Kreis er herzlich gern gesehen ist wegen seines feinen Humors und seiner biederen und aufrichtigen Art.“ „Wir haben in den letzten Jahren durchaus den Eindruck gewonnen, dass es Pölnitz mit seiner Bekehrung zum Nationalsozialismus grundernst ist und dass er fest gewillt ist, mit der Vergangenheit endgültig abzuschliessen. Die Tatsache, dass ihm se'n mannhaftes Eintreten für das Dritte Reich die erbitterte Gegnerschaft aller reaktionären, insbesondere der schwarzen Elemente, die ihn als Renegaten brandmarkten, eingetragen hat, spricht am deutlichsten für ihn.“ Dieses Gutachten ist an den Führer der Dozentenschaft der Universität München gerichtet. (Aus einer deutschen Zeitung) New York (Nordamerikanischer Kontinent) und Buenos Aires für Lateinamerika. Unmöglich ist, wenn es auch interessant wäre, alle Teilnehmer an dieser Tagung namentlich voizustellen. Einige können nur erwähnt werden. Da trafen wir wieder die Vorsitzende der Buropa-Executive, Lady Eva, Marchioness of Reading (deren Schwiegervater britischer Vizekönig in Indien war), die Politiker des JWK und der Zionistischen Organisation Dr. Levenberg, Dr. Roth und A. L. Easterman, dessen Besprechungen mit dem tunesischen Präsidenten Burguiba von grosser Bedeutung waren. — Da war der frühere österreichische Anwalt Dr. Braslaff, der Journalist (und Mitarbeiter der Jüdischen Wochenschau! Joseph Fraenkei, alle in London stationiert. Von der französischen Delegation seien Professor André Neher (Strassburg) erwähnt der Vorsitzende der französischen Sektion des JWK, André Dreyfus, Armand Kaplan u. a. Aus Wien war der Vorsitzende der dortigen Kultusgemeinde. Dr. Ernst Relsberg, erschienen, der eine gemütliche Note insbesondere in die Unterhaltungen nach den Sitzungen trug. Mit dem Advokaten Isi Leibler hatte Australien einen Vertreter der zweiten Generation geschickt, dessen Kritik an der Haltung Nachum Goldmanns in der Frage der jüdischen Russland-Politik dessen Unwillen erregte und zu einer (unberechtigten) Polemik gegen den "jungen Mann" geführt hat. Man sollte junge Kräfte ermuntern, auch wenn sie nicht immer in ihren Auffassungen und in der Form, wie sie ihre Meinungen vortragen, im Recht sind. Jüngere Menschen waren auch — erfreulicherweise — Mitglieder der argentinischen Delegation, die au« dem Präsidenten und Sekretär der lateinamerikanischen Executive, Dr. Moises Goldman und Mark Turkow, ferner dem Präsidenten der DAIA, Dr. Jizchak Goldenberg, und den folgenden Executivemitgliedern bestanden hat: Dr. Noé Davidovich. Dr. José Kestelman, Dr. Meir Muchnik, Dr. Hardi Swarsensky und José Ventura. — Von weiteren Lateinamerikanern seien Dr, Winterstein (Rio), Dr Sinay (Chile) und José Wainstein (Uruguay) erwähnt. Herr José Honlein, ein alter Nürnberger, jetzt in Bogota (Kolumbien), war ein aufmerksamer Zuhörer. Andere Delegationen Starke Delegationen waren sowohl aus Israel wie aus den USA erschienen, Prof. Arie, Tartakower, in Argentinien kein Unbekannter, Dr. Israel Goldstein, der Präsident des Keren Hajessod, Knesset-Abgeordneter Yizchak Korn, Anselm Reis sowie andere bekannte Politiker aller Parteien, Richtungen und Schattierungen spiegelten die bunten. Mei-, nungen des lebendigen jiidi- Blick in die Welt v»n HAROLB SCMWARCZ MAYAYOSHI OKA, der Generalsekretär der kotnmu-* msrische« Partei in Japan, kritisierte auf dem Parteikongress in Bukarest die Sowjetunion entgegen der ausdrücklichen Vereinbarung über die russisoh-chinesisohen Gegensätze in der Oeffentlijhkeit zu schweigen. — UN-GENER ALSEKRETA ER U Thant verurteite neue Uebergriffe in der Dominikanischen Republik, — EDUARDO FREI, Präsident Chiles, beendete seinen Europa-Besuch. — ANDRE MALRAUX, Frankreichs Kulturminister, besuchte Peking... — SIR ALEX? DOUGLAS-HOME, britischer Bxpre-mier, trat von seinem Posten als Führer der Konservativen zurück. — PRAESIDENT MAKARIOS von Cypern soll durch Gesetz für eine weitere Amtsperiode in der Präsidentschaft bestätigt werden. — DIE KONFERENZ der amerikanischen Staaten, di« jetzt in Rio de Janeiro stattfinden sollte, wurde vertagt — W. AVERELL HARRIMAN, USA-Botschafter für besondere Aufgaben, hatte mit dem russischen Premierminister eine vertrauliche Besprechung über Vietnam — LEONID BREZHNEV, Chef der russischen Komm** nistischen Partei, richtete einen Appell an die rote Welt, die ideologischen Dfferenzen zu vergessen .— WALTER HALLSTEIN, Präsdent der Kommission für den Gemeinsamen .Europa-Markt, bestritt die Gerüchte, die über seinen Rücktritt im Umlauf sind. — SYNGMAN RHEE. der erste Präsident Südkorea«, starb im Alter von 99 Jahren. — ADLAI E. STEVENSON, dessen plötzlicher Tod die politische Welt bewegt hat, wurde in einem Staatsbegräbnis beigesetzt. — IMMER NEUE Truppenkontingente schicken die Am«. rtkfner naott um ihre dortige Pogiiion ausai^nen. — DIE MILITAERREGIERUNG in Guatemala hat attgeblich eine kommunistische Verschwörung aufgedeckfc, die von Kuba dirigiert worden sei. — ABDEL HAKIM AMER, Vizepräsident und General* felduiarschall. beschuldigte die Amerikaner und Engländer, die königstreuen Truppen im Yemen mit Waffen zu beliefern. — PAPANDREOU, der 77jährige. abgesetzte griechisch« Ministerpräsident, dem es gelang, die Volksmassen aufzuwiegeln, verlangte Neuwahlen. — sehen Staates wider. Der ehemalige südafrikanische Rabbiner Dr. N. C. Weiler, und der alte Mapai-Politiker Benjamin West, der die Föderation der aus Russland gekommenen Einwanderer in Israel vertrat, seien noch besonders erwähnt. — Von den Amerikanern seien die beiden Rabbiner Joachim Prinz und Max Nussbaum als erste erwähntdenn sie haben die führenden Positionen im amerikanischen jüdischen Leben in. ne. Unter den anderen Mitgliedern dieser Delegation sei noch der alte Revisionisten!¡ihrer Dr. Joseph Sehechtmann hervorgehoben, der einig« sehr wichtige Bücher geschrieben hat und an vielen geistigen Auseinandersetzungen in den USA lebhaften Anteil nimmt. Auch der Vorsitzende der amerikanischen Kongress- Sektion, Prof. Bezalel Sherman, war zugegen. Sherman hat hier im Aufträge der AMIA bereits wiederholte Male Vortragskurse abgehalten; er hat auch am Bankett der Jüdischen Wochenschau zu Ehren ihres 35jährigen Bestehens teilgenommen. — Man traf Fritz Becker, den Direktor des JWK in Rom, der an den Verhandlungen im Vatikan starken Anteil genommen hatte; Emanuel Bulz, "Chief Rabbi’’ in Luxemburg; den alten Kongressmann J. Z. Berebichez aus Mexiko Oity; Herseh Jakobsohn, Vertreter des, JWK in Schweden; Hillel Brandstiftung Liverpool: — Die Syragoge in der englischen Stadt Liverpool ist durch Brandstiftung beschädigt worden. Wie die Polizei mitteilte, brachen die Täter in die Synagoge ein, durchstöberten die Pulte und streuten deren Inhalt umher. Das Feuer sei ein „klarer Fall von Brandstiftung.“ (AWZ Storch (Stockholm), der sich in den letzten Monaten der Naziherrschaft sehr bewährte; Raja Jaglom, die Präsidentin der Welt-Wizo; Rose Halperin, Mitglied, der Executive der Jewish Agency; Chaim Levanon, ehemaligen Bürgermeister voti Tel Aviv; Zwi Lourie, Mitglied der Executive der Jewish Agency; Dr. levin- Goldschmidt, den Leiter de« Jüdischen Lehr hause«, Zürich; Dr. Saul Robinsohn, Direktor am Institut für Bildungsfqrsehung in der Max Planck-Gesellschaft; Profasor Dr. Ernst Simon, unseren alten, lieben Freund; Prof. Dr. Erich Goldhagen (New York), Direktor des Instituts für jüdische Osteuropa - Fragen und Ass. Prof, an der Brandeis Universität und vor allem auch Di-. Gerhart Riegner, der nach einer bald 30jährigen Tätigkeit für den Jüdischen Weltkongress von der Executive in Strassburg zum Generalsekretär gewählt worden ist. — Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de 1§ Propiedad Intelectual ÎXP ÿX.20S (Fortsetzung folgt)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.