Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2124 (8.7.1965)
- Date
- 1965-07-08
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Dann stellte der Geistliche die ergänzende Frage an die junge Braut “Ja”, entgegnet* sie ebenfalls entschieden. Feierlich-ernst erschallte nun der gemischte Chor aus den willkürlich von Männern und Frauen besetzten Reihen. Ihre Stimmen vermischten sich mit den langhingezogenen Orgelklängen im Hintergrund des kleinen Saales, der die zweihundert Anwesenden kaum fassen konnte. Die hier beschriebene Szene war in der Reformsynagoge Har El in Jerusalem zu sehen und stellte die erste Trauung in Israel dar, die jemals nach jüdischem Reformritus vollzogen wurde. VERWEIGERTE ANERKENNUNG Dass Reformrabbiner Dr. Meir Idith und seine Braut Elona Bach das erste Paar in Israel waren, das sich nach Reformritus trauen liess, hat nichts mit dem Umstand zu tun, dass die Reformbewegung im jüdischen Staat trotz der Existenz von sechs Gemeinden kaum 2000 registrierte Mitglieder zählt- Im Gegensatz zu den USA ist nämlich die Reform in Israel nicht populär. Die Kreise der jüdischen Orthodoxie, denen vom Staate aus das trauungs- und scheidungsrechtliche Monopol für alle in Israel lebenden Juden eingeräumt wurde, sehen die Reform als Ketzerbewegung an. Sie haben daher Reformrabbinern das Recht vörenthalten, Trauungen und Scheidungen vommehmen. Das hauptsächliche Streitobjekt ist natürlich das jüdische Ritualgesetz, die Halaeha, welche die Anhänger der Reform liberal-vernunftmässig auszudeuten streben. So zum Beispiel würde ein Reformrabbiner nichts dagegen haben, einen Cohen oder Priesterstämmling, mit einer geschiedenen Frau zu vermählen, während dies für einen orthodoxen Rabbiner ein schwerer Verstoss gegen das Grundgesetz wäre. DOPPELTE HOCHZEIT Wie konnte dann trotzdem in Israel eine Reformtrauung , erstmalig stattfinden, w© doch die Orthodoxie, und demnach auch das Gesetz, dies ausdrücklich verbieten? Der Bräutigam, Rabbiner, von HAIM MASS Dr. Idith. der gleichzeitig als Seelsorger der jerusalemer Reformgemeinde Har LI fungiert, verfiel auf einen originellen Ausweg aus dem Rechtsdilemma. Er liess sich mit seiner jungen Braut im Wohnort ihrer Eltern — Rechowot — beim orthodoxen Rabbinat drei Tage vor der festgesetzten jerusalemer Hochzeit formell trauen. “Ich tat dies, so wie man im Ausland zunächst zum Standesamt geht, um den Erfordernissen des Gesetzes nachzukommen, bevor man *i einem Priester heiratet”, erläuterte Dr. Idith. “Natürlich erschienen wir im Rabbinat in Alltagskleidung. Wir brachten keine Zeugen mit, sondern behalfen uns mit zwei fremden Männern, die zufällig zugegen waren. Nach der Zeremonie geleitete ich meine Braut zu ihren Eltern und sah sie nach wie vor als meine zukünftige Gattin an. Erst nach der Reformtrauung betrachtete ich sie als meine Frau.’’ Die konservativ-religiösen Kreise in Israel schüttelten den Kopf, als sie von der “doppelten Hochzeit” erfuhren. “Die Reformtrauung war nichts als ein Purimspiel”, kommentierten sie trocken. “Man kann seine Frau nur einmal heiraten ...” Wie so oft in der Geschichte der Religionen, sind auch in Israel die von •’’er starren, kompromisslosen Ueberlieferung abweichenden Reformanhänger von den religiösen Kreisen mehr verrufen als Atheisten. Sie fünren daher ein geschlossenes Dasein in ihren kleinen, fast konspirativ wirkenden Gemeinden. Die dogmatische Haltung zur Halacha ablehnend, deuten sie diese, unter der geistigen Führung ihrer Rabbiner, von logischen Gesichtspunkten gesehen, aus, So nahm der Vizepräsident der jerusalemer Reformgemeinde und ihre treibende Kraft — Schalom Ben Chorin — in seiner Predigt an der hier erwähnten Hochzeit zu dem in aramäischer Sprache aufgesetzten Heiratsvertrag — der Ketuba — Stellung. “Weshalb wird dieses Dokument heute bei den Orthodoxen Aramäisch abgefasst?”, fragte der Prediger rhetorisch. “Weil dartials, zur Zeit des Zweiten Tempels, Aramäisch die der Bevölkerung geläufigste Sprache war, welche auch die Braut verstehen konnte. Heute jedoch versteht höchstens der Rabbiner Aramäisch, der die Ketuba vorliest. Braut und Bräutigam sind in Israel nur des Hebräischen mächtig.“ Demgegenüber wendet die Orthodoxie ein, dass die Auslegung der Halacha einer einheitlichen obersten und anerkannt kompetenten Instanz überlassen bleiben müsse, wie es der Grosse Sanhédrin seinerzeit war. Würde jeder Rabbiner die Ritualgesetze eigenmächtig deuten und ändern, so gäbe es alsbald mehr keinen jüdischen Kult, und das Judentum würde sich in eine Menge von Sekten zersplittern. Solange der Rat des Grossen Sanhédrin nicht wieder ersteht, müssten daher die traditionellen Auslegungen, selbst wenn sie veraltet scheinen, beibehalten werden. Spinoza auf der Bühne Das Jüdische Theater aus Warschau beendete sein hiesiges Gastspiel mit Jaime Sloves’ “Baruch aus Amsterdam”, dem für den Kritiker interessantesten Werk. Es spielt in den drei Tagen, als die Jüdische Gemeinde in Amsterdam einen welthistorischen Fehler beging und ihren grössten Sohn Spinoza mit dem feierlichen Banne belegte. Es wäre nicht nur gutes Theater geworden, sondern sogar ein bedeutendes Stück, wenn der Autor sich nicht gegen das Genie, auf die Seite der Amsterdamer Juden gestellt hätte. Hier gibt es brillant charakterisierte Typen: den vom baldigen Eintreffen des Mes- DEINE SPARKASSE DEIN HOBBY STAMPS CENTER 94 Allenby Rd. TEL AVIV P. O B. 4444 sias überzeugten Juden, den Rabbi mit dem grossen Herzen, der Spinoza retten will obwohl er seine wahre Bedeutung nicht begreift, den eifernden unnachgiebigen Rabbi, der in seiner Not schwer versagt hatte, und den fast wahnwitzigen Spion und Angeber, der aus Liebe zu Spinozas Braut seinen Nebenbuhler vernichtet, vor allem Spinozas Tante Manuela mit dem liebevollen Herzen und den herrlichen leicht vorüberhuschenden Jugenderinnerungen; auch die christlichen Typen sind wohl gelungen, der Schenkwirt und der Wachmann, alle nur nicht Spinoza, aus dem Sloves einen Assimilanten gemacht hat, der zwar nicht widerrufen will, aber auch nicht für seine Ueberzeugung eintritt und genau so flach ist wie die von ihm (mit Sloves’ Worten) verzapfte Philosophie. Die Regie, diesmal von Marian Melman, der auch würdig den liebevollen Rabbi gab, und das Bühnenbild, wie immer bei den Warschauern, ausgezeichnet, schauspielerisch ragte Ida Kamniska aus dem gleichwertigen, durch- Bis September 1964 wurden für den Aufbau des Landes seit der Gründung des Staates mit Hilfe von Auslandsgeldern 5,2 Milliarden Dollar eingesetzt, das heisst pro Kopf der 1,2 Millionen Neueinwanderer in dieser Periode rund 2.900 Dollar. Ein sehr grosser Teil dieser Gelder diente dem Bau von Wohnungen, hat doch die Regierung allein seit dem Jahre 1948 weit über 300.000 Wohnungseinheiten für Neueinwanderer errichtet. Allein im Jahre 1963 wurden im Lande für Bauten 1.200 Millionen IL ausgegeben, und die Bautätigkeit im Jahre 1964 überstieg die des Vorjahres um rund 40 Prozent. In den letzten vier Jahren trafen 250.000 Olim ein. und mit der gleichen Zahl ■wird für die kommenden vier Jahre gerechnet- Das bedeutet, dass pro Jahr für die tenden Mechanisierung im Baugewerbe und der Verwendung von Prefab-Methoden. Die starke Nachfrage nach Bauarbeitern aller Kategorien führte auch zu einer erheblichen Erhöhung der Löhne im Baugewerbe. Diese stiegen im Jahre 1962 um 14%, im Jahre 1963 um 11%-,’ und auch im abgelaufenen Jahre setzte sich diese Bewegung weiter fort. Vielfach wurden Löhne gezahlt, die weit über die offiziellen Tariflöhne hinausgehen. Die Preise für Häuser und Wohnungen stiegen in Jahren 1963 und 1964 um rund 25%, woran allerdings die sprunghafte Hausse der Bodenpreise — bis zur Einführung der neuen Boden - Wertzuwachssteuer (Mas Schewach) — einen wesentlichen Anteil hatten. Im Rahmen der Bemühun¬ Mendez France erwartet Tel Aviv. — Der frühere Ministerpräsident Frankreichs, Pierre Mendez France, wird laut Meldung des „Maariw“ aus Paris im kommenden Monat Israel besuchen. Dort wird er mit Eshkol und Golda Meir Zusammentreffen und diesen von seinen kürzlichen Gesprächen mit Habib Bourguiba berichten. Die hiesigen Funktionäre wolten diese Nachricht nicht kommentieren, doch wird es die erste Gelegenheit sein, aus erster Quelle etwas über das zu erfahren, was hinter den kürzlichen Erklärungen Bourguibas steckt. „Maariw“ enthüllt auch, dass Bourguiba vor seiner Unterhaltung mit Mendez France gewusst habe dass dieser nach Israel zu reisen plante. (ITA) rund 65.000 Neuankömmlinge 15.000 bis 18.000 neue Wohnungseinheiten errichtet werden müssen Mit der intensiven Bautätigkeit wuchs auch die Zahl der in der Bauindustrie beschäftigten Arbeitskräfte, die sich heute auf 80.000 Mann belaufen und dies trotz der weiter fortschreiweg guten Ensemble hervor Entzückend 'wie die alte Dame ihre Erinnerungen tänzelnd und trällernd gestaltet, sehr stark und voll dramatischer Wucht, wenn sie anklagt, und dabei ohne Pathos, sondern verhalten, oft mit schmerzlichem Lächeln. Eine sehenswerte Leistung. Von den vielen durchweg guten Darstellern seien hervorgehoben Josef Dogim und Karol Latowicz als verstiegene, fast träumende Eiferer und Julius Berger a s männlicher Rabbiner, der Spinoza und seine Tante vernichtet, um sein eigenes Gewissen zu töten. Eine ehrenvolle Erwähnung verdienen die politischen Spottlieder, die von Seweryn Dalecki und Ruth Kaminska Turkow gesungen wurden. Das Publikum, das meine kritischen Bedenken nicht teilte, war sehr beifallsfreudig. Es gab oft berechtigten Beifall auf offener Szene. Dr. Karl Kost ALFREDO STERN MALERARBEITEN DEPARTAMENTOS — BUEROS — HAEUSER Unverbindliche Kostenvoranschläge für jede Arbeit NEUE ADRESSE: VIDAL 1575 fast Ecke PINO Tel.: 76-7281 y 76-9088 Depósito: V. DEL PINO 2639 und V. DE LA PLAZA 1779 Unserem geliebten Papa und Opa MORITZ T0ND0WSKI gratulieren herzlichst zu seinem 75. GEBURTS¬ TAG am 18. Juli 1965 Seine Kinder: HEINZ und ILSE HOLLAND geb. TONDOWSKI FRED und VERA SALZER geb. TONDOWSKI und Enkel: ROBBY, LILLIAN und SILVINA Empfang bei Salzer, J. F. Segui 4495, 1. St. am 18. Juli von 17 bis 19 Uhr B gen der Regierung zur Wahrung der Stabilität unserer Wirtschaft entschlossen sich die Behörden — dem Beispiel anderer, westlicher Länder folgend, die auch unter den Folgen einer Ueberkonjunktur leiden —, die Bautätigkeit einzuschränken und Wohnungsbauminister Joseph Almogi gab kürzlich eine Reihe von Richtlinien für solche Baubeschränkungen bekannt. Der Zweck dieser Bestimmungen, die in erster Linie öffentliche Bauten betreffen, ist es, wie der Minister betonte, die Bautätigkeit auf den Durchschnitt der Jahre 1960- 63 zurückzuführen. Während diese Quote für den Wohnungsbau als massgebend angesehen werden soll, wird sie für den Bau von Büros, Läden und anderen gewerblichen Bauten Sir John Monash Melbourne: — Im ganzen Lande wurden Gedenkfeiern für Sir John Monash veranstaltet, der vor 100 Jahren als Sohn armer jüdischer Eltern in Melbourne geboren wurde. Von Natur aus eine Führerpersönlichkeit und mit der Gabe ausgestattet, Menschen zu begeistern, war er im Jahre 1918 der Leiter des australischen Expeditionskorps in Frankreich. Seine Verdienste wurden von den grossen Politikern anerkannt, und Lloyd George, damals Premierminister von England, nannte ihn den “geschicktesten General in der ganzen britischen Armee.” Das australische Postministerium hat eine Sondermarke herausgegeben, die Monash als Soldaten und Ingenieur ehrt. (ITA) sogar auf 10% unter dieser Quote festgelegt werden. Die Bautätigkeit des Staates und der lokalen Behörden soll darüber hinaus stark eingeschränkt werden, wie besonders der Bau von Museen, Rathäusern, Klubräumenj und ähnlichen Bauten. Nach den vorgesehenen Verfügungen muss nunmelir für jedes neue Bauvorhaben eine Sonderlizenz eingeholt werden, welche von den Ortsbehörden erteilt wird, nachdem diese dazu von einer interministeriellen Kommission, die selbst als Berufungsinstanz dient, ermächtigt wurden. Man hofft, zunächst Einsparungen in Höhe von 200 Millionen IL im Jahre zu erzielen, doch wird sich dies erst allmählich fühlbar machen, da die zahlreichen, bereits begonnenen Bauten1 den Beschränkungen nicht unterliegen. In den Kreisen des Bau* gewerbes werden die neuen Bestimmungen scharf kritisiert. Man meint, es wäre möglich gewesen, die nötigen Einsparungen auchi auf andere Weise zu erzielen. Besondere Befürchtungen wurden auch laut, weil in den zuständigen Kommissionen die Vertreter des Baugewerbes keinen Platz erhalten haben und alle Entscheidungen von der Bürokratie allein getroffen werden. Die neuen Bestimmungen treten in einem Augenblick in Kraft, in dem sich erstmals ein gewisses Ueberangebot an Neubauwohnungen bemerkbar macht. wenn! auch die Preise für diese Wohnungen selbst noch nicht zurückgegangen sind. Ihr guter Freund an kalten Tagen der CARLTON- MANTEL in moderner , und klassischer Form. 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