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Jüdische Wochenschau · 1965-02-19 · 2104 (19.2.1965) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2104 (19.2.1965)
Date
1965-02-19
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1620 Año XXVL BUENOS AIRES. VTERiNE/S 19 DE FEBRERO DE 1985 N? 2104 ISRAELITA EL EJE.rtPLAK en toda la República PUEÏRREDON 2190 1« te«. T. E. 83 2613 Buenos Airea Beziehungen Bonn- — In den Beziehun gen Ist a:ji» zur Bundesrepu-; bltk bes*eiit eine fühlbare Spannung, seit Botin dem Druck der VAR nachgab und die Watienliefernngen nach Israel einstellte- Der Lei:« der israelischen Biukauismj-i&ion in Köln. Felix Shinnar, erklärte nach einer Aussprache mit. Bundeskanzler Erhard, dass er unverzüglich nach Tel Aviv reise wo man eine Dringlich- 1 keitssif/ung des Ministerrates einbe -oten werde. Erhard soll Sninnar in of ’ fizieller Form rmtge teilt hatien. dass die Bundesrepu, t>lik die Einstellung: der Waffen tieiet ungen an Israel beschlossen habe- Achtzig Proj zent der veisprcchenen Waf : fen wären bereit« geliefert worden; die restlichen 20 Prozent sollen durah andere Waren ersetzt werden- Die westdeutsche Regie rung wollte eine Erklärung über die diesbezüglichen Be Schlüsse veröffentlichen, doch erlitt diese eine Verzögerung, weil man erst das Ergebnis i der Besprechungen abwarten ■wollte, die der als Mittelsmann fungierende, spanische Diplomat Ms roués de Nerve mit Nasser führt- BekapntlkïR hatte Na-vser gedroht. Ostdeutschland offiziell anzuerkennen,. wenn Bonn seine Waffenlieferungen an Israel fortsetze. j REAKTION IN ISRAEL Tel Aviv. — „Nach der schmählichen Kapitulation; vor Kairo v <-d Israel .jeden finanziellen Ausgleiohsversu'. h der deutschen Bundes. , regierung snriickweisen“, erklärte ein Sprecher der israelischen Regierung. Die offizielle Stellungnah me der Regierung wird erst dann bekannt-gegeben, wenn Bonn die diesbezügliche Erklärungveröffentlicht. Israel i wird darauf energischer denn j je reagieren und Deutschj land an seine moralischen Verpflichtungen dem jüdi. selten Volk gegenüber erinnern. Der Jüdische Weltkongress setzte sich mit der israeli sehen Regierung in Verbin düng, um „eine Weltkampagne gegen Westdeutschland vorzubereifen" und das Regierungsorgan „Davar" schreibt: ..Deutschland wird seine moralische Schwäche den Erpressungen Kamos gegenüber teuer bezahlen- Denn damit fordert Bonn nur neue Erpressungen und neue Druckversuche auch von anderer Seite heraus Deutschland kann bei uns kein Verständnis ■ für sein Verhalten finden." REAKTION DER ARABER London — Wie der „Guardian" berichtet, wurde Bonns Beschluss in der arabischen Welt mit Jubel aufgenommen. Man feiert ihn als durchschlagenden Erfolg der arabischen Diplomatie und will daraus eine Lehre für die zukünftigen Vorhand'un. gen mit anderen Westmächten ziehen Die arabischen Zeitungen schreiben, dass Is rael eine Niederlage erlitten habe und dass Deutschland wieder zur Vernunft gekommen sei. REAKTION IN NORDAMERIKA New York. — Die Firma Philips van Heusen und andere Hemdenfabriken stornierten nach der Bekanntgabe über die Einstellung der Waffenlieferungen an Israel alle A .j*t' äge an deutsche Lieferanten. Andere nordamerikanische Firmen sollen diesem Beispiel folgen. Lawience Philips, Vizepräsident der genannten Firma, erklärte, dass sein Unternehmen alle Bestellungen, sowohl für Fertigware, als auch für Maschinen, rückgängig gemacht habe. Die Firma die jährlich 80 Millionen Dollar umsetzt, bezieht aus Deutschland gewisse Gewebe arten Auch die Firma Phi lip Rothenberg stornierte ihre Aufträge an Deutschlanderklaerung BF:N GI RIONS Tel Aviv. — Bei einem Bankett, das die israelische Presse ihm zu Ehren verán, st-alfet hatte, erklärte David Ben Gurion: tjebereinkunft. die ich im Ja «re 1961 mit Adenauer traf, wurde nicht rückgängig gemacht un<j ich weigere mich an einem Bruch zwischen Westdeutschland und Israel zu glauben. „Wenn Bonn den Riehtli- A ufruf zur Einigkeit London- — Maurice Edelman. Präsident der Föderation Englischer Juden, nahm auf einem Bankett dieser Organisation Gelegenheit, alle Juden Englands zu ermahnen, anlässlich des bevorstehsnden Besuches des sowjetischen Ministerpräsidenten Kosygin und des Sekretärs der Kommunistischen Partei Breschnew eine einheitliche Vertretung aufzustellen. Die sowie*''sehen Juden, so führte er aus, besässen zwar den £ einer nationalen Minorität, jedoch nicht die Reeine die andere nationale Minderheiten gemessen Zwar sei in ihren Ausweisen vermerkt, dass sie Juden sind, „was ihnen früher Vorteile sicherte, aber heute sind sie nur als Juden gekennzeichnet, ohne dass es ihnen Nutzen bringt-" In »einer Eigenschaft als Deputierter berichtete er. dass es in England im Jahre 1948 einen gewissen Antisemitismus, selbst im Parlament gab. aber der Sieg der Israel-Armee über die Araber in Palästina habe diese- Strömung ein Ende bereitet Ei’ fügte hinzu, dass die Juden in der ganzen Welt durch diesen Sieg ein grösseres Ansehen erlangt hätten; man bemitleide sie nicht mehr, und dies habe zu einer Schwächung des Antisemitismus beigetragen. (ITA) i nieu folgt, die der gewesene I Bundeskanzler vorzeichnete, kann es au keiner wirklichen J Krise kommen. Ich bleibe! auch weiterhin dabei, dass das Deutschland von heute ein neues Deutschland ist, das wir nicht hassen dürfen, auch wenn es in gewissen Fragen eine Politik übt. die ich als verfehlt bezeichnen muss" Bei der gleichen Gelegenheit meinte Ben Gurion. dass die Vereinigten Staaten Israel mehr Waffen liefern müssten. Israel, sagte er, müsse jeden Versuch zur Ableitung des Jordanwassers energisch zurück-weisen, doch dürfe man erst dann Gewalt anwenden, wenn ein solcher Versuch unternommen wurde und nicht schon vorher. DIE OFFIZIELLE STELLUNGNAHME Tc Aviv. — In einer Parlameiitssitzung erstattete Levi Eahkol seinen Bericht über dis offizielle Stellungnahme der israelischen Regierung; Er »agte unter anderem- „Jeder Staat, der den Frieden unserer Region und der i ganzen Welt vor Augen hat, i setzt sich die Erhaltung unt serer Verteidigungsmacht I zum Ziel. Wenn nun alle Länder guten Willens besorgt darauf achten', dass das Gleichgewicht dieser Vertei. digungskraft nicht gestört werde, ladet Deutschland ei- I ne Verantwortung auf sich, deren Schwere ohnegleichen I ist. Zur fundamentalen Ver- | pfjiohtung der Erhaltung des Weltfriedens gesellt sich hier noch die Verpflichtung des | Gedenkenden Ereignisse, die | im Herzen des jüdischen Voli kes Trauer, Zorn und Be- | stürzung hinterlassen habenj Denn die ganze gegenwärtige Generation lebt im Schatten des vergangenen Märtyrertums- Dieser historische Hintergrund bildet eine Verpflichtung für das deutsche Volk und seine politischen Führer, klare moralische Bedingungen zu erfüllen Die erste moralische Verpflichtung Deutschlands besteht darin, Israel mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu stärken und an keinem Unternehmen teilzuhaben, das die Sicherheit Israels bedroht- Deutschland wird danach beurteilt, wie es sich zu Is rael und dem jüdischen Volke stellt. Die Israel-Politik Deutschlands ist der Prüfstein vor dem Urteil der Welt: sie ist die Ausdrucksform der Wiedergutrrachungs - Bestrebungen für die finstere Vergan genheit und gleichzeitig auch die Garantie für eine Aufnahme in die Familie jener Nationen, die Sicherheit und Weltfrieden anstreben. Dies war wohl auch der treibende Grund für die seinerzeitigen Initiativen der Adenauer-Regierung, die eine Konsolidierung des jungen israelischen Staates als ihre Pflicht ansah. Der Beschluss von Bonn hat im jüdischen Volk und in der ganzen Welt eine Welle der Empörung ausgelöst- Denn es ist daraus deutlich der Versuch zu ersehen, sich strikten Verpflichtungen zu entziehen und gegebene Versprechen zu brechen — Ver sprechungen, die Israel bereits als garantierte Grundlage für seine Verteidigungsvorbereitungen genommen hatte. Der Beschluss ist doppelt schwerwiegend; zunächst einmal in seinen Auswirkungen für Israel, doch in zweiter Linie für Deutschland selbst Denn jedes Land, das einem solchen Erpressungsversuch nachgibt. opfert einen Teil seiner Unabhängigkeit Deutschland verlieh Aegypten damit das Privileg, in einer seiner internationalen Interessens pnär<-ii das gr -J-se Wort zu führen, was letzten Endes nur eine Weiterung der internationalen Weltkonflikte zur Folge haben wird Erpressung erzeugt neue Erpressungen Die daraus re sultierendeu. drastischen Folgen sind nicht abzusehen. Alle friedlichen Völker müssen zur Konsolidierung des israelischen Friedens beitragen! Der Bonner Beschluss gründet sieh auf das „Prinzip", die neuralgischen Spannungszonen nicht bewafinen zu dürfen Merkwürdig: gerade Westdeutschland, das selbst Mittelpunkteiner neuralgischen Spannungszone ist, bedient sich solcher Argumente. wenn es Israel die für seine Verteidigung so notwendigen Waffen verweigert- Die Begründung entbehrt jeder Grundlage. Hier handelt es sich nicht um „Spannungen*', sondern um bedrohliche Kriegsvorbereitungen der arabischen Staaten gegen Israel- Im Zusammenhang damit ist es auch von schwerwiegendem Interesse, dass die deutschen Wissenschaftler immer noch im Dienst der Aegypter stehen und deren Kriegsmaschinerie stärken. Der erhebliche Kontrast zwischen der Beflissenheit, mit der die Bundesrepublik den arabischen Forderung-r> nachgab und der Passivität dem israelischen Ansuchen gegenüber, die Wissenschaftler aus Aegypten zuriiekzuberufen, muss jedem auffallen. In den Beziehungen zwischen der Deutschen Bundesrepublik und Israel muss klar und unmissverständlich die deutsche Verpflichtung zur Sicherung 's-.-ielá aufreenterbalten blei>er. und v >n dieser Verpflichtung kann sich Westdeutschland durch keinerlei Entschädigung finanzieller Art freimachen. Wir nehmen keine Tauschobjekte für die uns versprochene Sicherung unserer TJn. abhängigkeit an “ EINSTIMMIG ANGENOMMEN Jerusalem- — In der Knesset wurde mit 54 Stimmen gegen 26 die von Eshkol beantragte Ablehnung des deutschen Finanz-Angebots befürwortet- „Diese Vorfälle t«eddngen eine Revidierung unserer Be- NON PLUS ULTRA Stuttgart. — Wie sich vor kurzem herausstell-te, ww der Leiter der westdeutschen Untersuchungsbehörde für Kriegsverbrecher selbst ein Nazi!... Erwin Schule gab in einer Pressekonferenz am, im Jahne 1931, der NSDAP beigetiecen zu sein, u^m sich wegen seiner Aticmazi-Gesmnung keinen Verfolgungen aussausetzen. Schäle war in Ostdeutschland beschuldigt worden, in seiner Eigenschaft als Leiter der westdeutschen (Jntersuohung-szen traie für Kriegsverbreohen die angeklag ten Nazis zu decken. In der Pressekonferenz erklärte er, dass schon allein diese seine Nachkriegstätigkeit in der Untersu. ohungsaentrale das „Absurde" der kommunistischen Beschuldigung widerlege. Die von ihm geleitete Zentrale habe einen Grössten der in den Kriegsverbrecherprozessen verweivdeton Unterlagen zur Verfügung gestellt, inklusive die (»lastenden Schuldbeweise gegen die Leitung des Todeslagers von Auschwitz. - " Schüle versicherte, dass seine Parteizugehörigkeit zur NSDAP so „informell" gewesen sei, dass er selbst bis vor einer Woche nicht sicher gewusst hätte, ob er aktives Mitglied gewesen war; erst dne nach den Beschuldigungen vorgenommene Einsichtnahme in daa von den USA.Militärbehörden seinerzeit erbeutete O». kumenten-MaterLal in Berlin habe ihm die Richtigkeit dieser Behauptung bestätigt. Wiedersehen in Ravenna von KÜRT KA1SER-BLÜETH Ein langjähriges Opfer des Konzentrationslagers Bu ohenwald, das in Ravenna lebt, Arturo Poggi, erkannte unlängst iu «iem eleganten Herrenfahrer eines schweren Luxuswagens mit dem deutschen Nummernschild jener, Mann wieder, der ihn in den Jahren seiner KZ-Haft mehr als einmal geQuält hatte und der für Ihn der Inbegriff der nazistischen Unmenschlich keit gewesen war. den stell vertretenden Kommandanten des Konzentrationslagers Buchenwald. Arturo Poggi. kochend vor Zorn, ging gegen den Ex-Na. zi vor, während sich eine grosse Menschenmenge ansammelte. Eingreifen der Polizei gelang es, den Ex-Henker von Buchenwald vor Schaden zu bewahren. Auf dem Polizeikommissariat ge stand der Ex-Kommandant von Buchenwald seine frühere führende Tätigkeit im KZ Buchenwald ein- Die italienischen Behörden, die den Namen des ehemaligen SS- Offiziers nicht bekannt ge ben wollten, forderten ihn auf. unverzüglich das Land zu verlassen- Zwei Tatsachen sind hervorzuheben. die beredt genug sind, um keines Kommentars zu bedürfen. Erstens Arturo Poggi. das Opfer, lebt in grosser Armut und ist seit seinem Aufenthalt in der Hölle | von Buchenwald kränklich.; Der Kommandant des Todesj lagers indessen promeniert! mit einem schweren Luxusf wagen tea Ausland, befindet ] sich also offenbar in einer! ausgezeichneten wirtschaftli- ’ oben Situation. Zweitens: zweifellos mitverwickelt in die zahllosen blutigen Verbrechen. die in Buchenwald begangen wurden, lebt dieser Ex-Kommandant Hitlers uribelästigt ein übersattes Bür. gerdasein im Wirtschäftswunderland. ohne dass ihm die irdische Gerechtigkeit : auf den Fersen ist. | Wenn es einer Beweisfüih-; rung für die elementare i Notwendigkeit bedürfen wiir. i de. die Verjährungsfrist für j Kriegsverbrechen in der Bun- desrepublik zu verlängern, so wäre schon dies „Wiedersehen" in Ravenna ein überzeugendes Argument, Ziehungen zu Deutschland“, hiess es in der Beschlussfassung. Eshkol gab seiner Befriedi gung über die Einigkeit der Kammer gegenüber der schmählichen Kapitulation der Bundesrepublik vor den ägyptischen Erpressungen Ausdruck- Nach dieser scharfen, von der Knesset geübten Kritik warten die is'-ae’isrhen F! i'<- tionäre auf eine Initiative Bonns, die eine weitre Spannung in den deutsch.israelischen Beziehungen verhüten soll- (ITA) Exodus algerischer Juden Paris — Der Zustrom tunesischer und algerischer Juden nach Paris dauert an- Die meisten der Emigranten müssen von öffentlichen Organisationen unterstützt werden. In Algerien sind hur noch etwa 2 000 Juden geblieben- Sie sind in einigen kleinen Gemeinden, wie die von Algier, Oran und Orleanville konzen triert- Angeblich werden sie von den Behörden mit Toleranz behandelt- (ITA) israel-Reisen Bonn. — Bundesf amilien-! minister Heck soll für Rei ■ sen von Jugendgruppen nach | Israel im nächsten Bundes Jugendplan einen besonderen ' Finanztitel schaffen. Diese Forderung hat die Konferenz der Evangelischen Landesjugendpfarrer in einem Telegramm an den Minister aufgestellt. (AWZ) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N"? 826.205

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