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Jüdische Wochenschau · 1965-04-09 · 2111 (9.4.1965) · p. [Seite 8]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2111 (9.4.1965)
Date
1965-04-09
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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O fifi © 5 Ai T* «2 fc c 2 FRANQUEO PAGADO Concesión 908 <5 s g < o TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 MANA ISRAELITA Afio XXVI. BUBNOS AIRES, VIERNES 9 DE ABRIL DE 1965 N® 2111 EL EJEMPLAR IA en teda la República ||jaM PUEYRREDON 2190 1» ta«. T. E. S3 2613 Buenos Aire*- Antisemitismus in Russland EIN SCHANDURTEIL London. — Die sowjetische Presse greift weiter die Ju 1 den an. Sie tut dies entweder indirekt oder durch Anspiewjetunion die antireligiöse Kampagne führen, viele lg Einer der Nebenkläger im Prozess ge. gen Hermann Kriuney und Otto Hunsche, Rechtsanwalt Henry Ormond, legte uns auf Rückfrage seine Meinung zum Urteil wie folgt dar: „Das Urteil im Prozess gegen Krumey und Hunsche gehört in die Reihe der unverständlichen Entscheidungen deutscher Schwurgerichte in Prozessen gegen nationalsozialistische Gewaltverbrecher, die kein Ruhmesblatt für die deutsch« Justiz sind. Eines jener Urteile, die zeigen, dass es eben doch mehr Richter in der Bundesrepublik gibt, als man von offizieller Seite wahrhaben will, die die Vergangenheit nicht bewältigt haben und die mit ihren Ressentiments nicht fertig geworden sind. Sonst wäre es unmöglich, das bei dem vorliegenden Ergebnis der Beweisaufnahme der langjährige Rechtsberater Eichmanns zum Teil aus subjektiven Gründen freigesprochen werden konnte und dass der Stellvertreter Eichmanns bei der Ungarn-Aktion des Jahres 1944 wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen nur eine Zuchthaus, strafe voi. fünf Jahren, die noch dazu fast ganz durch die Untersuchungshaft abgegolten ist, erhalten konnte.“ Das Frankfurter Urteil verdeutlicht in aller Krassheit die gesamte Problematik der NS-Prozesse vor deutschen Gerichten. Es mag zwar juristisch noch vertretbar sein, moralisch und menschlich jedoch ist es unbegreiflich und unwürdig. Freispruch und Strafmass bedeuten eine beschämende Verharmlosung der monstruösen Verbrechen unserer Epoche, sie sind darüber hinaus eine Beleidigung aller Opfer und Ueberlebenden. Bedenkt man, dass der wegen Beihilfe zum Mord in einem einzigen Falle überführte Täter nach geltendem Recht unter Umständen zu lebenslänglich Zuchthaus verurteilt werden kann und dass die Mindeststrafe für Mordbeihilfe drei Jahre beträgt, dann fragt man sic,h womit sich Krumey eine derartig milde und jedem Gerechtigkeitsgefühl spottende Beurteilung seiner Verbrechen verdient haben mag. Ein Problem, das vom Frankfurter Urteil in den Vordergrund gerückt wurde, ist das der Bestrafung der sogenannten Schreibtischmörder. Wer sich eine exemplarische Bestrafung der beiden prominenten Schreibtischtäter Krumey und Hunsche erhofft hatte, wurde bitter enttäuscht. Das Urteil gegen Eichmann in Jerusalem und der Münchener Sprudh gegen den SS-Ge. neral Karl Wolff stehen zwar als Beispiele da, werden aber nach dem, was wir bisher von manchen deutschen Gerichten erlebten, wenig Schule machen. Es geht um die grundsätzliche moralische und juristische Frage ob die Taten der geistigen Initiatoren und technischen Organisatoren des Massenmordes geringer zu bewerten sind als d'e Handlungen der kleinsten Rädchen im Mordgetriebe, die die Pläne der Vernichtungsstrategen in die gTausige Wirklichkeit umsetzten. Natürlich ist es juristisch leichter, die „kleinen Fische“, die noch Blut an ihren Händen kleben haben, ins Zuchthaus zu schicken, als jene, die „nur“ eine „theoretische“ Schuld auf sich luden, befriedigend ist eine solche Tatbewertung aber in keiner Hinsicht, und wenn das Frankfurter Urteil einen Standpunkt für eine Art Privilegierung der Schreibtischmörder gesetzt haben sollte dann st von zukünftigen Prozessen gegen derartige Täter nicht die geringste Sühne, wirkung zu erwarten. Das Molto „Die Kleinen hängt man, die Grossen lässt man laufen“ hätte sich wieder einmal auf schauerliche Weise behauptet, sicherlich nicht zu Gunsten der künftigen demokratischen Konsolidierung der Bundesrepublik. Die Beweiswürdigung, die Bewertung der Zeugenaussagen, ist ein anderes Problem, das in NS-Prozessen immer wieder auftaucht und auch im Verfahren gegen Krumey und Hunsche eine denkbar schlech. te Lösung erfuhr- Gewiss sind Widersprüche und Unklarheiten in den Aussagen nach so vielen Jahren unvermeidlich ja natürlich. Aber es liegt absolut kein Grund vor, ji.de Unklarheit gleich zu Gunsten der Angeklagten auszulegen und ihnen daraus goldene Brücken zu bauen. Es kommt darauf an, wie das Gericht die einzelnen Aussagen gegeneinander abwägt und im Rahmen des allgemeiner. Beweismaterials würdigt. Wenn allerdings ein Gericht dabei ohne guten Willen, ja möglicherweise sogar gegen das Sühneprinzip bei NS-Verbrechen eingestellt ist, kann es jedem Angeklagten ohne viel Mühe nach dem Grund, satz in dubio pro reo zu einem Freispruch verhelfen. Das Frankfurter Gericht, dessen Urteil hier zur Debatte steht, hat uns jedenfalls vorexerziert, wie schwierig es heutzutage vor manchen deutschen Gerichten ist, einen lückenlosen Beweis gegen NS-Verbrechen zu führen. Man hat beim Studium der Urteilsbegründung den Eindruck, dass die Angeklagten dem Gericht weitaus glaubwürdiger erschienen als die meisten Zeugen und von vornherein wertvolle Sympathien genossen. Trotz der Eindeutigkeit des Beweismaterials sah das Gericht so gut wie nichts als erwiesen an, nicht einmal, dass Krumey Eichmanns Stellvertreter in Ungarn war oder dass Hunsche von der Massenvernichtung der Juden wusste. Nun, bei konsequenter Befolgung einer derartigen Beweiswürdigung dürfte es nur wenig Sinn haben, noch irgendeinen Verbrecher der Nazizeit vor Gericht zu stellen, denn schliesslich lassen sich bei jedem Angeklagten in der Tat gewisse „menschliche Züge“ feststellen, und die meisten von ihnen haben für den Notfall auch ein paar „gerettete Juden“ parat. Ist das Frankfurter Urteil ein Einzel, fall, diu Folge des Nichtkönnens oder Nichtwollens eines Landgerichtsdirektors? Darf man zu anderen Richtern mehr Vertrauen haben? Angesichts dieses Schand. Urteils fällt einem solcher Optimismus schwer- Prozessbeobachter berichten aus Frankfurt, der Vorsitzende sei dem Verfahren weder sachlich noch menschlich gewachsen gewesen. Entscheidend ist dabei der Eindruck, dass es ihm offenbar an dem erforderlichen guten Willen fehlte, diesen Prozess zu einem sauberen Ende zu bringen. Hoffen wir, dass es andere Richter dem Landgerichtsdirektor Schmidt an mangelnder Bereitschaft zur Mitarbeit an demokratischer Gerichtsbarkeit nicht gleichtun werden und dass das Urteil in zweiter Instanz wenigstens etwas korrigiert wird, um das rechte und mögliche Mass zwischen Schuld und Sühne wiederherzustellen HEINZ GALINSKI (Allgemeine Wochenzeitung) hingen und zeiht die jüdischen Bürger eines „unsozia 1 ist ischen" Verhaltens, wie aus dem Studium der hier eingetroffenen sowjetischen Zeitungen ersichtlich ist. Die moskauer Zeitung ,,Leninskoie Znamia" schreibt am 17. März, dass einige Fabriken die Arbeiten in Form von Heimarbeit an Hausfrauen vergeben und verschiedene jüdische Frauen darunter eine Frau Sluwa Davidowna Welednitzkaia und eine gewisse Frau Redznikowa sich in die Arbeit des Genos sen Boruchowin teilen, der entlassen wurde. Eine Zeitung aus Kiew berichtet von einem Mann Samuel Jakowlewich. der Angelausriistun. gen an Fischer verleiht und später die Hälfte der gefangenen Fische für sich beansprucht Die Zeitung nennt Jakowlewich einen ..Pinia Kofman“ eine abfällige Bezeichnung ffir einen indischen Nichtstuer oder Hoch. st-anler. ANTIRELIGIOESF. PROPAGANDA New York. — Die extrem, linksgerichtete jiddische Zeitung ..Morgen Freiheit“ kritisierte schärfstens die fortgesetzte antisemitische Propaganda in Russland und schrieb, es scheine dass „es unter denen, die in der Sonoranten und unter diesen oi't giftige Antisemiten gibt“ Der Leitartikler bezieht sich auf eine Veröffentlichung der Amerikanischen Jüdischen Konferenz über die russischen Juden als Entgegnung auf einen Artikel in der in Minsk erscheinenden „Zviazda“. der von unsinnigen Darstellungen des jüdischen Rituals strotzt. „Wir würden zu dem minsker Artikel nicht Stellung nehmen“, so heisst es. „wenn wir erfahren haben würden, dass gegen die Autoren etwas unternommen worden sei. Zu unserem Leidwesen wissen wir aus Erfahrung, dass in der Sowjetunion die antireligiöse Propaganda oft von unfähigen und unwis senden Elementen geführt wird. Diese Propaganda überzeugt niemanden. Im Gegenteil. Wir wissen, dass viele religiöse Juden in USA. Rabbiner und andere, sich im Kampf gegen Rassenhass und Krieg hervortun, sowie dass die frommen Juden in Russland selbst, Mut und Opferbereitschaft im Kriege ge gen Hitler bewiesen haben Der Augenblick ist gekommen, um einer solchen Propaganda ein Ende zu setzen. Die Sowjetunion, die zu ih ren Prinzipien die Abschaf fung aller nationalen Grenzen zählt, muss zu ihrer eigenen Reinigung die vulgäre und schädliche Züge tragende antireligiöse Propaganda entstellen. Eine antireligiöse Propaganda dieser Art ist nur eine Ermunterung für jene Elemente, die den Kal ten Krieg schüren.“ MAZZOT FUBR PESSACH New York. — Der „New York Herald“ enthüllt in einem Kabel aus Moskau neue Schwierigkeiten der russi sehen Juden bei der Bereitstellung von genügenden Mengen Mazzot für die Pessachtage. Diese Meldung bestätigt, dass in der Synagoge Marina Rosch-a in Moskau nur sehr wenig gebacken worden ist und in diesem Jahr in Kiew, wo 300 000 Ju den leben, überhaupt keine Mazzot hergestellt wurden. Die Juden der moskauer Vorstadt Marina Roscha müssen ihr eigenes Mehl in die Synagoge bringen, doch darf es nicht mehr als 3 Kilo sein. Dort erhalten sie 90 Prozent des Gewichts in Mazzot, nachdem sie für das Bakken bezahlt haben. Das Mehl haben sie aus den besonderen Rationen gespart, die an zwei sowjetischen Feiertagen ausgeteilt wurden. (Die Ra tionierung geschah, weil die Versorgung seit der verheerenden Dürre im Jahre 1963 stockt). Oder sie müssen es von den Bauern im Schwarzhandel kaufen und das Doppelte des offiziellen Preises dafür entrichten. Wie „New York Herald“ weiter berichtet, hat Rabbi B. Holländer aus New York nach einem kürzlichen Besuch in der Sowjetunion die Enthüllung gemacht dass Rabbi Jehuda Leib Lewin von Moskau die Tatsache dass in Kiew keine Mazzot gebacken werden, der „Untätigkeit des Gemeindevorstandes“ in dieser Stadt zuschreibt. Ein anderer Besucher Leningrads erhielt von den Mitgliedern der dortigen Synagoge die Auskunft, dass auch sie keine Mazzot zu Pessach haben würden. „MARSCH AUF JERICHO“ New York. — Annähernd 2.000 Schüler und Studenten beteiligten sich an einem „Marsch auf Jericho“ Sie sangen und schwenkten kleine Fahnen. Sie wollten erreichen. dass „die Mauern des Hasses und der Vorurteile fallen“ die das jüdische Volk in Russland von ihren Brü dern in der Welt trennen. Sie marschierten in einer Entfernung von zwei Strassen rund um die sowjetische Mission vor den UN und nahmen auf dem Hammarskjold- Platz auf dem Gelände der Vereinten Nationen Aufstel. lung. Die friedliche, a'ler dings recht lärmende De monstration wurde von 200 Polizisten begleitet. Die Demonstranten stellten zwei Forderungen: Als erstes beschlossen sie. dass der newyorker Deputierte Leonard Farbstein in Wa shington dem Präsidenten Johnson eine Eingabe über, reichen solle, der Lage der Juden in Russland einen massgeblichen Platz in allen Verhandlungen Amerikas mit der Sowjetunion einzuräu men. Der zweite Appell wurde Stanley Lowell, dem Präsidenten der Kommission für Menschenrechte der Stadt New York, übermittelt. Auf den Spruchbändern, die die jungen Leute trugen, stand zu lesen: „Warum keine Mazzot?“, „Ich bin der Hüter meines Bruders“. „Lasset mein Volk ziehen“ und „Warum gibt es kein jü. disches Theater?“ Die Demonstranten bliesen hin und wieder Widderhörner und trugen sieben Thorarollen mit sich. sowjetisches DEMENTI Jerusalme. — Der sowjetische Botschafter Dimitri Schuvakhin dementierte eine Nachricht, dass es der Synagoge von Kiew verboten worden sei, für Pessach Mazzot zu backen, als er kürzlich mit Oberrabbiner Unterman aus Tel Aviv zusammentraf. Die beiden führten bei einem Besuch des Botschafters im Hechal Schlomo in Jerusalem ein Gespräch. Rabbi Unterman erklärte, Schuvakhin habe ihn autorisiert zu erklären, dass die Nachricht jeder Grundlage entbehre. Hierauf habe er den sowjetischen Diplomaten gefragt, ob es notwendig sei, nach Kiew Mazzot zu schikken, worauf dieser antwortete: „Sie können schicken, wenn Sie wollen.“ Die Unterredung verlief kordial. Als jedoch Rabbi Unterman Fragen über das religiöse Leben der Juden iii Russland stellte, entgegnete der Botschafter: „Dies ist ein rein internes Problem.“ (ITA) Blick in die Welt von HAROLD SCHWARGZ CHOU EN LAI, der rotchinesische Premierminister, schloss seinen Besuch in Aegypten nach einigen Reden gegen die Imperialisten ab, zu denen er auch Israel zählte... HAROLD WILSON, britischer Premier, besuchte Charles de Gaulle, mit dem er wichtige Gespräche über eine engere französisch englische Kooperation abhielt. — Eine ARGENTINISCHE HANDELS DELEGATION be sucht Kairo; die Delegation beabsichtigt auch andere arabische Länder aufzusuchen. — KOENIG HUSSEIN von Transjordanien ernannte seinen Bruder Hassan, der heute 17 Jahre alt ist, zum Thronfolger. — DEAN RUSK, Aussenminister der USA, lehnte den Vorschlag einer Delegation aus 17 neutralen Staaten, die unter der Führung des Jugoslawen Veljko Micunovic stand, zur Verhandlung über einen Frieden in Vietnam ab. MEINUNGSVERSCHIEDENHEITEN traten bei der Dis kussion über den Gemeinsamen Europäischen Markt zwischen Frankreich und Bonn auf. — STUDENTE3N in Lissabon demonstrierten für grössere akademische Freiheiten, wobei der Rektor der Universität verprügelt wurde. — BOLIVIANISCHE Studenten griffen bei einer kom munistischen Kundgebung die amerikanische Botschaft in La Paz an. — UNRUHEN forderten in Caracas Todesopfer und Ver. letzte, die von Oppositionellen gegen die Regierung Leoni inszeniert worden waren. — DIE RASSBNKAE1MPFE in den amerikanischen Südstaaten nehmen immer schärfere Formen an und haben zu einer Serie von Attentaten geführt. — GALO PLAZA, UN-Schlichter für Zypern, erklärte, es bestünde keine Hoffnung auf Frieden oder eine vernünftige Lösung, solange die griechischen und türkischen Zy prioten sich nicht massigen würden. — Die SCHWEREN ERDBEBEN in Chile haben das Mit. gefühl aller Völker erregt, die ihre Hilfsbereitschaft erklärt haben, unter diesen auch der Staat Israel — MAROKKANISCHE Studenten stürmten in Moskau die Botschaft ihres Landes wegen der Massen-Hinrichtungen in Marokko. — DAVID I. ZASLAVSKY, altes Mitglied des ,Bund‘, ehemaliger Menchivik, späterer Stalinist, bekannter Kritiker, verstarb in Moskau. — LEONID BRESNEW, Sekretär der Kommunistischen Partei wird einen Besuch in Warschau abstatten, dem gro sse politische Bedeutung beigemessen wird. — impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de Ja Propiedad Intelectual N9 826.205

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