Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1965-04-09 · 2111 (9.4.1965) · p. [Seite 3]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2111 (9.4.1965)
Date
1965-04-09
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/9616703-9614788-9614919--3799-9614922
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Vlerne». 9 de Abril fle 1965 LA SEMANA ISRAELITA Am* XKVL — N* *111 — 1 Auftritte im AuschwitzProzess von JAKOB KATZ-ROGASEN LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires — PUEYREDON *19«. I* izq. — T. E. 83-3613 9. Abril 1965 7. Nissan 57*5 Papst missverstanden Ein Minister der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) erschien als Zeug? im Auschwitz Prozess- Seine Vernehmung nahm einen überraschenden Verlauf. Bs war der ehemalige Auschwitz Häftling Erich Markowitsch, früher Lager- und Hafenarbeiter, heute Minister und Erster Stellvertreter des Volkswirtschaftsrates der DDR. Die Stationen seines Leidensweges von 1933 bis 1945 weisen ihn als aktiven Antifaschisten aus: 1933 Verhaftung durch die Nazis, 1934 zu sechs Jahren Zucht haus verurteilt, nach verbiisster Strafe ins KZ Sachsenhausen und 1942 weiter ins Vernichtungslager Auschwitz verschleppt; nach der Auflösung von Auschwitz noch ins KZ Buchenwald transportiert. Nachdem der Minister dem Vorsitzenden des Schwurgerichts die Aussagegenehmigung des Minis terra tes der DDR überreicht hat, berichtet er von den Arbeits¬ und Lebensbedingtfngen im Auschwitz-Nebenlager Mono Witz, in dem er als Pfleger im Häftlingskrankenhaus tätig war. In diesem Lager waren die Häftlinge untergebracht, die im benachbarten Bunawerk für die IG Farbenindustrie Sklavenarbeit leisten mussten. Der Zeuge schildert, wie auf Drängen des Buna Betriebsleiters Dürrfeld die im Sinne der IG.Parben nicht mehr arbeitsfähigen Häftlinge „selektiert“, d. h. für den Gastod ausgesondert wurden- Die Selektionen selbst hätten einige SS-Aerzte und der ständig in Monowitz anwesende SS-Sanitäter Neubert durchgeführt. Dipl Ing Walter Dürrfeld sitzt keineswegs mit auf der Anklagebank im Auschwitz-Prozess, sondern im Vorstand der bundeseigenen Scholven-Chemie-AG in Gelsenkirchen-Buer. Neubert schied unlängst wegen Krankheit aus diesem Ausohwit-Verfahren aus. Neubert hat auch beim Lageradjutanten die Lastkraftwagen zum Abtransport der Selektierten in die Gaskammern bestellt. Adjutant des moebelhaus WATERMANN Das Haas der 3 Geschäi te mit der grösste« Aas wähl, SARMtENTO 1147 T. E. 35 - 7033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zahlungserleichterungen Zuvorkommende facti männische Bedienung. Auschwitz - Kommandanten Höss aber war damals der Hauptangeklagte Robert Mulka, dem die Adjutantur, die Gerichtsabteilung, die Truppenbetreuung, die Sachbear beitung für Wirtschaftsfragen u. am. unterstand und der den Lagerkommandanten unmittelbar vertrat. Der Beitrag des DDR-ML nisters zur Aufklärung der SS-Verbrechen von Auschwitz interessiert die Verteidi ger der Angeklagten offenbar nicht im geringsten. Mit einem Bündel von Pragen, die nichts mit der Auf klärung der SS-Verbrechen zu tun haben, versucht der bekannte SS-Verteidiger Laternser den Zeugen zu dis kriminieren. Spätestens von der zweiten Frage an („Sind Sie verantwortlich für die Bauindustrie?“) ist klar, worauf der Verteidiger hinaus will. „Plumpe Provokation!“ widerspricht Prof. Dr. Kaul, der die Nebenkläger der DDR in Frankfurt vertritt und Minister Markowitsch als Zeugen benannt hat, den Fragen Dr. Laternsers- Der Vorsitzende des Schwurgerichts, Senatspräsident Hofmeyer, aber lässt den Rechtsanwalt noch weitere Fragen stellen, da noch nicht zu erkennen sei, dass es sich dabei um Provokationen handele Dr. Latenser: „Wenn Sie für die Bauindustrie verantwortlich sind, dann auch für den Bau der Mauer in Berlin?“ Dr. Kaul: „Herr Präsident Rom. — Papst Paul VI. hat die Abänderung eines der Gebete in der Osterliturgie angeordnet, um noch weitere Erwähnungen der Juden, die für das jüdische Volk be. leidigend sind, auszuschalten. Vor vier Jahren hatte der verstorbene Papst Johannes XXIII. aus der Karfreitags liturgie den Hinweis auf die „perfiden Juden“ entfernt. In den Gebetbüchern, die nun für die Osterwoche vom 11. bis 17. April zum Verkauf gesind Sie sich jetzt darüber im klaren, was für eine gemeine Provokation das ist?“ Neben Prof. Kaul fordern nun auch die westdeutschen Nebenklä gervertreter, die Rechtsanwälte Ormond und Raabe, die Zurückweisung der „sach fremden politischen Fragen“ Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück. Dann verkündet der Vorsitzende Hofmeyer: Die gestellten Fragen werden als „nicht zur Sache gehörig“ zurückgewiesen. Kreidebleich tritt Laternser erneut ans Mikrophon und beantragt die vorläufige Festnahme des Zeugen Die Verteidiger Dr. Eggert und Dr. Naumann schliessen sich dem Antrag an. Ergebnis der Beratung: Der Zeuge wird entlassen, „da keine prozesserheblichen Gründe vorgetragen worden sind, die einer Entlassung entgegenstehen“. Der Antrag; auf Festnahme des DDR-Ministers hat den Verteidigern Dr- Laternser und Dr. Eggert eine Anzeige Prof. Kauls wegen „versuchter Freiheitsberaubung“ eingebracht. Als Rechtsanwalt Laternser daraufhin ankündigte, er werde seinerseits gegen Prof. Kaul Anzeige wegen „wissentlich falscher Anschuldigung“ erstatten, musste er sich vom DDR.Nebenklägervertreter raten lassen: „Suchen Sie sich besser einen guten Verteidiger“. Diese Zwischenfälle wurden von der westdeutschen langen, hat Papst Paul einem früher „Für die Bekehrung der Juden“ überschriebenen Gebet den Namen „Gebet für die Juden“ gegeben. Das alte Gebet lautete: „Wir beten auch für die Juden, damit unser Herrgott den Schleier von ihren Herzen entferne, damit sie auch unseren Herrn Jesu Christo anerkennen. Allmächtiger und ewiger Gott, der Du Del. ne Barmherzigkeit selbst den Juden nicht verweigert hast, höre unsere Gebete für die Blindheit dieses Volkes, damit es das Licht Deiner Wahrheit, die Christus heisst, erblicke und sich aus seinem Dunkel befreie.“ Der neue Text hat folgenden Wortlaut: „Wir beten für die Juden, damit unser Gott und Herr ihnen sein Antlitz leuchten lasse, damit auch sie den Erlöser aller Menschen, unseren Herrn Jesu Christo erkennen. Allmächtiger und ewiger Gott der Du Dein Versprechen Abraham und seinen Nach kommen gäbest, erhöre k» Deiner Güte das Gebet Deiner Kirche, damit das Volk, das einst Dein erwähltes Volk war, der Fülle der Weisung teilhaftig werde.“ —, (ITA) Presse mit grosser Aufmachung gebracht. Schliesslich war es eine seltene Herausforderung, den Antrag auf Verhaftung eines Ministers, der Zeuge war, zu stellen. Die wichtigen Aufklärungen und Hinweise des Zeugen über die Rolle der IG Farben traten bedauerlicherweise in den Hintergrund, jedenfalls für den Augenblick. Die wenigsten Zeitungen berichteten, dass der damali ge IG-Farben-Mann Dürrfeld stets auf die Aussonderung der „nicht mehr arbeitsfähigen“ Häftlinge gedrängt hat. Einen Tag nach dem grossen Skandal im Auschwitz- Prozess beantragte Kaul, den Dipl-Ing. Dürrfeld und weitere ehemals leitende Herren des IG-Farben-Konaers, wie Heinrich Bütefisch, früheres IG - Farben - Vorstandsmitglied. und Carl Krauch, ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender der IG-Farben und Generalbevollmächtigter für Sonderfragen der chemischen Erzeugung im Rahmen des Vierjahresplans, als Zeugen zu vernehmen. Sie sollen bekunden, dass das KZ Auschwitz-Monowitz der direkten Befehlsgewalt der Kommandantur des Stammlagers Auschwitz unterstand, auch bezüglich der Beseitigung nichtarbeitsfähiger Häftlinge, und dass die im Lager durchgeführte Aussonderung von nicht mehr vollarbeitsfähigen Häftlingen vom Adjutanten des Stammlagers — u. a. von den Angeklagten Mulka und Höcker — angeordnet wurde. Die Zeugen sollen weiter bestätigen, dass die Ausson. derungen nach Vereinbarungen zwischen der IG-Farben und der SS vorgenommen wurden, und dass danach die SS verpflichtet war, die Arbeitskräfteanforderungen der IG in vollem Umfang zu erfüllen. Auf Grund dieser Vereinbarungen konnte die IG alle von ihr nicht als vollarbeitsfähig angesehenen Häftlinge zurückweisen und brauchte für kranke Häftlinge nicht länger als 14 Tage an die SS au zahlen. Prozessbeobachter haben diesen Antrag bedeutsam für Auf verschiedene Proteste von jüdischer Seite, insbesondere des Rabbiners von Rom, erklärten hohe vatikanische Kreise ihr Bedauern und Erstaunen, dass man den Papst missverstanden und falsch interpretiert habe. Die vom Papst gemachten Ausführungen waren keineswegs antisemitisch, er ha. be durchaus nicht das jüdische Volk als solches für die Kreuzigung Christi anklagen wollen. Dieselben Kreise wie sen auf die vielen Freundschafts - Bezeugungen des Papstes anlässlich seines Be suches im Heiligen Lande und auf die Korrekturen hi der katholischen Liturgie hin. Der Papst hatte bei seiner Erklärung des Evangeliums die Begegnung Christi mit den Juden im Tempel erläu tert und gesagt, dass „dies eine schwierige und traurige Seite ist, die vorn Konflikt zwischen Jesus und dem jüdischen Volk berichtet, das dazu bestimmt war, den Messias zu erwarten und tausend Jahre in dieser Hoffnung lebte, das aber im gegebenen. Augenblick, als Christus gekommen war. diesen nicht nur nicht erkannte sondern bekämpfte und beleidigte; zum Schluss hat man ihn ge tötet.“ Hierzu bemerkten die kirchlichen Kreise, dass der Papst das jüdische Volk nur als Ausgangspunkt seiner Betrachtungen dafür gebraucht hat, um zu zeigen, dass die senverbrechens von Auschwitz bezeichnet. Damit würde die Rolle der IG - Farben noch einmal gründlich überprüft werden. Vielleicht werden dann einige wenige der vielen Kriegsverbrecher zur Verantwortung gezogen, die von ihren Schreibtischen oder Kon. zernbüros aus für das Massenmorden verantwortlich Welt von heute im allgemeinen Christus nicht anerkennt. Jedenfalls hätte nie-* mals die Absicht bestanden, das jüdische Volk als Gesamtheit für die Kreuzigung zu beschuldigen. Antisemitismus in der DDR Hamburg. — Die antisemitische Propaganda in Ostdeutschland ist nach dem kürzlichen Besuch des Staatschefs Walter Ulbricht in Aegypten wieder angekurbelt worden, wie „Die Welt“ berichtet. Ein Sprecher der jüdischen Gemeind« von Ost. berlin soll nach Aussage dieser Zeitung mitgeteilt haben, dass die im Naristil gehaltene Propaganda in der DDR heute die Juden als Menschen darstellt. die „wie Parasiten von der Arbeit der ehrlichen Arbeiter leben“ und „die westdeutschen Kapitalisten mit den Juden im Bunde stehen.“ (ITA) Waehler in Israel ' Ramat Gan. — 250.000 neue Wähler, von denen 40 Prozent Neueinwanderer sind, werden ihre Stimme bei den bevorstehenden Knesset-Wahlen abgeben. (ZINS) Koenig Saud verzichtet König Saud von Saudi Arabien hat zwei Monate nach seiner Absetzung endgültig auf den sauditischen Thron verzichtet- In einer über Radio Mekka verlesenen Botschaft an seinen Bruder Feisal sagte Saud: „Im Einklang mit dem Buch (Koran), der Tradition des Propheten, den Beschlüssen der Ulemas und den Mitgliedern der Königsfamilie“ verzichte er auf den Thron Er wünsche seinem Bruder Ehrfolg im Dienste am sauditischen Volk. Teppichhaus - M. Höchberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKt TUPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN EUER JEDES OEMUETLICHE HEIM. Ei«««« Fabrikat!«« — VavarbindUaha Vorführung Auf Wunsch Zahlunggerleichterungen MASCHINEMTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. Verkauf an Private nur Samstag aad Swaitf von 9—19 Uhr im Ausstellungshalle Calle ANDONAEGUI 2083 Tekt se-ms « Quarter wem SUUeu Urquiea gründe des grausigen Massind. ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung BUEROSTUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T. E.: 83 - 2613 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Ver waltun gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen T. E. 80 - 6930 PUEYRRED0H 2190 uq. «y. US HERAS Johnson und Ku KIux Klan Washington. — Päsident Lyndon Johnson wurde ersucht, in seinen „Krieg gegen den Ku Klux Klan die Untersuchung der Betätigung anderer rechtsradikaler Fanatiker einzuschliessen". Diese Aufforderung erging von Riajph Plofsky, der Johnson im Namen der Jüdischen Kriegsveteranen zu seiner Ankündigung beglück, wünschte, dass die Parlamentskommission für uname rikanische Aktivitäten mit dieser Untersuchung beauftragt wurde. Kommandant Plofsky verwies auf den „paramilitärischen“ Charakter der amerikanischen Nazipartei, der Minute Men und anderer Gruppierungen und stellte fest, es sei widersinnig, „derartige private, bewaffnete Kampfverbände“ zu gestatten. Es sei allgemein bekannt, so hob er hervor, dass die Nazibewegung Waffendepots besitzt und kürzlich ein Nazi wegen illegalen Besitzes eines Maschinengewehrs verhaftet worden ist (ITA) Aenderung der Liturgie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.