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Jüdische Wochenschau · 1965-03-05 · 2106 (5.3.1965) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2106 (5.3.1965)
Date
1965-03-05
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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C £ o C K S3 — fe a «b FRANQUEO PAGADO Concesión 998 < o TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Ano XXVI BUENOS AIRES. VIERNES 5 DE MARZO DE 1965 N? 2106 EL EJEMPLAR en toda ta República PUEÏRREDON 2190 19 fzq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Im Tübinger Stutthof Prozess ist der 67 Jahre alte ehemalige .Sc-Haupr-scharfnhrer Otto Haupt wegen versuch, ten Mordes und Beihilfe zum Mord zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm auf zehn Jahre aberkannt. Der ehemalige SS - Oberscharführer Bernhard Lüdtie wurde wegen Beihilfe zu denselben Delikten zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt Beiden Angeklagten wird die Untersuchungshaft angerechnet Der Angeklagte Olt« Karl Knott wurde auf Kosten der Staatskasse freigesproohen Das Schwurgericht blieb mit seinen Uliehen erbeblich hinter den Anträgen des Staatsanwalts, der gegen den Tischlermeister Haupt aus Olterdingen im Kreis Tübingen. den ehemaligen „Sanitätsspiess“ des Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig wegen eines Mordes lebenslänglich Zuchthaus und Wegen Teilnahme an hundert tödlichen Benzminjektivien und 20 Exekutionen weitere 15 Jahre Zuchthaus bean tragt halte. Der Textilkaufmann Lüdtke aus Paderborn, der SarhheaiWiter der politischen Abteilung in Stutthof war, sollte fiir neun Jahre ins Zuchthaus, ihm wurde gemeinschaftliche Beihilfe zum Mord durch Vergasung von 35 polnischen Häftlingen sowie von 85 sowjetischen j Kriegsgefangenen und fünf j sowjetischen Offizieren vorj geworfen. Ausserdem 22 Fälj le der Beihilfe zur gemein-; sc baulichen Tötung von 180; jüdischen Frauen durch Ge- | nickschüsse- Für den Berli; ner Arbeiter Knott, der als Desinfektor und Sanitäter in Stutthof war, hatte der An. : klage Vertreter wegen Beihilfe zum Mord mehreren Fällen drei Jahre und drei i Monate Zuchthaus gefordert- Das Gericht konnte trotz j sechswöchiger Verhandlung die Beteiligung der Ange klagten an den Verbrechen,! die vor 20 Jahren in dem ’ Konzentrationslager verübt , wurden, nicht völlig klären, j Eis hielt das nicht immer ' zweifelsfreie Erinnerung.?- ' vermögen der zahlreichen Zeugen den Angeklagten zugute. Gleichzeitig wies der Vorsitzende darauf hin, dass die Angeklagten, von ihren Taten in ptutthof abgesehen bisher straffrei gelebt hätten Im Dritten Reich sei das Rechtsempfinden - 'm den da- , maligen Machthabern ver. ' dorben v/orden Das Gericht betonte, den Angeklagten | von JAKOB KATZ-ROGASEIS Bombenanschlaege Tel Aviv. — Zwei Bomben von g roser Explosivstärke verursachten in Kfar Hess, 8 km von der transjordanischen Grenze, beträchtliche Schäden Anscheinend haben arabische Terroristen, die der neu gegründeten Organisation „Fata“ der so genannten Palästina-Armee angehören, die Bomben gelegt. Diese zerstörten den Getreidespeicher der Siedlung und einen Teil des Kolonistenheims. Menschenleben waren nicht zu beklagen. (ITA) hätte das Verbiecherische ihres Tun bewusst sein müssen Sie seien zum Teil weit mehr an den Verbrechen beteiligt gewesen, als es auch fiir SS Begriffe notwendig war. Haupt, der einem Häftling von einem Schemel aus auf die Brust gesprungen war, habe ein Beispiel seltene-- Gefühlskälte und Erbarmungslosigkeit gegeben- Auch bei den „Abspritzungen*- und Genickschussaktionen nabe er sich mehr als notwendig hervorgetan- Dem Angeklag j ten Liidtke, der für fünf Jahre die bürgerlichen Ehrenrechte verliert, warf der : Vorsitzende Feigheit Vorbild tke hätte nach Meinung des Gerichts zumindest versuchen sollen, von seinen! Vorgesetzten von der Teil- , nähme an den Morden frei ] gestellt zu werden. Knott! konnte nicht nachgewiesen! werden, dass er jüdische! Frauen mit Benzinspritzien - ins Herz getötet habe, Auch j die Vergasung von polni : sehen Häftlingen wurde ihm j nicht als Baihilfe zum Mord I ausgelegt Den beiden Haupcangeklag I ten wurde vom Gericht der Tod von mindestens 290 Häftlingen wenigestens teil weise zur Last gelegt. Wie Landgerichtspräsident Dr Kellermann in der Urteilsbegründung sagte, hat Haupt mindestens 40 kranke Häftlinge durch Benzininjektionen getötet oder töten lassen Dies sei ihm einwandfrei, unter anderem auch aufgrund der Aussagen seines Mitangeklagten Knott, nachgewiesen worden- Durch Aussagen Lüdtkes sei Haupt auch der Teilnahme an wenigstens sechs „Geniekschussaktio. nen“ überführt, bei denen mindestens 180 Jüdinnen ge. tötet wurden Die Teilnahme Haupts an den Morden in der Gaskammer und in einem Eisenhahnwaggon sowie an Selektionen sei dagegen nicht mit hinreichender Sicherheit bewiesen- Auf G’-nna eigenen Geständnisses sei Lüdtke der Teilnahme an sechs Geniekschussaktinnen an der „Messlatte“ überführt. Bei vier Aktionen habe er dabei zusammen mit anderen SS-Angehörieen eigenhändig zwanzig Menschen erschossen. Lüdtke habe ausserdem vierzig verwundete sowjetische Kriegsgefangene in die Gaskammer geführt- Ausdrücklich betonte der Vorsitzende Dr Kellerirann das Gericht stehe in Uebereinstimmung mit der Rechtsprechung des Bundesge riehtshofes auf dem Stand, punkt. dass die nationalsozialistische Gesetzgebung- oder .Führerbefehte1 keine Rechtskraft besessen hätten, soweit, sie dem normalen Rechtsempfinden widersprechen. Bei dem Urteil habe jedoch der Hinweis der Verteidt. cyimsr, dass sich die verar»*-- wort hohen Schichter, der Bevölkerung passiv verhalten hätten, bcrückstrhtigt werden müssen * Die Urteilsbegründung gibt Tili verschiedenen Zweifeln und Kritiken Anlass Man kann wohl unter keinem Gesichtspunkt erklären, dass die Angeklagten „von ihren Ta ten in Stutthof abgesehen-* sonst straffrei gelebt haben Wie kann man von den Verbrechen absehen, die von den Angeklagten mit det grössten Grausamkeit, wie vom Vorsitzenden selbst betont, begangen worden sind? Man könnte dann doch dasselbe von allen anderen Kriegs und sonstigen Verbrechern sagen, deren besondere Schuld gerade darin liegt, dass sie diese schrecklichen Untaten begingen, im übrigen aber in ihrer Mehrheit Menschen waren, die sehr wohl Recht von Unrecht unterscheiden konnten. .Unbescholtene* Massenmörder ist eine neue Kategorie von Menschen, wie sie | vom Gericht offensichtlich ' erfunden worden ist- Noch ein zweiter Gesichts- | punkt gibt Veranlassung, Bej denken zu äussern Kann | man wirklich mit einer so! neutralen Phrase wie „im I Dritten Reich sei das Rechts.! empfinden von den damali-; gen Machthabern verdorben I worden“, die wahre Situation kennzeichnen? Ist der Mas senmord an HUfslosen. an Frauen und Kindern damit zu erklären, dass das Rechtsempfinden verdorben wurde? Diese Formulierung ist recht unglücklich. Der Au ssenstehende gewinnt den Eindruck einer Bagatelüsie rung, was sicherlich vom Ge. rieht nicht beabsichtigt wurde- Damit wird aber ungewollt und unbewusst einer Tendenz Vorschub geleistet, die von alten wie neuen Nazis in der Oeffentlichkeit vertreten wird- Es war alles nicht so furchtbar, wie man dies allgemein darstellt Die Greuel in den Lagern waren harte, aber notwendige, keineswegs jedoch grausame Massnahmen. Auf diese plumpe Weise will man die Schande ablenken, die alle gemein sam auf sich geladen haben. Schliesslich ist auch der Hinweis auffallend, man müsse bei der Bemessung der Strafen berücksichtigen, dass „sich die verantwortlichen Schichten der Bevölkerung passiv verhalten“ hätten. Wenn dies der Fall gewesen wäre, wer oder was soll mit solcher Begründung entschuldigt werden? Selbst wenn man sich auf den Standpunkt stellen wollte, die breite Masse der Bevölkerung habe sich passiv verhalten, — eine Meinung, die erst bewiesen werden müsste. — dann ändert doch das nichts an der Verantwortlichkeit der Verbrecher Sie wussten doch sehr gut, was sie taten - ihnen war auch bewusst, dass sie Verbrechen verübten- Sie taten dieses Unrecht mit Vorsatz, weil sie annahmen, dass ihr Morden bei ih. Der Besuch Harrimans in Israel Jerusalem. — Die Besprechungen zwischen AvareU Harriman und den Mitgliedern der Regierung Israels dauerten bis zu seiner Weiterreise nach Afghanistan an. Offiziell sickerte nichts vom Inhalt dieser Besprechungen durch; doch weiss man, da*> angesichts der zunehmenden Spannung im Mittleren Orient die Möglichkeiten zur Verteidigung Israels erwogen wurden. Anscheinend fordert Israel direkte, militärische Unterstützung von den Vereinigten Staaten, da deren Ansicht, dass ein „Wettrüsten unerwünscht“ sei, in Hinblick auf die enormen sowjetischen Waffenlieferungen an Syrien und Aegypten hinfällig geworden ist Harriman, der mit Eshkol, Golda Meir und Ben Gurion verhandelte s>il auch die Absicht des Präsidenten Johnson, Israels Jordanwasser-Plan zu unterstützen, bekanntgegeben haben. Es wurden auch nach der Abreise Harrimans keine offiziellen Bericht über die Ergebnisse der Besprechungen bekanntgegeben Harriman selbst erklärte: „Unsere Besprechungen waren aufrichtiger und freundschaftlicher Natur Wir waren uns über alle entscheidenden Punkte einig.“ Im Flughafen erklärte er, dass er möglicherweise am 8. Mai zur Eröffnung des israelischen Museums in Jerusalem wiederkehren würde- Wie aus verlass!,eher Quelle verlautet, sollen in der Frage der Waf:enbeliefernng durch die USA „Fortschritte* erzielt worden sein. Alles in allem soll in allen politischen Fragen „globales Einverständnis“ geherrscht haben. Die Besprechungen werden als die bisher bedeutendsten Konferenzen zwischen Israel und den USA bezeichnet- Die is raelischen Funktionäre zeigten jedoch nur einen „vorsichtigen Optimismus“. Dennoch soll in allen Fragen der israelische Standpunkt hinlänglich geklärt worden sein, um etwaige Missverständnisse zu vermeiden. (ITA) ren Vorgesetzten Beifall finden werde. Sie taten es um befördert zu werden, um noch einen Orden zu bekommen, um sich zu bereichern- Und dann sollen sie heute für sicih in Anspruch nehmen können, dass die breiten Schichten der Bevölkerung : sich passiv verhalten, also zu den Verbrechen geschwiegen! haben? j Diese Hinweise des Ge-! richts bleiben im Angesicht der Schwere der Verbrechen unverständlich- — Justiz-Provokation von Frankfurt Selten war ein Prozess gegen nationalsozialistische; Kriegsverbrecher und Masi senmörder mit soviel Auf | merksamkeit und Leiden-! sebaft in den Nachbarlän-! dern der deutschen Bundes- ' republik verfolgt worden, wie! der in Frankfurt jetzt zw En-; de gegangene gegen Eiehj manns Mordgehilfen Her. i mann Krumey und Otto j Hunsche. Noch niemals hat I ein Urteil eine so tiefgehen- | de Erregung, eine so einhelj lige und entrüstete Kritik! in der französischen und beli gischen Oeifentltehkeit aus- | gelöst wie der Freispruch für Hunsche und die 5 Jahre i Haft für Hermann Krumey- , selbst die Blätter, die seit! Jahren das Vergessen und , die Annäherung predigen | und die alles tun, um das de-! mokratisch Positive in der j deutschen Bundesrepublik! ihren Lesern einzuprägen; und lebendig zu machen. ■ sind in beispielloser Weise schockiert und reagieren mit noch nie erlebter Heftigkeit auf ein Verdikt, das sie als einen ..Skandal ohne Beispiel“ bezeichnen. Man braucht nur einige Beispiele zu zitieren, um zu sehen, dass diese Empörung von links bis rechts geht. Der grosse konservative ,Le. Figaro*' Oneh:- als 600 000 Auflage) In Paris spricht heftig irritier t vn einem ..Urteil voll von Nachsicht und Milde“ Die rechIsbiirgerüche Pariser „1,’Aurore“. ein in den Kreisen des fi anzösischen Mittelstandes dominierendes Blatt mit einer halben Million Auflage, nennt das IJr. yon KURT KAISER-BLUETH teil in Fettdruck „skandalös“ und schreibt unter anderem : „Nach dem unglaublichen Verdikt von Frankfurt versteht man, dass die israelischen Richter darauf Wert gelegt haben, Adolf Eichmann in ihrem Lande den Prozess zu machen. Man versteht jetzt auch, dass es Bonn so eilig hat, die Verjährung der Kriegsverbrechen zu erklären“ Es ist hinzuzufügen, dass „L’Auro. re“ in der europäischen Einigungsbewegung aufs stärkste engagiert ist und seit jeher für die Eingliederung der Bundesrepublik in die Gemeinschaft der europäischen Völker plädiert hat- „Combat“. das gemässigte linke Blatt der französischen Intelligenz, überschreibt seinen Bericht über das Urteil mit dem fettgedruckten Titel: „Skandalö ses Urteil in Frankfurt“ und es versteht sich von selbst, dass die kommunistische ,,L‘ Humanité" ganze Leitartikel der Entscheidung der Frankfurter Richter widmet. Fast noch, scharfer als die französische Presse reagiert die Presse im belgischen Königreich auf die Frankfurter Justlzprovokation. Belgiens grösste Zeitung, der Brüsseler „Le Soil-“, rund eine Million Auflage, widmet dem Prozess einen giessen Artikel 8,us der Feder Alfred BrocVtards. in dem man unter anderem lesen kann: „Das beleidigend milde Urteil wirft von Neuem das Problem der Kriegsverbrechen in Deutschland auf. In den seltenen Fällen, wo die deutsche Justiz gewisse ihrer Landsleute wegen dieser Verbrechen verfolgt hat (denn die grosse Mehrheit von ihnen ist nicht einmal beunruhigt worden) spielt sich alles so ab, als ob man weniger eine Bestrafung und eine Wiedergutmachung, als eine Minimisierung der Din. ge suche- Alle Beurteiler sind sich darüber einig, dass eine grosse Anzahl von Deutschen, selbst die, die unschuldig an Hitlers Kriegsverbrechen sind, Verständnis für diese Verbrecher haben und dass eine Art von Solidarität zwischen den Verbrechern und den anderen existiert. Man ist irritiert, dass inan fortfährt, die Kriegsverbrecher anzuklagen... “ Die konservativ-katholische „La Libre Belgique“ (Auflage von 350 000 Exemplaren) zitiert Joel Brands letzte Worte vor seinem Tode: „Der Frankfurter Prozess wird in einer Art geführt, als gelte es, die Aktivität Eichmanns und seiner Mitarbeiter vor der Nachwelt zu vertuschen. Bisher glaubte ich, dass die Bundesrepublik nichts mit den ehemaligen Nazis zu tun habe und habe diese Auffassung immer in Israel vertreten Jetzt beginnen mir Zweifel in dieser Hinsicht zu kommen “ Und das Blatt weist auf die Erklärung des britischen Advokaten Henry Ormond hin, dass der Präsident des Frankfurter Gerichtshofes, Arnold Schmidt, Partei für die Angeklgaten nehme. „La Libre Belgique“ ist seit jeher für eine definitive Annäherung an die Bundesrepublik eingetreten und unterstreicht die engen Gemeinsamkeiten zwischen der Bundesrepublik und Belgien schon wegen der Vorherrschaft des katholischen Bevölkerungselements in beiden Ländern- Seine Ablehnung des Frankfurter Urteils ist umso bedeutsamer. „Le Peuple“ schliesslich, das Zentralorgan der Belgischen Sozialistischen Partei, die mit den Katholiken in der Regierung sitzt, überschreibt seinen Bericht mit dem ätzenden Gross-Titel: „5 Jahre Gefängnis für Hermann Krumey, den Stellvertreter Etkhmanns, das heisst, ein Tag Gefängnis für 250 in den Tod geschickte Juden!“ Und im Text kann man neben vielem anderen lesen: .. ein notorischer Kriegsverbrecher freigesprochen, ein anderer schuldig erkannt, an der Deportation von 437.000 Juden mit allem, was das an Schrecken mit sich gebracht hat, beteiligt gewesen zu sein, erntet — 5 Jahre Gefängnis... Es sollte wirklich auf der anderen Seite des Rheins Leute geben, die sich vor Scham über solche Vorkommnisse das Gesicht verhüllen.“ Impreso en la Impx-enta POLIGLOTA — Rivadavia 8M. Registro de la Propiedad Intelectual N? 826.205

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