Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2118 (28.5.1965)
- Date
- 1965-05-28
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
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- Sigmund Freud 6× ep/1025006
- Albert Einstein 2× ep/1003296
- Arnold Zweig 1× ep/1009291
- Chaim Weizmann 1× ep/1009290
- Erich Fromm 1× ep/1004407
- Ernst Simon 1× ep/1009494
- Francis Spellman 1× ep/1026306
- Kurt Blumenfeld 1× ep/1009257
- Siegfried Bernfeld 1× ep/1024792
- Stefan Zweig 1× ep/1025800
- Theodor Herzl 1× ep/1007316
- Thomas Mann 1× ep/1025357
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Viernes, 2« fie Maye de 1965 LA SEMANA ISRAELITA Año XXVI. — N? 2118 — 5 Û ) I0Ç an- Fe- 'hro- Nr. Diese April gingen 1841 mit Ins- Ausga. Numsmatio. Jerusaden isaitm einen einen ür die geleinpfän- Philo. Prof, ■iftsteldProf- . Ij« , Ijar m 34 1er . Ijar . W Si«»n SiF*n Si«»B Si**® ) S*#»“ Sigmund Freud zum 25, Drei Männer haben in das Bewusstsein unserer Zeit so | tief eingegriffen, dass sich dadurch umwälzende Wandlungen in der sicht der Welt, j der Gesellschaft und des 1 (Einzelnen ergeben haben, die , in ihren Folgen noch gar nicht abzusehen sind. Drei Männer, drei Juden | aus dem mitteleuropäischen j Kulturkreis: Albert Einstein, Karl Marx und Sigmund Freud. Durch Einsteins Relativitätstheorie ist das Bewusstsein des modernen Menschen inbezug auf sein Verhältnis zum Weltraum entscheidend verändert worden, noch ehe die praktischen Konsequenzen gezogen wurden, die heute zu einer ungeahnten Eroberung des Weltraumes führen. Durch Karl Max wurde das Gefüge der Gesellschaft er- ' eehüttert und verändert und die heutige Zweiteilung der Welt in Ost. und Westblöcke | geht, genau genommen, auf! die Konzeption von Marx zu- ‘ rück. Wurde durch Einstein der Blick in den Weltraum geöffnet, durch Marx der Blick auf die Millionenmassen des Proletariats, so hat Sigmund Freud den Blick nach innen geschärft und uns das unbekannte Land der Seele in einer freilich oft desillusionierenden Weise erschlossen. Einstein, Marx und Freud waren, wie wir sagten, Juden des mitteleuropäischen Kulturkreises — alle drei schrieben in deutscher Sprach — sie waren aber alle dem Judentum äusserlich entfremdet und dennnoch unterbewusst verbunden. Ihr guter Freund an kalten Tagen der CARLTON MANTEL in moderner und klassischer Form. AQUATITE. der Gabor din Mantel für höchste Ansprüche, mit aus* wechselbarem Mohair. Und wenn Sie Mass~ kleidung wünschen, erst recht zu CARLTON. Grossauswahl in Fertigkleidung — Stabilolorm Anzüge. 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Sigmund ■ Freud bleibt Zeit seines ,an- : gen Lebens mit dem Judenj tum nur peripher verbunden, i aber gerade bei ihm wird' sichtbar, was er selbst so j nachdrücklich gelehrt hat, j dass das Unterbewusste viel stärker wirksam sein kann , als das wache Tagesbewusstj sein. i I Wenngleich die von Sigmund Freud begründete psychologische Schule der Psychoanalayse mit dem Anspruch auf tritt sich der menschlichen Seele ohne jede nationale oder religiöse Bindung zuzuwenden, so wurde diese Richtung innerhalb der modernen Seelenkunde praktisch eine jüdische Schule. In Amerika nennt man die Psychoanalyse scherzhaft “Jewish Science” (im Gegensatz zu der von Mary Baker-Eddy gegründeten Christian Science). Die Schüler und Mitarbeiter Freuds waren fast durchwegs j Juden. Hier wären Breuer, | Siegfried Bernfeld, Theodor j Reik, Erich Fromm, Max , Bitingon und viele andere zu | nennen. Offenbar hat die Art , des analytischen Denkens i diese Mitarbeiter Freuds inj einer Tiefenschicht angerührt, die ihnen gemeinsam war, nämlich in ihrer jüdischen. Es gab natürlich Ausnahmen, so vor allem Ebnest Jones, dem wir die Biographie Freuds ((The Life and Work of Sigmund Freud, N Y. 1953 ff) verdanken, die Prinzessin Bonaparte, die Freud aus dem von den Nazis besetzten. Wien rettete, und den Schweizer Psychologen C. G. Jung, dessen Wege sich aber frühzeitig wieder von denen Freuds trennten und der sogar zeitweise mit den nordischen “Idealen” der Nazis liebäugelte. Die Schule Freudsso kann man ohne Uebertreibung sagen, wurde von Juden gebildet und entwikkelt, meist postassimilierte Juden, deren Kenntnis des Judentums ausserordentlich gering war, die aber offenbar eine bestimmte seelische und intellekutuelle Disposition mitbrachten, die sie befähigte, die Theorien Freuds aufzunehmen und wissenschaftlich MM theraipeutisch weiter zu verwerten. Auch die literarischen Bannerträger Freuds waren zunächst Juden. Hier sei zunächst an Stefan Zweig erinnert, der in seinem Buche “Die Heilung durch den Geist” die Gestalt Freuds weitesten Leserkreisen zugänglich machte. Arnold Zweig widmete viele seiner Arbeiten der Erschliessung und Popularisierung Freuds- Erst viel später folgte ein deutscher ALFREDO STERN MALERARBEITEN DEPARTAMENTOS — BUEROS — HAEUSER Unverbindliche Rostenvoranschlilge für jede Arbeit NEUE ADRESSE: VIDAL 1575 fas! Ecke PINO Tel.: 76-7281 y 76-9088 Depósito: V. DEL PINO 2639 und V. DE LA PLAZA 1779 Schriftsteller von höchstem Range, Thomas Mann, der sich dankbar und verehj rungsvoll Freud anschlos-s.! Sigmund Freud wurde am 6. Mai 1856 in Freiberg in Mähren als Sohn einer jüdischen Familie geboren, die aus dem galizischen Städtchen Bukzacz stammte, das als Geburtsort des hebräischen Dichters Agnon bekannt ist. Schon als Kind j kam Freud mit seiner Fami-; lie nach AVien, wo er über siebzig Jahre lebte, ohne sich jemals dort ganz heimisch zu fühlen. 1938 musste er vor den Nazis fliehen und :and in London ein relativ behagliches Exil, wo er knapp eineinhalb Jahre später, 3jährig, starb. Freud hatte als ganz junger Mensch durch einen Religionslehrer ein gewisses Interesse für Bibel und Judentum in sich entdeckt, worauf Ernst Simon in seinem Essay über “Freud als Jude’ (1957) hinwies, aber man kann nicht sagen, dass diese frühgeweckten Interessen von nachhaltiger Wirkung waren, wenngleich sich gerade das Alterswerk Freuds “Der Mann Moses und die monoj theistische Religion” (1939) j mit einem zentralen biblischen Thema befasste. Zwei Abhandlungen in Freuds Zeitschrift “Imago”, die sich mit demselben The- 1 ma befassten, gingen Diesem Alterswerke voraus, das die j seltsame These “Moses ein; Aegypter” verfocht- Dass Freuds Verhältnis zur jüdischen Religion ein nega- ' tives sein musste, lag auf , der Hand, da Freud die Rej ligion als solche als eine zu! überwindende infantile Stufe! des Menschen ansah, wie aus seiner Schrift “Die Zukunft einer Illusion” (1927) j mit letzter Deutlichkeit klar j wurde. Für Freud war der Gottesglaube eine Projektion des Vaterimago und ein Ausdruck von untoewäitigten Aengsten der Kindehit Religion war Illusion für ihn, nur die Wissenschaft war keine Illusion. Auch die Botschaft des Zionismus erreichte Freud eigentlich nicht, obwohl er mit Theodor Herzl ungefähr gleichaltrig zur gleichen Zeit in der gleichen Stadt lebte. E kam nur zu ganz sporadischen Begegnungen, dieser beiden genialen Menschen, die aber keine tieferen Folgen hatten. Der Antisemitismus der Lueger-Zeit hinterliess gewiss seine Spuren im Leben. Denken und Fühlen Freuds und erzeugte in ihm jenes Trotz-Judentum, das so viele glaubenslose unq national indifferente Juden seiner Zeit vor dem letzten Schritt aus dem Judentum bewahrt hat So lehnte Freud es ab, die Taufe zu nehmen, um eine Professur an der Universität Wien zu erlangen. Selbst als weltberühmter Gelehrter wurde Freud niemals Ordentlicher Professor, sondern erhielt nur den Titel eines Honorar-Professors. Seltsame Fäden weben zwischen Herkunft unq Bestimmung im Leben und Werke Freuds. Verfolgt man die Geschichte des hebräischen Volkes bis zu ihren Anfängen zurück, so ist festzustellcn, dass dieses Volk mit der Kunst der Traumdeutung in die Geschichte eint,ritt. Joseph von Aegypten erringt die Gunst des Pharaos durch die Kunst seiner Traumdeutung, die er offenbar als kulturelles Erbe seiner Sippe aus Kanaan mitgebracht hat. Unverkennbar ist das Traummotiv ja schon ein Leitmotiv im Leben jakotos, Josephs Vater- Sigmund Freud tritt mit seinen ¿enden Schriften: “Die Traumdeutung” und “Ueler den Traum” < 1C.-D—1901 > erslm-alüt als origineller Denker hervor. Die vorangegangenen Schriften, Studien über Hysterie,. bis zur Ncurosen-Lehreha-! ben noch nicht den wirkli- 1 Chen Freud gezeigt. I Ein Joseph des 20. Jahri hunderls tritt er mit seiner modernen Traumdeutung in das Rampenlicht der Oef- [ fentlichkeit. und noch 1935 ( macht er bedeutungsvolle Zu- : Sätze zu seinem eigentlichen , Erstlingswerk, der "Traum- , deuiung”. Der Traum wurde . vor Freud wissenschaftlich nicht erforscht. Er war der j Tummelplatz billigster Wahr-; sagerei, vergleichbar der ] “Kunst” aus dem Kaffee- \ satz die Zukunft zu lesen.; Freud zeigte die unser Leben formenden Kräfte des Traumes auf. die Sexual-Svmbolik des Traumlebens, die so oft den Schlüssel zu seelischen Erkrankungen bietet- In kurzer Folge erscheinen eine unabsehbare F'ülle von Arbeiten, die heute in einer Gesamtausgabe von 26 Bänden vorliegen. Hier sei nur an die ‘‘Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse" erinnert. “Zur Psychopathologie des Alltags’ “Totem und Tabu”, ‘‘Jenseits j des Lustprinzips” — um hier nur die bekanntesten Namen seiner Schriften zu nennen, die fast wie Programme und! Losungen klingen. Freuds Erkenntnisse sind aus seiner seelenärztlichen Praxis weitgehend gewonnen. Und hier ist nun wiederum festzustellen, dass auch ein ungewöhnlich grosser Prozentsatz seiner Patienten Juden und Jüdinnen waren, die einer bestimmten bürgerlichen Schicht angehörten. So wurde völlig programmlos die Psychoanalyse primär ein Beitrag z.ur E-sehü'ssung der jüdischen Seele, allerdings, wie bereits angedeutet, eines bestimmten sozialen Milieus. Hier zeichnen sich zweifellos Grenzen der Erkenntnisse Freuds ab, die | heute bereits klar erkannt ■ werden. I Die Tiefenpsychologie geht heute, 25 Jahre nach dem i Tode Freuds zum Teil ganz! andere Wege als er sie ge- : wiesen hat. Die fast einseitige Faszination durch Sei XUS und Libido wird durch die Erschliessung anderer j Bereiche des unterbewuss- \ ten Seelenlebens ergänzt. Die i praktische Therapie hat sich i oft mehr und mehr biologischen Mitteln und Methoden : zugewendet, während Freud;l durch das Bewusstmachen! eingeklemmter Komplexe die I Heilung der Neurose anstrebte. Aber unwandelbar bleibt die Tatsache, dass es Sig-! mund F'reud war, der uns! den Blick nach innen, in das Inferno der eigenen Seele vorn mm MM'S Ein imposant winkender Mann in den späten Fünfzigern stand am Tage der dem Gedenken an die sechs Millionen ermordete Juden Europas geweiht war, vor einem eindrucksvollen Monument am Keller des Grauens auf dem Zionsberg. Mit vor Erregung bebender, aber energischer Stimme, verlas er, in einwandfreiem Hebräisch seine kurze, selbst verfasste Rede in Anwesenheit des Religionsministers und zahlreicher Würdenträger. Die fast drei Meter hohe Gebetsäule r. gte über die versammelten Teilnehmer hinweg. Sie bildet einen sechskantigen Davidsstern, von dem aus einer ui sich .baren Rohrleitung symbolische Tränen in in mit schwarzem Basalt umsäumtes Betonbecken tropften. Das Monument ist der Erinnerung an die 1.2 Millionen jüdische Kinder gewidmet, die während der grausamen Verfolgung des Hitlerregimes ums Leben kamen. Der Stifter des Monumente, dem die Ehre seiner Enthüllung zuteil wurde, ist Dr- Marian Fraueng’as, ein in Galizien gebürtiger und jetzt in Kühl sessh fter Anwalt. Seit einem Jahr ist Dr. Frauenglas, der Israel jedes Mal zu Passach besucht, von der Idee besessen, den kleinen, unschuldigen Märtyrern des Judentums, mit denen die Hoffnungen un^ die Zukunft kommender Generationen vernichtet wurden, ein würdiges Denkmal zu setzen. Als er dem Vorsitzenden des Ausschlusses für den Zionsberg, Generaldirektor Dr S. Z. Cahana vom Rengionsministerium, den Vorschlag unterbreiteie und sich auch erbot, a le Kosten zu tragen, fand er sofort Verständnis für die Idee. Der Stifter stellte nur zur Bedingung, d. ss das Denkmal einen volkstümlichen Charakter tragen müsse. Dr. Cahane neigte eher zu einem Ausdruck der abstrakten Kunst. Trotz der Meinungsverschiedenheiten, überwies Dr. Frauenglas unverzüglich nach seiner Rückkehr nach Köln auf telegraphischem Wege eine beträchtliche Summe und weitere monatliche Zahlungen die sich zu einem stattlichen Betrage tnhöuften. ENTTAEITSCKTE ERWARTUNGEN Im Laufe eines Jahres gingen die Briefs zwischen dem kölner Anwa t und dem jerusaismer Ministerium hin und her, doch konnte man sich nicht über den Charakter des Denkmals einigen. Obwohl Dr. Frauenglas schliesslich dem Religionsminislerium freie Hand in der Wahl des mit der Durchführung beauftragten Künstlers iiberliess und ’ auch keine zusätzlichen Ko-! sten scheute, verzögerte sich , der Anlang der Bauarbeiten immer wieder. Dabei wol.te j er die Einweihung des Denkmals unbedingt zu Pessach vornehmen. Zwei Tage vor dem Seder- ' abend traf Dr. F’rauenglas; wie alljährlich in Jerusalem I ein, in der Erwartung, dass nun endlich das Denkmal; schon am Platze stehe. Wie! gross war seine Enttäui schung, als er erfuhr, d' ss . noch nicht einmal die Pläne . bereit lagen. j “Es kostete mich Gesund- : heit”, kommentierte der; Stifter iakonisch die Ent- | Wicklung der letzten zwei j Wochen. Auf sein eigenes j Risiko engagierte er den haifaer Bildhauer Erwin Schäffler, der in Jeius lern die Herodes-Stadt beim Ho-; lyland-Hotel rekonstruiert, i Tag und Nacht arbeitete I Schäffler — auch im Licht i von Scheinwerferlampen, um! den Wettlauf mit der Zeit! zu gewinnen. Doch am Tage! des Gedenkens der Nazi-; Opfer, dem Jom Ha sc ho'ah, war das Denkmal fertig gestellt. Katholisch-jüdische Zusammenarbeit New York. — Dt. Samuel Belkin, Präsident der Jeschi. wa-Universität, und Kardi i nal Francis Spellman unter-; zeichneten auf einer feierlichen Veranstaltung ein Abkommen über die Zusammenarbeit der Schule für Medizin Albert Einstein die der Jeschiwa-Universität angegliedert ist, und der durch Subsidien aus der Joseph Kennedy Stiftung geschaffenen katholischen Wohlfahrts-Institution „Kennedy- Zentrum*. Die Zusammenarbeit bezieht sich auf die Forschung über geistig zurückgebliebene Kinder und die Aufstellung eines Ekziehungsprogramms aufgrund von Vorschlägen der Medizinischen Fakultät. (ITA) eröffnete. Eigentlich ist sein ganzes umfangreiches Werk ein gewaltiger Kommentar zu dem Worte der Genesis: “Der Trieb des menschlichen Herzens ist böse von Jugend an’ (Gen. 8, 21). Der anthropologische Realismus der Bibel hat im Werke Sigmund Freuds seinen grossartigsten Ausdruck in unserer Zeit gefunden. UNVERBESSERLICHE sentjmentalitaet Dt. Frauenglas selbst ist ein Opfer der N„zi Verfolgung, der wie durch ein Wunder mit dem nackten Leben davonkam. Er ist unverheiratet und weil er keine eigenen Kinder hat, vergöttert er jedes Kind, das seines Weges kommt. Mit eigenen Augen musste er während des Krieges Zusehen, wie kleine, unschuldige jüdische Kinder in grausamster, bestialischer Weise an die Mauer geschmettert wurden un^ dieses Bild des Grauens verfolgt ihn in seinen Träumen bis zum heutigen Tag. “Wir dürfen nicht vergessen!“, mahnt der unerbittliche Kämpfer gegen die Nazis. DEINE SPARKASSE DEIN HOBBY STAMPS CENTER 94 Aüenby Rd. TEL AVIV P. O B. 4444 JUAN JULIUSBURG MALERARBEITEN 73 1148 BLANCO ENCALADA 1646