Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2099 (15.1.1965)
- Date
- 1965-01-15
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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ï PUEYRREDON 2190 — 1? izq. I E. 83 2613 Ano XXVI. BUENOS AIRES, VIERNES 15 DE ENERO DE 1965 N? 2099 T* von JEHU DA GOTTHEiMER (Die folgenden Ausführungen sind als tine Fortsetzung des Artikels „Zwischen Forschung und Irrtum“ anzusehen, der in der vergangenen Woche an gleicher Stelle erschienen ist). — Auf die VerteidigungS-- aohrift des früheren (ersten) Chefs der Göringschen Gestapo, Dr. Rudolf Diels, ist bereits ausführlich hingewiesen worden. Diels steht für viele Intellektuelle dieser Generation. Br war einmal Vertrauensmann Severings, des sozialdemokratischen Innenministers, zunächst Preussens, dann des Reiches, bevor er sofort naoh Machtübernahme als Vertrauensmann Görings ein neues Amt unter völlig neuen Herren übernahm. Bei dieser Wandlungsfähigkeit polemisiert Diels scharf (und überzeugend» gegen einen anderen politischen Verwandlungskünstler, der auch als Ber .chterstatter über den Reichstagsbrand aufgetreten ist: Gisevius, dessen Informationen mit ■ grösster Vorsicht aufgenommen werden müssen. Der westdeutsche Regie . rungsrat Dr. Fritz Tobias hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den Nachweis dafür au bringen, dass die Nazis den Reichstag nicht in Brand gesteckt haben, und dass van der Lutobe nicht in ihren Diensten gestanden habe. Abgesehen davon, dass diese Frage heute weder aktuell noch interessant oder für eine Bewertung des nationalsozialistischen Treibens von Bedeutung sein kann, wühlt Tobias unentwegt und fleissig in den vielen hunderten Zeugnissen, Berichten, Br klärungen und individuellen Betrachtungen, die meist von den beteiligten Personen an den Untersuchungen gegeben worden sind. Dabei han. delt es sich sowohl um Informationen der mit den Ermittlungen beauftragten Be. amten, SA-Leuten, Nazi Polizisten usw. wie der Sachverständigen, Richter, Zeugen usw. Die Mehrzahl dieser Leute sind zurr.dndestens ails ehemalige Nazis zu bezeichnen, die durch ihre Mitwirkung1 in der einen oder anderen Form in der Brand nacht und den auf sie folgenden Ereignisse nicht als objektive Berichterstatter angesehen und deren Bekundungen deswegen nur mit grosser Vorsicht aufgenommen werden können. — Einer der Höhepunkte der ganzen Affäre war die Gegenüberstellung des aufgeblasenen preussischen Ministerpräsidenten Göring, der Starke Regenfaelle in Israel Tel Aviv. — Wolken - bruchartige Regenfälle machten die Strasse zwischen Beer Schewa und Elat unbefahrbar und isolierten die Hafenstadt am Roten Mieer vom übrigen Land. Zahlreiche schwere Schäden wurden ge. meldet. Häuser stürzten ein, uncl mehrere Kraftwagenlenker mussten in der Negew - Wüste mit Hubschraubern aus ihrer gefährlichen Lage gerettet werden. vor dem Reichsgericht in ei ner Fantasie - Uniform erschien, mit dem a.ngeklagten Bulgaren Dimitroff, der sich offen zum Kommunismus bekannte. Die Illusion der Nazi Führung, durch den Prozess vor dem Reichsgericht das beschädigte Prestige des Dritten Reiches wiederherzusteilen, zerplatzte in erster Linie an der unerhörten Propaganda - Möglichkeit und dem aussergewöhnlichen Ge sdbick Dimitroffs, der einen beispiellosen M*ut gegenüber den Machthabern des Dritten Reiches bewies, dem nur die spätere Haltung Léon Blums an die Seite gestellt werden kann. Die für Göring nicht nur blamable, sondern geradezu vernichtende Begegnung mit Dimitroff wird auch von Diels erwähnt : „Es war ein prächtiges Schauspiel für den Psychologen der Demagogie, als sich die beiden Prachtexemplare ihrer marktschreierischen Despotien gegenübertraten. ..“, wobei Diels ganz vergass, dass der eine als Triumphator erschien, wäh rend der andere Gefangener war. Diels berichtet: „Der eine in hohen lackledernen Reitstiefeln und in einem penetrant braunen Reitan. zug, war des Beifalls der einen Seite des Gesindels gewiss; dem anderen waren Lob und Preis seiner Verwegenheit auf der anderen Seite der menschlichen Wildnis sicher. Irrlichter alle beide! Aber immerhin, wenn ich wählen müsste, mit wem ich Kirschen essen sollte, ich hätte den cholerischen Dik. ken gewählt und nicht den frechen und fanatischen Eiferer.“ — Diese Bemerkungen sind interessant, weil typisch. Dass er den späteren bulgarischen Ministerpräsidenten als .frech1 bezeichnet, zeigt Mangel an Geschmack. Denn Dimitroff war nicht frech, sondern unerhört mutig und entschlossen. Wo andere schwiegen, sprach er. Das war frech? Diels entscheidet sich auch heute noch für Göring. mit dem er lieber Kirschen essen möchte als mit Dimij troff. Vielleicht spielt da bei ihm die Macht der Gewöhn, heit eine Rolle, denn er stand doch in Diensten Görings. Und schliesslich körnn©n seine Gefahren und die Verfolgungen, denen er angeblich (angeblich heisst nach seinen Angaben) ausgesetzt war, nicht so tragisch gewesen sein, da er sich noch einmal mit den Nazis einlasen und mit einem Gering Kirschen essen würde... Das Tobias-Buch ist auf Resolution gefordert Washington. — £me Resolution, die den Antisemitismus in der Sowjetunion verurteilt, wurde im Abgeordnetenhaus vom republikanischen Deputierten für New York, Seymor Halpern, unterbreitet. Halpern forderte vom Kongress eine offizielle Verurteilung der „schändlichen und diskri. minatorischen Behandlung der jüdischen Ge meinschaft in Sowjetrussland“. eine weitgehende Ablehnung gestossen, worauf hier bereits vor mehr als zwei Jahren hingewiesen worden ist. Insbesondere hatte sich der Goebbels Mitbiograph Hein rieh Fraenkel gegen die Thesen von Tobias gewandt. Die beiden gerieten in eine unschötve, stark persönlich gefärbte Polemik miteinander, die der sachlichen Klärung wenig dienlich war. Wenn man diese Auseinanderset zung heute, nach längerer Zeit noch einmal liest, kann man ein Lächeln über die Belanglosigkeit der diskuterdrücken. Den dahinterstehenden Gedanken einer neuen, dureil solche Auseinandersetzungen heraufbeschworenen Begünstigung der Geschiabtsklitterung diskutieren die Gesprächspartner nicht. Und doch liegt hier die eigentliche Problematik des Tobias-schen Unterfangens. Das war die allgemeine Situation, als i.m Heft 4 des 12. Jahrganges der Vierteljahreshefte flu- Zeitgeschicheinlassen und mit einem Gote ein neuer, ausführlicher Aufsatz des Privat dozenten Hans Mommsen erschien, der dem Thema „Der Reichstagsbrand und seine politischen Folgen“ gewidmet ist. Wieder erhebt sich die Frage: Cui bono?, wozu diese ganze Auseinandersetzung, dieser ungeheure Aufwand vermeintlicher Wissensch ft lichkeit, die Kritiken und Wertungen, die Zweifel und Vermutungen, die Bemiihun gen um kriminalistische anstatt historische Ausgrabungen, die man vielleicht noch verstehen könnte. Hierzu schrieb einer, der dabei war: tier ten Streitfragen nicht un- SÄ iSsU «ÄH ÉÜÉ ÜSlfifgiS '¿y»-» DER BRENNENDE REICHSTAG: NOCH HEUTE DISKUTIERT 'jT-äjV''; i Émê ’■--■i' ÜÉÉ ÉRU V.' ¡.V- “ SÉÉfe j BU lt®SI®§ in die Welt von HAROLD SCHWÄKGZ iN'DONEBIEN wurde vom Generalsekretär der UN U Thant, sowie von Japan und Russland gebeten, nicht seinen Austritt aus den Vereinten Nationen zu erklären — IN PAKISTAN kam es nach den P r äs l de nie 11 ward en zu schweren Zu.-aaimenstössen, bei denen zahlreiche Tote und Verwundete zu verzeichnen waren. — PAPST PAUL VI. liess bekannt geben, dass die vierte und letzte Periode des 2. Vatikanischen Konzils im Bepteenber beginnen werde, auf der 14 Dokumente studiert, diskutiert und redigiert werden sollen. — Dr. KONRAD ADENAUER, der deutsche Altbundeskanzler, wurde 89 Jahre; aus diesem Anlass erhielt er Glückwünsche aus der ganzen Welt. — Der PRiAiFSIDBNT CHILES, Eduarde Frei, verlangte Vollmachten zur Unterzeichnung von Verträgen mit ausländischen Gesellschaften. — SCHOTTISCHE SOLDATEN wurden zur Verteidigung von M.'ilasien entsandt. DEAN RUSK. der Staatssekretär Nordamerikas, erklärte, es gäbe gute Möglichkeiten, um die kotnmun-stischen Waffensendungen nach dem Kongo zu unteroiudan — Als NIKOLAI PODGOBNY, der neue Generalsekretär der kommunistischen Partei der Sowjetunion, im türkischen Parlament das westliche Varteidigungssystern kritisierte, kam es zu heftigen Szenen. — ALEXEI KOSYGIN, Premierminister der Sowjetunion, versprach in seiner Neujahrsbotschaft, dass Russland eine Politik des Friedens und der Beschwichtigung zur Ent. sp innung der internationalen Lage führen werde — Die KRISE IN NIGERIEiN konnte durch die Bildung einer Regierung auf breiter Basis übeiwunden werdet' — GULZARI LAL NANDA, indischer Innenminister, erhob Beschuldigungen gegen das Rote Chine, das gegen die indische Sicherheit konspirieren würde. — ANTONIN NOVOTNY, der Präsident der Tschechoslowakei, gab die Erhöhung des Verleid igimgs-F,tafc> seines Landes bekannt. — IN KUBA wurde der 6. Jahrestag der kommunistischen Revolution gefeiert. — DIE SOWJETUNION erklärte, sie werde die Regierung von Nord'vietnarn in ihrem Kampf gegen die Amerikaner unterstützen. — PRAESIDENT LYNDON JOHNSON gab sein Regierungsprogramm bekannt und versprach u. a. eine verstärkte Hilfeleistung für die lateinamerikanischen Länder. — LIU CHAO-OHI wurde im Roten China als Staatspräsident und Chon Ear-Lai als Ministerpräsident wiedergewählt. — AUS BOLIVIEN wurde ein neues Komplott gemeldet, das aber zu keinen Konsequenzen führte. — In PORTUGIESISCH.ANGOLA kan es neuerdings zu schweren Zusammenstössen zwischen portugiesischen Truppen und Eingeborenen. RADIO PEKING beschuldigte Indien, in Tibet eingedrungen zu sein und eine Verschärfung der Spannungen zu provozieren. — Die INTENSIVERUNG des OST-WEST-HANDELS und die Vertiefung der nordameriku.niseh.russischen Handels- Beziehungen bezeichnete Johnson als wünschenswert. — Vor kurzem demonstrierten in Tel Aviv Invaliden des Krieges gegen den Nazis mus, Soldaten und Partisa nen, die in den regulären und irregulären Armeen der Alliierten gekämpft haben, um gegen die Absicht Westdeutschlands, keine Verlängerung der Verjährungsfrist für Naziverbrechen zu verfügen, auf diese Weise zu protestieren. Der Verband dieser Kriegs. invaliden wollte seine Ueberzeugung bekräftigen, dass die Nazis Verbrecher waren und bleiben. Die Nazis sind verantwortlich für den Völkermord und den Mord von Millionen Menschen, darunter Kinder, Frauen, Alte und Kranke. Sie warten nur auf die Gelegenheit, ihre Schlupfwinkel zu verlassen und neue Verbrechen zu begehen und sie können wieder zu einer schweren Gefahr für die Juden und den Weltfrieden werden. Diejenigen, die einst gegen die Nazis kämpften, gaben ihrer Bereitschaft Ausdruck, „Aber überalle Vermutungen und Theorien hinaus, an denen die Herren Tobias wie auch Fraenkel mit so bewundernswerter Akribie im Sinne einer historischen Geschichtsforschung bosseln, muss ich bekennen: bei der Millionenza.il ermordeter Juden, den zerstörten Städten der Unzahl verübter Verbrechen und dem grauenvollen Inferno, das die Nazis hinter Hessen, wirkt der Versuch, sie jetzt wenigstens von der Schuld am Reichstagsbrand reinzuwaschen, wie eine makabre Goteske“. Der unerträglich breiten Darstellung Momm.sens ist (Schluss auf Seite 2) für die Attochniung des Verjährungsgesetzes eiuzutieten und das Gewissen der Oeffentlichkeit in Israel und in der ganzen Welt zu wecken. Die Demonstranten bewegten sich am Abend durch die lärmende Dizengoffstrasse mit ihren tausenden Neonlichtern. Die .Geräusche verstummten, als sich der schweigende Zug näherte. Tausende Menschen standen auf den Bürgersteigen und schlossen sich der Kolonne an, um ihre Solidarität mit den Invaliden zu beweisen, von denen viele die Zeichen ihrer Verwundungen und viele ihre Kriegsorden auf der Brust trugen. Sie zogen vom Keren Kajemet Boulevard, über die Dizengoffstr ss© zum Dizengoffplatz. auf dem sich um diese Stunde die Menschen drängten. Dort machten sie Halt, und De monstranten und Publikum bewahrten drei Minuten. Schweigen im Andenken an die Ermordeten, deren Mörder die Deutschen heute freisprechen wollen. Auf den Plakaten, die die Demonstranten durch di© Strassen trugen, stand zu lesen: „Die Kämpfer gegen die Nazis werden ihren Kampf gegen die Verbrecher bis zu ihrer Ausrottung fortsetzen“ „Die Menschheit wül die Naziverbrecher, die eanze Völker getötet und Mülionen ermordet haben, in ihrer Mitte nicht dulden“ „Die deutschen Wissenschaftler, die gestern unser Voll: vernichtet haben unter, hehlen heute unsere nationale Existenz.“ „G°gen die Freilassung de'- Naziupu-breeher“ „Der Knmnf gegen das VevjM Ji',nngS0'eietz jqf pir) Kampf für den Weltfrieden“.