Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2112 (15.4.1965)
- Date
- 1965-04-15
- Page
- [Seite 6] (sequence 6)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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'■•TT'-'V ttî •;'rn"vrTt-i..trr^-,r y »y-y-VT t-rT’”TT' T-^yr, ■■ r- "«vtr* r -yj- »w SCHABBETAI DONNOLO Der erste jüdische Gelehrte der Heilkunde in Europa von Dr. YÜMIOV LUDWIG BATO Alltäglich schiwebt auf tausenden Lippen dieser Name, den das grosse staatliche Krankenhaus in Jafia fuhrt Tausende von Kranken und ihren Angehörigen, viele mit Angst und schmerzlichem Gefühl, andere hinwieder mit freudiger Hoffnung im Herzen, in Erwartung der Heilung, sprechen diesen- Namen aus Wer war dieser Donnolo? Sehabbetai Donnolo, de' genau vor tausend Jahren in Biiditalien lebte, war der er. Bte jüdische Gelehrte der Heilkunde in Europa Ueber dies befasste er sich auch mit Astronomie, verfasste einen Kommentar zu einem frühen kabbalistischen Werke und gehörte zu den ersten hebräischen Dichtem im Westen, Seine überragende, vielseitige Persönlichkeit erscheint durch den romantischen Lebenslauf noch anziehender Er wurde im Jahre 913 im apulischen Städtchen Oria an der Adria geboren. Hier in der südöstlichen Spitze der italienischen Halbinsel blühte damals eine frühe jüdische Siedlung, die sich auf dem Gebiete der hebräischen Kultur derart auszeichnete, dass noch zwei Jahrhunderte später in der deutschen Judenheit — in Variierung des bekannten Prophetenwortes — ein geflügeltes Wort geläufig war: „Denn von Bari geht die Thora aus, und Gottes Wort von Otranto." Leider war aber diesem stillen jüdischen Winkel kein ruhiges Dasein vergönnt, denn chaotische Verhältnisse und politische Hemmungslosigkeit kennzeichneten im 10- Jahrhundert das europäische Festland- Namentlich war dies im Süden der Fall, wo die aus Nordafrika hin ausschwärmenden arabischen Piraten regelrechte Raub- Überfälle auf die friedliche Küste von Apujien und Ka labnen veranstalteten. Im Jahre 925 überfielen sie Oria, plünderten, töteten die Einwohner oder verschleppten sie- Zehn führende Mitglieder der jüdischen Gemeinde fanden hierbei den Tod, wäh rend der zwölfjährige Don, nolo sowie seine Eltern und Verwandten in Gefangenschaft gerieten. Der Kleint Junge wurde in Otranto von Juden losgekauft, jedoch seine Familie nach Palermo und von dort nach Afrika weggeführt Verwaist und verlassen völlig auf sich selbst ange wiesen stand nun der kleine Donnolo da. Er blieb wie er selbst erzählt, im „Lande der Römer" (Apulien und Kala brien wurden darals von den Byzantinern beherrscht) und widmete sich dort dem Studium der Medizin und der Astronomie, wobei er sich auch in „die Bücher der Griechen und Araber, -owie in die Weisheit der Chaldäer und Inder" vertiefte Da es indessen in seiner Heimat nur wenige gab, die ihm bei seinen Studien behilflich sein konnten zog er von Ort zu Ort, um sich weiter auszubil. den. Schliesslich wurde er Leibarzt des byzantinischen Statthalters von Kalabrien und kam als solcher auch mit Würdenträgern der Kirche in Berührung Zu seinen Bekannten zählte u. a sein Landsmann, der Mönch Ni lus, der ein Einsiedlerleben führte und später von der Kirche heiliggesprochen wurde. Eines Tages besuchte ihn Donnolo, und als er sah. dass der Mönch schwer litt, bot er ihm freundschaftlich ein Heilmittel an um ihn von der Fallsucht zu heilen Der strenge Fremit wies ieooch die Dienste des jüdischen OLAMENU“ TEL AVIV POB 3002 ISRAEL NEUERSCHEINUNGEN DES VERLAGES GOLD: Geschichte der Juden in der Bukowina I., Groesoktavformat — 180 Textseiten — 42 Bildertafeln 239 Illustrationen Ganzleinenband S 20.00 — Luxusausgabe $ 35.00 GOLD: Geschichte der Juden in der Bukowina II., Grossoktavformat — 232 Textseiten — 51 Bildertafeln 457 Illustrationen Ganzleinenband $ 20.00 — Luxusausgabe $ 35.00 SUBSKRIPTIONS-EINLADUNG GOLD: Geschichte der Juden in Wien ERMAESSIGTER SUBSKRIPTIONSPREIS: Vor Erscheinet $ 20.—, nach Erscheinen $ 30.— BILDPROSPEKT KOSTENLOS DURCH: Edition „OLAMENU“ TEL AVIV. P.O.B. 3002, ISRAEL Alle Publikationen erscheinen ln deutscher Sprache Die Preise sind ln U$A-Dollar angegeben. Arztes zurück, um die Chri sten nicht in Versuchung zu führen, die da sagen könnten. dass ein frommer Christen hirt seine Genesung einem Juden zu verdanken habe- Das könnte sie dazu verleiten. ihr Vertrauen den Juden zu schenken. Allerdings wird Donnolo in einer zeitgenössischen Geschichte der Heiligen als „ein in der Heilkunde gelehrter, weiser Mann“ bezeichnet. Nun war Donnolo nicht al lein ein ausübender Arzt sondern vor allem ein Gelehrter, der in hebräischer Sprache ein medizinisches Werk über den Gebrauch von Heilkräutern verfasste. Dieses Buch, das .JSefer -jajakar“ auch „Sefer hamirka. chat" genannt, sichert Donnolo einen ehrenwerten Platz in der Geschichte der jüdischen und in der ai’gemei nen Medizin In diesem Werke wird die Herstellung vor. 120 Medikamenten erläutert Der Wert dieses Buches liegt nicht darin, dass es medizinische Neuerungen behandelt, sondern darin, dass es Zeugenschaft ablegt von der im Kreise der Juden im 10- Jahrhundert entfalteten originellen Wissenschaf tli chen Tätigkeit, noch bevor die Araber die hebräische medizinische Literatur beein flussen konnten. Sein Buch ist nicht nur das erste europäische Werk auf dem Gebiete der Heilkunde, sondern auch die erste wissenschaftliche Heilkunde, die in Ita lien nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches verfasst wurde Vom Standpunkt der hebräischen Kultur ist dieses Buch noch dadurch bemer kenswert, dass darin ur sprünglioh wissenschaftliches Material aus jüdischen und griechischen Quellen im he bräischen Sprachgewandt nach dem Westen verpflanzt wurde, noch bevor der arabische Einfluss sich gehend machte, wie dies ein Jahrhundert später an der tnedi zinischen Schule in Salerno der Fall war- Neben seinem pharmakologischen Werke verfasste Donnolo noch eine religionsnhilosophische Abhandlung „Ohachironi“. die in der Form eines Kommentars zu dem kabbalistischen ..Buch der Schöpfung“ (Sefer ha.ieeira) abgefasst ist. Im Mit telpunkt dieser Auslegung steht der Gedanke, dass der Mensch eine Welt im Kleinen, einen Mikrokosmos, darslelle- Demgemäss erscheint Donnolo der menschliche Organismus als ein Ebenbild des Weltalls, während die den ganzen Organismus beherrschende Seele ein Eben bild Gottes darstelle und der Mensch in viel höherem Masse eine Schöpfung des göttlichen Geistes sei — in diesem Sinne deutet er den bekannten Vers aus der Scnöpfungsgescnichte: „Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserem Bild“ — als ein Sprössling des Erdenstaubes- Und diese Geistig keit des menschlichen Wesens sei es nun gerade, die ihn den unsichtbaren, das Weltall lenkenden Kräften ver wandt machte- Donnolo ist bestrebt, die Religion der Naturwissen Schaft näherzubringen, er ist aber auch ein Kind seiner Zeit. So teilt er die astrolo gischen Vorurteile des Zeit alters und oekundet einen ausgesprochenen Hang zur Mystik. Sein Ruf verbreitete sich übrigens mit einer für die damalige Epoche erstaunlichen Geschwindigkeit Er starb nach dem Jahre 982 und wurde vom grossen Bi bei- und Talmuderklärer Raschi, der von 1040 bis 1105 lebte, bereits in seinem Wer ke genannt Vor dreissig Jahren hat Chajim Schirmann, einer der besten Kenner der hebräi sehen Poesie des Mittelalters, eine Anthologie der hebräischen Dichtkunst in Italien erscheinen lassen, die zwölfhundert Jahi«, dh. die Zeit vom 9- bis 20. Jahrhundert, umfasst In dieser Sammlung bringt ei zeitlich an vierter Stelle eine Dichtung von un. serem Donnolo. eine poetische Einleitung zu seinem obengenannten „Chachmoni“ die in leichtbeschwingtem und wohklineendem He bräisch und zweifellos mit dichterischer Begabung verfasst ist- * Die israelische Regierung tat sehr klug daran, eines der wichtigsten Krankenhäuser im Lande nach Sehabbetai Donnolo. diesem warmhem gen. gelehrten Juden zu benennen. der ein früher Pionier der Heilwissenschaft und gleichzeitig einer der ersten Förderer der hebräischen Dichtkunst und des hebräischen Wissens in Europa war Bücher-Umschau Franz Rosenzweig: Das Büchlein vom gesunden und kranken Menschenverstand, Joseph Melzer Verlag, Düsseldorf, 1964. — Nur der Tatkraft and der Liebe zum Buch, die Joseph Melzer, den guten, alten Freund auszeichnen, ist die Herausgabe dieses kleinen Buches zu verdanken, das eine Ehrung Rosenzweigs, des Unvergesslichen, darstellt. Der Text, der Inhalt dieses Buches ,passt nieht in unsere Zeit“. Es ist gewiss interessant, aber wir verstehen diese Art Problematik nicht mehr. Merkwürdig, wenn man offenmütig sagen muss, dass die Einleitung Nahum Norbert Glatzers uns am meisten anspricht. — W&mla Kampmann: Deutsche und Juden, erschienen bei Lambert Schneider, Heidelberg, 1963. — Eine gute, übersichtliche und verständliche Darstellung jüdischen Schicksals auf deutschem Boden mit einem umfangreichen, mit Fleiss, Verständnis für den Stoff und Sachkunde herbei, getragenen Material. Das Von Pessach zum Von Pessach Mizrajim, dem Ausgang aus Aegypten, bis zum Jom Haazmaut, dem Tag der Wiedergeburt des Staates Israel, führt ein langer Weg. Er ist voll der Schmerzen und Leiden, aber auch des sich stets erneuernden Ringens um die Freiheit. Zeitlich liegen Pessach und Jom Haazmaut nahe beeinander. Aber auch die Ideen beider Feste entstammen derselben geistigen Quelle. Mit Recht begann der eng lisch-jüdische Gelehrte Dr. Israel Abrahams sein Buch ..Feststudien" mit einem Essay über „die Fülle der Hoffnung des Seder". Die Tradi tion kennt Pessach auch mit dem Namen „Seman Cheru tenu“. das ist die Zeit unse rer Freiheit. Man könnte aber auch — nach Abrahams — von „der Zeit unserer Hoffnung“ sprechen. In diesem Jahr fallen die beiden ersten Pessachtage mit Ostern, dem Fest des Gedenkens an den Leidensweg des Gründers des Christentums zusammen. Das erinnert uns mit besonderer In tensität an die Leiden und Verfolgungen, die Juden gerade in diesen Tagen des Jahres erlitten haben Aber die Feier des Pessach gab ihnen stets erneute Hoffnung und moralische Kraft zum Ueberdauern. Cecil Roth erinnert in dem bedeutenden Sammelwerk „Grosse Zeitalter und Ideen des jüdischen Volkes“ an eine im Mittelalter recht vertraute Episode. Wieder einmal wurde im Jahre 1255 in der englischen Stadt Lincoln die Ritualmordanklage erhoben. In der kleinen jüdischen Gemeinde, die höchstens 200 Seelen umfasste, wurden über 90 Personen verhaftet und zum Tode verurteilt Dennoch wurde das Gemeindeleben fortgesetzt. Die Ueberlebenden kehrten in ihre früheren Heime zurück. Sie bauten sich ein neues Leben auf. Jedes Gesicht, das die Juden in der Strasse sahen, war das eines Mörders. Jedes Geräusch konnte eine neue Pogromwelle ankündigen. Ein Wort zu einem Priester, und sie konnten für immer von dieser dauernden Furcht frei sein. Aber nieman unterlag dem Druck. Diese Situation bedrohte die Juden nicht nur in der Stadt Lincoln des 13. Jahrhunderts, sondern in jeder Stadt Eurovo» Rabb. EGON ISRAEL LöE^ST^ (Santiag« fe Clil‘) pas von der Nordsee bis zur Weichsel und vom Baltischen bis zum Mittelmeer im langen Mittelalter. Wer in unseren Tagen mit Jugend zu tun hat. wer mit ihnen über die Geschichte unseres Volkes spricht, hört oft die Frage: „Wie war es möglich, dass Juden diese «er«»- % für immel «eroJahL „¡fcennz«1^ Ende a”d' u lag dir Das Gei*?”” be Vol!c ni< dass 1° jjje^riagen j bereit *ar' ist ihr h01 «'S.ï )«*>«” Eine neue Auflage der „Geschämt Benjamin von Mendsle Moscher Seforim n* in der Sowjetu herausgegeben. Sie enthält UluBwtt von Sdilor Judawin. (Aus „Sowjet»Ealäntrj, Leiden so duldsam auf sich nahmen“? Waren sie wirklich so duldsam? War es nicht ein gewaltiger geistiger Kampf, den sie ohne materielle Mittel führten. Cecil Roth spricht vom „Passiven Widerstand“ der das jüdische Mittelalter charakteri- Gesenk! saach wie 'sffiMd anse fee nata fc». fee Niet wieder ai Quêtai kw Jahrhm kfc BRchgab Buch liest sich ,wie ein Roman1, ohne es zu sein. — Briefe der Weltliteratur, Eine Taschenbuch-Reihe von Kindler, herausgegeben von Kurt Fassmann, Kindler- Verlag, München. Die Herausgabe berühmter Briefe der Weltliteratur ist eine gute Idee gewesen. Mit der starken Initiative, die den KINDLER-VERLAG in die Reihe der grössten Verlage Europas einreiht, bei dem Wissen mit menschlicher und demokratischer Haltung gepaart sind, — was man besonders in Deutschland sehr selten findet, — ist man einen neuen Weg gegangen. — Die Systematisierung des Stoffes vermittelt zugleich einen lehrreichen Einblick in bestimmte Kulturkreise und Epochen. Hier seien nur genannt: Briefe aus dem antiken Griechenland (Bandnummer 3001), Russland im 19. Jahrhundert (30028/29), Deutsche Klassiker (3016 bis 3017), Deutsche Romantiker (3020), Künstler im 19. Jahrhundert, u. a. Feuerbach, Cézanne, van Gogh (3025/26) und den sehr interessanten Band „Aus dem Trecento“ Dante, Fetrarcha, Boccaccio (Bandnummre 3006). — Theologisch - Evangelische Literatur. — Der Chr. Kaiser Verlag München, der in Deutschland (oder überhaupt?) führende evangelische Verlag hat der Redak. tion eine Reihe von Schriften zur Verfügung gestellt, die auch in jüdischen Kreisen Interesse und Aufmerksamkeit finden dürften. An dieser Stelle wurde auch bei Schenkt Euren Kindern BUECHER IN SPANISCHER SPRACHE AUS DEM VERLAG EDITORIAL CANDELABRO — Pasteur 341 früheren Besprechungen auf die Täligkeit dieses Verlages hingewiesen. Einführung in das Studium der evangelischen Theologie, 1964 erschienen, ist ein Sammelband, herausgegeben von Rudolf Bohren unter Mitarbeit bekannter Autoren, in dem ein erster Einblick und erste Kenntnisse über die Grundthemen der evangelischen Theologie vermittelt werden. Spezielle Themen werden von Günther Klein in einem ebenfalls 1964 erschienenen Band „Theologie des Wortes Gottes und die Hypothese der Weltgeschichte“ sowie in verschiedenen kleinen Bänden unter dem Haupttitel: „Theologische Existenz“ heute behandelt, und zwar „Der Rechtsstaat — Angebot und Aufgabe“ und „Die Bedeutung der biblischen Landverhexssungen für die Christen Themen, die gewiss über den evangelischen Kreis hinaus interessieren. — Edgar Hilsenrat: Nacht. — Roman, erschienen bei Kindler, München, 1964. — tonn; ÎLÎ* Che. nag g,,'