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Jüdische Wochenschau · 1965-02-19 · 2104 (19.2.1965) · p. [Seite 5]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2104 (19.2.1965)
Date
1965-02-19
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German, Spanish
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Adar I Jsrat*Í ais snveite Die Ebsteins aus Ebstein Vor kurzem weilte zum zweiten Male in Jerusalem ein Gast aus Bern in dei Schweiz: Frau Gertrud Kurz Ueber sie schrieb der schweizer Bundespräsident Max Petitpierre vor vier Jahren zu ihrem siebzigsten Geburtstag: „Frau Gertrud Kurz stand und steht noch heute in vorderster Front derer, die den Flüchtlingen nicht nur ma terielle, sondern auch geistliche Hilfe zuteil werden lassen. Unzählige Flüchtlinge haben die Wohltat ihrer grossen Güte und ihres tiefen menschlichen Fiihlens genossen. Die schöne Aufgabe, die Frau Kurz erfüllt, hat ihr den Titel eines Doctor honoris causa eingetragen. Aber schon lange vorher hatten ihr die Flüchtlinge einen an deren Titel verliehen, nämlich „Mutter der Fliiehtlin ge“. Gertrud Kurz begnügt sich aber nicht damit, sich um das leibliche und seelische Wohl der Flüchtlinge zu mühen. In zahlreichen Vorträgen hat sie erfolgreich das Gewissen ihrer Landsleute aufgerüttelt“ Die aufopfernde Tätigkeit von Frau Dr. Kurz galt ganz besonders den jüdischen Verfolgten: als deren Rückgliederung in normale Lebensverhältnisse weitgehend verwirklicht war, -wandte sie Ihr Begleiter im Beruf, für die Reise und bei Festlichkeiten Carlton-Kleidung ★ MASSKLEIDUNG ★ FERTIGKLEIDUNG ★ LOHNANFERTIGUNG €k*%££c*s Ernst Koppel Mcripu 982 Tel. 31-7845 von SCHALOM BEN CHORIN sich in liebevoller Aufgeschlossenheit Israel zu, wo so viele ihrer Freunde aus den Jahren der Verfolgung eine neue Heimat gefunden hatten. In einem kleinen Zimmer in einem jerusalemer Hotel sass ich der Mutter der FHicntlinge gegenüber. Das Zimmer hatte kaum Raum genug für die vielen Blumen, die ihr aus allen Teilen des Landes geschickt wurden. Neben Frau Dr. Kurz sass der jerusalemer graf Meierowitz in Schulungskursen bereits Antwort auf Fiagen bekommen, die sich ihnen in Israel stellen. „Keiner soll nach Israel reisen, ohne sich der J Grosse der Schuld bewusst; zu sein, in der wir Christen! Israel gegenüber stehen“, er-! klärte Frau Dr. Kurz und be-! tonte auf meine Frage, dass I sie und ihre Freunde jede j Zusammenarbeit mit den , , , . | Kreisen der Judenmission abgerufen wurde. Nach Kriegsi )ehnerl hatten, wie etwa die Jugoslawen. Lange Zeit beherbergte die Schweiz 100 000 Flüchtlinge, von denen ca. die Halite Juden waren. Dr. Gertrud Kurz kommt aus der Bewegung „Christlicher Friedensdienst“, die im Jahre 3923 von dem Elsässer Etienne Bach ins Leben ausbruch 1939, als sich Frankreich wiederum im | Kriegszustand befand, über- : nahm Gertrud Kurz in Bern Pressefotoj die Leitung des Christlichen , einer von i Friedensdienstes und erkannvielen, denen Frau Dr. Kurz j Le, dass es in dieser Situa. in den schweren Jahren der { Lion keinen Friedensdienst Verfolgung geholfen hat. Er i ohne Flüchtlingshilfe geben fungierte sozusagen während \ könnte. So entstand das dieses zweiten Aufenthaltes! Werk, dem Zehntausende zu (Frau Dr. Kurz war vor 10 | verdanken haben, dass sie , Jahren schon einmal im Lan de) als ihr „Verbindungs-Of- 1 fizier“. Rückblickend meinte i Meierowitz: wenn die jüdische Flüchtlingshilfe und ani dere Instanzen den Flücht- I lingen die Suppe und das : tägliche Brot, verabfolgten, so war das „Dessert“ nur bei! Mutter Kurz zu bekommen, j Wo alle Instanzenwege zu 1 Ende waren, da verstand sie | es durch Intervention bei; den schweizer Behörden; noch immer einen neuen | Weg zu bahnen.! Man macht sieh heute | kaum mehr eine Vorstellung ' von dem Flüchtlingsproblem,; mit dem sich Frau Dr. Kurz und ihre Mitarbeiter, der! evangelische Flüchtlingspfar. , rer Dr. Paul Vogt, konfron-! tiert sahen. Im September j 1942 wurden die Grenzen der Schweiz geschlossen. Schon vorher hatte das schweizer Gesetz festgelegt, dass nur Flüchtlinge in der Schweiz verbleiben durften, die selbst für ihren Unterhalt au sorgen vermochten. Frau Dr. Kurz, setzte durch, dass diese Bestimmung geändert wurde und auch Flüchtlingen Asyl gewährt wurde, die glaubhaft machen konnten, dass sie in ein anderes Land weiterwandern wollten. Bis zu 300.000 Flüchtlinge waren während des Zweiten Weltkrieges in der Schweiz, darunter ganze Armeen, die ihre Waffen niedergelegt DEINE SPARKASSE DEIN HOBBY & -NJS Ml?* SP « STAMPS CENTER V? X* äV 94 Aüenby Rd. TEL AVIV P. O B. 4444 BERNARDO STERN Ausführung saemtlicher MALERARBEITEN HELGUERA 1915 T. E. 58-4052 AUTO - REPARATUR - WERKSTATT „BENO” BEÑO HUTSCHNECKER Avda. CONSTITUYENTES 4902 (Ecke Monroe) T. E. 51 - 2205 die Zeit der Bedrängnis über! standen haben. Ee war nicht I leicht. In der Schweiz gab es einerseits Kreise, die mit Deutschland sympathisierten j und damit den Emigranten! feindlich gegenüber standen, aber noch weitere Kreise fürchteten einfach, dass die Flüchtlinge den Schweizern die Butter vom Brot nehmen würden. Frau Dr. Kurz liess sich vom statistischen Amt in Bern bescheinigen. dass durch die Anwesenheit der Flüchtlinge sich die Butterration der Schweizer um ganze 5 Gramm pro Tag verringerte, was kaum als Bedrohung der Volksgesundheit anzusprechen war. Gegen Vorurteile gegen eine starre Bürokratie, gegen die Trägheit des Herzens führt« sie einen siegreicher Kampf. Heute steht Frau Dr. Kurz wieder als internationale Sekretärin des Christlichen Friedensdienstes in der ursprünglichen völkerversöh nenden Arbeit, in die jetzt auch Israel einbezogen ist. Vor 5 Jahren zog die erste Gruppe des Christlichen Friedensdienstes nach Israel, ziemlich zaghaft noch, aber gespannt auf den Dienst, von dem man zunächst nur wusste, dass er ein Versuch der Mitarbeit in zwei Kibbuzim sein sollte. Zu dieser ersten Gruppe gehörten nur 7 junge Menschen aus Frankreich, der Schweiz und Deutschland, und sie wurden die Pio niere der Arbeit des CFD in Israel. An 70 junge Menschen hat Frau Dr. Kurz so nach Israel gebracht. Diese Menschen kommen nicht unvorbereitet, denn Frau Di'. Kurz lässt es sich angelegen sein, dass sie Viele der jungen Burschen und Mädchen de« CFD bleiben länger als die vorgesehenen drei Monate im Kibbuz oder kehren zurück nach Is-; rael, oft in Begleitung ihrer : später in ihrer Heimat ge- I heirateten Frauen oder Mäni ner. „Für alle ist Israel eine , zweite Heimat geworden“ meinte Frau Dr. Kurz lä-; cheind und fügte hinzu: | „Das jüdisch-christliche Ge- | sprach, um das es uns heute geht, ist im vollen Gange.“ Ueber 200 jugendliche Hel- 1 fer entsendet Frau Dr. Kurz j durch den CFD pro Jahr, | nach Griechenland. Algerien,; Afrika und eben auch nach j Israel, wobei die Zusammen. , arbeit, mit dem religiös nicht | fe.stgeiegi.en Friedensdienst ' des „Zivildienstes“ harrnoj nisch vor sich geht. Nach Is. rael kamen Gruppen des j CFD wie auch des Zivildien-! stes, und andererseits haben | sich auch junge Juden dem | Christlichen Friedensdienst; angeschlossen, zwar nicht als ' Mitglieder, denn als solche 1 können nur Christen aller; Konfessionen aufgenommen; werden, wohl aber als Freunde und Mitarbeiter, i In Israel wurde Frau Dr. : Kurz mit dem Gertrud-Kurz. Wald bei Jerusalem des KKL i schon vor vier Jahren ge-; ehrt, jetzt überreichte man i ihr in dem Kibbuz Naehscho. nim die Schlüssel zu einem kleinen Haus, das für die! freiwilligen Arbeiter des CFD . errichtet worden ist. I Frau Dr. Kurz liebt die I Menschen und hasst die | Grenzen. So will sie auch die | Kluft zwischen Israel und , seinen feindlichen Nachbarn | Überdrücken und hat einige i Arbeiter nach Ranjalla in | Transjordanien entsandt.! Auch einigen arabischen | Flüchtlingen, die ihren Weg . in die Schweiz fanden, wendet sich ihr fürsorgendes Interesse zu. Sie will durch Lie; be den Hass bekämpfen, und j es gelingt ihr immer und; immer wieder, Menschen, die | durch unselige politische | Vorurteile getrennt sind, einander an/,n nähern. Der Lame Juaeuourg (in der Steiermark) lässt auf eine frühe Judensiedlung sch dessen, und schon im ersten Band der Germania Ju daiea, die nur bis 1238 reicht, wird von einer Judensiedlung in Judenburg berichtet. Es ist daher verständlich, dass auch in den k'-einer. Städten des Kreises Juden bürg frühzeitig Juden siedelten. Eine dieser kleinen : Städte heisst Ebstein, und i in ihr lebte u. a. eine Farni i lie, die sich nach dem Heii malsort Ebstein nannte. I Alie Mitglieder dieser Fa I milie, auch wenn sie sich Ep-! stein oder Eppstein schriej ben, sind Leviten. Der älte- I ste, uns bekannte Träger die- | ses Namens ist Nathan Hale. vi Epstein, im 14. Jahrhundert Dajan in Frankfurt am Main. Weitere bekannte Mitglieder dieser Familie im ausgehenden Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit sind Me.' schullam Salman ben Jakob Epstein, um 1480, Nathan ben Aron, Vorsteher in Frankfurt um 1540, Moses gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Meir ben Jakob ist einer der ersten fünf Drukkereibesitzer um 1500 in Prag, und in der Mitte des 17. Jahrhunderts ist wieder ein Jakob ben Meir Vorsteher in Prag. Auiiaiieiid ist. Oie Boaenstäudigkeit der Familie in etwa 200 Jahren. Aber selbst-! verständlich verbreitete sie sich, und wir finden Mitgiie- , der der Familie in arideren Teilen Mitteleuropas und in Osteuropa. Immer aber ist sie daran zu erkennen, dass , sie zu den Leviten gehört. : Auflallend ist auch, dass, die; Vornamen Jakob und Meir j immer wiederkehren. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts finden,! wir einen Lehrer und Prediger Meir Epstein in Hoppstaetten a Nahe (Fürstentum Birkenfeld >; sein Sohn heisst wieder Jakob, wandert nach Amerika aus, ist dort Apotheker und ist im Alter von fast 90 Jahren in Israel gestorben. Dessen Sohn Jizchak ist in Amerika geboren und trägt daher den Namen Irvin. Er ist vor über : einem Jahr in Israel gestor-! ben, viel zu jung, mitten aus einem rastlosen, der Allge- \ Kleinheit gewidmetem Leben. Da man zum Andenken an | einen Verstorbenen etw'as zu i lernen pflegt, weil Mischnah und Neschawah die gleicher» Buchstaben haben, so sei diese kleine Familienforschung in seinem Sinne und zum Segen seines Andenkens hier wiedergegeben. 1 Rabb. Dr. NEUFELD DIE JUDEN IN IRLAND Im Jahre 1956 gab es in Irland 5.800 Juden, heute nur noch 4.000. Der starke Zug zur Auswanderung hat sich auch auf die Juden ausgewirkt. Von antisemitischen Ideen, ausser bei einigen wenigen Leuten, kann in Irland keine Rede sein. Sowohl vor dem Gesetz wie in der Praxis der Verwaltung sind die Juden vollkommen gleichberechtigt. i Die Juden Irlands gehen I in der Hauptsache nach Eng- I land, weil dort für sie bes- I seie Möglichkeiten bestehen, j Es geht ihnen in Irland j nicht schlecht. In den letzj ten Jahren hat die Indu. I striaiisierung des Landes zu- : genommen. Aber in England ist das Lehen für tüchtige Leute in Geschäft und Industrie doch besser. Die jungen Leute heiraten ins Ausland AUS ALLER WELT , und gehen so dem Lande : verloren. J Die Gefahr der Asshr-ila- | tion ist nicht sehr stark, weil die katholische Gesellschaft für bewusste Juden kaum attraktiv wirkt. Die jüdische Bevölkerung kam fast ausschliesslich aus Litauen, gehört also zu einem Volkszweig, der der Assimilation viel grössere Widerstände entgegensetzt, als es sonst der Fall ist. Die jüdische Erziehung ist sehr intensiv. Eis handelt sich um eine orthodoxe Gemeinschaft; erst in den letzten Jahi-en I kamen auch konservative j Gemeinden auf. Diese haben i jetzt etwa 500 Mitglieder, | sind aber in der jüdischen! Erziehung nicht weniger aki tiv als die Orthodoxie. Von Thadden gestorben i Ehrung für Jigal Jadin i Verfügung. 26 Prozent aller Düsseldorf. — Der ehemaj bisherigen Bestellungen bezolige Legationsrat Eber ha cd t | pan sieh auf literarische Beivon Thadden, der unter Ribbentrop „Judenreferent“ an Auswärtigen Amt war, ist nach einem Autounfall gestorben. Gegen von Thadden war beim Landgericht Essen ein Strafverfahren anhön. gig- Das Verfahren gegen von Thadden wurde 1964 wieder aufgenommen, nachdem neue Dokumente bekannt geworden waren. Von Thadden wurde gegen eine Kaution von zwei Millionen Mark von der Untersuchungshaft verschont. (AWZ) Bücher über NSlStaat gefragt Bonn. — Bei der deutschen Jugend sind Bücher über den nationalsozialistisehen Staat gefragt. Diese Feststellung machte die So. zialdemokratische Partei bei ihrem staatspol ¡tischen Bildungsprogramm, so verlautete in Bonn. Die SPD stellt Paris. — Das „Institut de France“, Frankreichs berühmte Akademie der Wissenschaften, wühlte Dr. Jigal Jadin, Professor der Archäo logie an der Hebräischen Universität, zum korrespondierenden Mitglied. ES ist zum ersten Mal dass einem Israeli diese hohe Ehre zuteil wird. Das „Institut“ brachte zum Ausdruck, dass diese Wahl als ein Tribut für Dr. Jadins „Verdienste als Archäologe" und „als Ausdruck der Be wunderung für den Staat Israel“ erfolgte. (ITA) Spital im Galll Tel Aviv. — In Kiriat Sohmona im Galil werden die Freunde der Anti-Tuberkulose Liga in London ein Spital mit Kosten von 30.000 11.500 Schulen zusätzliche Pfund Sterling errichten. PENSION FAMILIAR M. FLAMM GHASCOMUS — T. E. 2910 — Cordoba 38 unter Aufsicht s. Ehrw., Rabb. Dr. J. Oppenheimer AB 23. 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