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Jüdische Wochenschau · 1965-05-28 · 2118 (28.5.1965) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2118 (28.5.1965)
Date
1965-05-28
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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1 JÜDISCHE UIOHilSaiAD PUEYRREDON 2190 — 1? izq. JfaJemxiKaJsAjiœlila f E. 83 M13 A no XXVI. BUENOS AIRES, VIERNES 28 DE MAYO DE 1965 N? 2118 Die Kirche und die Juden New York. — Die hier erscheinende katholische Wochenzeitung. „Commonweal“ erklärte in einem Leitartikel, die Katholische Kirche“ werde ihr eigenes Urteil sprechen, wenn sie die in der letzten Sitzung des Oekume nischen Konzils angenommene Deklaration, die im Lau fe der Geschichte gegen die Juden erhobene Anklage des Gottesmordes zurückzunehmen, nicht endgültig billigt“ „Es ist beschämend genug“, schreibt das Blatt, „dass die Kirche 2.000 Jahre gebraucht hat. um ihre Schuld einzugestehen. Die Schande ist durch 1ie lan. gen Diskussionen im Konzil noch grösser geworden. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn viele Juden pessimistisch waren. Wenn das Konzil scheitert oder sich irrt, so wird die Kirche verurteilt sein, und dieses Urteil wird sie gerechtermassen verdienen.“ KONZIL UND KURIE Chicago. — Eine Aufforderung an die Katholische Kirche, die in der letzten Sitzung des Vatikanischen Konzils angenommene Deklaration über die Juden zu billigen, erging von einer der einflussreichsten protestantischen Wochen - Schriften „Christian Century“ die in einem Leitartikel die Erklärung über die Beziehungen mit den nichtchristlichen Religionen resümiert, welche in der Schlussitzung des Konzils mit überwältigender Mehrheit zur Annah. me gelangte. „Die Menschen guten Wil lens hoffen immer noch, dass das Oekumenische Konzil sich in seiner vierten Phase von seiner abscheulichen, voreingenommenen, der Bibel widersprechenden und autoritären Haltung zu den Juden reinigen wird Nicht die Juden werden heute für die Kreuzigung Christi gerichtet, sondern die Christen müssen sich für ihi ungerechtes Vorurteil verantworten, das der Lehre Christi ins Gesicht schlägt. Es ist zu wünschen, dass die Kirche ihre vierte Konzilssitzung im Geiste der Zer knirschung und der Reue beginnt.“ Unter dem Titel „Wer tötet Christus heute?“ schreibt der Leitartikler: „Wem'ge Vorschläge vor dem Konzil sprachen das Gewissen des Christentums unmittelbarer an, als die Aufforderung, die schmähliche und grausame Anklage zurückzunehmen dass die Juden aus der Zeit Christi und den auf seinen Tod folgenden Jahrhunderten an der Kreuzigung des Jesus von Nazareth die Schuld tragen. Wenige Vorschläge der Bischöfe zeug ten wie dieser von der Aufrichtigkeit ihrer Suche nach einer Erneuerung der rö- WiE ICH ES SEHE Rassedenken - eine Krankheit von JEHUDA GOTTHEIMER Die folgenden Ausführung schliessen an den schon veröffentlichten Artikel „Antisemitische Tendenzen“ an. —- Der Bericht des bundesdeutschen Innenministeriums über „Rechtsradikalismus in der Bundesrepublik im Jahre 1964“ enthält in seinem zweiten Teil Ausführungen, die einer besonderen Betrachtung bedürfen. Dort heisst es u. a.: „Nach den Erfahrungen der Staatsschutzorgane wur zeit die Vorstellungswelt erkannter Verfassungsfeinde innerhalb des „nationalen Lagers“ zumeist in einem Rassismus, der verworrene Vorurteile zum Mythos erhebt und seine Aggressivität vorwiegend aus emotionalen Bereichen herleitet. Ein grosser Teil der rechtsextremen Aktivisten ist antichristlich eingestellt oder vertritt antiklerikale Auffassungen. Er rekrutiert sich aus deutschgläubigen Sekten und den Resten solcher Weltanschauungs - Gemeinschaften, die im vorpoli tischen Raum ihr Art- und Rassedenken pflegen. Solche Gemeinschaften lassen ihren Anhang noch heute den Nachweis nordisch-germanischer Abstammung und Eheschliessung führen. So hat z. B. die „Deutschgläubige Gemeinschaft e. V.“ zum Ausdruck gebracht, dass sie es satzungsgemiss rrcht hinnehmen könne wenn ein Bewerber über einen italienischen Grosselternteil verfüge. Hier sind Schmähungen des Christentums als „artfremde Allmenschheitslehre, die das Erbgut der Völker verschüttet habe“ nicht seiten. Im Bereich der rechtsextremen Jugendgruppen ist es üblich, Angehörige christlicher Kirchen nicht in Führungsstellen zu verwenden. Teilweise geht dies auf Weisungen der Verbandsführer und ihrer Hintermänner zurück. Daneben versuchen „Einaelkämpfer“ verbotener Vereinigungen ihren antichristlichen „Artglauben“ auch in anderen Gruppen auszubreiten.“ — Der Spuk der nazistischen Rassentheorien ist also nicht verschwunden. Die Feststellung wurde — wenn auch mit dem Ausdruck eines Bedauerns — gemacht und ist für die Beurteilung der Lnge nicht unwesentlich. Denn der Umstand, dass diese ,Ideen“ heute nur von einer kleinen, in eigenartige reli. giöse Gedankengänge verstrickten, nicht politisch ak. tiven Anhängerschaft getragen werden, sagt nichts über deren Möglichkeit einer künftigen Verbreitung. Die Rassentheorien gegen die Juden sind nicht von Nazis erfunden worden. Sie konnten auf bedeutende Vorgänger zurückgreifen, deren Auffassungen sie zwar in ihrer Weise interpretierten, im Prinzip aber nur zu übernehmen brauchten. Schon der berühmte Rechts - Gelehrte Friedrich Carl von Savigny schrieb 1815, die Juden seien „uns ihrem inneren Wesen nach Fremdlinge“. Besonderen Einfluss gewann ein anderer deutscher Hochschulprofessor, Paul de Lagarde (eigentlich Bötticher), der wie manche anderen Schriftsteller für eine Rückkehr zum deutschen Ständerat eintrat. Im Grunde genommen bekämpfte er die Juden als Träger einer anderen, nichtchristlichen Religion; er war einer der ersten, die zwischen Christus und Paulus einen Unterschied machten und behaupteten, Paulus habe den christlichen Glauben verfälscht. Er verlangte eine neue, vom Judentum gereinigte Religion und propagierte eine „deutsche christliche Religion“. Damit kann er als unmittelbarer Vorläufer der späteren Deutschen Christen im Dritten Reich gelten, obwohl er ein Gegner rassistischer Theorien war. Direkte Vorgänger der nazistischen Rassenlehre waren Männer wie Richard Wag. ner, Graf Arthur von Gobineau, dessen Buch über die Ungleichheit der Rassen (ca. 1850) zur antisemitischen Standardliteratur gehört und grossen Einfluss hatte, ferner Houston Steward Cham- Zu einer Meldung aus Moskau r Ai°rfkfUL'T 016 ..Times“ berichtet aus Moskau, dass Israel-Botschafter Josef Tekoa angeklagt wurde .die menschliche Würde und die religiösen Gefühle“ der sowjetischen Juden beleidigt zu haben. Wie die Zeitung schreibt, habe Tekoa in einer Synagoge in Odessa ein Gememdemitglied einen „Faschisten“ und falschen Ju. den genannt. Ein Sprecher der israelischen Botschaft in Moskau erklärte, dass diese Anschuldigung ieder Grundlage entbehrt. Es geschieht zum zweiten Mal, dass Berichte über Beziehungen des Botschafters mit der Gemeinde publiziert werden. Am 10. April sollen zwei Angehörige der Botschaft bei einem Besuch in Odessa einen schriftlichen Protest der Gemeinde abgelehnt haben, in dem der Kauf deutscher Waffen durch Israel kritisiert wurde. Hierauf soll nach Informationen der Zeitung , Iswe stia“ Tekoa dem Präsidenten der Gemeinde, Michael Korenfeld, einen Besuch abgestattet und ihm Vorwürfe gemacht haben, dass ei Uber den früheren wischen. rall berichtete. Wie die Zeitung schreibt, haba Korenteld dein Botschfater geantwortet, dass „politische Reden in der Synagoge verboten sind“, nachdem Tekoa ihn gebeten hatte, er solle von der Kanzel die israelische Haltung klarstellen. (ITA) | misch-katholischen Kirche. Es war klar, dass die Mehr-; heit der versammelten Kir chenfürsten eine Deklaraj tion wünschte, die die Schan- I de tilgen sollte welche die; Kirche durch die uralte Ver | leumdung der Juden auf ihr Haupt ge’aden hatte. Es war klar, dass sie alles in ihrer Macht Liegende m tun wünschten, um den Verfolgungen der Juden ein Ende zu machen. Dafür stimmten sie mit überwältigender Mehrheit. Aber jetzt weiss man, dass der Willen der Mehrheit in einem Vatikanischen Konzil von der Ku. rie unterdrückt werden kann, und dies geschah im vergangenen Herbst mit dem Papste selbst. Das Konzil schlägt vor, und die Kurie bestimmt.“ (ITA) Bourpiba und Eshkol Tunis. — Präsiden; Bouiguiba erklärte, er würde sich nicht in einen Krieg gegen Israel hineinreissen lassen, den die Araber nicht gewinnen könnten „Es ist eine Tatsache“ sagte er, „dass Israel besteht, dass es gestärkt wurde unt mit verschiedenen afrikanischen Ländern Bezienunger unterhält.“ Bourguiba missbil ligte Nassers Politik im Mittelosten und cührte in seiner Rede vor dem Nationa’rat der Neodestur.Partei aus, dass Nasser die arabischen Länder behandele als seien sie Satelliten Aegyptens. Er kündigte an, er werde den Austritt Tunesiens aus der Arabischen Liga verfugen, wenn dese aufhören würde, ein Verband unabhängiger Staaten zu sein. In Jerusalem erklärte Levi Eshkol, er werde jegliche Initiative internationaler Politiker begriissen, um Friedensgespräche zwischen arabischen Führern und Israel zu fördern Er betonte, dass er Bourguiba als einen solchen Politiker betrachtet, mit dem er zu die sem Zweck zusamrnenzutreffen bereit sein würde (ITA) Trauer um Eli Cohen Keine prinzipielle Aenderung Rom. — Aus zuverlässigen Quellen verlautet, dass die Fertigstellung des Textes der Deklaration über die Juden in der Plenarsitzung des Sekretariats für die christliche Einheit auf der Grundlage der von Kardinal Bea vertretenen Prinzipien zustande kam und von den Teilneh mern angenommen worden ist. Die jetzige Abstimmung über die Deklaration, welche im vergangenen November mit einer Mehrheit von 90 Prozent provisorisch gebilligt wurde, ergab nur einige Aenderungen. die keine Entstellung ihres eigentlichen Inhalts bedeuten. (ITA) berlaih, Wagners Schwiegersohn, der den Beweis dafür zu erbringen versuchte, Christus sei ein .Arier“ gewesen. Alle diese gewollten und ungewollten Vorläufer der Rassentheorien, wie sie im Dritten Reich Doktrin wurden, erblickten im Germanentum die lichte Menschheits - Erscheinung (später Herrenrasse genannt); die Träger aller echten Religion und Kultur, während alle negativen Seiten der menschlichen Gesellschaft auf jüdischen Einfluss zurückgeführt wurden, einschliesslich die Kirche. Die schwer übersehbare Schar der antisemitischen Theoretiker und Politiker, die auch noch nach dem Auftreten der nazistischen Gruppen grossen Einfluss gehabt haben, setzte die Behauptungen der Legardes, Chamberlains und Wagners fort. Von Wilhelm Marr über Stöcker, Liebermann von Sonnenberg, Boeckel, Drummont, Ahlwardt bis Stapel, von Reventlow, Möller van den Bruck und vielen anderen führt der direkte Weg in die Rassentheorien des Dritten Reiches, die in Konzentrationslagern und Gaskammern ihren praktischen Niederschlag gefunden haben. Charakteristisch für alle diese Theoretiker von den ersten Anfängen bis zum bitteren Ende ist die mit ihrer gegen die Juden gerichteten Hasstheorie parallel laufende Feindschaft gegen die Christen aller Schattierungen, vor allem aber gegen die Katholische Kirche. Hierfür legt das Buch von Alfred Rosenberg „Der Mythus I Jerusalem. — Israel er I suchte Syrien im Wege der j Waffenstillstands - Kommis- I sion um die Leiche von Eli | Cohen, der in Damaskus j hingerichtet wurde. Gleich-! zeitig verlautete dass Israel ein „befreundetes Land“ gebeten hat, in dieser Sache zu intervenieren. Das israelische Aussenmi- : nisterium hatte vorher seine j Besorgnis über die Hinrichj tung des 41jährigen Israelis I kundgegeben, der der Spionage zugunsten Israels angeklagt war. In dieser Erklärung heisst es. dass , die Exekution nach einem Scheinprozess stattfand in dem der Angeklagte im Widerspruch zu den elementarsten gesetzlichen Vorschriften keinen legalen Verteidi ger hatte, obwohl Dutzende von Persönlicnkeiten und Organisationen an die Sy rer appellierten, die Regeln der Justiz und Milde zu befolgen.“ Im weiteren wird hervorgehoben, dass .ohne auf Einzelheiten einer vagen Anklage eingehen zu wollen, in einem aufgeklärten Land in Friedenszeiten ein ausländischer Bürger wegen des Vorwurfs der Spionage hingerichtet W'orden ist“ In der Knesset gedachte Israel Ga'ili Cohens und erklärte. dass Israel und das jüdische Volk diesem treuen Sohne der Nation, der sein Leben für das Wohl des Staates Israel, seinen Bestand und seine Unabhängigkeit opferte ein ehrendes Andenken bewahren werde“ Er nannte die Tat der Syrer „eine schändliche Barbarei“. Die Leitartikel der Zeitungen sprechen mit Empörung von der „Roheit“ der Syrer, die sich den „minimalsten Auf fassungen von Justiz und Menschlichkeit die in der Welt gelten, verschlossen haben.“ Die Berichte über den Prozess wurden während der 40 Tage, die die Ver handlungen dauerten, unterdrückt, um die Versuche zur Rettung Cohens nicht zu beeinträchtigen. Es wurde bekannt. dass Israel das Angebot machte, einen oder alle syrischen Gefangenen aus zutauschen, um die Todesdes 20. Jahrhunderts“ ein beredtes Zeugnis ab; dies ist das nazistische Standardwerk zum Kampf gegen das Christentum, das nach dem Buch Hitlers „Mein Kampf“ die grösste Auflage und Verbreitung in der nationalsozialistischen Literatur gefunden hat. Rosenbergs Buch ist eine einzige schwere An klage, eine Verhöhnung und Herabsetzung der jüdischen Lehren, nicht weniger aber auch des Christentums, wie es durch die Katholische Kirche vertreten wird. Umso erstaunlicher war der Abschluss des Konkordats mit der Hitler-Regierung, des ersten internatio nalen Vertrages, der vom Dritten Reich geschlossen wurde. Zur selben Zeit erschienen die Schriften der Erzdiözese Köln gegen Rosenberg, während die offiziel- (Schluss auf Seite 2> strafe abzuwenden. Die Syrer lehnten alle Appelle zur Milde ab, einschliesslich di» Ersuchen zweier europäischer Staatschefs, des Papstes Paul VI., des argentinischen Vizepräsidenten Dr. Carlos Perette und vieler bedeutender Persönlichkeiten in der Welt, darunter des libanesischen Bischofs von New York. Grossrabbiner Jizchak Ni®- sam forderte in einer Erklärung auf. in allen Synagogen nach der Lesung der Thora besondere Gebete zum Andenken an Eli Cohen zu sprechen. EINGABE AN DAS ROTE KREUZ Israel könnte das Internationale Rote Kreuz ersuchen, von Syrien die Rückgabe der Leiche Eli Cohens zu verlangen. Die syrische Ablehnung: der Eingabe der Familie Cohens wurde dem Präsidenten der syrisch-israelischen Waffenstillstands - Kommist. sion mitgeteilt. Die syrischen Behörden begründeten dies damit, dass das Gesetz die Exhumierung verbietet. Man glaubt jedoch, dass di» Leiche Spuren von Folterungen tragen könnte. „Das Leben und der Tod Cohens sind für Generationen ein Beispiel des Opfers für sein Land“, erklärt» Staatspräsident Shazar in einem Telegramm an di» Witwe Eli Cohens. FRANZOESISCHER PROTEST Paris. — Der Präsident des französischen Gerichtshofes, Maitre Faul Arrighi, hat an den syrischen Regierungschef General Hafez in einem Schreiben ganz energisch dagegen protestiert, dass es den französischen Anwälten, die Eli Cohen verteidigen sollten, unmöglich gemacht wurde, Cohen zu sehen, zu seinen Gunsten zu plädieren oder Milde zu erbitten. EJr nannte die Prozessführung: eine komp.ette Verletzung der den Anwälten Jacques Mercier und Jean T&landier gegebenen Garantien und Versprechungen, die beide nach Damaskus gereist waren, um Cohen zu iierteidt. gen. Hussein unversoehnlich New York. —■ Das kiirzüche Angebot Levi Estikols, mit den Arabern über den Frieden zu ver handein, wurde Nach richten aus Aman zufolge von Transjordanien ab gelehnt. Ein transjorda nischer Sprecher erklärte: „Der Fall Palästina ist eine Angelegenheit von Glauben und Prinzi pien, nicht von Interessen. Wir lehnen Inhalt und Form der Vorschläge ab, die Levi Eshkol. Premier der Besatzungsmacht in Palästina, gemacht hat, denn unsere feste Politik richtet sich gegen die b’osse Anwe senheit des Zionismus in Palästina.“ (ITA)

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