Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2125 (16.7.1965)
- Date
- 1965-07-16
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616703-9614788-9615073--3951-9615074- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JÜDISCHE UM PUEYRREDON 2190 - 1? iza. JûxJfemxiHajbAjCielUa I E. 832413 Ano XXVI. BUENOS AIRES, VIERNES 16 DE JULIO DE 1965 N® 2125 Nasser bleibt unversoehnlich Der einzige Weg zum Frieden Tel Aviv. — Vize-Premierminister Abba Eban lehnte de Gedanken Dr. Nachuim Goldmanns ab, dass der Frieden im Mittelosten leichter durch Vermittlung der Judenheiten in der Welt erreicht werden könnte. Der Frieden, so erklärte Eban, wird nicht auf dem Umweg über New York oder Buenos Aires kommen, sondern er wird direkt von Jerusalem aus mit den Arabern ge schlossen werden. Auch der von Dr. Goldniann vor einigen Monaten geäusserten Ansicht, dass der Weg zum Frieden über Moskau führe, widersprach Abba Eean Er unterstrich, dass nur direkte arabisch-israelische Unterhaltungen dieses Ziel verwirklichen werden, obzwar Moskau ebenso wie jede andere Gross macht einen Einfluss auszuüben imstande sei. Ebar. sprach im Klub der Auslandspresse über die Arbeit der Regierung in den zwei Jahren ihrer Amts zeit. Seither, so hob er hervor, hat Israel seine freundschaftlichen Beziehungen überall in der Welt befestigen können. (ITA) Washington. — Nasser erklärte in einem von der OBS durch Television übertragenen Interview, dass Ae gypten weiter von einer friedlichen Beilegung des Streites mit Israel absehen müsse, da die Existenz Ts raels niemals anerkannt werden würde und „die einzige Lösung Gewalt ist“ Die Abrechnung könne seiner Meinung nach in fünf Jahren kommen- Br ¡gemerkte hierbei, dass die Mohammedaner während der Kreuzritterzüge 70 Jahre warteten, um die Christen aus Palästina zu vertreiben. Er fügte hinzu, Israel könne nur mit denen vergliche» werden, die den Staat Kali fornien überfielen und annektierten. Zu einem Friedensschluss bedürfe es zwei vernünftiger Parteien, stellt er fest, doch mit Angreifern, die sich auf den Böden der Araber festgesetzt haben, könne kein Frieden geschlossen werden. Im weiteren beschuldigte er den Präsidenten Tunesiens Bourguiba, einen Angriff auf Aegypten zu pia- I. Die UN Das Jubiläum der Vereinten Nationen, die vor 20 Jahren in San Francisco gegründet wurden, ist sang- und klanglos in einer heftigen Kontroverse untergegangen. Unvermittelt hat der russische Delegierte die USA angegriffen, die sich zu einer Erwiderung veranlasst sahen. Der Gedanke der Völkergemeinschaft wurde durch einen Streit mit Worten verzerrt, die Versammlung zu einem Forum von Auseinandersetzungen degradiert, die in ihrem Kern nicht unberechtigt gewesen sein mögen, in ihrer Form aber destruktiv wirken mussten. In den Versammlungen der UN wird jedem Land und jedem Redner hinreichend Zeit und Raum gegeben, um seine Ansichten und Beschwerden vorzutragen, sodass die Feier in San Francisco nur dem Zweck dienen sollte, den Zusammenschluss der Völker als eine Idee des Friedens zu unterstreichen. Dass die So nen, „um mehr USA-Hilfe zu erhalten“. BOURGUIBA MAHNT ZU GEDULD Tunis. — Präsident Bourguiba erklärte dem Korrespondenten des „Sunday Observer“, das er es aufgegeben habe, sich für eine friedliche Regelung des Palästiwjets diesen Augenblick wählten, um ihre Beschuldigungen gegen die Politik der USA im Fernen Osten vorzutragen, muss schon aus psychologischen Gründen von all denen bedauert werden, die noch immer und trotz allem die Auffassung vertreten, der Frieden muss um jeden Preis gerettet werden. An allen Stellen, wo die weitreichenden Interessen der Grossmächte nicht unmittelbar betroffen werden, haben die UN eine Wirksamkeit entfalten können, die als segensreich angesprochen werden muss. Dies gilt nicht allein auf dem Gebiet der Kultur, der Medizin, der Hygiene und der Hilfeleistung bei Naturkatastrophen, son dem auch bei Krisenerscheinungen im politischen Leben der Völker. Ob diese Interventionen immer glücklich waren, mag dahingestellt bleiben. Die Tatsache allein, dass die UN eingriffen, ist der beste Beweis dafür, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist, und dass immer die Möglichkeit gesucht werden müsste, bet Konflikten na - Problems einzusetzen. ..Mein Plan ist gescheitert“, ausserte er, „weder die Araber noch Israel wollen etwas davon wissen. Ich beabsichtige nicht, die Führung zu übernehmen. Das Problem muss der Zeit überlassen werden.“ Trotzdem ist Bourguiba überzeugt, dass seine Ratden Weg der Verständigung zu beschreiten. Bei der engen Verflechtung aller internationalen Probleme kann man nur noch in Ausnahmefällen erwarten, dass die von den UN zu treffenden Entscheidungen einstimmig vorgenommen werden. Sehr selten waren Ost und West bei solchen Beschlüssen auf einer Linie zu treffen, wie z. B. in der Frage der Schaffung eines jüdischen Staates. Damals, in jener denkwürdigen Sitzung, kam eine gute Zweidrittelmehrheit zustande, weil Amerikaner und Russen den Vorschlag stützten. Bekanntlich war Truma» der erste, der dann den jüdischen Staat unmitteibar nach seiner Proklamation anerkannte; aber Stalin war der zweite. Nicht nur aus diesem Grunde fühlen sich Juden mit den UN verbunden, die auch bei weiteren Gelegenheiten wesentliche Beiträge für die Entwicklung des jungen Staates Israel geleistet haben, wie z. B, beim Zustandekommen der Waffenstillstandsverträge mit den arabischen Nachbarn, die Dr. Bunche im Namen der UN schloss. Dabei ist es in diesem Zusammenhang nicht entscheidend, ob diese Ver träge günstig für Israel waren, oder in dem Augenblick, als sie geschlossen worden sind, den arabischen Notwen, digkeiten stärker entgegenkamen. Für uns ist der Gedanke ebenso wichtig, der von den Gründern der Vereinten Nationen, vor allem dem verstorbenen Präsidenten Roosevelt, in die Tat umgesetzt worden ist Nicht nur durch kriegerische Auseinandersetzungen, sondern im Wege des gegenseitigen Verhandele sollten die auftretenden Konflikte und Gegenschläge zum Frieden eines Tages angenommen werden und seine Gedanken auf die junge arabische Generation jetzt schon Einfluss gehabt haben- Er versicherte auch, dass Nasser in einer privaten Zusammenkunft in Kairo seiner Auffassung beige stimmt habe. Bourguiba bezog sich im einzelnen auf die mit Nasser gewechselten Worte und erwähnte, dass die Politik des ägyptischen Diktators in Algerien, im Irak und Jemen nicht die erwarteten Erfolge gezeitigt hat. Hierbei sprach er mehrmals von einem Niedergang der Macht Aegyptens und sagte: „Das Problem der arabischen Führer ist heute herauszufinden, warum Nasser Schiffbruch leidet“. EIN DEMENTI Paris. — Die Meldung, dass Mendes-France bei - einem bevorstehenden Besuch in Israel eine Botschaft des tunesischen Präsidenten Ha - bib Bourguiba übergeben werde, wurde inzwischen von allen Seiten kategorisch dementiert. Mendes-France erklärte, er reise nach Israel aus dem einzigen Grunde, um an der Konferenz an Reehowot teilzunehmen. Die tunesische Nachrichtenagenter teilte mit, es sei unwahr, dass Präsident Bourguiba Mendes-France gebeten habe. als Vermittler zu wirken. Der Israel-Botschaft;n Paris nahestehende Kreise versicherten, Men des France sei schon vor acht Monaten, als noch nichts von seinem Besuch in Tunesien bekannt war, zur Konferenz in Rschowot eingeladen worden, und er würde ausserdem bestimmt nicht drei Monate warten, wenn er die Absicnt hätte, Levi Eshkol persönlich von seinen Unterhaltungen mit Bourguiba zu informieren. (ITA) sätze durch internationalen Schiedsspruch beigelegt werden. Die UN sollten eine Organisation des Friedens und für den Frieden sein. Die Hoffnung auf Frieden gehört zum jüdischen Lebenselement. Deswegen werden Juden stels für die UN und diesen Gedanken eintreten, der von den Vereinten Nationen eines Tages verwirklicht werden wird. Es mag noch ein langer Weg sein, aber das Ziel rechtfertigt die Mitarbeit und den Einsatz aller fortschrittlich denkenden Menschen. — II. Konferenz in Strassburg Wenn diese Zeilen in Druck gehen, ist die Konferenz der Exekutive des Jüdischen Weltkongresses noch nicht beendet, sodass wir über deren Ergebnisse heute noch nichts aussagen können. Der Jüdische Weltkongress ist die Zusammenfassung aller über den Erdball verstreuten Judenheiten, die hierdurch ih ren Willen für eine gemein same Zukunft bekunden. Hier wird über die vielfachen Fragen beraten, die vom jüdischen Volks als Gesamtheit zu lösen sind, während die inneren Probleme eines f eien Landes nicht zur Diskussion stehen. Jüdische Solidarität und Zusammenarbeit finden im Jüdischen Welt- Wieder Sabotage-Akte Tel Aviv- — Auf der Bahnstrecke von Tel Aviv nach Jerusalem explodierte kurz vor Jerusalem, wo die Schienen nur 200 Meter von der transjordanischen Grenze verlaufen eine Dynamitladung unter der Lokomotive eines Güterzuges. Der Zug wurde jedoch nicht zur Entgleisung gebracht, wie anscheinend beabsichtigt war, sondern nur em Waggon wurde leicht beschädigt, und niemand erlitt Verletzungen. Ein Wachtturm gegen Waldbrände in der Nähe von Bet Gowrin wurde von zwei Zeitbomben beschädigt. In?‘,ese™ Augenblick war der Turm nicht bemannt. Die Wächter fanden Spuren, die zur 6 Meilen entfernten transjordanischen Grenze führten. Israel protestierte in beiden Fällen vor der UN-Orgamsation für die Ueberwachung der Waffenstillstände. WIE ICH ES SEHE—. ... j Konferenzen und Probleme ¡ - -««. JEHVDA GOTTHEIMER Die Gründe und Hintergründe Dr. W.: — Aus welchen Gründen und Hintergründen die Wiedergutmachungsgesetzgebung entstanden Ist, wurde ebenfalls in der Bundestagsdebatte deutlich gesagt Minister Dahlgrün hat als Finanzminister sicherlich keinen leichten Stand, denn er muss auch Rücksichten aut die Opposition nehmen, auf die Wählerschaft, auf Strömungen und Gegenströmungen. Deswegen war es, wie hier schon klar zum Ausdruck gebracht, von vorneherein ein Fehler, diesen Gesetzeskomplex dem Finanzministerium zu unterstellen. Der Minister sagte: „Das deutsche Volk hat in einem bewundernswerten Aufstieg aus Not und tiefstem Elena aus Hass und Verachtung heute wieder einenj geachtete,i Platz in der Völkerfamilie. Vergessen wir niemals, dass dafür das Erkennen unserer Schuld und die Bereitschaft, diese nach Menschenkräften wiedergutzumachen, entscheidend waren. Es sind falsche Propheten uni Verführer schlimmster Sorte, die dem Volk einreden wollen, die Anerkennung einer vorhandenen Schuld und di« Bereitschaft zur Wiedergutmachung sei würdelos, schädige das deutsche Ansehen und gehe gegen die Ehre... Ausserdem sollten wir über Mark und Pfennig, so wichtig sie selbstverständlich sind, niemals vergessen, dass wir heute hier nur den finanziellen Schlusspunkt setzen Die notwendige Wiedergutmachung der Herzen ist längst nicht beendet.“ — In der Rede des Sprechers der Regierungspartei wurde der auch hier unterstrichene Unterschied zwischen den durch den Krieg Geschädigien und den Verfolgten de« SS-Regimes hervorgehoben. „Die durch Krieg und den Zusammenbruch entstandenen Schäden sind die Folgen der von uns allen zu tragenden Niederlage. Die Schäden der durch die nationalsozialistischen Massnahmen Betroffenen beruhen dagegen auf Unrecht, das der NSStaat seinen eigenen Angehörigen zugefügt hat“. Aber dann spricht auch er wieder von einer moralischen Pflicht, während e# sich doch bei allen NS-Verfolgten, unabhängig ob sie „eigene Staatsangehörige" sind oder nicht, um eine klare, eindeutige Rechtspflicnt handelt. Das hindert ihn nicht daran, selbst an eine/ späteren Stelle seiner Rede die Reohtspflioht anzuerkonnen, wobei er sich im einzelnen auf die Ausführungen des ersten Bundeskanzlers Dr. Adenauer aus dem Jahre 1951 beruft. Er bedauert, dass nibht alle „an uns gerichteten Wiinsihe“ erfüllt werden konnten, womit offensichtlich die Forderungen (und nicht die Wünsche) der Verfolgten gemeint sind. Die Rede des SPD-Abgeordneten Hirsch, des Vorsitzenden des Wiedergutmachungsausschusses, wirkte wie die Worte eines resignierten, enttäuschten Vaters, dessen Kind nicht die Erwartungen erfüllt, die er selbst gehegt hat. Die Arbeiten des Ausschusses wären deswegen so schwierig gewesen, „weil wir unsere Entscheidung nicht nur — wie es eigentlich hätte sein sollen — nach den Gesichtspunkten der Gerechtigkeit treffen konnten; wir hatten auch zu beachten Fragen der politischen Zweckmässigkeit, wir hatten auch zu beachten insbesondere Etagen der finanziellen Möglichkeiten“. — Damit ist eigentlich alles gesagt, was man gegen dieses Schlussgeestz in seiner Unzulänglichkeit zum Ausdruck bringen kann. Hirsch hatte den Mut, mit aller Klarheit den von Dahlgrün und anderen geäusserten Einwand abzulehnen, es handele sich bei den Juden, die „im Zuge der Kriegsereignisse“ in den Strudel gerissen worden seien, um eine moralische und nicht um eine Rechtsfrage. Der Krieg, so sagte Hirsch unter Beifall der SPD Abgeordneten, hat mit diesen Morden nichts zu tun1 — Das ist so eindeutig, dass es befremdend wirkt, wenn Dahlgrün, der um die längst nicht abgeschlossene Wiedergutmachung der Herzen wirbt, derartig abwegige Thesen vertritt. Weil es sich bei der Diskussion gezeigt hat, dass nicht nur finanzielle Probleme für die Einengung der Berechtigungen massgebend gewesen sind, sondern auch Fragen rechtlicher Beurteilung, können wir dieses so bezeichnet« Schlussgesetzt nicht als solches betrachten. Wir sind verpflichtet, den Kampf um die abschliessende Regelung der offengelassenen oder falsch entschiedenen Rechtsfragen fortzusetzen, zu denen u. a. die Rechte der „post-53er und die Wiedereröffnung der Fristen zur Nachn.eldung nicht rechtzeitig angemeldeter Ansprüche gehören. kongress ihren organisatio ■ lien Ausdruck. Einmal im Jahr tritt die Gesamtexekutive zusammen, diesmal in Strassburg, die sich aus vier lokalen Exekutiven (Nordamerika, Südamerika, Europa und Israel) zusammensetzt. Die Erörterung der politischen Fragen wird auf der Grundlage eines Referates Ableitung der Jordanwasser Tel Aviv. — Libanon hat mit den Vorarbeiten für den Bau eines Kanals begoniien. um das durch sein Territorium fliessende Jordanwasser abzulei ten. Die Libanesen benutzen einen einzigen Traktor an diesem Ort, der ca 4 Kilometer von der israelischen Grenze und 50 Meter vom Hasbani-Fluss entfernt liegt. Hier soll das Wasser aufgefangen werden, das normalerweise den Hasbani speist und in den Süden Israels fliesst. Auch der Bau eines Stausees wurde in Angriff genommen, der einen Teil dieses Projekts bildet. Syrien setzt ebenfalls die Arbeiten im Rahmen seines Ableitungsplanes fort. (ITA) erfolgen, das der Präsiden) des JWK. Dr. Nachum Go'd mann, gehalten hat. Die D» batte wird durch die vio Vorsitzenden der vier .Ex« cutiv-Arme“ eingeleitet. Ei« Sonderthema bildet die Lag« der Juden in der Sowjetunion, eine Frage, die nicht nur uns Juden, sondern weite Teile der demokratischen Oeffentlichkeit in allen Ländern beschäftigt, und zu dem sich erst kürzlich ein« Reihe bedeutender argentinischer Persönlichkeiten geäussert haben. Auch den deutsch-jüdischen Beziehuo. gen wird eine Sonderdebatt« Vorbehalten bleiben. Ein weiteres, ebenfalls politisches Thema ist den Beziehungen zwischen Juden und Arabern gewidmet. Dass die Fragen der Kultur und der Erziehung sowi« die organisatorischen Probleme nicht von untergeordneter Bedeutung sind, ergibt sich schon daraus, dass si« nicht am Schluss der Tagung. sondern mitten während der Beratungen behandelt werden- Die Vielfalt dieses Pr» gramms zeigt zugleich de* Umfang der jüdischen Sorgen in der Welt. Man darf annehmen, dass die Stellungnahme des Oekumenischexi Konzils in seiner Haltung z« den Juden ebenfalls erörttert (Schluss auf Seite 2) J LEO HAS6E IMSÎlTüïfl NEW YORK