Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2109 (26.3.1965)
- Date
- 1965-03-26
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes 36 de Mars« de 1966 LA SEMANA ISRAELITA Año XXVT. — N? 2109 ■>*¡5¡lí' ««Cs fe, w«» nsfe Mr ■ ¡ns- He i füs “4 »<m5 «en w&r «!? in Afule chf > die vor ■uckt ^Stiftung Collegem Milieu aus '0n Gouver. iman die bevon 1,25 fur Stoden- Chinan bese Schule Board er "Tirden auder gross. luJe je er. von nahen Mrs- Leh- ÜÛ0 Dollar dl auf den Lehma* Schocken. aJem wervon Dorerausgegestammt dal und üturgi. Saadia ule. Der ne Kon. Zeilen Tischer Manuad. iilm-Kopte des iars von Jerusa- „.Jen; es Mikrofil. Bibliothek Institut Bildhauer n Los An. erst« den Maijüdische den he» insche für zahlanlässjnke ich hei2- . Apfü Aprä 11. Apra April Apr« . 24. April Wo ist denn anser Angeklagter?“ 9f Binhunderteinundzwanzig kommt einem Lokaltermin Verhandlungstage und die nicht gleich. Aussagen von über zweihun-! So versammeln sich am 12. dertftinfzig Zeugen sind wie Dezember, einem Sonnabend, ein erstickender Aschenregen auf das Selbstbewusstsein der Bundesrepublik gefallen, seit am 20. Dezember 1963 der Auschwitz Prozess be. gann. Doch waren es Schaubilder, Photos und Worte, die dem Gericht und der Oeffentlichkeit die ungesühnte Wirklichkeit der Lager darstellten. So blieben Auschwitz und seine Nebenlager in einem Halbdunkel, in dem das Selbstbewusstsein aufbegeh ren konnte, in dem die Ange klagten sich mit Worten gegen Worte wehrten. Hat der Zeuge X den Platz, an welchem der Angeklagte Y gemordet haben soll, überhaupt sehen können? Schon am 53. Verhandlungstag, im Juni, beantragte der Nebenkläger Rechtsanwalt Ormond „zur besseren Wahrheitsfindung" einen Lokaltermin in Auschwitz. Politische Verhandlungen und rechtliche Erörterungen schoben die Entscheidung des Schwurgerichts immer wieder hinaus. Am 22. Oktober konnte es, nachdem die polnische Re. gierung jedes Entgegenkom gegen 13 Uhr auf dem Flughafen in Frankfurt nur ein beauftragter Richter, diei Staatsanwälte, zwei Nebenkläger, zwölf Verteidiger, zwei Justizbeamt,e eine Dolmetscherin und ein Krimi, nalbeamter, der als Photograph tätig werden soll. Von den auf freiem Fuss befindlichen Angeklagten, die teilnehmen könnten, hat sich nur der 53 Jahre alte Dr. med. Franz Lucas eingefunden. Ihm ist freies Geleit zugesiohert worden. Doch der Rhein.Main- Flughafen liegt im Nebel. Flug 202 der Austrian Airlines fAUA) aus London kann, nicht landen, um die Gruppe zum Flug nach Wien auf zu nehmen, von wo es nach Warschau und Krakau weitergehen soll. Im Autobus bricht die Gruppe nach Stuttgart auf, das für Start und Landung offen ist und am Abend von der AUA noch einmal angeflogen wird. Die Ungewissheit über den Verlauf des Unternehmens lokkert die Stimmung auf. Der Bus trägt dazu bei, in dem er eröffnet. Reparaturversuche technisch versierter Mitrei sender verwandeln diese in Schornsteinfeger. Im Restaurant des Flughafens Stuttgart endlich breitet sich jene Stimmung aus, men gezeigt hatte, eine Orts- I ®aJyfnieue5.aus ^em Auspuff besichtigung beschlossen. Die Ihr Begleiter im Beruf, für die Reise und bei Festlichkeiten Carlton-Kleidung * MASSKLEIDUNG * FERTIGKLEIDUNG * LOHNANFERTIGUNG walt Kiigler wandert zwi sehen den Tischen einher und hat sich gegen die Anschuldigung zu wehren, er sei im Grunde ein verhinderter Journalist. In der Caravelle, die kurz nach 22 Uhr gen Wien startet, Gelächter. Aus den Laut Sprechern wirbeln Wiener Walzer. Mitternacht. Wien. Keine Maschine wartet. Nebel auch in Warschau. Die Pracht des Vienna Intercontinental nimmt die inzwischen endgültig inspirierte Gesellschaft auf. Vor Zimmer 1223 zwei Paar Herren-, aber nur ein Paar Damenschuhe und einschlägige Bemerkungen; wobei die Anklagevertreter durch Zutrauen zur menschlichen Natur angenehm auffallen. „Ein Herr mit zwei Paar Schuhen“. Nächtliche Sitzung an der Bar, die Bedienung glänzt mit Wiener Eleganz und Charme. Nie war Auschwitz seit dem 20. Dezember 1963 so weit. Sonntag früh. Der Bus zum Flugplatz Schwechat rollt vorbei an „Ariadne, Draht und Kabelwerk“, am „Fleischselcher“ und Angeboten für „Gräberschmükkung“. Fröhlich ertönt der Ruf: „Halt, wo ist denn unser Angeklagte?“ Natürlich ist er nicht vergessen worden. Er ist eben nur so still. Gegen Mittag landet die Caravelle „Ludwig van Beethoven“ glatt in Warschau die Vatertagsausfiüge cha- 1 Kurzer Aufenthalt im Hotel Ernst Koppel Mcripú 982 Tel. 31-7845 rakterisiert. Alle benehmen sich ein wenig, als hätten sie zuviel getrunken, und natürlich trinkt jeder einiges. Die Fronten, die 121 Tage lang im Gericht saal hart gegeneinander standen, lösen sich. Endlich kann man miteinander reden. Sticheleien sind das Gebot der unvorhergese. : henen Wartestunden im Niemandsland zwischen Gerichtssaal und Tatort. Nebenkläger Ormond sitzt! still dabei, doch ohne Vorwurf. Und still sitzt auch Dr. Lucas. Auf seine Tasche hat er einen Schirm geschnallt. Sucht man ihn einzubeziehen, so irrt sein Blick ab. Die Journalisten, die sich angeschlossen haben, hecheln die Branche durch. Staatsan. DEINE SPARKASSE DEIN HOBBY CENTER 94 AHenby Rd. TEL AVIV P.OB. 4444 JUAN JULIUSBURG MALERARBEITEN 73-1148 BLANCO ENCALADA 1646 ALFREDO STERN MALERARBEITEN DEPARTAMENTOS — BÜEROS — HAEUSER Unverbindliche Kostenvoranschläge für jede Arbeit T>E. 76-7281 y 76-9088 Virrey del Pino 2639 deposito* V. de la Plaza 1779 y Vidal 1575 Europejski, in zwei Bussen geht es nach Krakau weiter. Verfahrenbeteiligte und Presse nunmehr getrennt. Journalisten aus ganz Europa sind hinzugekommen, die Ausflugsstimung bleibt ungetrübt. Bier, Kognak, Kaffee und Sandwiches serviert ein Ober im Smoking. Der Reiseleiter spricht Deutsch. „Wir werden das Kind schon schaukeln“. Er hat zwischen 1939 und 1945 Deutsch lernen müssen. 21 Uhr. Krakau, die Stadt, von der die Polen träumen wie die Deutschen von München. Und natürlich sind auch hier die Strassenbahnen blau-weiss. Hotel Fran. cuski, Residenz der Abordnung des Schwurgerichts, Pressezentrum mit Fernschreibern, Telephonen und Sonderpostamt. Noch mehr Journalisten, weit über 100, eine Art Pressefestival. Tanz- I musik, Bier, Wodka, Aufre-! gung um Zimmer, in denen! sich später die meisten zu , zweit und dritt finden. Die Nacht wird für die meisten lang, wenn nicht im Bett durch kollegiales Schnarchen, dann im Lokal. Schriftsteller Peter Weiss, nicht mehr auf der Spur der Ermordung Marats, stapft gross, in blauem Hemd mit roter Krawatte, durch das Treiben. Die Literatur an die Front des Auschwitz-Prozesses. „Für uns wird Martin Walser über die Verhandlung schreiben“, kann Paul •Mevissen, von der Frankfurter „Abendpost“ ankündigen Montag, 14. Dezember 1964. Der Pertier weckt telephonisch um sechs Uhr. Guido Fuchs, Münchener „Abendzeitung“. sagt in Zimmer 401: „Wann mussten die im Lager eigentlich morgens raus?“ Der Schatten hat die Reisenden erreicht. Noch einmal flackert beim Frühstück Spass auf. Geständnisse: „Ich bin völlig versackt heute nacht.“ Gelächter über den Aufzug, in dem mancher erscheint. Jetzt haben auch die letzten Eigentümer von russischen Pelzmützen ihren bislang verschämt gehüteten Besitz hervor geholt. Neun Uhr. Die Verfahrensbeteiligten sind mit dem Bus in Oswiecym vor dem Stamm- 1 lager Auschwitz eingetroffen. Kameras schnurren, klicken. Sonst ist es totenstill. | 9.15 Uhr. Die Beteiligten betreten das Stammlager. Sie | betreten einen Schlachthof; für Menschen. Was wie ein | Ausflug an Himmelfahrt begann, mündet in ein Geviert | von 500 Meter, in dem sich jeder Stein der 28 Blocks j dem auf die Brust legt, der ' hierher als Deutscher kommt. | Der Weg zu dem kleinen I Hof zwischen Block 11 und I 10 ist kurz. Aber auf diesem kurzen Weg geht jedes Wort verloren. Der Alpdruck der I Prozesse um die Vergangen, heit, das Aufbegehren gegen ihre peinvolle Mühsal '(in j wem, der nicht zu den über- | lebenden Opfern gehört, hat ‘ es sich nicht schon einmal geregt), die Zuflucht des „Was haben die anderen getan!“ — fort, ausgelöscht. In dem kleinen Hof zwischen Block 11 und 10, vor der schwarzen Wand, an der ' 20.000 Menschen erschossen wurden, gelingt oder widerj fährt es der Abordnung des j Schwurgerichts, Entsetzen, ' Ohnmacht und Reue auszuj drücken. Eine Minute lang wollte die Abordnung schwei. i gend hier gedenken: In brei- I ter Front betritt sie bar- : häuptig den Hof. Ihr voraus i rennen die Potoghraphen | und Kameraleute, krachend! schmettert eine Zubehörtasche zu Boden, eine Kassette | schlittert, meterweit. Die Bildberichter erklimmen die Um- 1 mauerungen der Kellerfen. I ster. Einer schleppt einen j metallenen Abfallkorb her-! bei und besteigt ihn.! Die Abordnung steht vor j der schwarzen Wand, die Ka-! meras rollen und schnappen, j Und da drehen sich, nach Sei künden schon, die Beteiligten | um, ohne dass einer den Ani fang macht. Sie verlassen j den Hof. Hier länger stehen,! eine Minute lang, vor den; Objektiven gar: unmöglich. I Hier kann man nur allein j stehen, für sich allein. I Drei Tage Ortsbesichtigung j in Auschwitz und Birkenau. : In Birkenau, wo die Kamine! der von den abziehenden; Deutschen gesprengten Ba-! racken als das furchtbarste j Gräberfeld im Dunst der j 1 feuchten Wiesen stehen. 2,5 oder vier Millionen: Wer Birkenau gesehen hat, fragt nicht mehr nach der Zahl der Opfer. Mit Bandmass und Hör. und Sichtproben arbeitete die Abordnung des Gerichts. Kann der Zeuge X gesehen, gehört haben, was er gesehen, gehört haben will? Das Ergebnis wird in die Verhandlung eingeführt werden durch den Bericht des beauftragten Richters Hotz. Für die im Auschwitz-Pro. zess Angeklagten fällt eine Entscheidung schon auf dem ersten Weg zur Todes wand im Stammlager „Das alles so dicht beeinanderiiegt“, murmelt ein Anwalt. Nein, niemand hat sich vorstellen können, wie nahe die Gebäude dieses Laboratoriums zusammenstehen, in dem die Techniken des Schlach tens und Sterilisie rens erprobt wurden. Wer hier war und nicht gewusst haben will... Doch da ist noch eine andere Erkenntnis, die jeder aus Auschwitz und Birkenau mitbringt. Sie macht die Bo. ger, Kaduk und wie sie heissen, endgültig zu Figuren, die zwar für einige Taten einzustehen haben, die aber auch für alle stehen, in deren Namen Auschwitz und Birkenau geschah. Diese Schlachthöfe haben einzelne errichtet und betrieben. Aber sie konnten nur aus dem Wahnsinn eines ganzen Volkes heraus handeln. Boger, Kaduk und wie sie Geheemorganisationi für flüchtende Nazis i I Von einem geheimen „Reisebüro“, das Kriegsverbrej eher mit falschen Papieren versorge und sie vor allem i nach Kairo transportiere, berichtete die „New York Herald | Tribüne“ in ihrer europäischen Ausgabe. In dem Bericht : wird diese Geheimoreanisation „Die Spinne“ genannt Sie j soll ihre Zentrale in dem kleinen Fischerdorf Denia an der spanischen Südostküste haben. I Die Organisation werde, so heisst es in der Zeitung,; von geheimen Nazi-Organisationen in ganz Deutschland,; Südamerika, Afrika und von arabischen Ländern unterf stützt. Finanziert werde „Die Spinn«1 von „einigen der I grössten westdeutschen Industriellen“. In Denia sei der ehemalige SS - Führer Bremer (NSDAP-Parteibuch Nr. 462.775 und SS Mitgliedsnummer 166.881) für „Die Spinne“ | tätig.! Von unterrichteter Seite in Madrid wurde bestätigt, I dass der frühere SS-Sturmbannführer Bremer schon seit i 1952 in der Hafenstadt Denia zwischen Valencia und Aii.! cante lebt. Er besitzt dort eine Reihe von Bungalows, die i er an Touristen vermietet- Ueber einen angeblichen | „Schmuggel“ von ehemaligen prominenten Nazis von Dei nia nach Nordafrika, an dem Bremer beteiligt sein soll, war jedoch nichts zu erfahren. Bremer war schon früher in Artikeln verschiedener Zteitungen erwähnt worden. Br wurde 1917 in Düsterntal- Gandersheim geboren und gehörte Ende des Zweiten Weltkrieges der SSDivision „Hitlerjugend“ an. heissen: Kein Urteil über sie; wird die Deutschen entlasten. In Auschwitz und Birkenau; endete, was die Deutschen! beginnen sahen und beginnen liessen, als ihre jüdischen Mitbürger ausgesto ssen, zusammengetrieben und abgefahren wurden. In der Abordnung des Gerichts der Angeklagte Dr. Lucas. Er hat damals Häftlingen geholfen. Er war mit an der Rampe, als „selek tiert“ wurde, aber er hat sich in den Hintergrund gestellt und nicht über raschen Tod im Gas oder Tod durch Zwangsarbeit bestimmt. Er ist nicht schwarz, aber er ist auch nicht weiss: Etr hat sich nicht dazwischen geworfen, als Mütter von ihren Kindern getrennt wurden. Er hat sich nicht töten lassen, wo er Mord nicht verhindern konnte. Freilich hat er einen Bij schof um Rat gefragt und j gehört, er solle nicht mitmachen, aber auch nicht sein Leben in Gefahr bringen. Er hat sich fortgemeldet und verdächtig gemacht. Schwarzweiss ist der Dr. Lucas, und wie er jetzt ein zweites Mal in Auschwitz und Birkenau steht, so werden alle Deut, sehen, die in jenen Jahren für sich verantwortlich gewesen sind, ihr Leben lang in Auschwitz und Birkenau bleiben. „Aber so weit konnte ich schliesslich nicht gehen, dass ich mir selbst eine Kugel durch den Kopf schoss“, rief der Angeklagte Broad einmal in Frankfurt verzweifelt, als ihm vorgehalten wurde, was er in Auschwitz nur mit angesehen, nur geduldet haben Israel fordert Waffen Washington. — Bin Sprecher des State Departments gab bekannt, dass die Besprechungen, die Avarell Harrir man in Israel einleitete, auf diplomatischem Wege fortgesetzt werden sollen- Inbezug auf die Waffenlieferungen an Israel seitens der UI3A enthielt sich der Sprecher jeden Kommentars. Br wie» nur auf die kürzlich gemaehr te, diesbezügliche Erklärung des Staatssekretärs Dean Rusk hin, der sagte, dass die USA einen „Ausgleich der Kräfte im Mittleren Orient wohl wünschten, dass aber die Waffen an Israel aus den westeuropäischen Depots geliefert werden müssten. Bekanntlich hat Israel an die Vereinigten Staaten da« Ansuchen gerichtet, ihm direkt Waffen zu liefern, da die Deutsehe Bundesrepublik sich weigert, dies weiterhin zu tu«. (ITA') Frhdkef$$cka»ndung 1 Dieburg. — Auf dem jüdischen Friedhof in Sickenhofen (Landkreis Dieburg) wurden kürzlich mehr als 20 Grabsteine umgestürzt. Al« Täter wurden ein 12 Jahre alter Volksschüler und ein 14jäbriger Schlosserlehrling ermittelt, die die Schändung aus jugendlichem Uebermut begangen haben wollen. will, was zu seiner inneren Empörung geschehen sein soll. Ortsbesichtigung in Auschwitz: Wer auf Broads Klage! den ersten Stein werfen kann, möge es tun. (Aus dem „Spiegel“) Gutgehende Fl AMBRER 1Ä IN FLORIDA, mit Wohnung, Teleion und Gas au verkaufen. — T, E. 740-4032 HOTEL LAGO -it?3 Inhaber: Leo Kahn RIO CEBALL0S — SIERRAS DE CORDOBA CASILLA CORREO 34 Auskunft In Buenos Aires: 76-2009 ▼. 8—10 Uhr Anmeldungen für Pessach werden angenommen- BEKANNT DURCH AUFMERKSAME BEDIENUNG UND HERRLICHE LAGE AUTQ - REPARATUR - WERKSTATT „REN0” BEÑO HUTSCHNECKER Avda. CONSTITUYENTES 4902 (Ecke Monroe) T. E. 51 - 2205 2