Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1965-07-02 · 2123 (2.7.1965) · p. [Seite 11]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2123 (2.7.1965)
Date
1965-07-02
Page
[Seite 11] (sequence 11)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9616703-9614788-9615051--3939-9615062
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

g — Viernes, 2 de Julio de 1965 LA SEMANA ISRAELITA Año XXVI. — N? 2123 Ohne jeden Widerstand? . . _ «ronúort ÍMt,. (Schluss von Seite 1) dem Schlachtfeld mutig gekämpft hatten, plötzlich Feiglinge geworden, und hatten sich umgekehrt die indischen KZ-Gefangenen aus Feiglingen zu Heroen entwickelt? — Mit diesen einfachen ‘Erklärungen’ kann man nicht zur Erkenntnis historischer Wahrheiten gelangen. Manche die von den in Naziklauen befindlichen Juden als Feiglinge sprechen, um den Vorwurf, es sei kein Widerstand geleistet worden, in einem Wort zusammenzufassen. haben den Terror der Diktatur und seine Schreckwirkungen vergessen; sie übersehen aus irgendwelchen Gründen, und sei es nur aus Unwissen oder Einfalt, wie eine ganze Welt unter den Marschtritten des Dritten Reiches in sich zusammensank. Sie wollen es offenbar nicht wahr haben, dass der Widerstand der im Ghetto eingeschlossenen, ausgehungerten, unbewaffneten und sich selbst hoffnungslos überlassenen Juden länger gedauert hat, als der Kampf der Holländer, der Belgier, der Norwegerja selbst der Franzosen und der Polen, einem Lande, wo es wenigstens keinen “Quisling’’ gegeben hat. Auch alle diese Länder beklagen zahllose Opfer nazistischer Willkür und Mord lust. Haben die Polen einen offenen Widerstand gegen die Vernichtung ihrer Intelligenz organisiert, obwohl ihnen ganz andere Möglichkeiten als den Juden zur Verfügung gestanden haben? Waren sie Feiglinge? Haben sie. sich wie Schafe zur : Schlachtbank führen lassen? Dieses Wort stammt von dem bekannten englischen Historiker Prof. H. R. Trevor-Roper; auch er war offensichtlich der Auffassung, Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON >'190 1? izq. nachm, 16—19 Uhr Telefon: -6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T E. 49-5850 PROPIEDADES FRANKENBERG S. R. L. jerät Sie kostenlos u-„d inverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEOSERN VIRREV DE1 PINO 2262 T. E. 73-7887 dass die Juden ieige gewesen seien, die keinen Widerstand gegen Hitler und das Dritte Reich geleistet haben. Er schrieb: ‘“Die Juden sind wie Schafe zur Schlachtbank gegangen ... Sie folgten dem Geheiss ihrer Führer, reagierten entsprechend ihrer natürlichen Geistesverfassung und wirkten an der Vernichtung ihrer selbst mit.’’ Aber der gleiche Professor ist voller Bewunderung und Lobes für die Juden in Israel, obwohl es Tausende der Verfolgten gewesen sind, die an Israels Befreiung mitkämpften. Kritiklos schreibt er von diesen Menschen, sie seien feige in den Verfolgungen und heroisoh-tapfej im Befreiungskrieg gewesen. Diese Bewertung und Beurteilung des menschlichpersönlichen Verhaltens der gleichen Menschen während verschiedener Epochen ihres Lebens geschah ohne eine tiefere Kenntnis der wirklichen Kräfte, der äusseren wie der inneren Gegebenheiten. Die Lage aller Gefangenen Hitlers war eine in ihrer Ungewöhnlichkeit absurde, einmalig - hoffnungslos und ohne Ausweg. Sie war entwürdigend und entmutigend, und die Menschen wussten dies in ihrer überwiegenden Mehrheit. Sie besessen einen gleich grossen inneren Stolz, dasselbe Gefühl für Menschenwürde wie jeder andere, der frei ist, wie alle die kleinmütigen Kritiker der Unglücklichen, die ihnen nicht tapfer genug gewesen sind. Aber gerade das wurde in ihnen zuerst abgetötet, zertreten, entehrt. Die seelische Widerstandskraft erlahmte unter den Peitschen der SS, unter den ungeheuerlichen Grausamkeiten, die wir nicht immer wiederholen wollen, die aber bei der Beurteilung dieser unglückseligen Situation der Verfolgten immer berücksichtigt werden muss. Die Tragödie der Juden ist auch nur zu verstehen, wenn man das Verhalten der nichtjüdischen Bevölkerung gerade dort, wo es jüdische Massensiediung gab, weitgehend in Rechnung stellt. Ohne Zweifel will man manches, was gewesen ist, nicht mehr wahr haben. Auch dafür könnten wir Verständnis aufbringen, wo es mit dem Gefühl der Reue oder der Scham oder mit Worten des ERSTKLASSIGER MITTAGSTISCH in privatem gepflegten Haushalt, deutsche und Wiener Küche. Pleno One*. Telef. Auskunft von 11—13 Uhr 97-8035 JUDITH SCHENK OLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdeckeü TaJJiebeutel Käppchen Mar zot-Taschen Hand und Maschkienstickerei von Bett- und Tiscnwäscn« Dr. P. I. RIVERA 258i (fr Bebedero) T. E 73-9155 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76-0286 73-1049 Bekenntnisses gepaart ist Aber selbst solche menschlichen Gefühle können doch an dem historischen Ablauf des Schreckens nichts ändern. Schabbetai. der selbst Verfolgte, spricht von fünf Gruppen, in die man die Völker der von Hitler besetzten Länder in ihrem Verhältnis zu den Juden einteilen könne. Sicherlich kann man diese Theorie auch auf Deutschland selbst anwenden. Die erste Gruppe seien die aktiven Judenfeinde gewesen, die sich aus freiem Entschluss und mit offenbarer Lust vor den Hitler-Karren haben spannen lassen. In diese Kategorie gehören auch diejenigen, die im übrigen Gegner des Dritten Reiches waren. Hierüber schreibt Schabbetai: “So war es z. B. in Polen bei der polnischen, nationalen Untergrundbewegung. die den Namen “Armia Krajowa’ (etwa “das Binnen-Heer”) trug. Dasselbe galt für die westliche Ukraine, d. h. Ostgalizien und Wolhynien. Nachdem die organisierten ukrainischen Nazis, deren Bewegung von Bandera begründet worden war, aus ihrem naiven und törichten Traum, Hitler werde ihnen einen freien ukrainischen Staat zum Geschenk machen, zur rauhen Wirklichkeit erwacht waren, brachen sie die Kollaboration mit den Deutschen ab und begannen sie sogar insgeheim zu bekämpfen. Doch gleichzeitig fuhren sie fort, Juden, wo immer es ihnen möglich war, aufzugreifen (bitte die Formulierung ■‘aufzugreifen’’ zu beachten, J. G.) und zu löten; sie taten das von sich aus, ohne deutsche Beihilfe, aber mit dem gleichen Ziel: die Juden als Volk zu vernichten, zu vertilgen, nicht nur Männer, sondern ebenso Flauen und Kinder’’. — Das war die eine, die erste Kategorie. Die nächste waren diejenigen, die ebenfalss in allen von Hitler besetzten, wir können sagen: beherrschten Ländern zu treffen waren: die passiven Judenfeinde. Sie besudelten ihre Hände nicht mit Blut. aber sie waren durchaus dafür, dass es andere taten; sie hatten auch nichts gegen Gaskammern und Krematorien einzuwenden. Sie hätten keinem Juden geholfen, auch wenn sie es gekonnt hätten. Die sogenannten Neutralen, die dritte Gruppe, waren diejenigendie sich nur um sich kümmerten; sie nahmen von den Judenverfolgungen keine Kenntnis. Auch sie hätten keinem Juden geholfen, schon deshalb nicht, weil dies sie selbst gefährdet hätte. Die vierte Gruppe sind die passiven Judenfreunde mit JACOB LAPIDUS dip). Mohel NEUE ADRESSE V1AMONTE 2037 4” 8 46-1716 und 48-2124 MOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 T. E. 76-6784 n. 76-2312 ai? Bekanntlich hat, David Ben Gurion Debatten geführt und an seine eigene Partei Forderungen gestellt die nicht erfüllt werden konnten. Hierzu teilt jetzt 1* vi Eshkol mit. dass allem Anschein nach die Spaltung der Mapai vennieden worden ist. Br dankte bei dieser Gelegenheit General Mosche Dajan für seinen Beitrag zur Abwendung dieser Gefahr. So wird also Genera) Dajan bei den kommenden November wählen nicht getrennt als Kandidat auftre ten, da er es vorzieht, innerhalb der Partei den Kampf weiterzuführen. Doch der Entschluss der Ben Gurion günstig gesinnten Minderheit in der Fraktion ist noch nicht endgültig gefasst worden. Ben Gurion scheint allerdings den Optimismus seines Nachfolgers Eshkol nicht zu teilen und kündigte an, dass er weiter die Aufstellung einer separaten IJste durchzusetzen gewillt sei. LA SEMANA ISRAELITA Semanario — apareo* los Viernes Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Amoldo W. B. Swarsensky Pueyrredbn 2190 1» izq. T. E. 83 2613 Abono-Prelse: Argentinien: $ 500— - pro Jahr Aus). $ 800,— jährl. verschiedenen Graden der Hilfsbereitschaft. In normalen Zeiten hätten sich diese Leute gegen jede Art antisemitischer Gewaltakte ausgesprochen. Sie blieben untätig, schon weil sie selbst die ihnen möglicherweise drohende Gefahr fürchteten. Sie rückten “nur innerlich", wie ich das ausdrücken möchte, von den nazistischen Gewalttaten ab. Die letzte, fünfte Gruppe umfasst die tätigen Freunde der Juden, ‘‘jene Handvoll wahrer Vertreter der Menschenwürde, vom schlage der Glaubensmärtyrer und echten Helden, von denen es einen einzigen in einer Stajt oder zwei in einer Provinz gegeben hat; diese Auserwählten haben ihre Liebe zum Menschen, ihr menschliches Verhältnis zum Juden, ihren Abscheu vor den siegreichen Mördern und ihre Verurteilung jeglicher Art von Mord, vor allem vom Massenmord, — in aktive Hilfe für die Opfer umgesetzt, ohne alle Rücksicht auf ’ eigene Sicherheit", schreibt Schabbetai. Die Situation in allen Ländern rechtfertige diese Gruppenaufteilung. Der Unterschied — und das ist wesentlich — lag in der Stacke dieser Gruppen in den verschiedenen Ländern, als deren Extrem auf der anderen Seite das wunderbare Verhalten der dänischen Bevölkerung hervorgehoben wird, während auf der Negativseite die Ukraine sich hervorgetan habe. Hätten sich die Bevölkerungen in den anderen Ländern so verhalten, wie etwa in Dänemark, Italien, Frankreich oder Belgien, die Zahl der Geretteten wäre bedeutend grösser gewesen. Es gibt eben keinen erfolgversprechenden Widerstand im luftleeren Raum. — Wir wollen nicht auf die Debatte eingehen, ob es sinnvoll oder möglich gewesen wäre, einen Widerstand sofort zu organisieren, als die Nazis zur Macht kamen. Heute hat diese Frage einen rein theoretischen Charakter. Gewiss hätte die Reichs ■ wehr sieh wideTsetzen und eine Herrschaft des Mobs verhindern können. Gewiss hätten die Sozis und andere sic anders verhalten können, als sie es einmal getan Dr. ZAHNARZT ESTOMBA 2283 52 821 ’ RAYOS X PARADENTOSE TELEF VORA NMELDUNG BERNARDO STERN Ausführung saemtlicher MALERARBEITEN haben. Hätten, würden, könnten ... usw. — das sind posthum aufgestellte Hypothesen. Weder Franzosen, noch Amerikaner, weder die Kommunisten noch die Engländer rührten sich. Sie waren es. die alle gemeinsam oder für sich Hitler bewaffneten und ihm Kredit gaben, der durch das von deutschen Katholiken bekämpfte Konkordat sogar politisch hoffähig gemacht wurde. Das alles sind Tatsachen, die niemand bestreiten kann. Unter diesen Gesichtspunkten betrachtet war das jüdische Volk das erste, das Widerstand leistete, das warnte, das protestierte, das die freie Welt gegen Barbarei und Unrecht aufrief. Es war vergebens. Den Juden aber nachträglich den Vorwurf — offen oder versteckt — zu machen, sie seien feige gewesen, ist ein offenes Unrecht. aber auch ein grosser Irrtum. Dieses Kapitel kann man nur abschliessen mit jenem Hinweis Schabbetais, dass es unter den sechs Millionen Juden keinen einzigen gegeben hat. “dem der Gedanke kommen konnte’’, gegen ihn würde einst der Vorwurf erhoben werden, er sei feige gewesen und habe sich nient genug gewehrt, und dazu noch dieser Vorwurf von seinen eigenen jüdischen Brüdern; “Von solchen, die weder durch ihre Klugheit noch durch ihre Tapferkeit vor den Gaskammern bewahrt worden sind, sondern nur durch ihr Glück, das sie an einen Ort verschlagen hatte, wo Hitlers Arm nicht hinreichte!” — ENFERMEDADES DE LOS HUESOS y ARTICULACIONES — RADIOGRAFIAS Prof. Dr. BLUMENFELD Pro#, de la Facultid, Jefe del Servicio de Ortopedia y Traumatología del Hospital Israelita. Trasladó su consultorio a J. E. URIBURU 285 T. E. 47 5875 — 41-2331 y 41 2240 Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO ENFERMEDADES CARDIOVASCULARES APARATO CIRCULATORIO Médico del Hospital Fernández CUBA 2141 — T. E. 73-8782 u. 73-6817 Consultas: wochentags von 15—18 Uhr Donnerstag keine Sprechstunde Sonnabend: 14—-16 Uhr HELGUERA 1915 T. E. 58-4052 Enfermedades Cardiovasculares Aparato Circulatorio Dr. SAUL UMANSKY Sarmiento 3116 T. E. 87-1362 Dr. BENJAMIN LIPNIZKY ZAHNARZT ROENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — BE¬ HANDLUNG MIT GASBETAEUBUNG - REGU¬ LIERUNG DER ZAHNSTELLUNG Sprechstunden. Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung. JOSE HERN ANDEZ 2518. T.E. 76 8673 u. 73-0500 Dr. L. KLEIN - Médico Magen- und Darmkrankheiten Roentgen-Untersuchungen ■ SPRECHSTUNDEN: Montag, Dienstag, Mittwoch u. Freitag von 15—19 Uhr Es wird gebeten sieb vorher telefonisch anzumelden. SANTA FE 1391 T. E. 44 9493 u. 44-1542

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.