Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2104 (19.2.1965)
- Date
- 1965-02-19
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON 219« — 1’ Iza. JfoJentjCiH&D&uieltta 83-2613 Am» XXVI. BUENOS AIRES. V IE RN EIS 19 I>E PEBRERO DE 1965 N<? 2104 Die Schaukel in Bonn Gewiss steht heute die Sorge um die Entwicklung des Konflikts in Vietnam im Mittelpunkt des Weltinteresses; denn ohne Zweifel is. der Frieden in Gefahr, der ohnehin auf schwachen Fü ssen ruht. Den Russen und in zweiter Linie den Engländern fällt die Mission zu, um einen Ausgleich der Interessen bemüht zu sein. Die Gegensätze zwisohen den USA und dem Roten China prallen mit aller Härte aufeinander- Trotz der russischen Zusage, bei einem amerikanischen Angriff den Nordvietnamesen beizustehen, ist der Kreml bemüht, seine These der friedlichen Koexistenz gegen den chinesischen Widerstand und gegen die heftigen amerikanischen Reaktionen durchzu. sehzen- Man darf diese politische Konstellation als ein bemerkenswertes Novum registrieren- — Obwohl die Kontroverse Bonns gegen Kairo gegen über diesem Geschehen in den Hintergrund gedrängt wird, haben auch diese Auseinandersetzungen die volle Aufmerksamkeit der internationalen Diplomatie hervorgerufen. Zunächst hat die Regierung der Bundesrepublik in diesem Konflikt den Weg | des geringsten Widerstandes besohritten und den Drohun- , gen Nassers nacbgegeben, der j die Anerkennung Ostdeutsch-; lands in Aussicht stellte, falls j die Waffenlieferungen an Is.; rael nicht eingestellt werden , sollten- Die Reaktion Bonns j hat nicht allein in Israel j Verwunderung hervorgeru- ' fen- Regierung und Paria, i ment Israels haben den j deutschen Schritt nicht nur : kritisiert., sondern auch als das bezeichnet, was er darstellt: Bonn ist den Drohunj gen Nassers erlegen, der daj mit einen weiteren politischen Erfolg — und dazu eij nen sehr billigen — buchen konnte- Ohne Zweifel hat Nasser dadurch Auftrieb erhalten. So einfach soll es also sein, einen Vertrag zu brechen, wie dies durch die Regierung Erhards gegenüber Israel geschah. Nur Gründe der Zweckmässigkeit haben Bonn ■veranlasst, von seinen Verpflichtungen gegenüber Israel einseitig Abstand au nehmen. Damit hat die westdeutsche Regierung ihre Unzuverlässigkeit im internationalen Leben unter Beweis gestellt. Die Drohung, Ostdeutschland oder genauer gesagt die Deutsche Demokratische Republik, anzuefkennen, genügte, um ein solches Schauspiel zu liefern, durch das Bonn in erster Linie sich selbst geschadet hat- Aber dieser Verrat an Israel den Bonn beging, nutzte nic.hs. Denn Nasser wird den Präsidenten der DDR empfangen und durch diesen offiziellen Staatsbesuch de facto die DDR anerkennen. Dass diese Kennzeichnung zutrifft, wird durch die weitere Reaktion Bonns eindeutig. Denn der amtliche Sprecher der Bundesrepublik, Staatssekretär von Hase, teilte mit. dass die deutschen Hilfeleistungen an Aegypten eingestellt wer. den, wenn Aegypten Ulbricht empfangen wird- Was wurde also durch den Bruch des Vertrages mit Israel erreicht? Nasser ist darum bemüht, sich gegen alle Fälle zu schützen- Es ist schon kein von B. B. SAMUEL Geheimnis mehr, dass die j wirtschaftliche Lage Aegyp.; tens trostlos ist- Dass aber j ein Land verhungert, ist bis- I her noch niemals geschehen. Auch wenn die Amerikaner ihre Hilfeleistungen ähnlich wie die Bundesrepublik einstellen sollten, haben die Aegypter immer noch Chan cen genug, von aanderer Seite zu bekommen, was sie brauchen. Selbst Argentinien soll sich bereit erklärt haben, Lebensmittel zu senden. Aber aussichtsreicher dürfte da3 Eingreifen der kommunistischen Länder sein, die im. mer zur Stelle sind, diejenigen zu unterstützen, die mit dem Westen in Konflikt geraten. Dass die deutsche Reaktion so heftig gegen den Staatsbesuch Ulbrichts in Aegypten ist, hat seinen guten Grund. Denn alle Bemühungen um eine deutsche Wiedervereinigung werden hiermit mit Aussicht auf Erfolg durchkreuzt- Schon ist man sich der vollen amerikanischen Unterstützung bei diesem Bemühen sicher, und die Anstrengungen um die deutsche Wiedervereinigung t.ra ben damit offensichtlich in ein ernstes Stadium- Die Hoffnungen werden Zusammenfällen, wenn jetzt die DDR durch Nasser und seine Hintermänner volle Anerkennung finden wird. Die Frage der israelischen Waffenlieferungen trit demgegenüber völlig in den Hintergrund- Die nächsten Tage werden eine weitere Entscheidung bringen. Die deutsche Polii tik des .reichen Onkels vom I Rhein“ kann einen entschei- Zusammenkunft Eshkol- Wilson I/>ndon. — Wie offiziell bekanntgegeben wurde, sind zwischen Grossbri. tannien und Israel Verhandlungen im Gange, die auf eine Konferenz Levy Eshkols mit dem britischen Premier Harold Wilson hinzielen. Die Initiative zu einer solchen Zusammenkunft ging von Israel aus- (ITA > Frankfurt a M- — Der vor wenigen Tagen zu fünf Jaihren Gefängnis verurteilte Hermann Krumiey ist — wenigstens vorläufig — wieder ein freier Manu. Krumey war angekiagt, als Adjutant Adolf Eichmanns 300.000 ungarische Juden in den Tod geschickt zu haben. Ein frankfurter Richter verfügte die Freilassung Krumeys, da dieser die fünfjährige Freiheitsstrafe durch die fast fünf Jahre Haft während der Untersuchung seiner Verbrechen verbüsst habe Der Richter gab ferner dem Ersuchen der Anwälte Krumeys statt, <üe beantragt hatten, Krumey solle in Freiheit heshissen werden, bis fas Gericht eine neue Anklage gegen ihn wegen Mittäterschaft an in Polen begangenen Kriegsverbrecher! erheben wird- — . denden schweren Schlag er haften- Die vielen Millionen I und vielleicht Milliardenbej träge, die von Bonn in ara- I bische Länder gepumpt wur den, waren sinnlos vertan. : Man wird teuer für den Verrat und eine Schaukelpolitik bezahlen. Der Bummerang j wird auf die zurück fallen, | die in Verträgen offensichti lieh auch heute noch nichts I anderes als einen Fetzen Pa. I pier sehen. WIE ICH ES SEHE Das Aufrüstungsfieber von JEHUDA GOTTHEMER Obwohl dieses Jahr 1965 mit Friedensbeteuerungen und Ermahnungen von allen Seiten eingeleitet worden ist, dürfte kein Zweifel daran bestehen, dass alle Staaten fieberhaft aufrüsten. Nur gele gentlich erfährt man von kleineren oder grösseren Waffenlieferungen, die von : politischen Gegnern oder al. ten Feinden heftig kritisiert; werden, und die im allgemei-! nen Ringen um Vormaoht- oder Sonderstellungen auf 1 Umwegen der Weltöffentlich- ■ keit bekannt geworden sind. In der letzten Zeit wurden i oder verhindert werden können. Ueber den Umfang der internationalen Waffenliefe. rungen liegen selbstverständlich keine genauen Statistiken vor. Bin Plan hat allerdings vor wenigen Wochen grosses Aufsehen erregt, der die weitesten Kreise interessieren dürfte. I- Minen an der Grenze Der Generalinspskteur der Deutschen Bundeswehr, General Trettner, hat, wie es sehe Volk vor einem atomaren Vernichtungskrieg zu bewahren. Oberst a- D. Weber sieht in diesen atomaren Minenfeldern einen schweren Schlag gegen alle Bemühungen der deutschen Wiedervereinigung- Er sagt: „Deutsche Generale und Offizierre, die derartige Pläne erarbeiten oder ihre Hand dazu leihen, verdienen nicht länger ais Deutsche geachtet zu werden.“ Er warnt mit Nachdruck davor, die Augen vor der drohenden Gefahr zu Nur Maenner erschossen Der 56 Jahre alte Dr. Walter Blume erklärte im i'Jbsener SehwiMgeriOhtsprozess gegen den ehemaligen SS- Standartenführer Adolf Rapp: „Als ich Leiter des Sonderkommandos 7 a war, sind vom Kommando nur wehrfähige jüdische Männer erschossen worden.“ Frauen und Kinder seien unter seiner Aufsicht nicht liquidiert worden, sagte Blume, der im Sommer 1941 etwa zwei Monate Oti&f des später von Rapp geleiteten Genickschuss.,Soriderkommandos war. Nach vorliegenden „Ereignismeldungen“ aua der damaligen Zeit soll das Sonderkommando in diesem Zeitraum 996 Menschen exekutiert haben. „Die Zahl ist ausgeschlossen, sie liegt viel zu hoch“, sagte Blume dazu. „Bei mir lagen die Zahlen so niedrig, dass ich deshalb verschiedentlich attackiert wurde.“ Sein Vorgesetzter, der SS-Fiüirer Nebe, Chef der Einsatzgruppe B in Smolensk, habe ¡ihm erklärt, er könne sein gegen die Vernichtungsbefehle Heydrlchs gerichtete« Verhalten rrieiht dulden. „Glücklicherweise bin ich dann abgelösli worden“, sagte Blume. Der Zeuge gab zu, an drei Exekutionen von Juden in Russland beteiligt gewesen zu sein, wobei etwa 300 bis 350 Menschen erschossen worden seien. In seinen Berichten an die Vorgesetzten will Blume die Zahl seiner Opfer „grosszügig nach oben abgerundet“ haben. Blume wäre 1948 in Nürnberg zusammen mit Naumann, dem Nachfolger Nebes, zum Tode verurteilt, später begnadigt und 1955 freigelassen worden. Auch der nach Blume zweite Leiter des Sonderkonti, mandos, der ehemalige sS-Führer und jetzige Privatlehrer Eugen Steimle, kam als Zeuge zu Wort. „Ich war in dieser Zeit (September bis Dezember 1941) bei keiner Judener schiessung zugegen“ sagte er. Er räumte jedoch ein, das« ihm untergebene SS-Fülhrer des Kommandos, das zeitweise in Teilkommandos auf gespalten gewesen sei, Erschie« ssungen vorgenotntven hätten. Als ihm der Qerichbsvorsitzende eine Zeugenaussage vorhielt, wonach auch unter Steimles Kommando jüdische Männer. Frauen und Kinder getötet wurden, entgegnete Steimle: „Dieser Zeuge muss die Unwahrheit sagen.“ Der Nachfolger Nebes in der Einsatzgruppe B, Naumann, habe ihm allerdings den Befehl zur Vernichtung jüdischer Frauen und Kinder mit geteilt. Auch Steimle war nach seinen Angaben ln Nürnberg zum Tode verurteilt worden, und zwar wegen unrechtmässiger Part-isanenersohiessungen. Br wurde jedoch begnadigt und 1954 entlassen. «©esgsgji Wmmmm. * JWaBwj; iik**.__ __j ENDSTATION YEMEN für einen ägyptischen Panzer sowjetischer Herkunit illustriert durch eine Briefmarke der yemenitischen Royalisten. die angeblichen Waffenliefe rangen der Bundesrepublik Deutschland an Israel heftig diskutiert und von Nasser zum willkommenen Anlass genommen, die Regierung in Bonn unter Druck zu setzen. Dass kurze Zeit zuvor erhebliche Waffenlieferungen aus Ostdeutschland nach Aegyp ten gingen, wurde verschwiegen- Die Bundesrepublik hat hieraus kein Aufhebens gemacht, da derartige Sendungen meist unter russischer Aufsicht vor sich gehen und ohnehin nicht vermieden : heisst, in Paris dem Militärausschuss der NATO ein; „deutsches Konzept“ vorgeschlagen, wonach entlang der | Zonengrenze Atomsprengla- | düngen bereit gestellt werden i sollen. Hiergegen hat ein ehe maliger Generalstabsoffizier, der Oberst a- D. Josef Weber in einer sehr scharfen Form Stellung genommen, der in atomaren Sprengladungen entlag der Elbe einen ,Hohn auf alle Versicherungen der boraner politischen und mili. lärisotien Führung“ erblickt. Deutschland und das deut- I versohl iessen- Das Verbrechen sei erkennbar, so führt der frühere Oberst aus, be! vor es geschieht; niemand | wird einmal sagen können, , er habe nichts davon ge- ' wusst.. . II Kein Unbekannter Wer ist der Generalinspekteur der Deutschen Bundeswahr, Heinz Trettner? — Seit dem 1. Januar 1964 ist er nun als Generalinspekteur der höchste Offizier der Deutschen Bundeswehr- Im November 1936 befand ersich unter den Freiwild, gen der Legion Condor im Kampf gegen die spanische Republik. Erst zum Stab des Befehlshabers gehörend, dann Staffelkapitän der Staffel K 86. Diese flog Terrorangriffe auf die offenen Städte Durango und Guernica- Beide Ortschaften wurden als erste zivile Wohngebiete in der Weltgeschichte durch Luftangriffe vernichtet. Ais Generalstabsoffizier im Luftlandekorps nimmt Major Trettner am 10- Mai 1940 am Ueberfall auf da» neutrale Holland teil- Die Pläne hierzu wurden bereits am 23. 2- 1940 ausgearbeitet und trugen Trettners Unterschrift. Nach der Bombardierung Rotterdams erhält Trettner das Ritterkreuz, weil er „den Einsatz der Truppe mustergültig vorbereitet und im persönlichen Einsatz bei der abgesetzten Truppe die Fiihrungsunterlagen beschaffte , und die Verbindung aufrecht. I erhielt“. („Völkischer Beobachter“). Weitere Etappen: Ueberfall auf Kreta; zwischendurch Ostfront; ab 1943 in Italien- Als Generalmajor Kommandeur der 4. Falt schirmjägerdiVision- Sie wird für die schweren Zerstörungen kunsthistorischer Bau. werke der offenen Stadt Florenz verantwortlich gemacht. Trettner erhält das Eichenlaub zum Ritterkreuz und wird am 1- April 1945 Generalleutnant. Seit 1956 der Bundeswehr angehörend, wird er in das Pariser NATO-Hauptquartier kommandiert. Als hartnäcki ger Verfechter der „Vorwärts. Strategie“ unterzeichnet er im August 1960 die berühmt berüchtigte Generalsdenkschrift, in der es heisst, dass die Bundeswehr „weder auf eine allgemeine Wehrpflicht noch auf die Zugehörigkeit zur NATO, noch auf die atomare Bewaffnung“ verzichten kann. Im November 1964 war er mit einem Aufgebot an Generalen „wie noch nie in Friedenszeiten“ in Washington. Dort hat er seinen jetzt bekanntgewordenen Atomj Minenplan entwickelt. — I Gegen diesen eigenartigen, | Plan und seinen Autor ha. j ben die westdeutschen Zeij tungen beinahe ausnahmslos | polemisiert, viele in .einer vej hementen Form. In einer! Karikatur hat die Westfäli- ■ sehe Rundschau das überzeu- ■ gende Argument gegen solj che Projekte vorgetragen- | Man sieht den deutschen Mi. 1 ohel auf einer solchen Atom.! bombe oder Atommine sit- I zen, deren Zündschnur sich; in der Hand des Generalini spekteurs befindet- Der kiei- I ne Mann ruft dem General; zu: „Sehen Herr General nicht, dass ich auf dem Ding sitze?“ — Die Frankfurter Abendpost schreibt von einem „Bauernkrieg“, der im hessischen Grenzland droht unter dem Titel „Mit Sensen gegen die Atomminen Pioniere“- — Bei diesem Plan aber handelt es sich keineswegs nur um eine innerdeutsche Frage, sondern um ein Vorha ben. das alle angeht Atomminen im Herzen Burmas stellen eine Gefahr dar die sich gegen alle Länder uod alle Völker richtet. III Waffen für jedes Volk Nicht lange vor seinem Sturz hatte Krutschew vor (Fortsetzung der Ereignisse