Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2113 (23.4.1965)
- Date
- 1965-04-23
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616703-9614788-9614941--3819-9614942- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
PUEYRREDON 2190 — 1? tea. I E. 83 2613 /&. JfemxkHjCiJäh&ßli&G, Ano XXVI. BUENOS AIRES, VIERNES 23 DE ABRIL DE 1965 N* 2113 Im Sturm unserer Zeit Wer die 25 Jahrgänge der Jüdischen Wochenschau durchblättert, erlebt noch einmal jenes aufgewühlte Vierteljahrbundert. das hinter uns liegt, die Nöte und Aengste eines Volkes, die Schrecken des Krieges und des Unterganges alter jiidi scher Gemeinschaften, die grosse Tragödie des europäischen Judentums und des ganzen jüdischen Volkes. An unserem geistigen Auge ziehen die Tage des Zusammenbruches des Dritten Reiches vorbei, die erwachenden neuert Hoffnungen und die vie len Enttäuschungen, die mit der schonungslosen Enthüllung des Geschehenen verbunden gewesen sind. Wir erleben den Kampf um die Rettung der Ueberlebenden, um die Errichtung des jüdischen Staates, die grausa men Abenteuer der „illegalen“ Einwanderung, die vielen Gespenstersohiffe mit Menschen fraoht, denen Uris ein Denkmal in seinem Roman „Exodus“ gesetzt hat. Mit unendlich vielen Sorgen und schwerem Kummer waren jene Jahre ausgefüllt, in denen ein verzweifeltes, dezimiertes, aber nicht gebrochenes Volk um die Erfüllung seiner zweitausendjä.hrigen Träume von der Wiedergeburt und Wiedererrichtung Zions gerungen hat, bis dann die Stunde anbrach, in welcher die Versammlung der Völker die Schaffung des jüdischen Staates beschlossen hat. Eb war eine jener seltenen Sternstunden der Menschheit, in denen sich selbst entgegengesetzte Mächte in den Dienst der Gerechtigkeit gestellt haben und das Lebensrecht des jüdischen Volkes anerkannten, zu dessen totaler Vernichtung wenige Jahre zuvor ein bis an die Zähne bewaffnetes Land ausgezogen war. Wir erleben den Kampf gegen den Hass und den Ueberfall von weben arabischen Ländern, den Opfermut und die bedingungslose Bereitschaft der kleinen jüdischen Gemeinschaft im Heiligen Lande und den endlichen Triumph des Rechtes über alte Gewalten der Finsternis. Aber wir blieben auch die Zeugen scharfer Auseinandersetzungen und ständiger Bedrohung Israels durch unvon JEHVDA GOTTHEAMER erbittliche Feinde. Wir er-! lebten die grosse Enttäuschung, dass trotz der unsre heuren Opfer, die unser Volk gebracht hat. die düsteren Mächte der Verfolgung und des Hasses wieder ihr Haupt erhoben, und dass Antisemi tismus und Feindschaft gegen die Juden nicht mit dem Haman unseres Jahrhunderts verschwunden sind. Zeuge eines furchtbaren Sturms, der die Grundfesten der Menschheit und Menschlichkeit zu zertrümmern drohte, leidet unsere Zeit in geht. Wir leben in einer Zeit, in welcher jeder zu den Problemen der Welt, zu seinen eigenen wie zu den Problemen seiner Gemeinschaft und seines Volkes Stellung zu nehmen hat. Schon ein einzelner Mensch kann heute nicht ohne innere Teilnahme und Meinungsbildung am Rande des Geschehens leben, erst recht nicht eine Zeitung und vor altem nicht ein Publikationsorgan das für einen bestimmten Kreis geschaffen worden ist. Vergessen wir doch nicht, dass so¬ Th« Jewisli Agtitcy f»r lara#l Genf, den 25. März 1965 Lieber Dr. Swarsenky, Anlässlich des 25jährigen Jubiläums der Zeitung „Jüdische Wochenschau“ übersende ich Ihnen meine besten Wünsche und den Ausdruck meiner Hochschätzung für den Einfluss, den Ihre Zeitung während all dieser Jahre auf das argentinische jüdische leben gehabt hat. Unter Ihrer Redaktion und Herausgabe hat Ihre Zeitung grosses Verständnis für die jüdischen Probleme bewiesen und sehr erheblich dazu beigetragen, die Ideen des Zionismus und der Solidarität mit Israel ebenso wie die Treue zum Jüdischen Weltkongress zu fördern und zu festigen. Ich hoffe, dass „La Semana Israelita“ noch für viele kommende Jahre forfcbestehen wird, um die bedeutende jüdische Gemeinschaft Argentiniens zu oeeinflussen. und dass Sie mit Ihrem grossen Verständnis und Ihrer Begabung weiter die Zeitung leiten werden. Mdt besten Grossen verbleibe ich Ihr aufrichtiger Dr. NAOHC7M GOLDMANN furchtbaren Zuckungen an den Folgen dieser, die ganze Welt erschütternden Bewegungen und Ereignisse. Ruhe und Frieden herrschen noch immer nicht auf dieser geplagten Erde, und der Mensch ist des Menschen ärgster Feind geblieben. In einer solchen Zeit fällt der Presse, und vor altem der jüdischen Presse, eine Aufgabe zu, die über Berichterstattung und Belehrung, über Nachrichtenvermittlung und 1 Erbauung bei weitem hinausr WER FINANZIERT DIE NAZIS! Miiuchen. — Eine leitende antinazistische Persönlichkeit hat jetzt enthülll, dass die scharf antisemitische „Deutsche National- und Soldaten-Zeitung“ künftighin aus arabischen wie auch kommunistischen Quellen finanziert werden wird. Diese Ankündigung machte Hubert Halin, Generalsekretär des Verbandes der Widerstandskämpfer auf der 5. Konferenz dieser Vereinigung. Er sagte auch voraus, dass Ostdeutschland nach dem Besuch Ulbrichts in Kairo zu einem Herd der antijüdischen und antiisraelischen Propaganda werden dürfte. Beweise, dass die ägyptische Regierung die münehener Zeitung finanziell unterstützt hat, wurden in einem Memorandum erbracht, das die internationale Kommission der Experten für Neonazismus publiziert hat. Dort heisst es dass Aegypten 23 Millionen DM für die Unterstützung rechtsradikaler und nationalistischer Elemente in der Bundesrepublik im Jahre 1960 bereitgestellt hat. Halin wies darauf hin, dass die Neonazis international« Organisationen besitzen, und nannte derartige Gruppen in England, Argentinien und Afrika. Auch Japan hat seine Neonazis, wie er hinzufügte, die .immer noch den Zusammenbruch der Achse Tokio-Berlin beweinen“. Mit der Mahnung, „die wirtschaftlichen Bande zwischen Kairo und Osteuropa aufmerksam zu beobachten“, warnte er, dass „die Kommunisten die neonazistischen Aktivitäten in vielen Teilen der Welt finan zieren.“ (ITA) wohl im wörtlichen wie im übertragenen Sinne in den letzten 25 Jahren kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Gibt es doch kaum eine jüdische Familie, die heute noch in der gleichen Woh. nung oder auch nur am gleichen Orte lebt wie früher. Heiligtümer und gewaltige kulturelle Werke wurden zum mutwilligen Raub blindwütiger Zerstörung. Tausende jü disohe Familien sind aus ihren Heim- und Geburtsländern geflüchtet und konnten sich nur auf diese Weise vor dem Untergang retten. Sie alte suchten neue Wege ihrer Existenz. Sie alte verstanden, dass der Mensch von Brot allein nicht lebt. Aufbau im Untergang, Neu beginn nach der Vernichtung wurden zu Parolen, die uns die Möglichkeit boten, wieder sicheren Boden unter den Füssen zu finden. Was unsere jüdische Gemeinschaft in alten Ländern, in denen die Fliehenden Arbeit und Frieden gesucht haben, geleistet hat, ist ein Ruhmesblatt in der allgemeinen Geschichte der Menschheit. In dem tiefen Glauben an eine Zukunft jedes Menschen und an sein Lebensrecht hat die Jüdische Wochenschau in den Jahren der Verzweiflung durch die Besinnung auf unsere eigenen, in uns schlummernden jüdischen Kräfte einer ganzen Gemeinschaft Trost und Zuversicht gegeben, einen Weg aus der Hoffnungslosigkeit gezeigt und von der jedem einzelnen zufal'enden Aufgabe gesprochen. die unserem Leben Sinn und Inhalt geben konnte. Solche Mission kann man nur erfüllen, wenn man selbst von ihrer gebieterischen Notwendigkeit über zeugt ist, wenn man mit Enthusiasmus und mitunter mit letzter Hing be sein eigenes Leben mit der als rirhtigt erkannten Idee identifiziert. Leben bedeutet Kampf Unser Leben ist der Beweis hierfür. Auch wenn wir vieles erreichten, hat der Kampf um unsere geistige und physische Existenz noch nicht aufgehört. So lange es \ auf alten Gebieten der ' menschlichen Arbeit, des Denkens, des Strebens in Po litik, Wirtschaft und Kultur, in religiöser oder weltanschaulicher Hinsicht Gegensätze und verschiedene Interessen gibt, so lange wird das jüdische Volk, ebensowenig wie andere Völker, nicht die ersehnte Ruhe und nicht den erhofften Frieden fin den. Die ständige Bereitschaft, den uns auferzwungenen Kampf fortzufiihren, ist die absolute Voraussetzung für unser Weiterteben. Wir sind in eine Zeit hineingeboren, in welcher sich das Bild der Menschheit grundlegend geändert hat und sich in einer stetigen Weiterentwicklung befindet Revolutionen lösen einander ab. Der Mensch greift nicht nur nach den Sternen. Das Denken und das Wollen der Völker haben neue Gestalt angenommen, neue poetische und wirtschaftliche Kräfte drängen an die Oberfläche. Asien und Afrika, schlummernde Kontinente, sind zu neuem Leben erwacht. Die Struktur der lateinamerikanischen Länder ist in einer grundlegenden Umwandlung begriffen. In diesen gewaltigen Strömen, die mit elementarer Kraft ausgebrochen sind, muss sich auch unser Volk, muss sich auch unser Denken, muss sich auch unsere Existenz ständig neu orientieren. In diesen Auseinandersetzungen werden wir aber nur bestehen können, wenn wir innerlich stark und gerüstet sind. Als Volk des Buches sollten wir in keinem Augenblick die ungeheure Macht des Geistes vergessen. Mögen sich auch die äusseren Lebensbedingungen wandeln, Sittlichkeit und Recht. Freiheit und wahre Erkenntnis haben alle Zeiten überdauert (Schluss auf Sette 2) Ehrung für Jonas Salk Washington. — Der jüdische Gelehrte Dr. Jonas Salk, dem der erste Antipolio-Impfstoif zu verdanken ist, wurde vom Präsidenten Johnson empfangen und beglückwünscht. Dies geschah an dem Tage, an dem vor 10 Jahren Dr. Salks Vakzin als „sicheres, leistungsfähiges und wirksames“ Medikament gegen die spinale Kinderlähmung staatlich approbiert worden ist. Während der Präsident dem Gelehrten im Weissen Haus seinen persönlichen Dank aussprach nahmen Senat und Parlament Resolutionen an, um den Dank der Nation zum Ausdruck zu brin gen. (ITA) Nummer ANLAESSIJCH UNSERES rücke Dies ist der erste Leitartikel, der in Nr. 1 der Jüdischen Wochenschau am 26. April 1940 veröffentlicht worden tat. H. Sw.: — Eine Wochenzeitung für die deutschspreehenden Juden in Südamerika bedarf keiner besonderen Rechtfertigung. Die Tagespresse berichtet nicht über das jüdische Leben in der Welt, nur Ereignisse von grösster Bedeutung werden kurz verzeichnet, zuweilen auch kommentiert. Die jiddischen und spanisch-jüdischen Zeitungen werden von den meisten deutschsprechenden Juden noch nicht verstanden, oder nicht gelegen. So hat sich die „Jüdische Wochenschau“ zahlreiche Aufgaben gestellt, die zu erfüllen sie sich mit Ernst und Eifer bemühen wird. Als jüdische Zeitung sieht sie es als ihre Pflicht an, ihre Leser über alle Vorgänge in der jüdischen Welt genau und gründlich zu informieren. Mit Hilfe eigener Korrespondenten an den wichtigsten Plätzen der Erde, vor allem in London, New York, Paris, Genf und in Palästina sowie in allen Gemeinden Südamerikas, wird es mögtioh sein, über Ereignisse, die unsere Gemeinschaft betreffen, ausführlich zu berichten, vor allem über die Lage der Juden in Mitteleuropa, über die Entwicklung des Aufbau- Werkes in Palästina und über die Einordnung der in alte Länder zerstreuten Emigranten. Die Zeitung soll so eine Brücke werden, die uns mit alten Teilen der jüdischen Gemeinschaft verbindet. Wir wollen jüdische Lehre und Bildung pflegen und jeder Strömung innerhalb des Judentums Gelegenheit geben, zu unseren Lesern zu sprechen. Wir erblicken gerade darin eine der vornehmsten Aufgaben, jüdisches Gedan kengut im Heizen aller unserer Menschen zu verankern. Die ewigen Wahrheiten des Judentums sollen von den berufenen Vertretern jüdischer Lehre und Wissenschaft unseren Lesern nahegebracht werden. Gerade der „moderne Jude“, der unruhige, rastlose Wanderer, der entwurzelt ist und nuu im neuen Lande festen Boden unter seinen Füssen sucht, gerade er braucht in dieser Welt der dauernden Bewegung einen festen Untergrund, einen inneren Halt, eine Kraftquelle, die ihm Mut und die Fähigkeit gibt, trotz | alter Hindernisse, den Weg in eine neue, bessere Zukunft zu finden, und diesen Weg als aufrechter Mann zu beschreiten. So soll die Zeitung auch hier ihren Lesern eine Brücke werden, die zu jüdischer Vergangenheit und Gegenwart, zur Lehre und zum Gedankengut unseres Volkes führt. Wir alte haben erfahren müssen, was es bedeutet, sich in einem neuen Lande einzuleben. Die wirtschaftlichen Sorgen allein, stellen schon die grössten Anforderungen an jeden einzelnen. Neues, meist schlechteres Klima, neue Sitten, neue Gewohnheiten, neue Menschen, eine andere Sprache, eine andere Mentalität, andere Interessen, eine andere Vergangenheit, all dies und noch manches andere mehr, tritt dem Einwanderer entgegen. Man darf nicht vergessen, dass die meisten völlig ahnungslos in ihre neuen Wohnländer kamen, die Geschichte, Wirtschaft, Sprache und Lebensgewohnheiten dieser Länder und Völker nicht kannten und nun fremd einer ihnen völlig unbekannten Welt gegenüberstanden. Hierin liegen die Gefahren und die ungeheuren Schwierigkeiten einer jeden Einordnung. Auch hier soil unsere „Wochenschau“ helfend eingreifen, indem sie al'e möglichen Fragen aus Vergangenheit und Gegenwart der südamerikanischen Länder, insbesondere Argentiniens, behandelt, die Probleme und Interessen dieser Völker und Staaten unseren Lesern aufzeigt. Die JUE1DISCHE WOCHENSCHAU muss hier eine Brücke schlagen in das neue Leben auf diesem Kontinent und zur Erleichterung der Einordnung beitragen Darüber hinaus werden wir über möglichst viele Interessengebiete laufend berichten, unsere Leser durch ein gutes Feuilleton unterhalten, den jüdischen Vereinigungen die Veröffentlichung ihrer Mitteilungen ermöglichen, kurzum versuchen, alten Anforderungen, die man an eine jüdische Wochenschrift stellt, gerecht zu werden. Es wird nicht leicht sein, allen Ansprüchen zu gentl. gen, zumal die innere Situation der deutschsprechenden Juden durch mancherlei Spannungen belastet ist. Die JUEDISCHE WOCHENSCHAU wird sich in lcel nerlei innere Auseinandersetzungen hineinziehen lassen Sie ist an keine jüdische Partei. Richtung oder Vereinigung gebunden. Als unabhängige Wochenschrift nat sie sich klare Ziele gesetzt und wird sich ganz in den Dienst der jüdischen Gesamtheit stellen. Die Jüdische Wochenschau wird aber bestrebt sein, innere Gegensätze auszugleichen. indem sie durch ihre eigene, eindeutige, positivjüdische Haltung und Linie die Ge‘-am tauf gäbe zeigt.