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Jüdische Wochenschau · 1965-07-02 · 2123 (2.7.1965) · p. [Seite 12]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2123 (2.7.1965)
Date
1965-07-02
Page
[Seite 12] (sequence 12)
Language
German, Spanish
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FRANQUEO PAGADO © A* o 5 03 Concesión 908 *- A, fc. O bf O U O TARIFA REDUCIDA < Concesión 1629 NA ISRAELITA EL EJEMPLAR en toda ta República PUEÏRREDON 2190 19 |*q. T. E. 83 2613 Aiio XXVI. BUENOS AIRES, VIERNES 2 DE JULIO OE Î965 N9 2123 Buenos Aires Probleme der jüdischen Welt! USA-Hilfe für Ägypten ” I Ufa^itinivi'An ria j QÍaI/i A a s» » rwlvn. n T Vorbein. d. R-: Wir veröf feilt liehen den nachstehenden Aritkel des Präsidenten der Zion ist isohen Weltorganisation und des Jiidisohen Weltkongresses zugleich im Zusammenhang mit der bevorstehenden Konferenz der Exekutive des JWK in Strass bürg, die Mitte Juli stattfin den wird. Bei der Konferenz werden die hier behandelten Probleme einen breiten Raum einneh» reu. Es geschieht häufig, dass der Ohatakter des Problems der russischen Juden entstellt wird, woraus sich un berechtigte Angriffe ergeben. Welche eine Losung nur vor- Bögern und sich zum Schaden der russischen Judenheit auswirken. Es handelt sich nicht um Verfolgung im gewöhnlichen Wortsinne, ob wohl es in vielen Gegenden Russlands Antisemitismus gibt und die Regierung von uns kritisiert werden muss, dass sie nicht energischer gegen die antijüdiscnen Zwischenfälle einschreitet, ganz besonders weil der AnfcisettHtismus nach dem so Wie tischen Strafgesetz ein Delikt ist. Wenn aber in irgendeiner Weise die Politik der Sowjetregierung mit der der Nazis verglichen wird so ist dies nicht nur eine Entstellung der Tatsachen sondern auoh ungerecht gegenüber der Sowjetunion, die hunderte Juden gerettet hat, Welche zu Beginn des Zweiten Weltkrieges vor Jen Nazis flohen. Das Problem ln Russland besteht nioht darin, dass man den Juden ihre Biirgerechte Verweigert oder ihnen die Möglichkeit vorenthält, sich ihren Lebensunterhalt zu von Dr. NACHUM GOLDMANN verdienen und akademische Berufe auszuüben; es besteht darin, dass man den Juden nicht die Möglichkeiten gibt, ihre jüdische Eigenart zu bewahren und das Leben einer religiösen und nationalen Minderheit zu führen, als die sie vor dem Gesetz aner kannt sind. Die Russen verteidigen sich mit der Behauptung, dass Üire Nationalitäten Politik in der Gewährung einer erheblichen Autonomie für die Minoritä ten, im besonderen auf dem Gebiet der Kultur, sich auf die Konzentration dieser Minderheiten in bestimmten Territorien stützt. Dies Ar gument entbehrt der Gültigkeit. denn diese Möglichkeiten werden viel kleineren Minderheiten als den Juden zugestanden wie z. B den Deutschen, von denen ein grosser Teil im Kriege mit den Nazis zusammenarbeite te. und die auch nicht auf einem Territorium konzentriert sondern über verschie dene Staaten der USSR ver teilt sind. Die Deutschen dürfen heute deutsche Schulen unterhalten. Ze’tungen in deutscher Sprache herausgeben und ihr eigenen Or i ganisationen besitzen. Dies j alles wird den Juden verweigert. Daher st es notwendig, dass die Judenhehen der Welt weiter die öffentliche I Meinung wachhalten, damit | der jüdischen Minoiität in j Russland die gleiche i?ehandj lung zuteil wird wie allen : anderen Minderheiten. Wir dürfen auch nicht hoffen, die Sowjetunion zu! einer Aenderung ihrer Po ■ litik durch Angriffe und exi tremistische Methoden zu Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ f!Dia VEREINTEN NATIONEN begingen ihren 20. Grün, dungstag mit einer Feier in San Francisco, auf der Präsident Lyndon B. Johnson zum Frieden in der Welt aufrief. — Aus SANTO DOMINGO wurden erneut schwere Kämpfe zwischen den rivalisierenden Parteien gemeldet. — PEKINGS Regierung lehnte es ebenso wie Nordvietnam ab, eine Friedenskommission von Delegierten aus dem Britisciien Commonwealth zu empfangen. — OSTDEUTSCHE Flugzeuge drangen in den westdeutschen Luftraum ein, was zu neuen Auseinandersetzungen und Spannungen führte. — JUNGE OFFIZIERE in Brasilien kritisierten die Regierung des Marschalls Castello Blanco. — PAPST PAUL VI. ermahnte erneut die Staatsmänner, für eine friedliche Beilegung der Konflikte zu sorgen und eine weitere Verschärfung der Lage zu vermeiden. — JAPAN und SUEDKOREA stellten normale Beziehungen her, was zu Demonstrationen gegen die Regierungen in beiden Ländern führte. — Das ENGLISCHE PARLAMENT (Oberhaus und Unterhaus) beging die Feier seines 700jährigen Bestehens. — WLADISLAW GOMULKA, der Chef der KP in Polen, ist schwer erkrankt; er batte seinerzeit einen antistalini Stischen Kurs in Polen durchgesetzt. — Der SCHAH VON PERSIEN besuchte mit seiner Gattin Moskau, wo er mit den führenden Persönlichkeiten „freundschaftliche Gespräche“' geführt hat. — Für den NOBELPREIS für Literatur wurde neben zwei lateinamerikanischen Kandidaten der hebräische Dichter und Scliriftsteller J. Agnon (Israel) vorgeschlagen. — DER KREML beschuldigte in harten Attacken die Chinesen, die russischen Versuche zur Einigung der kommunistischen Welt zu stören. — OHOU EN-LAI, Rofcehinas Premier, hielt neue Konferenzen mit Nasser ab. — Ein NEUES FLUGZEUG, das bei einer Geschwindigkeit von 600 km pro Stunde 2.000 Passagiere befördern kann, wollen die Russen bauen. — GEORGE KENNAN, einst amerikanischer Botschafter in Russland, der von Stalin ausge wiesen, wurde, ist jetzt durch Gromyko dekoriert worden. —• zwingen, denen sich eine Grossmacht bestimmt nicht beugen wird. Unsere einzige Hoffnung ist es, die Unterstützung von Persönlichkeiten und Gruppen zu gewin nen, deren Meinung von der sowjetischen Regierung respektiert wird, und mit dieser Regierung Kontakte zu suchen, um sie zu überzeugen, dass sie gegen ihre eigenen Interessen handelt, wenn sie die heutige Politik fortsetzt und hiermit Millionen von Juden und Nichtjuden verstimmt, welche an das heili ge Recht der sowjetischen Juden glauben, ihre Eigenart zu verteidigen, ihre Beziehungen mit dem jüdischen Volk in der Welt aufrechtzuerhalten und die Erlaubnis zu erlangen, sich mit ihren Familien in Israel und anderen Ländern zu vereinigen, falls sie diesen Wunsch hegen. BOURGUIBA UND DIE ARABISCHE FRAGE Die kiirzliche Erklärung des tunesischen Präsidenten Habib Bourguiba über die arabisch - israelische Frage war zweifellos unter den waltenden Umständen ein tapferes Bekenntnis. Ich habe mit Befriedigung davon vernommen, obwohl die Vorschläge in der Form, in der sie gemacht wurden, nioht annehmbar sind. Wichtig ist, dass ein angesehener arabi scher Politiker, einer der populärsten Führer seines Landes. es gewagt hat. der arabischen Welt öffentlich zu sagen, dass es notwendig ist. die Existenz des Staates Is rael als vollendete Tatsache anzuerkennen, politische Wege zu einer Normalisierung ihrer Beziehungen zum jüdischen Staat zu suohen und das Problem der arabischen Flüchtlinge zu lösen, anstatt an dem Gedanken eines Vernichtungskrieges fsstzuhalten. der ebenso illusorisch wie unmoralisch wäie Ich bezweifle nicht, dass viele arabische Politiker in ihrem Innern ebenso denken aber nicht wagen, dies öffentlich einzugest.ehen. weil sie nicht den Mut haben, den Bourguiba besitzt. Die Zeit ist gekommen, die Atmosohäre für arabisch-israelische Gespräche vorzu Deutsche Richter warnen Bonn. — Der Verband deutscher Richter in Berlin warnte in einem Beschluss vor jedweder Las sigkeit in der Aburteilung der nazistischen Kriegs Verbrecher. Sie kritisierten die im Bundestag eingebrachten Vorschläge, Gesetze anzunehmen, um zwischen „grössere“ und „kleineren“ Kriegsverbrechern zu unterscheiden, wodurch die lokalen Staatsanwaltschaften befugt wären, „kleinere Nazis“ freizusprechen. Es ist unmöglich, so betonen die Richter, zwischen schwereren und weniger schweren Naziverbrechen einen Trennungsstrich zu ziehen. (ITA) bereiten, damit diese später stattfinden können. Eis genügt nichLmit verschränkten Auren darauf zu hoffen, dass eine neue Generation von Arabern heranwächst, die bereit wäre, die Existenz Israels zu akzeptieren. Und niemand kann Voraussagen, ob die Zeit in diesem Sinne für eine friedliche Lösung arbeitet. Israel töte gut, die jüdischen Gemeinden der Diaspora für dieses Problem zu interessieren, besonders dort, wo grosse arabische Gemeinschaften leben, die durch viele Jahre mit den jüdischen Gemeinschaften herzliche Beziehungen unterhalten haben. Ich beziehe mich hier im besonderen auf die südamerikanischen Länder. Eis besteht die Gefahr, dass der Konflikt zwischen Arabern und Israel sich in einen Streit zwischen Arabern und Juden verwandelt. Von einem historischen Standpunkt aus wäre dies ein grosses Unglück. Historisch war die Begegnung zwischen dem jüdischen und dem arabischen Volk eine der fruchtbarsten und fried lichsten in unserer Geschichte. Das Zusammenleben dieser beiden Völker war herzlicher und nützlicher als mit anderen Völkern und Zivilisationen. Der offene Konflikt zwischen Arabern und Juden oder die Situation, dass die Araber sich in eine Vorhut der neonazistischen Bewegungen verwandeln würden, wäre eine Verneinung der Vergangenheit und würde die Tradition einer jahrhundertalten Freundschaft zwischen diesen beiden Völkern zerstören. Natürlich können die Juden ausserhalb Israels keine Verhandlungen für Israel einleiten; die konkreten Probleme müssten zu gegebener Zeit zwischen den interessierten Staaten diskutiert werden. Aber das jüdische Volk könnte mit Unterstützung vieler nicht jüdischer, liberal denkender Menschen guten Willens helfen, eine günstige Atmosphä- | re und eine psychologische | Bas;s zu schaffen, auf der dij rekte Kontakt zwischen Isj rael und den Arabern auf-; genommen werden könnten. JUEDISCH-DEUTSCHE BEZIEHUNGEN Was das deutsch-jüdische Problem angeht, so will Deutschland seine Beziehungen mit Israel normalisie ren. Die Verjährungsfrist für NS-Verbrechen ist um weitere viereinhalb Jahre verlängert worden. Obwohl dies weit entfernt davon ist, für uns befriedigend zu sein, so ist die unmittelbare Schwierigkeit eliminiert worden Das Entschädigungs Gesetz wurde vor einigen Tagen auch angenommen. Auch hier befriedigt die Lösung nicht alle Ansprüche der jüdischen Opfer der Naziverfolgungen, aber es sieht Fonds (über eine Milliarde Dollar) vor, damit die dringendsten Ansprüche der Opfer gedeckt werden können. Aber die Lösung konkreter Fragen , hat das grosse geschichtliche Problem der Beziehungen zwischen Deutschland und dem jüdischen Volk nicht bewältigt, das Washington: — Das Stale Department kündigte an, dass Präsident Johnson “erachtet. es liege im Interesse der Vereinigten Staaten, die Aegypten aufgrund des Gesetzes Nr. 480 (Nahrungsmittel für den Frieden) gemachten Zusagen zu erfüllen”. Wie das state Department betont, hat Aegypten versprochen, ‘‘die zwischen beiden Ländern bestehenden Streitfragen im Wege von Unterhaltungen zur gegenseitigen Zufriedenheit zu bereinigen-’. Man glaubt, dass dieses neue Uebereinkommen wieder eine Welle von Protesten auslösen dürfte, da verschiedene Parlamentarier enthüllt haben, dass die Aegypter ihre eigene Reisernte nach Rot China und Kuba verschifften. Der Sprecher des State Department Robert McCloskey erklärte, die Hilfe für Aegypten sei wieder aufgenommen worden, weil ‘‘seit der Einstellung der Hilfeleistung vor sechs Monaten eine entschiedene Besserung in unseren Beziehungen mit der Vereinigten Arabischen Republik eingetreten ist.” Mccioskey und andere hohe Beamte erwähnten unter den Dingen, die sie als “besseres Verhalten“ Aegyptens betrachten, das grössere Verantwortungsbewusstsein, welches Nasser in letzter Zeit beweise ... PROTEST DER KRIEGS¬ VETERANEN Washington: — Die Mitteilung des State Department, dass die „bessere Führung” Nassers in den letzten sechs Monaten die USA veranlasst haben, Aegypten Lebensmittel im Wert von 37 Millionen Bol-!»r bereitzustellen, löste den energischen Protest der Jüdischen Kriegsveteranen aus. Kommandant Ralph Plofsky erklärte: ‘‘Der für diese Ankündigung gewählte Augenblick ist recht eigenartig, denn wir haben gerade erfahren, dass Aegypten Reis an Rotchina und Kuba geschickt hat und nun seine häuslichen Bedürfnisse mit nordamerikanischen Lebensmitteln deckt.’’ Plofsky fragt: “Ist dies der Beweis für das gute Benehmen Nassers? Hat er gut daran getan, andere arabische Staaten zu veranlassen, die Beziehungen mit Westdeutschland abzubrechen, um Bonn von der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel abzuhalten? Oder bekommt Nasser eine Prämie. weil er gerade zu dieser Zeit deutsche kommunistische Politiker zu sich einlud?” Auch ‘‘die allerletzte und heftige Reaktion Nassers auf die Aufforderung des tunesischen Präsidenten zu einem arabisch-israelischen Frieden’’ erwähnt Plofsky. Er weist ferner auf die Unterstützung hin. die Nasser dem Vietkong leiht sowie aut dessen Sympathie für die antinordamerikanischen E3emente in der Dominikanischen Republik. “Aber”, so fügt er hinzu, “vielleicht belohnen wir Nasser dafür, dass er in den letzten sechs Monaten keine amerikanische Botschaft angesteckt oder keine amerikanische Bibliothek verbrannt hat.’’ (ITA) durch das beispiellose Verbrechen entstanden ist, welches die Nazis gegen Millionen Juden begangen haben- Die Lösung dieses Problems wird eine lange Zeit beanspruchen, Kein anständiger Deutscher erwartet, dass das jüdische Volk das Vorgefallene vergessen oder verzeihen kann. Aber andererseits, da auch Israel ein Interesse hat, seine Beziehungen mit Deutschland normal zu gestalten, kann das jüdische Volk nicht die Tatsache der Ebcistenz eines Neuen Deutschland übersehen, das nicht von den Nazis beherrscht wird und das ständig mächtiger wird. Es ist ein verwickeltes und delikates Problme, das beide Teile mit der grössten Feinfühligkeit, gutem Willen und Takt behandeln müssen. Dieses Problem wird ebenso wie die Frage der jüdisch arabischen Beziehungen in seinem ganzen historischen Umfang im Laufe der Plenarsitzungen der Exekuti ve des Jüdischen Weltkongresses auf seiner baldigen Tagung in Strassburg behandelt werden. ★ Abschliessend möchte ich noch einige Worte über die Stiftung für Jüdische Kultur und Erziehung sagen, die vor einigen Wochen auf einer Konferenz in Genf formell gegründet worden ist. Das grösste Problem des Ueberlebens des jüdischen Deutsche Studenten Mainz: — Die Delegierten der Studentenschaften der Universitäten und wissenschaftlichen Hochschulen in der Bundesrepublik und Westberlin stellten auf ihrer Mitgliederversammlung in Mainz fest, dass eine gründliche Analyse des Nationalsozialismus und des Faschismus sowie der deutschen Universitäts- und Bildungstradition notwendig sei, um Zusammenhänge zu erkennen und Unterscheidungen treffen zu können. Volkes besteht heute in erster Linie darin, den inneren Zerfall und die Assimilation zu verhindern. Hier liegt eine kiritischere Gefahr als die der äusseren Bedrohungen und Angriffe. Das wichtigste Problem des jüdischen Lebens bildet seine Kultur und Erziehung. Daher ist die Institution von so ungeheurer Wichtigkeit, die wir mit der Teilnahme von 35 Orga-! nisationen aus allen Ländern gegründet haben, in denen al>e ideologischen Strömungen und religiösen und kulturellen jüdischen Tendenzen vertreten sind. Dies bedeutet ein gemeinsames Programm, ein Forum, in dem alle wichtigen Probleme des Ueberlebens unseres Volkes und die unter den einzelnen Gruppen bestehenden Divergenzen zur Sprache gelangen können. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA Registro do IÁ Propiedad intelectual W» Rivadavla 831

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