Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2120 (11.6.1965)
- Date
- 1965-06-11
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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« I FRANQUEO PAGADO k 80 Concesión 908 o ~ ■= SEMANA ISRAELITA 1 Arw, YY VI RUEMOS iIRrs VtcRNES 11 11 xmum nr inee EL EJEMPLAR in. en toda la República PUEVRREDON 2190 I» teq. T. E. 83 2613 Buenos Aires r? — tun TARIFA REDUCIDA 1 Concesión 1629 - - ---x,. ' xxx, -x ’.v, xxx. Nassers Plaene scheiterten\mek in die We,t Langsam sickern Nachrichten über das Scheitern hochfliegeii--«^ ägyptischer Pläne durch. Wir bringen nachstehend einen Bericht des Korrespondenten der „Welt“, der die „Umschaltung-“ deutscher Fachleute vom F’ug zeugauf den Raketen-Bau schildert. Irr dem ägyptischen Flugzeugwerk Heluan wird neuerdings ein Teil der Anlagen für die Herstellung der Mittelstrecken - Raketen eingesetzt: vor allem Raketen- Mäntel werden produziert. Deutsche Flugzeugtechniker wurden abgestellt, um an der Verbesserung des Raketen. Lenksystems zu arbeiten. Ihre Einwände, dass sie nicht zur Raketenproduktion verpflichtet werden könnten, da ihre Arbeitsverträge das nicht vorsehen, wurden von der ägyptischen Werkleitung mit Hinweisen auf „militärische Notwendigkeiten“ abgelehnt. Die teilweise Produktion I von Raketenteilen in Heluan ■ und die verstärkte Arbeit an Raketen-Lenksystemen sind! eine Folge der seit fünf Jahren vergeblichen Versuche, 1 einen Düsenjäger mit Ueberschallgeschwindigkeit zu entwickeln. Da noch nicht abzusehen ist, ob überhaupt! und wann dieser Jäger und das Triebwerk produktions-; und serienreif werden, geht ' die ägyptische Luftwaffe da- : zu über, die Produktion der j militärischen Mittelstrekkenraketen im Werk Heluan zu verbessern. Die deutschen Raketenforscher um Professor Pilz können sich daher mehr den Arbeiten an einer Weltraumrakete widmen, deren Start schon vor zwei Jahren angekündigf1 worden ist. h. Im Flugzeugwerk^-Heluan! sind Rumpf, Leitwerk und : Tragflächen für den Düsenjäger nach mehrmaligen I Neukonstruktionen zwar einigermassen produktionsreif ■ aber nicht das Triebwerk EIN ZEUGE BRICHT ZUSAMMEN Erstdreizehn Jahre alt war der newyorker Dekorateur Josef Wasser, als er im Juli 1942 mit seiner Familie aus dem polnischen Städtchen Kielce in das Vernich, tungslager Treblinka am Bug deportiert wurde. Was er am 55. Verhandlungstag des Düsseldorfer Schwurgerichtsprozesses gegen die Wachmannschaft dieses Lagers berichtete, übertrifft alle bisher gehörten Schilderungen. Nur zwei Wochen war der Zeuge im Lager, dann konnte er — in einem Kleidertransport versteckt ■— flüchten. In diesen zwej Wochen hat sich bei ihm das Bild des Stellvertretenden Lagerkommandanten Franz so stark eingeprägt dass er den Angeklagten nach mehr als 22 Jahren vor Gericht sofort identifizierte. Die Gegenüberstellung führte bei dem Zeugen zu einem Zusammenbruch, unter dem er auch nach einer Verhandlungspause während seiner zrweistündgien Vernehmung noch litt- Wasser hat in Treblinka nichts anderes erlebt als Franz, Durst und Leichen. Sechs Tage war der Transport von Kielce nach Treblinka unterwegs, ohne Wasser und Verpflegung Auf der Rampe des Vernichtungslagers wurde den Juden das Wasser ebenfalls verweigert. Man sagte ihnen. sie würden ohnehin zum Baden geführt Auf dem Weg in die Gaskammern flüchtete der Zeuge unter Maschanengewehrfeuer durch einen Stachel, droht in das Arbeitslager Dort mischte er sich unter ein Hiiftlingskommando das tagelang Leichen vom .Auf fangn'atz in die Gruben schaffte- Diese Aussage erhärtet Bekundungen frühe rer Zeugen: Ende Juli kamen so viele Transporte in Treblinka an, dass die Gaskammern stets überfüllt waren. Die SS liesst die Menschen, .die man nicht sofort vergasen konnte, reihenvei se erschlossen und in Leichengruben schaffen, die eilends von grossen Baggern ausgehoben wurden. Hochschwangere Mütter. sagt Wasser, hätten auf dem Auf fangplatz Kinder geboren. Auch sie habe man unver züglich in die Gruben geworfen. Der Zeuge beschuldigt Franz, eine Jüdin mit der Peitsche niedergeschlagen und anschliessend totgetreten zu haben, weil sie sich in Männerkleidung einem Arbeitskommando angeschlossen hatte, um überle ben zu können- Er sagt, Franz habe bei einer anderen Gelegenheit den Arbeitshäftlingen geholfen, eine ältere Frau und zwei Kinder noch lebend in eine Lei. chengrube zu werfen, in der ununterbrochen ein Feuer brannte. Es ist das Feuer, auf dem der am Vortag vernommene Zeuge Weissberg sich in seiner Not Erbsensuppe kochte. Für die Staatsanwaltschaft ist der Zeuge Wasser, von den schweren Beschuldigungen gegen Franz abgesehen, noch aus einem an. deren Grunde wichtig. Er gibt an, dass Franz schon Ende Juli in Treblinka gewesen sei. Der Angeklagte bestreitet das nach wie vor mit der Behauptung, er sei erst im Spätherbst in das Lager gekommen. Wasser erklärt demgegenüber in präzisen Einzelheiten, wie er Franz aus den Juli-Wo. chen 1942 in Erinnerung hat Der Zeuge hielt ihn für den Kommandanten. Diesem Irr tum sind schon mehrere Zeugen in Düsseldorf erlegen. Der Irrtum fusst auf den übereinstimmenden Beobachtungen ehemaliger Häftlinge, die den damaligen Oberscharführer ständig kommandierend an der Rampe und auf dem Auffangplatz erlebt haben. Auch einige Mitangeklagte haben in diesem- Verfahren bestätigt, dass Franz sich um alles kümmerte, während Kommandant Eberl und dessen Nachfeier Stangl relativ selten im T-ager zu sehen waren/. Nach fünfjährigen Entwicklungsarbeiten ist es dem österreichischen Chefplaner Brandner noch nicht ge'un. gen. ein serienreifes Triebwerk für die versprochene Geschwindigkeit herzustellen, obwohl in der letzten Zeit auffällig viele französische Vorlagen verwendet werden. Das Triebwerk ist bisher kaum vom Prüfstand heruntergekommen, wo es nur einen Teil der Erwartungen erfüllte. Deutsche Techniker in Heluan bezeichnen das Brandner - Triebwerk bereits als fragwürdig. Da jedoch hohe ägyptische Offiziere in die Entwicklungsarbeiten eingespannt sind und Brandner noch die Fürsprache des Luftmarschalls Sidky Machmud geniesst, dringt die Angelegenheit im Detail nicht an die Oeffentlichkeit. Doch glauben die kritisch eingestellten deutschen Techniker in He’uan mit Ausnahme der Freunde und Verwandten Brandners nicht mehr an einen original ägyptischen Ueberschall . Jäger. Selbst ältere westliche und russische Modelle seien heute schon dem geplanten ägyptischen Jäger weit überlegen. heisst es in Heluan. Auf dieses Scheitern der ehrgeizigen Flugzeugpläne der Aegvpter weisen die zu- | ständigen Beobachter hin, wenn jetzt in Kairo sogar Pläne zur Ausbildung von 1 Kosmonauten veröffentlicht i werden. Offenbar will Kairo [ durch eine derartige Propa. ' ganda die arabische und i afrikanische Welt glauben machen, dass sich Aegypter j in naher Zukunft an der Br oberung des Weltraums beteiligen könnten. Sachverj ständige erachten jedoch . höchstens den Abschuss ei. ner von Professor Pilz ent- wickelten Raumrakete mit i einem Kleinsatelliten für | möglich. Sonst fehlen den Aegyptern alle Voraussetzungen I für einen wirklichen Vorstoss in den Weltraum: die Gelder, die Rakete mit der nötigen Schubkraft, die elektronischen Rechenzentren, die ausgebildeten Techniker, die Raumfahrtmediziner und eine eigene Industrie. Auch heute noch werden bei der Flugzeugentwicklung und im militärischen Raketenbau fast nur Erzeugnisse westlicher oder östlicher Industriestaaten verwendet. Und wenn die deutschen, österreichischen oder spanischen Ingenieure und Techniker nach Hause gingen, würden auch diese Experimente und die Produktion trotz aller gegenteiligen Versicherungen bald zusammenbrechen Lampenschirme aas Menschenhaut j Der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in | Deutschland, Professor Dr. 1 Herbert Lewin, hat bei einer I Veranstaltung der Gesell- | 6chaft für christlich-jüdi- , sehe Zusammenarbeit in Of- | fenbach am Main dazu auf- | gefordert, Lampenschirme : aus präparierter Menschen- ■ haut und andere makabre Relikte der KZ-Epoche, soweit sie sich noch im Besitz! von Deutschen befinden, an die jüdischer^ Gemeinden zu rückzugeben. Zwanzig Jahre nach Kriegsende sei es an der Zeit, dass diese Menschenteile endlich, wie es der jüdische Ritus vorschreibe. ordnungsgemäss bestattet würden. Prof. Lewin, der Leiter der Frauenklinik am Offen- Revision eingelegt Augsburg. — Die Staatsanwaltschaft hat gegen das Urteil im Mordprozess gegen den 51jährigen augsburger Bauingenieur und ehemaligen SS - Hauptsturmführer Günter Waltz Revision eingelegt. Waltz war wegen Mordes zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilt worden- Waltz hat nach den Feststellungen des Gerichts in der Zeit von Oktober 1941 bis Februar 1942 in Polen als Hauptmann der Schutzpolizei siebzig Juden vorsätzlich und aus niedrigen Beweggründen erschossen oder den Befehl zu ihrer Erschiessung gegeben Der Staatsanwalt hatte viermal lebenslänglich für Waltz gefordert (AWZ) | bacher Stadtkrankenhaus ist berichtete, ihm sei von verschiedenen Seiten bestätigt worden, dass sich noch eine erhebliche Zahl von Lam- | penschirmen und anderen ‘‘Gebrauchsgegenständen”, die in Konzentrationslagern aus Menschenteilen hergestellt worden seien, in privatem Besitz befänden. Oft handle es sich bei den lesitzern um Deutsche, die selbst nicht an der Vernichtung in den Konzentrationslagern beteiligt gewesen. sondern durch Zufall in den Besitz der Dinge gekommen seien. Lewin sagte: “Die SS-Leute haben mit den Sachen untereinander einen schwunghaften Handel getrieben. Auch als Geschenke waren solche Arbeiten sehr beliebt. Da ist es doch sehr gut möglich, dass auch Menschen in den Besitz von solchen Lampenschirmen gekommen sind, die mit den KZ-Verbrechen nicht das Geringste zu tun hatten.” Um den Besitzern der schrecklichen “Erinnerungen” einen Weg zu zeigen, wie sie auf diskrete Weise ihr Problem lösen können, empfahl Professor Lewin, Geistliche einzuschalten die an ihre Schweigepflicht gebunden seien. Die Pfarr=r könnten sich dann mit den jüdischen Gemeinden in Verbindung setzen und die Gegenstände übergeben. Professor Lewin sagte: “Wir wollen mit Hilfe der Lampenschirme keine bisher unentdeckt gebliebenen Kriegsverbrecher finden, sondern nur einer religiösen Pflicnt genügen!“ v«n HAROLB SCHWARCZ JOSE A. MORA, der Sekretär der Organisation der amerikanuschen Staaten, berichtete über die Verletzung der Menschenrechte bei den blutigen Zueammenstössen wÄhr rend der dominikanischen Unruhen. _ Zum ZWANZIGSTEN JAHRESTAG der Vereinten Nationen, der m San Franzisko gefeiert wird, soll dort eine Sondersitzung der Vollversammlung abgehalten werden, auf der Präsident Johnson das Wort ergreifen wird _ POLARFORSCHER RIISBR LARSEN, Generaloberst und früherer Chef der norwegischen Luftwaffe, Mitarbeiter Amundsens, starb im Alter von 74 Jahren — BOLIVIEN expatriierte 50 Leiter der Minanarbeiter in der Hoffnung, hierdurch den sozialen Frieden hersteilen zu können. — Das KABINETT MORQ geriet in ernste Gefahr, als der Versuch einer schärferen Filmzensur von katholischfaschistischer Seite unternommen worden ist. Es ist die 22. italienische Regierungsicrise seit Kriegsende. _ I CHOU EN LAI, derotchinesische Ministerpräsident,! wurde begeistert in Dar Es Salaam, der Hauptstadt Tanzaniens, der neuen ostafrikanischen Föderation, ernpfani gen. — j BUNDESKANZLER ERHARD erklärte nach seinen | kürzliehen Besprechungen mit Präsidenten Johnson, dass : ein gangbarer,^gemeinsamer Weg zur Wiedervereinigung j Deutschlands 'gesucht werden solle. — | KRITISIERT wurde in diplomatischen Kreisen Israels die auffallende Verzögerung der Ernennung eines deutschen Botschafters für Israel, als ein Bonner Sprecher in der vergangene^ Wocre bekannt gab, dass sich die Entscheidung über jlie Penon noch hinziehen könne. — Die DAENISCHE REGIERUNG will Flüchtlingen aus kommunistische* Ländern in Zukunft nur dann Asyl gewähren. wenn Sie den Nachweis erbringen, dass sie vor politischer Verfolgung geflohen sind. — PRAESTDENT JOHNSON richtete einen Appell an das russische Volk, enger und freundschaftlicher mit den Amerikanern an der Erhaltung und dem Ausbau des Frieden« zusammenzuarbeiten. — ELLIOT ROOSEVELT, Sohn des verstorbenen amerikanischen Präsidenten Franklin Delano Roosevelt, wurde zum Bürgermeister von Miami gewählt; die unterlegenen Kandidaten meinten, der Zauber des Namens Roosevelt sei für den Wahlsieg verantwortlich. — URUGLTAY lud den chilenischen Präsidenten Fduardo Frei zu einem Staatsbesuch ein. — MARSCHALL TITO soll nach Meldungen aus Prag bei seinen Besprechungen mit Antony Novotny, dem Präsiden, ten der CSR, die Lösung aller offenen Welfprobleme gefunden haben, was von', tschechoslowakischen Nachrichtenbüro ausdrücklich versichert wird. — Die KONGO-Rebellen sollen, letzten Nachrichten zufolge, 31 belgische Priester in die Fluten des Flusses Rubi gestossen haben. — KEIN DRITER WELTKRIEG würde wegen Vietnam ausbrechen, erklärte der chinesische Premier Chon Eil Lai bei seinem letzten Besuch in Kairo. — WEGEN WIRTSCHAFTSSPIONAGE zugunsten der Sowjet-Union wurde der seit 1952 in der Schweiz lebende argentinische Bürger A Atencio zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Bei der niedrigen Strafe muss man auf eine Geringfügigkeit der Straftat schliessen. Registro de la Propiedad Intelectual N? 826.205 Vor den Wahlen in Israel Tel Aviv: — Die Zentrale der Mapai billigte den Beschluss, dass Levi Eshkol an der Spitze der Wahlliste stehen und der nächste Premierminister sein soll. Die Abstimmung war geheim. Eshkol erhielt 63% Stimmen gegenüber 37% für Ben Gurion. Bei einer Vorabstimmung war beschlossen worden, dass die Abstimmung im Zentrum und nicht von der Konvention vorgenommen werden sollte. “Die Wahl war frei und demokratisch. W r erwarten und glauben, dass alle Sektoren der Partei die Bestimmung als obligatorisch anerkennen werden. Die Partei hofft, dass Ben Gurion den Beschluss als den Willen der Partei betrachten und endlich respektieren und zu seiner Durchführung beitragen wird,” sc erklärte der Generalsekretär der Mapai, Rüben Barkat. Die Diskussion war erregt und dauerte achteinhalb Stunden. Nachdem Ben Gurion in trum mitgeteilt hatte, dass er nicht an der Spitze einer Liste stehen wolle, wenn Eshkol zum Mapai-Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten aufgestellt würde, konnten die Delegierten nur noch für E&hkol gegen Ben Gurion oder für Ben Gurion gegen EShkol stimmen. Zuerst wurde über einen Vorschlag der Anhänger Ben Gurions abgestimmt, der Konvention den Beschluss zu überlassen. Dies wurde mit 167 gegen 115 Stimmen abgelehnt. Das Ergebnis der Abstimmung im Zentrum ergab 171 Stimmen für Eshkol und 103 für Ben Gurion, also 63 gegen 37 Prozent. Weder Eshkol noch Beri Gurion waren bei der Sitzung anwesend. Barkat erklärte, es habe weder Sieger noch Verlierer gegeben. ES handele sich u^l, einen Fraktionsbeschluss, find die Partei müsse nunmehr Einigkeit beweisen, um für den ihr bevorstehenden Kampf