Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2100 (22.1.1965)
- Date
- 1965-01-22
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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■ oas e c 4, S - ». a « £ § £s FRANQUEO PAGADO ConcesiÓB 901' ¿ M B V u b < O TARIFA REDUCIDA Conoes'ón 1629 Año XXVI. BUENOS AIRES, VIERNES 22 I>E ENERO DE 1965 N* 2100 EL EJEMPLAR e» toña ta República PUEVRREOON 2190 19 tmq. T. E. S3 2613 Buenos Aires Belgiens Museum des Grauens Blick in die Welt Alljährlich pugein Belgiens Widerstandskämpfer 55Utn Fort von Breendonck. in dem in den Kriegsjahren Tausende von Widerstandskämpfern das unmenschliche Regime der nationalsozialistischen Peiniger ertragen mussten. Breendonck. seit diesen Unglückstügen ein Begriff. der Schrecken, Empörung. aber auch das Geden ken an den Opferbod der Märtyrer auslöst, hat hunderte Soldaten der heimlichen Armee des Widerstands gesehen, die unter den Kugeln der Mordk'-rcnmandos der Unterdrücker gefallen sind. Bieendouck hat die Greuel der Vernichtungslager er lebt, aber noch etwas anderes. Giaus'.ges, was es in anderen Lagern wohl nicht gab: die mordlustigen Kollaboramen, die Agenten der Gestapo belgischer Nationalität Individuen, an deren Händen das Blut-ihrer Mitbürger klebte, wüteten hiergegen die eigenen Landsleute Viele dieser Gesehen sind noch auf der Flucht und so der 8tr.*le entgangen, irgendwo unter falschem Namen untergetaucht, erwarten diese Verbrecher, die oft schlimmer als die Gestapo- Leute waren, die Stunde der Verjährung ‘hre¿ Verbrechen. Die Erinnerungsfeier von Breendonck wurde dieses Jahr oesonders feierlich begangen. weil sie zugleich mit dem 20. Jahrestag der Be freiung des Landes zusammen fiel. zahlreiche Minister. Abgeordnete, Diplomaten, höhere Offiziere, sowie ein Repräsentant des Königs wohnten der Veranstaltung bei. zu der sich auch eine sehr grosse Menge von ehemaligen Widerstandskämpfern eingeiunden hatte Die Freundseh a ft-sverbä nde der Ueberlebenöen der Hitler. sohen Todeslager zogen mit ihren Fahnen auf der Ehrentribüne auf. Zeugen der Jahre des Grauens und der tief sten menschlichen Evnie.rigung Auf den Fahnen las man die Namen, die sich, als Symbole des Erbosen schlechthin. für immer in unsere Herzen eingegraben hauen: Auschwitz, Buchenwald. Bergen-Behen. Dora. Neuen gainne. Dachau, Sachsenhausen. um nur einige zu von KURT KAISER-ßLUETH nennen. Den Delegationen . der Läget verbände folgten die Delegationen der Widerstands-Organisationen, der Witwen der gemeuchelten Widerstands - Kämpfer, der ehemaligen Frontsoldaten, der holländischen Widerstandskämpfer und auch, zum ersten Male, eine Delegation einer Organisation des deutschen Widerstands der „Union der deutschen W iderstandskäm.pfer. Der Präsident des Comites des Erinnerungsmals von Breendonck, Louette, wandte sich in seiner Ansprache vor allem an die Jugend, an die er in erregenden Worten appellierte. Wenn wir aus Breendonck ein stets gegenwärtiges Museum einer schreckl iche n Verga ngenhei t gemacht haben, erklärte er, so geschah das nicht, um das Opfer der Widerstandskämp. fer und der politischen Gefangenen zu glorifizieren, auch nicht, um den Hass zu züchten, sondern damit die- Immer deutlicher zeigt sicli im Treblinka-Prozess, dass viele Zeugen heute noch Furcht vor der Konfronta. tion mit dem Hauptangeklagten, dem früheren stellvertretenden Lagerkommandanten Kurt Franz, empfinden Schon im November brach ein zeuge bei der Vernehmung zusammen. Kürzlich musste der Zeuge Moses Ra paport mit einem Rollstuhl aus denn Gerichtssaal gefah ren werden, nachdem er einen Zusammenbruch erlitten hatte, als er Franz identifizieren sollte. Am 26 Ver. handlungstag drückt sich Rapaport angstvoll gegen seine Stuhllehne, als Franz zur Identifizierung vor den Zeu gentisch tritt. „Das ist der Laika", flüstert der Zeuge auf den Spitznamen Puppe eingehend. Zitternd, von einer Krankenschwester gestützt, fügt Rapaport, auf den Angeklagten Miete zeigend, hinzu: „Krummkopf das ist er. ‘ Auch der nächste Zeuge. Tadeus Grünberg aus Israel, identifiziert Franz mit den Worten: „Ich -werde bis an mein Lebensende Angst ha ben. wenn ich ihn sehe“ Der se Statte eine ständige Mahnung für zukünftige Generationen sei, ein ständiger dringlicher Ruf an das Gewissen der Menschen. Vor weniger als 25 Jahren, so schloss er, haben Menschen aller Nationen in den Lagern gelitten, sind Menschen aller Nationen zu Millionen in ihnen gestorben; deshalb setzen wir alles ans Werk, dass in Zukunft derartige Greuel niemals wieder möglich werden können und appellieren leidenschaftlich für die Achtung vor der menschlichen Persönlichkeit und des menschlichen Lebens. Paul Lévy, auch er ehe. maliger Häftling von Breendonck und Vizepräsident des Mahnmals, sprach nach Mr. Louette. Er wies auf die Unmensehlichkeit des letzten Krieges hin, aber auch darauf, dass die ersten Opfer des NS-Blutregimes die gleiche Nationalität wie ihre Henker hatten. Br begrüsste die Delegation der deutschen von HORST WINGKLER 51 Jahre alte Grünberg arbeitete ein Jahr lang bis zu seiner Flucht am 2. August 1943 als Schuhmacher in Treblinka. Der Zeuge beschuldigt die Angeklagten Franz und Mentz des Mordes an fünf Häftlingen, die mit dem Kopf nach unten an einen Galgen gehängt, aus. gepeitscht und schliesslich von beiden SS-Männern erschossen wurden. Ausserdem habe Franz in mehreren Fällen Arbeitsjuden willkürlich an geschossen. Sie mussten sich anschliessend entkleiden, damit Franz feststel. len konnte, wie gut oder schlecht er getroffen habe In zahlreichen Fällen habe Franz seinen Bernhardiner Bari auf Arbeitsjuden gehetzt. Der Hund war auf Bisse in die Genitalien dres. siert. Die Verletzten wurden daraufhin auf Anweisung von Franz im sogenannten Lazarett erschossen. Dieses Verhalten des Hun des auf Franzens Kommando wird auch von dem 48 Jahre alten Friseur Marian Platkiewicz aus Israel bestä- Widerstandskämpfer, vor allem deshalb, so erklärte er, weil er aus persönlichem Erleben wisse, dass in gewissen Fällen Soldaten der deutschen Wehrmacht politische Häftlinge vor dem Blutrausch der Verräter am eigenen Volk, den Helfershelfern der Nazis belgischer Nationalität, gerettet hätten Verzeihen, so fuhr Paul nevy fort, sei nicht vergessen. Was wir wollen, schloss er seine Ansprache, ist, dass die Nation die mensohliehe Lehre von Breendonck in sich aufnimmt,und den vollen Wert der Freiheit erkennt. Die Geistlichen aller drei Konfessionen sprachen die Totengebete. Ein Augenblick intensiver Erlegung' bemächtigte sich der Tausende, als der tsche choslowakische Gesandte in Brüssel dem Comité von Breendonck 2 Urnen überreichte. Die eine enthielt die Asche eines politischen Gefangenen, die andere Erde j aus dem Lager Theresieni stadt. its getan i tigt. Der Zeuge arbeitete! dreizehn Monate im äortier- und im Karcoffelkominando, weil er jung und anfangs kräftig war. Weinend schildert Platkiewicz, wie Franz ein Kind an den Füssen hochgerissen und mit dem Kopf gegen einen Pfosten geschleudert habe, während die Mutter mit einem Frau. entransport in die Gaskammern gehen musste. Ein anderes Mal haibe Franz ein Kind erschossen, das von der Mutter zum Vater lief, um sich zu verabschieden. Als die Mutter hinzustürzte, habe Franz auch sie erschossen. schliesslich habe Franz den Vater getötet, als er sich über Frau und Kind beugte. Der Angeklagte soll in mehreren Fällen sogar veranlasst haben, dass Häftlinge mit dem Kopf in grosse Wasserbottiche gesteckt worden, bis sie tot waren Obwohl die übereinstimmenden Zeugenaussagen sich in diesem Verfahren häufen, bleibt Franz bei seiner stets wiederholten Darstellung. Er will in dem Lager, in dem siebenhunderttausend Juden j o-pf-nfpfwurden, nur zweimal auf Befehl zueeschlaaen und j sonst nichts getan haben. ... und sonst nich King appelliert an Moskau New York. — In einem von der New York Times publizierten Schreiben an die sowjetischen Machthaber ersuchte Dr. Martin Luther.King, der schwarze Vorkämpfer für die Bürgerrechte und Gewinner des Friedensnobelpreises 1964, um die Einstellung aller diskriminatorisehen Massnahmen gegen die russischen Juden Dr. King erklärt sich „tief beeindruckt“ von der Behandlung, die die Juden in Russland erfahren, und betont seinen Wunsch, seine Stimme zugleich mit den zahlreichen Amerikanern anderer Glaubensbekenntnisse zi* erheben, die die Aufmerksamkeit der Welt auf die ge gen die russischen Juden begangenen Ungerechtigkei fcen gelenkt haben. Mit dem Hinweis auf die antijüdische Haltung de' Kreml, fordert Dr. King die freie Entfaltung der Syn agogen. das Ende der Beschränkung in der Ausübung der den Juden heiligen Riten und die Wiederherstel lung der kultureller Freiheit der jüdischen Gemeinden „im Namen der Menschheit“ und versichert, dass er „diese Ungerechtigkeiten nicht schweigend mitanzusehen gewillt“ sei. (ITA) Wurzeln des Rassenhasse London. — Ueber dieses Thema sprach auf einer Veranstaltung des englischen Sektors des Jüdischem Weltkongresses der bekannte Universitätsprofessor Cyril Bibby. Er äusserte sich pessimistisch über die Aussichten, den Rassenhass zum Verschwinden zu bringen, so .ange es Minderheiten geben wird, die inmitten von Mayoritäten ihr eigenes, der Umwelt fremdes Leben führen. Zur Bekämpfung der rassischen Vorurteile empfahl Dr. Bibby die Erziehung der Menschen zur Toleranz und sofortige gesetzliche Massnahmen zum Schutz der Minderheiten. (OJP Wahlen in der Jewish Agence Jerusalem. — Rose Halpe. rin, Präsidentin des nordamerikanischen Sektors der Jewish Asrency. und Dr. Isr°el Goldstein wurden gemeinsam als Präsidenten der Weltförderation der Allge meinen Zionisten wiederge. wählt. Charlotte Jacobson und Ewa Shartira wurden zu Vizepräsidenten und Kamlan spdtanik mm aim Heren den Vwepräsiüenten ernannt. Die Delirierten zu der inzwischen abgeschmssener Konferenz der Weltföderation nahmen eine Resolution an in der die Ptiirkune der sef'>rdi«ehen Gemeinden außerhalb Israels als eine der dringlichsten A n I"" er klärt wird. (ITA von HAROLD SCHWARCZ FRiAESIDENT SUKARNO, der indonesische Diktator, lehnte ein rote tunesisches Hilfsangebot ab. — SCHWIERIGKEITEN sind in den englisch.frasMösisohen Beziehungen aufgetreten, da über verschiedene Probleme keine einheitliche Auffassung hergestellt werde« konnte. — Die REGIERUNG IN PEKING drohte erneut damit, dass Rot-Ohina in Vietnam direkt intervenieren werde. — GENERAL NASSER wurde erneut vom ägyptischen Parlamenc als einziger Präsidentschaftskandidat für eine weitere Amtsperiode von sechs Jahren aufgestellt. — DIE VAR (Vereinigte Arabische Republik, lies Aegypten) soll Jagdflugzeuge in Ostdeutschland gekauft haben. — ALBERT SCHWEITZER, Arzt, Philosoph, Philanthrop, Friedensfreund und Nobelpreisträger fiir den Frieden wurde 90 Jahre alt. — ALEXEI KOSYGIN, russischer Premierminister, hat erklärt, dass er die Einladung der Regierung Wilson zu einem Besuch in London annehme. — NEUE KUNDGEBUNGEN gegen die USA wurden in Panama durchgeführt. — FERIDUN KEMAL ERKIN, türkischer Aussenminister sprach in London über die Situation auf Cypern und er klärte seine Gegnerschaft gegen den Nordatlantischer. Verteidigungspakt. — MINISTER SUBANDRIO, Indonesiens Aussenminister, erklärte die Bereitschaft seines Landes zu direkten Verhandlungen mit der malayischen Republik, wählend der malayische Premier Tegku Abdtihl Rah man, meinte: Wenn Sukarno wirklich Frieden wolle, würden seine Bedingun gen interessieren. — DER KRBMIL hat seine militärischen Verbündeten zu einer Besprechung nach Prag gerufen, um über die Stra tegie gegenüber den Mächten des Atlantikpaktes zu beraten. — VIZEADMIRAL HYMAiN RICKOVER erhielt den En rioo Fermi-Preis, die höchste wissenschaftliche Auszeichnung auf dem Gebiet der Atomforschung. — GENERAL FRANOO wurde zu einem Besuch Para, guays eingeladen <gleich und gleich gesellt sich gern.).— Die POLITISCHE EINHEIT EUROPAS ist das Thema im Mittelpunkt der Tagesordnung, die für die nächste Konferenz zwischen de Gaulle und Erhard aufgestellt wur de. — PIERRE NGENDANDUMWE, Premierminister von Burundi, einem der neuen afrikanischen Staaten, wurde in der Landeshauptstadt Bujumbura ermordet. — Wissenschaft and Technik Im Laboratorium für Virusforeshung der Hadassa- Klinik in Israel arbeiten sechs Experten am Studium der Trachoms, jener gefährlichen tropischen Augenkrank heit. Seitdem es 1958 erstmalig gelang, verschiedene Arten der Trachoma zu isolieren. werden sie hier auf Gewebekulturen gezüchtet Es werden auch Untersuchungen über verschiedene Arten der Krankheit in der ganzen Welt angestellt. Das Ziel der Forscher ist es, ein ähnlich wirkendes Impfserum wie das zur Bekämpfung der Kinderlähmung zu finden. Energische Studien werden in Israel in dem verhältnismässig jungen Fach der Soziologie betrieben. Hier besteht genug ideales „Rohma. terial" Prof. S. N. Eäsenstad t, unter dem diese Forschungen stehen, erhielt bereits weltweite Anerkennung für seine Studien auf dem Gebiet des Studiums der Aufnahme von Emigranten in der modernen Gesellschaft. der Altersgruppen und der von primitiven Ge Seilschaftsgebilden. Die neue Schule für Pharmazeutik der Hebräischen Universität betreibt auch Studien für die Erforschung der Volksmedizin, unter Verwendung von Drogen und Pflanzen, die viele primitive Neueinwanderer und ar‘bi sehe Stämme benutzen. Es ist ausserdem eine Uebersicht über die Gewürze und Drogen primitiver Gruppen für deren eventuelle Verwendung in der modernen Medizin und Industrie in Vorbereitung. Die Atomkraft soll auch für die Kriminologie eingespannt werden. Es wurde ein permanentes Polizeilaboratorium in der Nähe von Isra. eis Atomreaktor eingerichtet, wo mit Hilfe der Nuklear kraft alierkleinste Beweispartikel, die den Experten bisher entgingen, nämlicih in der Grösse von 1 Million eines Millionstel-Gramms, ein. gelingen und geprüft wer den können. Emktronische Instrumente zur Messung des Spektrums radioaktiver Vorkommen wurden von einem israelischen Ingenieur entworfen. und zwar besteht ihre Neuheit in der Verwendung von Transistoren als Verstärker. Eine Petroleum. Raffinerie soll in Eat in kurzer Zeit erstehen. Dort sollen jährlich 156.000 bis 200.000 Tonnen Schweröl und Dieselöl zur Speisung der Frachtschiffe und der im Negew bestehen den Fabriken produziert werden. Später soll diese Produktion verdoppelt werden und sich auch auf die Belie ferung für Lastwagen- und Autoverkehr erstrecken. H. F. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA —• Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N? 826.205