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Jüdische Wochenschau · 1965-02-12 · 2103 (12.2.1965) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2103 (12.2.1965)
Date
1965-02-12
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDOW 2190 — l’ tea. JûxJ&n&HaJshjaeliia A no XXVI. BUENOS AIRES. VIERNES 12 DE FEBRKRO DE 1965 N? 3103 Spannung zwischen Bonn und Kairo Hallstein-Doktrra ] Wer mit .Pankow' in diplo j matische Beziehungen tritt. ] muss damit rechnen, dass die Bundesi epublik mit ihm bricht. Das ist die Lehre Hausteins, der heute im Buropa- Rat eine grosse Rolle spielt von J EHE DA GOTTHEIMER Im übrigen unterhalten! unklaren gelassen. Die Bundie Westdeutschen mit den Russen diplomatische Beziehungen, obwohl die Ostdeutschen ihre politische Existenz ausschliesslich den Russen zu verdanken haben. Den Russen gegenüber kommt die Natürlich haben die Deutj Hallstein-Doktrin nicht zur sehen damit gerechnet, dass Sie immer die Stärkeren sein werden, wenn die Hailstein- Doktrin zur Anwendung gelangen müsste. Jugoslawien erlaubte sich, die Deutsche Demokratische Republik anzuerkennen, woraufhin Bonn sofort die Beziehungen zu Tito abgebrochen hat. Beide Länder leben übrigens auch ohne diplomatische Bezie- 1 hangen miteinander zu unj terhalten weiter, entwickeln | sich und haben ganz andere; Sorgen als die HaUsteini Doktrin, für deren Umgehung zahlreiche Möglichkeiten vorhanden sind. Jetzt ist das Problem mit allen seinen Folgeerscheinungen erneut aufgetieten, nachdem Nasser den ostdeutschen Chef Ulbricht nach Kairo eingeladen hat- Hierin könnte, so sagt man, eine indirekte Anerkennung der DDR (Deutsche Demokratische Republik) erblickt wer' den. In die Erörterung dieses Fragenkomplexes können und wollen wir nicht eintreten. Wahrscheinlich haben sich die Westdeutschen in eine Sackgasse verrannt oder spielen ein merkwürdiges Traumspiel, indem sie die Wirklichkeit nicht sehen wollen, die jeder andere täglich — und sie alle am besten — beobachten können. Und diese Wirklichkeit besteht darin, dass es zwei deutsche Staaten gibt, zwei Regierungen, zwei Souveränitäten, zwei deutsche Heere, zwei deutsche Parlamente, zwei deutsche Präsidenten usw. Dass man in Bonn die anderen nicht anerkennt, ändert nichts an der Tatsache ihrer Existenz. In der Einladung Ulbrichts nach Kairo wäre als nichts Ungewöhnliches zu sehen. Warum soll ausgerechnet Ulbricht nicht Nasser besuchen? Das gehört doch heute zum guten politischen Ton seine Visitenkarte am Nil abzugeben. Ausserdem liefern die Ostdeutschen seit Jahren Waren und Waffen an Aegypten, ohne dass man aus Öonn hiergegen m>it der Dro hung der HaUstein Dokfgin reagiert haben würde. Anwendung. Es handelt sich sozusagen um eine duichlöcherte Theorie, die nur scha. det, vor allem den Deutschen selbst. II. Arabischer Boykott Das Verhalten der Arabi sehen Liga gegenüber deutschen Firmen ist kürzlich in der Fragestunde des Deutschen Bundestages zur Sprache gekommen, Auf die Frage eines Berliner CDU.Abs« desregierung könne aber ebensowenig wie die Regie rungen anderer westlicher Länder verhindern, dass ara bische Stellen sich so verhiel. ten. Sie beobachte allerdings die Vorgänge mit grosser Sorgfalt. Der Abgeordnete hatte auf eine Zeitungsmeldung verwiesen, nach der das Generalsekretariat der Arabischen Liga in Damaskus eine deutsche Firma aufgefordert ha be, eines ihrer Aufs ich tsrats oder Vorstandsmitglieder zur Aufgabe seiner „pro.israelischen Aktivität“ und seiner Mitgliedschaft in einer privaten Vereinigung zu bewegen, die sich der Förderung der deutsch-israelischen Beziehungen verschrieben habe. Arabische Erpressungen London. — Nasser bemüht sich um die Unterstützung anderer aiabisoher Länder, um seine Drohung wahrzumachen, die diplomatischen Beziehungen mit der Deutschen Bundesrepublik abzubrechen und Ostdeutschland anzuerkennen, falls Bonn auf seiner Weigerung be harrt, die Waffenlieferungen an Israel einzustellen. Inzwischen ist er ferner bestrebt, sich für diesen Fall eine grössere Hilfe aus westlichen Ländern zu sichern. Ein Sprecher der französischen Botschaft in Kairo kündigte an, das.'-, eine Gruppe französischer Industriel ler in Aegypten erwartet wird, um mögliche Kapitalsanlagen in diesem Lande zu studieren. Nasser hat auch Missionen nach london, Stockholm, Washington, Rom, nach dem Haag. Brüssel und Luxemburg entsandt, da mit diese das Terrain in diesem Sinne sondieren. Aus Kairo eingetroffene Meldungen besagen, dass Nasser die Initiative gegen Westdeutschland ergriffen hat, anstatt es der Regierung von Bonn zu überlassen ihrem Missfallen über den bevorstehenden Besuch von Ulbricht in Kairo Ausdruck zu geben. (ITA) ordneten, wie die Bundesre- I Der Meldung zufolge soll die | gierung den Druck der Liga Arabische Liga andernlaits j auf eine deutsche Firma be. : mit oem Abbruch der Geurteile, deren Aufsichtsrats- , schäl tsbezi eh ungen gedroht j oder Vorstands - Mitglieder j haben. I auch Beziehungen zu israeli-! Schroeder bestätigte dem 1 sehen Vereinigungen unter, j SFD-Abgeordneten Mommer! hielten, antwortete Bundesdass die Bundesregierung I aussenminister Schröder, das j energisch gegen die Weige. ■ geschehe von arabischer Sei-; rung eines arabischen Staate schon seit vielen Jahren Die arabischen Länder begründeten die Pression auf einzelne Firmen in dritten Ländern mit der Feststellung. dass sie mit Israel noch keinen Frieden geschlossen hätten. Schröder betonte, die Bundesregierung missbillige die aus dieser Einstellung berr uhren de Boykottmassnahme und habe die arabische Seite hierüber auch nicht m> ISRAEL MUSS WEITER RUESTEN Tel Aviv- — Vize.Verteidigungsminister Schimon Peres erklärte auf der wöchentlichen Sitzung des Verbandes israelischer Ingenieure, dass das ägyptische Heer mit jedem Tag stärker wird und die Soldaten nicht nur im Gebrauch konventioneller sondern auch anderer Waffen unterwiesen werden. Datier müsse Israel bedacht sein, seine Armee weiter zu stärken. Peres gab auch über den Rundfunk der Besorgnis Israels über das Eindringen Ostdeutschlands in den Mittelosten Ausdruck. Br bezeichnet« dies Bemühen der Ostdeutschen als ein Anzeichen für den allgemein im Ostblock herrschenden Drang, Einfluss in diesem Raum zu gewinnen. Er betonte, dass Israel nicht nur die Schritte Ostdeutschlands aufmerksam verfolge, sondern dass die DDR den Juden nicht weniger, vielleicht sogar noch mehr als Westdeutschland schulde. Peres erwähnte in seiner Ansprache auch die dreistufige Rakete Aegyptens und äusserte, er könne nicht verstehen, warum Kairo diese Waffe so nötig habe, wo das Land sich in ernsten wirtschaftlichen Schwierig keiten befindet, dass es Lebensmittel von den USA zu erhalten versuche. Trotzdem hätten die Aegypter enor. me Summen füi diese Waffe verausgabt, deren takti scher Wert völlig unklar sei- (ITA) tes protestiert habe, dem um die Wiedergutmachung an Isiael bemühten CDU-Abgeordneten Professor Böhm die Einreiseerlaubnis zu erteilen. Einige SPD - Abgeordnete vei langten, die Bundesrepublik solle die Entwicklungshilfe für arabische Staaten kürzen. Schröder gab aber zu bedenken, man . sei hier nicht mit den Staaten selbst konfrontiert, sondern es gehe um das Generalsekretariat der Arabischen Liga. „Hier werden wir in Konflikte hereingezogen, auf die wir nur einen geringen Einfluss haben.“ Die Bundesregierung unterstütze aber ihre Staats büiger. Der SPD-Abg«ordne. te Börner sprach in seiner Frage von „an Ei-pressung grenzenden Methoden“, die j entsprechende Konsequen-; zen in der Entwickiungshil- I fe forcierten. Schröder ant 1 wortete, hier liege ein ,dif j futes“ Gelände vor Konse. quenzen in der Entwicklungshilfe seien keine _ praktische und sinnvolle Lösung. Auf die Frage des SPD. Abgeordneten Schmitt-Vok kenhausen nach etwas mehr Nachdruck in dieser Sache meinte Schröder: „Hier muss man eine auf lange Sicht ausgewogene und richtige Po litik zu treiben versuchen, und das tun wir.“ Das sehe nicht immer sehr eindrucks voll aus, liege aber nach Ansicht der Bundesregierung mehr im deutschen Interesse. Schröder sprach von einer „tödlichen Feindschaft, die in einer so intensiven Weise von dort, vom anderen Teil der W'elt dringt, dass es ausserordentlich schwierig ist, sich richtig zu verhalten.“ Das Problem gebe es nicht allein bei der Bundesrepublik. III. Schaukel-Politik Offensichtlich sind die Abgeordneten aller Parteien mit der Boykott-Politik der Arabischen Liga nicht eiriver standen. Es war aber nicht das erste Mal, dass derar tige Fragen gestellt wurden, aus denen man ohne weiteres die kritische Haltung der Deputierten entnehmen konnte- Immerhin wagen sioh die Araber weit vor. Sie drohen nicht nur mit Boykott-Massnahmen, sondern verweigern auch solchen Personen, die ihnen nicht genehm sind, die Einreise.Erlaubnis. All das nehmen die Bundesdeutschen mehr oder weniger ruhig hin. Sie protestieren, aber bleiben im übrigen untätig. Erst die Drohung, sioh mit ,Pankow“ einzulassen. lässt sie lebendiger werden. Dass die Bundesregierung gewaltige Beträge den arabischen Ländern als Aufbauhilfe oder im Rahmen eines Entwicklungsetats zahlt, ist bekannt. Aus der Debatte ergibt sich auch, dass die Sozialdemokraten als Oppositionspartei verlangt haben, man solle die Hilfeleistungen kürzen- Natürlich erwiderte; der Aussenminister, das sei nicht opportun... Warum . dies nicht zweckmässig sei, ' sagte er nicht. Aber jedermann mag sioh das selbst | ausmalen. Ein wenig hilflos meinte der Bundesaussenmi nister: „Hier werden wir in . Konflikte hineingezogen auf die wir nur einen geringen Einfluss haben.“! Es ist auffallend, wie schnell die bundesdeutsche Aussenpolitik bereit ist, in diesem Punkte die Waffen zu strecken. Ebenso erstaunlieh ist. was sich die Araber, ob unter der Flagge der Liga oder unter dem Prätext irgendeiner staatlichen stelle, herausnehmen können, ohne dass die westlichen Mächte, , unter ihnen die Bundesrepu! blik, wirklich ernsthaft reagieren. In gleicher Weise verfährt . auch Johnson, der das gro. ' sse Vorbild Bonns ist. Der amerikanische Kongress hat; aus gutem Grund die Seni öung von Lebensmitteln nach | Aegypten untersagt- In irl gendeiner Form muss achliess | lieh einmal dem ständig re- ' belllierenden und seine eige- | nen Wege gehenden Nasser begegnet werden. Wie lange; sollen die Amerikaner noch! Nasser finanzieren, damit er seine politischen Geschäfte | mit den Russen oder Ohine. ' sen oder mit beiden betrei- ‘ ben kann. Endlich einmal eij ne klare Massnahme gegen diese ewige Schaukelpolitik. : Aber plötzlich erschrickt sich | Johnson über die eigene Cou. 1 rage. Er bittet den Senat 1 die Haltung des Kongresses abzulehnen, und tatsächlich . erklärt sich eine kleine Mehr- | heit dafür, dass man dem ägyptischen Diktator auch weiterhin helfen solle. Sij eherlich wird der Kongress auch noch dem Präsidenten Ben Taten von Auschwitz Vor 30 Jahren wurde das Lager Auschwitz und seine Ueber tobenden den Händen der Na/zipainiger entrissen. von KURT KAISER-BLUETH Kain Totengebet, kein Acker, kein Stein — Als man sie in die Gasöfen trieb, Oder vielmehr das, was von ihnen noch blieb, Sank die Nacht als Erlösung über sie ein, Millionen Opfer — und jedes allein... Da waren Kinder, die nie gelebt. Und Mütter, wie Schatten, ganz hilflos una i.<—».i Man hat sie wie Vieh in die Kammern gepackt, Die Henker, sie haben nicht einmal gebebt. Der Mord war ihr Handwerk, ihr täglicher Akt. Die Sonne war blind und die Luft roch nach Brand. Sie starben, wie eine Kerze erlischt, MJit toten Augen im Knochengesioht Und hielten sich sterbend noch Hand in Hand, Bis sie das. Gas in die Erde gezischt. Doch die Maschinen hielten nicht Schritt... 3o starben die andern den langsamen Tod, Den Tod des Hungers, der würgenden Not, So schwach schon die Halme, sie schleppten sich mit Und ihr letzter Wunsch war ein Stückchen Brot. Die Leichenli ügel — wer kennt nicht das Bild? Der R.aben hektisch-heiserer schrei, Die Krematorien, wie flüssiges Blei Und der grinsende Hohn auf dem LagersehiUt: „Arbeit macht frei“. Was hier geschah, das zeichnet kein Wort, Das überträgt kein Film und kein Bild, Millionen Menschen als schutzloses Wild, Und das Rasen der Bestie, die lechzte nach Mord Und deren Durst ward niemals gestillt. Vor diesem Grauen bleiben wir stumm, Was ist der Fluch gegenüber der Tat? Was ist die Sühne nach solcher Saat? Wir stehen hilflos am Tatort herum Und prüfen und wägen und finden nicht Rat. Die Teufelsgestalten, die im Akkord Vertilgten, was Gottes Ebenbild, Und die, der tägliche Blutrausah gestillt, Beethoven spielten, gesättigt vom Mord, Nachdem das Soll der Vernichtung erfülh. Sie sind wie Du — wie jener — wie ich? Der Mann, der mit Dir im Zuge sitzt?! Der Dicke am Schalter, der Auskünfte schwitzt?! Und der mit den Schmissen am Nebentisch, Der seine Sauce aufs Tischtuch verspritzt?! Sie mordeten kalt und nannten es Krieg, Und das Blut der Kinder an ihrer Hand? Sie zuckten die Achseln — Befehlsnotstand! Und im übrigen glaubten sie an den Sieg. Ihr Herz ist so weiss, wie der Kalk an der Wand. Das ist es, was das Grauen verstärkt. Sie leben, wie alle, im vollen Licht, Mit Frau und mit Kind und schämen sich nicht, Und haben es noch nicht einmal gemerkt. 1 Das Blut der Opfer in ihrem Gesicht. Wenn einer von uns jetzt durch Auschwitz geh Ist ihm, als berühre ihn sanft eine Hand, Als späche ein Herz von der Miauerwand, Als winkten ihm Augen, jetzt tot und verweht. Den letzten Gruss aus fernem Land. Das ist ein Friedhof, der allen gehört — Und niemand weiss, ob Frau und ob Kind Oder die Eltern in dieser Erde sind, Und alles Vergangene ist aufgestört Indes die Träne ins Erdreich rinnt... GERSTEIN WURDE REHABILITIERT i Bonn. — Der ehemalige I SS-Offizier Kurt Gerstein. der in einem französischen Gefängnis im Jahre 1945 starb, nachdem er als Ns Kriegsverbrecher verurteilt worden war, ist jetzt offiziell rehabilitiert und als Nazigegner erklärt worden. j Die Tatsache, dass Ger stein versuchte, die Pläne i der Nazis zu sabotieren, wuri de zum ersten Mal im Jahre 1950 vor eineni deutschen : Gericht enthüllt. Gerstein i war mit der Mission betraut, , das Gift für die Ver gasung i der Juden in den Todesla-; gern zu beschaffen. In dem nachgeben. Nasser erhält die dringend notwendigen Lebensmittel und kann auch in Zukunft seine heftigen und hasserfüllten Attacken gegen den Westen, gegen Israel und vor allem auch gegen die USA reiten- Wo liegt der Sinn dieser Politik, die alle westlichen (Schluss auf Seite 2) vor 14 Jahren von dem deutschen Gericht gefällten Urteil wurde anerkannt, dass Gerstein menschlich zu handeln versucht hatte, doch stellten sich die Richter auf den Standpunkt, dass es seine Pflicht gewesen wäre, aus der SS auszutreten, als er einsehen musste, dass er die Naziverbrechen nicht i verhindern konnte. Der Dramatiker Rolf Hoohhuth lässt in seinem Stück! „Der Stellvertreter“ Kurt Gerstein als den einzigen SS-Offizier auftreten. der sich persönlich für die Rettung der Juden einsetzte Im vergangenen Jahr beantragte Gerste ins Witwe eine Revision des Prozesses go.! gen ihren Mann. Nunmehr erklärte der Ministerpräsident des Staates Baden. Württemberg, Georg Kiesinger, dass Gerstein offiziell rehabilitiert wird. Man glaubt, i dass dies der erste Fall der ' offiziellen Rehabilitierung eines Deutschen ist, der vor- I her als Kriegsverbrecher verurteilt wurde. (IAA>

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