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Jüdische Wochenschau · 1965-01-15 · 2099 (15.1.1965) · p. [Seite 9]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2099 (15.1.1965)
Date
1965-01-15
Page
[Seite 9] (sequence 9)
Language
German, Spanish
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?«99 Viernes, 15 de Enero de 1965 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Ano XXVI. — N° 2099 — 9 l, IX, of. 36 Zionismus - die Revolution gegen die unausgeglichene Soziologie des jüdischen Volkes Der Staat Israel steht jetzt im Vordergrund der Dinge, mit denen sich das jüdische Volk beschäftigt. Aber der Umstand, dass die Nation auf den Staat stolz ist, muss nicht bedeuten, dass sie einsieht. dass der Staat das Mittel für die Sicherung des weiteren Bestehens des jüdischen Volkes sein kann. Man bemerkt eine gelegentliche Neigung, den Staat zu übersehen oder seine Bedeutung als Faktor für die Zukunft des Volkes zu unterschätzen. Manche Gemeinden in der Diaspora sind auf die Gefahren der Assimilation aufmerksam geworden, doch hat die Reaktion auf diese Erscheinung nicht immer die zweckmässige Richtung. Wenn wir bespielsweise in manchen Teilen von Westeuropa Zeugen eines Versuches sind, jüdisches Leben zu erneuern, müssen wir gleichzeitig feststellen, dass manche der Bemühungen der Gemeinden auf Körper mehr als auf die Seele abzielen. Auch gibt es Teile der Diaspora, wo ein religiöses Erwachen stattfindet, welches jedoch keinerlei Tendenz aufweist, die Religion in den allgemeinen Rahmen jüdischen Lebens zu integrieren. Der Staat Israel übt eine Anziehungski ait aus, welche teils ein Resultat dieses Erwachens und teils Ausdruck des Wunsches ist, den Wellen der Assimilation zu widerstehen. Der Versuch wird gemacht, im Staat Israel einen Hemmschuh gegen die Assimilation zu finden. Gleichzeitig ist jedoch das Interesse für Israel von, einem Abstandnehmen vom Zionismus begleitet. Es gibt Juden, welche das Resultat akzeptieren, aber den Ausgangspunkt ignorieren; sie' nehmen den Staat an, aber lehnen den Zionismus ab, der zu ihm führte. Diese Bemühung, der Assimilation durch ein Suchen nach neuem Inhalt in der Erziehung der Jugend zu widerstehen hat dazu geführt, dass weite Kreise, weiche keinerlei zionistische Erkenntnisse besitzen, mit der zionistischen Leitung durch die verschiedenen Departements in enge Verbindung gekommen sind, mit ihr Zusammenarbeiten und aus dieser Zusammenarbeit Vorteil ziehen, solche Verbindungen mit der Exekutive sind jedoch wie gesaut oft von einem Abstandnehmen von der Zionistischen Organisation und von ihrer Ideologie begleitet. Diese Erscheinungen hemmen den Einsatz und vertuschen die Zielsetzung. , Die Regierung Israels ist zu der Einsicht gekommen, dass man sich nicht darauf verlassen kann, dass die Dinge sich von selbst entwikkeln, sondern dass man die Ceffentlichkeit zu voller Schätzung riier Bedeutung des Staates und seiner Position im jüdischen leben erziehen muss. Es erbebt sich dann die Frage nicht nur von Erkenntnis sondern auch von Verhalten. Ist d ß Verhalten der Öffentlichkeit in Israel in Uebereinstimmung mit den Lehren des Zionismus0 •* Die Zionistische ■ -Bewegung steht vor der Aufgabe von MOSCHE SHARETT einer totalen erzieherischideologischen Offensive so- Tätigkeit a 1 gemeiner jiidi scher Organe, seien sie in | wohl in der Diaspora als einzelnen Ländern oder ini auch in Isiael. Der Staat 1 ternational, beceiligen, um higkeiten und i'men Taten zu beurteilen sein. Der Zionismus ist die Revolution gegen die unausgeglichene Soziologie des jüdischen Volkes in der Diaspora. SEKRETARIAT SANTIAGO DEL ESTERO 454 - 9. ST. TELEFON 38-5816 0!. 36 SPRECHSTUNDE, nur nach vorheriger telefonischer Anmeldung, jeden MITTWOCH von 18 bis 20 Uhr. : kann sich nicht in allen Din- . gen ¿er Diaspora ausseh!;ess. i lieh auf die Zionistische Or- 1 ganisation verlassen, auch kann diese sich nicht aus schliesslich auf die Regierung verlassen, was die israelische Oeffentlichkeit angeht. Die Beiden müssen aufeinander abgestimmt sein. Es ist mir eine Freude, sagen zu können, dass dies jetzt auf diese Einfluss ausüben zu können und sie ihrer Zielsetzung näher zu bringen. Neuntens ist eine stärkere Elastizität in unserem Parteisystem notwendig. Bei aller Schätzung der Bedeutung der zionistischen Parteien entsprechen diese nicht mehr der jüdischen Lage in der Diaspora. Zehntens gibt es. keinen Der Abschluss des Kongresses der Fall ist. Es gibt jetzt ei- Ersatz für die chaluzische ne gemeinsame Front des; zionistischen Lagers. | Die Konklusionen, die sich I aus dieser Analyse ergeben,! sind folgende: Erstens muss j ein totaler Einsatz geschej hen, um die junge Genera j : tion in der Diaspora zu er. j | ziehen, um ihr jüdisches Be- I! wusstsein zu stärken, um die j hebräische Sprache unter j j ihr zu verbreiten, um sie in j Stand zu setzen, aus Israel | Inspiration zu schöpfen so j dass sie einen Beitrag zur hebräischen Kultur leisten und schiiesslich eine Reserve für Alija bilden kann. Zweitens kann die Alija nicht warten, bis die Herzen dafür bereit sind. Die Zionistische Bewegung muss eine Atmosphäre schaffen, welche der Alija aus den verschiedenen Ländern zuträglich ist. Die Anzahl der Einwanderer aus freien Ländern j ser Zeit steigt zwar ständig, aber zu langsam. Drittens müssen die zionistischen Gruppen im Ausland einen neuen Geist in die zionistische Fondsarbeit einf(ihren. Die Wahrheit ist, dass die Ergebnisse in keinerlei Proportion zum Leistungsvermögen der Juden der Diaspora stehen. Viertens muss die zionistische Tätigkeit in den Gemeinden und in deren Institutionen Wir müssen die Gemeinde als eine zionistische Front betrachten, nicht nur auf den Gebieten der Erziehung und der Kultur sondern auch auf dem der Samm lung. Zionisten müssen dafür sorgen, dass ein so gro. sser Teil wie möglich von den gespendeten Geldern Israel zugute kommt. Fünftens ist ein zionistisches Erwachen unmöglich ohne persönliche Verpflichtung für jeden einzelnen Zionisten. Er muss ein Beispiel geben durch die hebräische Erziehung, durch seine Beiträge für Geld Sammlungen usw Sechstens benötigt die Organisierung der zidnistischeri Tät;"keit in der Drspnva eine F^-neue^ung ihrer Mittel und Methoden und eine Neutyiifiuur der zionistischen LtSn^sverV-Hnde. Dies ist ei ne Frage nicht nur der th-irm sondern auch des Inhalts. Piebtens: Der organisierte Zionismus muss es als eine seiner w'cntiesfen pflichten ansehen. Fir>fiuss auf alle Arten von indischen Organisationen aussnsfrahlen ihnen Richtung zu verleihen, eie zu leiten und ihnen Auf eelh°n 7.” zu wehen. - Aichte-e« nmw. sichdie z.io nis,tische Bewegung an der Bewegung wie es sie in erst¬ und Mitteleuropa zwischen den beiden Weltkriegen gab Auch jetzt haben wir eine chaluzische Bewegung, welche das höchste Lob verdient, aber an den Wurzeln zersplittert ist — und die Ursache der Zersplitterung liegt in Israel. Was wir brauchen das sind vereinigte Organisationen und geeinte Arbeit Hierfür gibt es bereits Anfänge, und diese zu ermuntern und zu fördern. Jeder Einsatz muss gemacht werden, um der Ju- | gend in der Diaspora den I Zionismus nahe zu bringen, sodass unter ihr -die Ten. denz zur Alija und zum An Schluss an chaluzische Bewegungen gestärkt wird. Es hat nie eine grössere Chance für die Zionistische Bewegung gegeben als in die. Der Staat Israe* 1 un<j das jüdische Volk benötigen eine starke zionistische Bewegung als Bindeglied zwischen dem Weltjudentum und dem Sta-t. Die Bewegung wird nach ihren Fä- NACHRICHTEN AUS ISRAEL „JUGEnDSTADT“ in verstärkt werden.>j ein HAREM Jerusalem. — Die Jewish Agency gab die Errichtung einer „Jugendstadt“ in Ein Karem bei Jerusalem bekannt. Die Siedlung ist dazu bestimmt, die Teilnehmer an den verschiedenen Kursen und ¡Seminaren, die von der Jewish Agency für Ju gendüche aus den Ländern der Diaspora veranstaltet werden, aufzunehmen. VERTEILUNG DER BEVOEI KFRUNG Tel Aviv. — 75 Prozent der israelischen Bevölkerung leben in der Küstengegend zwischen Asohkelon und Na haria. neue LUFTLINIEN Die direkte Luftlinie Lod— Sofia unternimmt vorläufig einen Flug pro Woche, der abwechselnd von der Bulgarischen Nationalen Luftlinie und El-Al durchgeführt wird. Ebenso wurde die neue Luftlinie nach Rhodos eröffnet Es finden zwei Flüge wöchentlich statt, einer von Olympic Airways und einer von El-Al. BERUFSTAETIGE FF AU**N Tel Aviv — Die Zahl der erwerbstätigen Einwohner SCHLUSS DÉR DEBATTE | Die Generaldebatte schloss; mit einer- Ansprache Na- . chum Goldmanns, in der die- ‘ ser nochmals alle diskutier-; ten Probleme resümierte und i zu den einzelnen Themen | Stellung nahm. 1 Dr. Goldmann richtete an I die Sowjetunion das Ersuchen, die Vereinigung der I Familien und die Ausw nde rung der Juden nach Israel zu gestatten. Verschiedene Redner wiesen auf die Notwendigkeit hin, die Struktur der Zionistischen Organisation zu verjüngen und den Erfordernissen der heutigen Zeit anzu. passen, wobei sie im besonderen betonten, dass die zionistische Erziehung der Jugend als vordringliche Aufgabe zu betrachten sei. Arie Pincus, Schatzmeister der Jewish Agency, gab bekannt, dass in den letzten vier Jahren 2.000 Farn:;en der Mittelklasse nach Israel einwanderten. Er fügte hinzu, dass dieser Einwanderung in noch grösserem Umfang Aufmerksamkeit geschenkt werden würde. Sofort nach Abschluss der Debatte nahmen die verschiedenen Kommissionen ihre Arbeit auf. DIE PLENARSITZUNG Nach Schabbat - Ausgang wurde die Plenarsitzung des 26. Zionistenkongresses eröffnet. Vor dem Politischen Comité sprach Dr. Nachum Goldmann, der in seiner Rede erklärte. dass Sowjetrussland sichtlich einen grösseren Einfluss als die USA auf die Araber habe und der Frie den zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn leichter über Moskau als über Washington herbeigeführt werden könne. Er schlug daher vor, dass das Comité um bessere Beziehungen mit der USSR bemüht sein solle, und enthüllte, dass Israel schon Schritte in diesem Sinne unternommen ha. be. Er betonte ferner. d~f>s es im Interesse Israels liege wenn die Bez'ehunven der USA mit den Arabern freundschaftliche seien Auf diese Weise könne die Angriffslust der Araber gemässigt werden. Den jüdischen Organisationen in der Weit liege es ob. dafür zu sorgen, dass sich die antijüdische Isr:els ist seit der Staatsgründung von 343.000 aur etwa 850.000 gestiegen Wäh rend es im Jahre 1955 nur 155.000 erwerbstätige Frauen in Israel gab, stieg diese Zahl im Jahre 1963 auf 226 000; ihr Anteil an der er werbstiiligen Bevölkerung ist aber erheblich geringer als in Westeuropa und Amerika. 1 Prup. ganda der Araber nicht weiter ausbreite. Zur Lage der russischen Juden äuserte Dr. Goldman!), er habe keinen Wan.! del bemerken können, doch I sei es seiner Meinung nach möglich, dass die von eini- I gen kommunistischen Parteien in verschiedenen Ländern zum Ausdruck gebrach te Unzufriedenheit mit der Behandlung, die den Juden in der Sowjetunion zuteil wird, eine Aenderung der Politik der sowjetischen Machthaber bewirken könne. Er hoffe, so sagte er, dass Präsident Johnson verstehen werde, dass die Besorgnisse Israels und des jüdischen Volkes Teil der Beziehungen zwischen den Blöcken sind. Der Eindruck, drss Israel und das jüdische Volk ein antisowjetischer Faktor sein könnten, müsse vermieden werden, doch zu gleicher Zeit dürfe der Kampf zur Besserung des Schicksals der sowjetischen Juden nicht aufgegeben werden. Im weiteren versicherte Goldmann, er vertraue dar auf, dass Westdeutschland in nicht allzu ferner Zukunft diplomatische Beziehungen mit Israel aufnimmt. Er nannte es eine moralische Pflicht der Deutschen Bundesregierung, die Wissenschaftler zuriiekzurufen. die in Aegypten an der Herstellung fortgeschrittener Waf! fen arbeiten. Hieizu bemerkj te er jedoch, dass die USA I auf Bonn einen Druck ausj üben, um eine Rückkehr der deutschen Fachleute zu verhindern, da sie befürchten, sie könnten durch russische Techniker ersetzt werden. Schliesslich gab er der Erwartung Ausdruck, dass die Bonner Regierung die Verjährungsfrist für die nazistischen Kriegsverbrechen verj langem wird. | STIMMEN DER JUGEND! Die jugendlichen Delegierten zum 26. Zionistenkongress übten Kritik an der zionistischen Leitung in verschiedenen westlichen Ländern, die den Bedürfnissen der jungen Generation nicht genügend Aufmerksamkeit schenken. Aba Caspi aus Nordamerika beklagte sich dass die zionistischen Führer in seinem La net eine Vorliebe für , Galabanketts“ zeigen, anstatt auf anderen Ge. bieten des jüdischen Lebens „sin persönliches Beispiel zu geben“. David Rachai^iin vom Verband jüdischer Studenten Frankreichs erklärte, dass die französischen Zionistenf(ihrer die jüdischen Studenten nicht wirksam genug ermuntern, nach Israel anszuwandern, während Robert Stone aus Kanada den in seinem Land herrschenden Mangel a.n Möglichkeiten zur Ausbildung von Gemein, deführern bedauerte. Ein anderer Redner, der darüber klagte, dass man den Problemen der Jugend nicht genügend Aufmerksamkeit zuw'ende, war Victor Benveniste, Präsident der Zionistischen Föderation Frankreichs, der die Abschaffung des Parteiensystems forderj te. Dr. Rahamim aus Tebe. I ran ersuchte um dringende I Berücksichtigung der Be I diirfnisse der persischen Ju- | denheit und wies auf die be-! daueriiehen Zustände in den Auswanderungslagern von Teheran hin. Der Repräsentant der südafrikanischen Zionistischen Föderation. E. | Horowitz. bat. um moralische Unterstützung für die süd-! afrikanische Judenheit. die! sich angesichts des „tiefen! Gew issenskonflikts“ in, dem j sie sich befinde, gegenwärtig in einer schwierigen Situation ist. KEINE NEUE EXEKUTIVE Der 26. Zionistenkongress schloss seine Tagungen, ohne eine neue Exekutive zu wählen, da die Verhandlungen über den Einschluss der Oherut ergebnislos verliefen. Die Ständige Kommission folgte dem Vorschlag Dr Goldmanns, nach dem der Kongress nur den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Nach um Goldmann, und den Präsidenten der Exekutive, Mosche Sharett, wühlte und die Wajjl der Exekutive dem nächsten Aktionscomite iiberliess. Bis zu diesem Zeitpunkt wird die jetzige Exekutive die Geschäfte weiter führen. Die diesbezügliche Resolution wurde von den Arbeiterparteien und der Föderation der Allgemeinen Zionisten (Gcddstein, Halperin) unterstützt, während sich die Cherut. der Verband der Allgemeinen Zionisten und Misrachi dieser Lösung widersetzten Die Resolution erfolgte nach tagelangen, endlosen Verhandlungen über den Anspruch der Cherut auf zwei Sitze in der Exekutive, in der sie bisher nur eine Stimme hat. Hierüber konnte Keine Einigung erzielt werden da die Cherut auf ihrer Forderung bestand, während die Arbeiterparteien ihre Oppo. sition geltend machten und mit. der Riickberufung ihrer Vertreter in der Exekutive drohten. Die Führer der Cherut erklärten, auf ihrer „gerechten“ Forderung zu bestehen, andernfalls sie ihren einzigen Vertreter abfcerufen und sich an die Weltorganisation wenden würden. Wie „Jerusalem Post“ schrieb, unterstützt Ksukol das Verlangen der Ch<-rut im Prinzip, enthält rieb jedoch einer Beeinflussung der Ereignis«. um seine eigene Partei nicht zu desavouieren.

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