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Jüdische Wochenschau · 1965-03-19 · 2108 (19.3.1965) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2108 (19.3.1965)
Date
1965-03-19
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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4 o 03 o *jj —» £ g 2 © m a cj ■- íi v < O FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 » é-, «í ,r~ Año XXVI. BUENOS AIRES VIERNES 19 DE MARZO DE 1965 f' EL EJEMPLAR |A en toda la República ||Jb« PUE ï RREDON 2190 1» I*q. T. E. 83 2613 Buenos Aires © ISRAEL-KABINETT TAGTE Jerusalem. — Das Kabinett beschloss in seiner letzter. Sitzung, das vom westdeutschen Bundeskanzler Ludwig Eibard zur Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen zwischen Bonn und Israel ergangene Angebot zu akzeptieren. Alle Minister ausser zwei Vertretern der Achdut Awoda stimmten für die Annahme des deutschen Vorschlages. Arbeitsminister Igal Allon und Transportmi. nister Israel Bar Jehuda erklärten, sie würden Ministerpräsident Eshkol von der Position ihrer Fraktion nach Stellungnahme des Zentralcomites der Partei verständigen. Eshkol gab seiner Zuversicht Ausdruck, dass Israel und Westdeutschland in allen zwischen beiden Ländern schwebenden Streitfragen zu einer Einigung gelangen würden. Er berichtete ausführlich über die fünftägigen Verhandlungen mit dem Ab gesandten Erhards, Dr. Kurt Birrenbach, und kündigte eine Erklärung in der Knesset an. Wie man glaubt, dürfte der Kabinettsbeschluss eine überwiegende Zustimmung des Parlaments finden. Nach Bekanntgabe des im Kabinett erzielten Beschlusses überwog die allgemeine Vermutung, dass die in den letzten Tagen verbreiteten Nachrichten aus Bonn und anderen Orten über gewisse Bedingungen, von denen Israel sein Einverständnis abhängig machen wolle, von „ interessierter Seite“ herrührten, um die deutsch-israelische Annäherung zu erschweren. Die Behauptung, dass Israel von Bonn die Ga. rantie seiner Grenzen verlangt habe, wurde hier euer gisch bestritten. Es wurde zugegeben, dass die Unterhai. tungen zwischen Eshkol und Birrenbach die früheien Abkommen über Waffenlieferungen an Israel, die Fragen der bei der Herstellung von Vernichtungswaffen in Aegypten beschäftigten deutschen Wissenschaftler und die Verlängerung der Verjährungsfrist für die nazistischen Kriegsverbrecher beinhalteten. Israel verfolgt inzwischen gleichmütig die Beratungen der arabischen Aussenminister in Kairo über den Vorschlag des ägyptischen Präsidenten Nasser, der die dreizehn arabischen Staaten da. zu bewegen will, die diplomatischen Beziehungen mit Bonn abzubrechen, um auf diese Weise gegen Erhards Angebot d.er Aufnahme diplo. matischer Beziehungen mit Israel zu protestieren. Die Beobachter verweisen auf die erhebliche Uneinigkeit awischen den arabischen Ländern. Man weiss, dass Tunis, Marokko und Libanon bei Bonn in Ungnade zu fallen befürchten, denn Westdeutschland könnte gegen ihre Beziehungen zur Europai. sehen Wirtschafts-Gemeinschaft sein Veto einlegen, in der .es grossen Einfluss besitzt. ENTRUESTUNG UEBER BOURGUIBA New York. — „Time“ infor mierte aus Beirut, dass der arabische Rundfunk Unwillen über eine Erklärung Bourguibas bekundet, der Nasser für seine Stellungnahme in der Krise zwischen Bonn und Jerusalem kritisiert und gleichzeitig die Araber rügt, weil sie die Palästinafrage von einem gefiihlsmässigen Gesichtspunkt aus beurteilen. Bourguiba hatte bemängelt, dass die Araber unaufhörlich die Repatriierung der arabischen Flücht. linge fordern, jedoch keinen Aktionsplan aufgestellt haben. Er empfahl ihnen das Beispiel von Tunis und Algerien, die. fest urr.rissenen Zielen zustreben, ohne sich deshalb mit ihren Gegnern zu verfeinden. Besonders verärgerte die Anhänger Nassers eine Bemerkung, die Bourguiba in der Altstadt von Jerusalem vor seiner Abreise nach Beirut gemacht haben soll, wo er den Ara. bern den Rat erteilte zu lernen, mit den Juden auf der Grundlage gegenseitiger Achtung zusammenzuarbeiten. DEMENTI AUS BONN Bonn. — Staatssekretär Günther von Hase bestritt in einer Pressekonferenz kategorisch das Gerücht, dass die israelische Regierung bei den Verhandlungen mit dem bonner Abgesandten gefordert habe, Westdeutschland ‘solle im Falle eines Angriffs die Sicherheit Israels garantieren. Er erklärte ohne Umschweife, dass dieser Punkt mit Birrenbach niemals berührt worderfi sei. In Bonn glaubt man, dass diese Version von politischen Kreisen lanziert worden ist. um die Aufnahme der diplomatischen Bezahlungen mit Israel zu erschweren. Hase fügte hinzu, dass Birrenbach in dieser Woche wieder nach Israel reisen wird. STIMME DER OPPOSITION Jerusalem. — Das Zentralcomite der Achdut Awoda beschloss, gegen die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Bonn zu opponieren. Die beiden Minister dieser Partei waren die einzigen Mitgliedei des Kabinetts, die sich ihre Stellungnahme zu dem Beschluss der Regierung vorbe. hielten. Die nunmehrige Entscheidung des Zentralcomites besagt, dass die Partei gegen den diplomatischen Schritt in der Knesset stimmen wird. KEINE ARABISCHE EINHEIT Paris. — „Die Nachricht, dass die Israelis entschlossen sind, ehernöglichst mit Westdeutschland diplomatische Beziehungen aufzunehmen, schlug wie eine Bombe in Kairo ein, wo die Aussenminister von 13 arabischen Ländern Beratungen pflegen“ berichtete die Abendzeitung „Le Monde“. Das Blatt schrieb auch, dass unter den arabischen Ministern „sehwerwie. gende Meinungsverschiedenheiten“ über ihre Haltung zu Bonn herrschten, obwohl auf einer früheren, zehnstündigen, rec*ht stürmischen Sitzung schon ein diesbezüglicher Beschluss gefasst worden war. der folgende drei Punkte beinhaltete:'!, die so. fortige Rückberufung aller arabischen Botschafter in Bonn, 2. den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit der Bundesrepublik, fälls Bonn und Jerusalem wirklich die Beziehungen aufnehmen, und 3. der wirtschaftliche Boykott Westdeutschlands. „Le Monde“ versichert, dass verschiedene Araberstaaten, einschliesslich Tunis, Libanon und Saudi Arabien, sich einem völligen Bruch mit Bonn widersetzen. Die Zeitung bemerkt, dass „die arabischen Regierungen sich unter dem Druck des Volkes gezwungen sehen könnten, eine noch schärfere Haltung Deutschland gegenüber einzunehmen.“ Einer der arabischen Politiker, der die Ansichten Nassers am meisten unterstützt, sei der algerische Präsident Ben Bella, der erklärt hat. dass „die Stunde der Wahrheit gekommen ist.“ KAIRO WARNT BONN Kairo. — Die Vereinigte Arabische Republik teilte Deutschland offiziell mit, dass sie die diplomatischen Beziehungen abbrechen »erde, falls Bonn den Staaf Israel anerkennen sollte. Der ägyptische Aussenminister informierte den westdeutschen Geschäftsträger, dass der Botschafter der VAR in Bonn zurückbeordert wurde und nicht zu Besprechungen nach Kairo gerufen worden ist. Vorher hatte sich die Mehrheit der arabischen Staaten für den Abbruch der diplomatischen Beziehungen im Falle der Aufnahme der Beziehungen zwischen Jerusalem und Bonn ausgesprochen. Die Abstimmung auf der Konferenz der arabischen Aussenminister in Kairo stellte nur ein<-'i Teilerfolg für Nasser dar, da sich nicht mehr als sechs der dreizehn versammelten Länder bereit erklärten, Ostdeutschland als zusätzliche Repressalie anzu erkennen, während es der Wunsch Nassers war, dass diese Anerkennung einstimmig erfolgen sollte. Nasser hatte in der vergangenen Woche in einer flammenden Rede angektindigt dass er nicht nur die Beziehungen mit Deutschland ab brechen werde sondern au. sseroem das gesamte Eigentum der Westdeutschen in der VAR zu konfiszieren gedenke. TUNIS IST ANDERER MEINUNG Der tunesische Präsident Habib Bourguiba ist mit der Art nicht einverstanden in der Nasser die Spannung zwischen Bonn und Kairo lösen will. Bourguiba setzte Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N1? 826.205 sich in seinen Reden, die er in Transjordanien und Libanno gehalten hat, für eine Beilegung der arabisch-israe. lischen Streitfragen ein. Die Zeitung „El Ahrum“ veröffentlichte ein Kabel aus Kuwait, in dem es heisst dass die Behörden die.ses winzigen Petroleumstaates Truppen einsetzen mussten, um Bourguiba während sei nes Besuches in diesem Land zu schützen. Das Blatt enthüllte auch die Namen der Staaten, die gewillt sind, Ostdeutschland anzuerkennen. wenn Bonn diplomatische Beziehungen mit Israel aufnimmt, nämlich die VAR, Irak, Algerien, Kuwait, Sudan und Jemen. BONN AN DIE ARABER Bonn. — Die Regierung Westdeutschlands würde einen diplomatischen Bruch mit den arabischen Staaten „tief bedauern“ und wird versuchen, die Araber zu überzeugen, um diesen zu verhindern, wie ein autorisierter Sprecher erklärte. Staatssekretär Karl Günther von Hase setzte den Journalisten auseinander, dass die Regierung glaube, mit ihrem Beschluss, die Lieferung von Waffen an Israel einzustellen, einen bedeutsamen Beitrag zur Aufrechter, haltung des Friedens im Mittleren Osten geleistet zu haben. Er informierte die Presse im weiteren, dass der persönliche Abgesandte des Bundeskanzlers Ludwig Erhard, Dr. Kurt Birrenbach, in dieser Woche in Israel die Unterhaltungen über die Einste! lung der Waffenlieferungen^ und den Austausch von Botschaftern wieder aufnehmen wird. Der Beschluss des is. raelischen Kabinetts, den Vorschlag Bonns über die Herstellung diplomatischer Beziehungen zu akzeptieren, wurde von der bonner Regie rung „mit grosser Befriedigung aufgenommen“, so fügte Hase hinzu. Mit dem Hinweis auf die gegenwärtig in Kairo tagende Konferenz der arabischen Aussenminister bemerkte Staatssekretär von Hase, dass eine sorgfältige Analyse „angesichts der diplomatischen Berichte, die wir aus allen arabischen Hauptstädten erhalten“ angeraten scheine. Inzwischen, so fuhr er fort, „werden wir weiter bemüht sein, die arabischen Staaten von unserem ehrlichen Wunsch zu überzeugen, zur Lockerung der Spannung im Mittelosten beizutragen.“ Die Nahost-Krise B. B. S.: — Trotz eines ungewöhnlichen Aufwandes an Menschen und Propagandamitteln ist es Nasser im entscheidenden Augenolick seiner Bemühungen, Israel zu isolieren, nicht gelungen, die sonst so billig erkaufte Einheitsfront der arabischen Staaten herzustellen. Sicherlich war es keine Sympathie für Israel, die Bourguiba bewegte, sich einem einheitlichen Beschluss über den Abbruch der Beziehungen zu Westdeutschland durch die Araberstaaten entgegenzustellen. Io der Politik entscheiden aber, so bedauerlich dies auch mitunter sein mag, nicht die Prinzipien, sondern der Erfolg. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet .dürfte dfeEntwicklung der Krise im Mittleren Orient in den letzten Tagen eine für Israel nicht ungünstige Wendung genommen haben. Die nach aussen hin stets bewahrte Einheitsfront der Araber wurde gleich durch drei Länder gebrochen: Libyen, Tunis und Marokko. Die deutschen Kredite und sonstigen Zahlungen haben ganz offensichtlich die Ver. sprechungen Nassers aufgewogen, der voraussichtlich mit grösserer Zurückhaltung in den nächsten Tagen Vorgehen wird. Die hemmungslosen Ausschreitungen in verschiedenen Ländern und die Plünderungen der deutschen Botschaften werden sich sicherlich negativ auswirken und den deutschen Standpunkt verhärten. Hieran wird auch der russische Vorstoss, dass eine Wiedervereinigung der beiden deutschen Republiken ausgeschlossen sei, nichts mehr ändern, denn im Grunde genommen ist es die selbe Haltung, die Russland seit vielen Jahren in dieser Frage eingenommen hat. Eine besondere Bedeutung haben die Verhandlungen, die Israels Aussenminister in Paris führt, da sie nicht allein der Ueberwindung der augenblicklichen Krise dienen, sondern eine Lösung der schwierigen Probleme im Mittel, osten anstreben. Da Frankreich seit Jahren eine Freundschaft mit Israel verbindet, und General de Gaulle in letzter Zeit auch engere Kontakte zur arabischen Welt aufgenommen hat, dürfte die französische Bereitschaft zur Vermittlung zwischen den streitenden Parteien nahe sein. Jedenfalls liegt hier eine reale Chance für Israel und vielleicht für den bedrohten Frieden, aus der augenblicklichen Situation einen vernünftigen Ausweg zu finden. Libanons, Libyens, Marokkos und der Botschafter von Tunis**"waren nicht abgereist doch nimmt man an, dass zumindest einige dieser Diplomaten in dieser Woche mit der gleichen Begründung jn ihre Länder gerufen werden dürften. Kuwait wird in Bonn von Saudi Arabien vertreten. ZUSTIMMUNG DER KNESSET ARABISCHE BOTSCHAFTER Bonn. — Wie auf Nachfra gen bekannt wurde, sind die Botschafter Algeriens, der VAR, des Jemen, Trans jordaniens. Saudi Arabiens und des Sudans von ihren betreffenden Regierungen „zu Beratungen“ aus Bonn abberufen worden. Ueber den irakischen Botschafter war nichts Näheres zu erfahren, und man weiss nicht, ob sei ne Abwesenheit auf gesundheitliche Gründe zurückgeht, da er sich vor kurzem einer Operation unterziehen muss, te. ' ‘ Die Botschafter Syriens, Jerusalem. — Die Knes set nahm den Kabinettsbeschluss zur Aufnahme diplorr atischer Beziehungen mit der Deutschen Bundesrepublik an. Die Abstimmung ergab 66 Jastimmen, 29 Neinstimmen und 10 Stimmenthaltungen. Bei Eröffnung der Debatte erklärte Ministerpräsident Eshkol, er sei sich bewusst, dass „die von uns geforderte Entscheidung keine Routineangelegenheit ist, aber in dem Widerstreit zwischen Gefühl und Vernunft muss die Notwendigkeit, Israel zu stärken und zu konsolidieren, das Zünglein an der Wage sein.“ Er gab zu bedenken, dass die durch die Tragödie des jüdischen Volkes geschaffene seelische und geschichtliche Belastung weit über die Grenzen der politischen Erfordernisse hinausgeht, doch die Schwere dieses Kontos, das mit keinem Mass zu messen sei, Israel nicht von der Pflicht befreit, für die Befestigung des Staates Sorge zu tragen. Eshkol wies darauf hin, dass Israels Sicherheit durch den Entschluss Bonns, eine übernommene Verpflichtung nicht zu erfüllen, eine Erschütterung erlitten hat, umsomehr als nach den nazistischen Verbrechen „jede bedachte oder unbedachte Geste der Deutschen, die die Position oder die Gefühle Israels oder des jüdischen Volkes schädigen könnte, an Schwere gewinnt.“ Israel ha. be eine entschlossene Haltung angenommen, so fügte er hinzu, doch es habe gleichzeitig die Hoffnung bewahrt, dass Deutschland seine Beziehungen mit Israel Und dem jüdischen Volk auf neue Grundlagen stellen werde. Der Dialog mit Deutschland, so bemerkte Eshkol im weiteren, wird nicht im leeren Raum geführt sondern unterliegt dem Einfluss ii ternationaler Faktoren ii allgemeinen und im besonderen der im Mittelosten geschaffenen Lage. Er unterstrich, dass Bonn in der Vergangenheit seine Haltung in der Frage seiner diplomatischen Beziehungen mit Israel dem Druck der Araber unterworfen habe. Daher sei der Vorschlag des deutschen Bundeskanzlers zweierlei Motiven zuzuschreiben und „im Licht der Umstände höchst bedeutungsvoll als ein Beispiel des Widerstandes gegen die arabische Erpressung.“ ALGERIEN SOLIDARISCH Algier. — Algerien wird seine diplomatischen Beziehungen mit Westdeutschland abbrechen, „sobald Bonn Israel anerkennen wird“, kündigte der algerische Aussenminister Bouteflika an, als er aus Kairo zurückkehrte. Er fügte hinzu, dass «Algerien alle Massnahmen durchführen wird, die seine Solidarität mit der VAR bekräftigen und der arabischen Sache dienen können. Aus informierten Quellen verlautete, dass der Abbruch der diplomatischen Beziehun. gen mit der deutschen Bundesrepublik nicht bedeute, dass Algerien nunmehr Beziehungen mit Ostdeutsch land aufnehmen wird. i II i3L

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