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Jüdische Wochenschau · 1965-04-15 · 2112 (15.4.1965) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2112 (15.4.1965)
Date
1965-04-15
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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¿ — Jueves. 15 sie Abril de 1965 LA SEMANA ISRAELITA Affo XXVI. — N? 2H8 Gemeinde und oeffentliche Meinung (VON DEN AUFGABEN DER JUEDISCHEN PRESSE) Vor wenigen Wochen ge dachte die jüdisohe Welt anlässlich seines 75. Todestages des gelehrten Rabbiners Dr. Ludwig Philippson (1811 bis 1890), den man den ..Vater des jüdischen Journalismus" genannt hat, und des sen Zeitungsgriinching, .Die Allgemeine Zeitung des Judentums“, für viele Jahre eine bedeutende Begleiterin de« jüdischen Lebens im damaligen Deutschland gewesen war. Diese Erinnerung darf hinüberleiten zum Gedenken jener wichtigen jüdischen Presse in unseren mitteleuropäischen Wohnländern, die vor allem in der Zeit nach dem ersten Weltkriege wachsende Punktionen zu erfüllen hatte. Wer denkt nicht z.B. mit eiiier gewissen Wehmut an die „Wiener Morgenzeitung“ der zwanziger Jahre, die als nationaljüdische Tageszeitung erschien und mit den berühmten Wiener Tageszeitungen in einen edlen Wettbewerb getreten war Niemand wird das hohe Niveau und den enthusiastischen Kampfgeist der „Jüdischen Rundschau“ vergessen, die in den Schicksalsstunden von 1933 über sich hinaus gewachsen und ein leuchtendes Vorbild jüdischer Selbstachtung. Würde und Verantwortungsbewusstsein geworden war. Vor unserem geistigen Augen erscheinen inhalts- und lehrreiche Blätter von bewundernswürdiger Vielseitigkeit wie das „Israelitische Familienblatt" in Hamburg, und selbst richtungsmässig sehr gebundene Organe wie die „Jüdisch-Liberale Zeitung, die „C V-Zeitung“, aus der Monatsschrift „Im deutschen Reich“ einst hervorgegangen. der Frankfurter ..Israelit" das Zentralb’att der Orthodoxie; sie alle leisteten wertvolle jüdische Erziehungs und Orientierungsarbeit. die sich in den Jahren der Verfolgung wunderbar bewähren sollte. Neben sie traten die vielen „Gemeindeblätter", die meist ursprünglich wenig beachtete Monatsinformationen darstellten, die aber dann in der Stunde der Not zu wegweisenden Publikationen wur den, auf die unsere Men sehen von Woche zu Woche warteten, weil sie von ihnen Aufmunterung und seelischen Halt empfingen. Im Kampf gegen den Antisemitismus, für die Festigung der Demokratie und für die Wah ising der jüdischen Rechte taten alle ihr Bestes. Die Katastrophe, die mit Beginn der Hitler-Diktatur ihren Anfang nahm setzte sich im Zweiten Weltkrieg in einem Umfang fort, die niemand hatte vorausahnen können. Angesichts des totalen Krieges, der Massenvernichtung von Juden und auch Nichtjuden, des allge meinen Chaos und des unsäglichen Leides der die Strassen Europas bevölkernder. Flüchtlinge aus so vielen Ländern, kam der freiheitliebenden. demokratisch gesinnten, Presse im allgemeinen und der jüdischen im besonderen die Aufgabe zu, die so schwer gefährdeten menschlichen Ideale, die beischeidenen Ueberreste von Humanität und Solidarität der Bedrohten zu retten. Zu den ganz wenigen Jüdischen Organen, die hierzu die Möglichkeit hatten gehört die vor einem Vierteljahrhundert entstandene „Jüdische Wochenschau“ („La Semana Is^aelita“), deren Bestrebungen vom ersten Tage ihres Bestehens an darayf gerichtet waren, die besten Trad!- von CURT WILK Lange Jahre und unermüdlich hat Freund und Chawer C7URT WILK in diesen Spalten geschrieben. Wenn man es so bezeichnen darf, ist dieser ruhige und bescheidene Mann ein Autodidakt, der durch sei nen hohen Ernst und seinen grossen Fleiss zu einem derjenigen Männer in unserer Kollektivität geworden ist, der immer und überall aus einem Born umfassenden Wissens schöpfen kann. Seine religiösen Betrachtungen und Ansprachen, seine biographischen Charakterzeichnungen. sein literarisches Verständnis lind seine erstaunliche Personenkenntnis, vor allem der früheren Rabbiner in Deutschland, -liessen ihn zu einem Standard-Mitarbeiter werden, der niemals die persönliche Genugtuung, sondern immer das Wohl der Gemeinschaft im Auge gehabt hat. Ihm gebührt ein besonderer Dank, ganz abgesehen davon, dass er einer der treuesten und unentwegtesten Mitstreiter des Herausgebers der Jüdischen Wochenschau für die zionistischen Ideale und den Aufbau von wahren Voiksgemeinden ist. tionen der jüdischen Presse Mitteleuropas zu bewahren und den nach Südamerika verschlagenen deutschsprechenden Juden einen Weg zu weisen, der den Notwendigkeiten der Stunde Rechnung trägt. So hat die Jüdische Wochenschau unermüdlich zur Erhaltung der nationalen, re ligiösen kulturellen, humanen Werte des Judentums aufgerufen und den unerschütterlichen Glauben an das Ueberleben, an eine bessere jüdische Zukunft verkündet. Eine jüdische Zeitung dient den jüdischen Gesamtinter essen am besten dadurch, dass sie ehrlich und aufrichtigt ihre Meinung sagt und auch dort Kritik übt, wo wie z. B. innerhalb der Gemeinden und Organisationen, sehr wichtige jüdische Arbeit geleistet wird. Im grossen gesehen. sind auch Pressekommentare gut aufgenommen worden, selbst dann, wenn sie an wunde Stellen in unserem institutionellen Tehon r-.; I rührten. Dort aber, wo man j sich über Kritik erhaben; dünkte — und dies geschah zuweilen, — dürfte man es an der notwendigen Selbstkritik haben fehlen lassen. Diese 25 Jahre „Jüdische Wochenschau“ waren zugleich 25 Jahre jüdischen Gemeinschaftslebens mit allen guten und manchen weniger guten Erscheinungen, und es ist stets unbequem gewesen, den Mut zur Wahrheit zu besitzen und diese offen auszusprechen. Vor vierzig Jahren, als man zum ersten Male in Preussen. wo damals die Mehrheit der deutschen Juden lebte, ein jüdisches Par lament zusammenrief, den sogenannten „Landesverband“, erliess eine führende geistige Persönlichkeit des deutschen Judentums einen Aufruf unter dem Motto „Baut Brücken" Ueber Landsmannschaften. Ostbezw. Westjuden, über religiöse und ideologische Gegensätze hinweg muss die Brücke geschlagen werden zum ganzen totalen Judentum. Jüdische Gemeinde und jüdische Presse von heute können nur ein einziges Ziel vor sich sehen: Ein jüdisches Judentum. Mag unser Judentum mitteleuropäischer Herkunft noch so sehr von westlicher Kultur beeinflusst sein, seine Kraftquellen kann es nur aus urjüdischen Wurzeln ziehen Jüdische Institutionen sollten sich in jedem Augenblick der grossen Bedeutung aufbauender, konstruktiver, kritischer Mitarbeit der jüdischen Presse bewusst sein; niemand unter uns sollte diese ignorieren, zumal es ganz gewiss nur sehr wenige Juden gibt, die es sich leisten können, auf Belehrung. Ermunterung und einwandfreie Informationen zu verzichten. Vielleicht darf man am Schluss dieser Betrachtung Worte zitieren, die einer der jüdischen Pressevertreter über die letzten Tage im „Dritten Reiche“ aussprach: Wenn wir auf die fünf gefahrvollen Jahre zurückblicken, können wir nicht vergessen, dass der Jude in Deutschland unter der Gewalt der Nazipropaganda und der judenfeindlichen Massnahmen zerbrochen wäre, wenn es nicht die jüdische Presse gegeben hätte. Tausenden, denen, als sie ihr Werk so willkürlich zerstört sahen, ihr Leben sinnlos ge worden zu sein schien, gaben die jüdischen Zeitungen neuen Lebensmut. Ihre Schrift leiter kämpften ständig gegen die verkrüppelnde Hand des Zensors, und immer wie der fanden sie neue Wege, um die Aufgabe, die sie sich gestellt hatten, weiterführen zu können. Obschon sie jetzt über alle Welt zerstreut sind, werden sie diese Stunden, in denen sie dem Judentum und der Erhaltung der menschlichen Würde dienen durften niemals vergessen.“ Comité zur Ehrung der Jüdischen Wochenschau anfaesslich ihres 25jaehrigen iubilaeums Cena de Camaradería am Dienstag, den 27. April, um 20 Uhr 30 Ml OIEN RAEUMEN DER A.C.I.B.A., ARA02 2854 ★ Karten für diese Feier sind bei edlen Gemeinden, Orgcmiscr tionen und Institutionen sowie im Büro des Jüdischen Welt* kongresses, Corrientes 1979, bis zum 21. April zu reservieren. Im Namen des Comités; Dr. Moisés Goldman - AlfredoKorn . Julio Tonn *ts±a» 1940-1965 Naediste Woche Sonder-Nummer der JÜDISCHEN WOCHENSCHAU anlaesslish ihr®» BRÜCKE Jubilaeums zur jüdischen WeK ' MITTLER jüdischen Wissens MAHNER zur jüdischen Einigkeit / V orkaempf er für das Recht und die Freiheit UNSERES VOLKES für den Aufbau neuen jüdischen Lebens für den Einsatz und die Treue zu ISRAEL * LEST UND VERBREITET DIE Jüdische Wochenschau

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