Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2098 (8.1.1965)
- Date
- 1965-01-08
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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»5 a ZS gs ô íf FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXVI. BUENOS AIRES, VIERNES 8 DE ENERO DE 1965 No. 2098 EL EJEMPLAR en toda ta República PUEYRREDON 2190 1? Uq. T. E. 83 2613 Ráenos Aires Der 26. Zionistenkongress DIE BROEFFNUNG Jerusalem. — Die drei Hauptaufgaben zur Wahrung des PortbesiaiKies des jüdischen Volkes werden Gegenstand der Beratungen des 26. Zionistenkongresses sein, so erklärte Dr. Nachum Goldmann auf der Eröffnungssitzung. Er sprach vor 540 Delegierten aus über 40 Landern und 65 Repräsentanten nichtzionisrischer Gruppen, die als Delegierte ohne Stimmrecht dem Kongress beiwohnen. Ferner waren 70 Vertieter von Jugendgruppen innerhalb und ausserhalb Israels anwesend. „Zwar geniesten wir heute gleiche Rechte, und der Antisemitismus bedroht nicht mehr unsere Existenz“ führte Goldmann aus, „aber die Gefahren sind immer noch gross." Er würdigte das Verständnis der Regierung Israels und ihres Premiermi nisters Levi Eshkol, die sich Rechenschaft ablegen, dass sie der zionistischen Bewegung ihre Unterstützung leihen müssen. Staatspräsident Zulman Shazar begriisste die Delegierten und Beobachter. Er erwähnte die Teilnahme von Vertretern nichtzionistischer Organisationen und Gemeinden und gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Pläne für die Erweiterung der Basis des Kongresses durchgeführt weiden könnten. Er wies darauf hin. dass die Juden ausserhalb und innerhalb Isra. eis „nicht mehr als getrennte und voneinander unabhängige Gemeinschaften betrachtet werden können“, sondern dass das „natürliche Bündnis zwischen diesen beiden Judenheiten gestärkt werden muss.“ Gleichzeitig sprach er die Erwartung aus. dass die ..Einwanderung nach Israel a.us den Ländern, die ihren Bürgern heute nicht auszuwandern erlauben, wei. ter zunehmen möge.“ Als wichtigste Funktion des Zionismus in der Diaspora bezeicbnete Shazar die Alija und die jüdische Erziehung der Jugend, um diese mit dem Wunsch zu besee len. an der Wiedergeburt des jüdischen Volkes und am Aufbau Israels aktiven Anteil zu nehmen. Jacob Tsur, Präsident des Jüdischen Nationalfonds, verlas eine Botschaft an den Kongress von Mosche Sha. rett. dem Vorsitzenden der Exekutive der Jewish Agency, der in einem Krankenhaus interniert ist. Sharett spricht darin von dem Aufleben der Furcht vor neuen Gefahren und dem Wunsch der Juden in der Welt, diesen entgegenzutreten Er ver. sichert. dass Israel den Wunsch hegt, seine Bande zum ganzen jüdischen Volk so eng wie möglich zu gestalten. TJFBFR WINDUNG DER GEFAHREN In seiner Rede warnte Dr Goldmann vor den demagogiscüdfci Kräften, die „in letz ter Zeit eine starke Unterstützung durch die arabi. sehe Propaganda erfahren haben weiche den jüdischen Gemeinden das Recht abspricht, sich geistig und gefühlamässig Israel auzu sohlieasen." Alle diese -Tendenzen, die es den Juden immer schwerer machen, ihr Judentum zu bewahren, seilen sich noch von dem inneren Prozess der Assimilation bedroht, der eine Gefahr für die jüdische Zukunft bedeutet, fügte Dr. Goldmann hinzu. Er unter, strich die Notwendigkeit, in den Juden das Bewusstsein ihres historischen Erbes zu vertiefen und die wuchtige Rolle zu erkennen, die die Religion hierbei spielen kann. Daher müssten die Führer des jüdischen religiösen Lebens bereit sein, in einen „Dialog von historischer Bedeutung einzutreten". Die zionistische Bewegung, so schloss Goldrr.ami, muss iihre alte Position zurückerobern und im jüdischen Leben Pionierarbeit leisten TAETIGKEIT DER JEWISCH AGENCY Die Jewish Agency verausgabte seit dem letzten Zionistenkongress vor vier Jahren insgesamt 30 Millionen Dollar für die jüdische Erziehung in der Diaspora, wie Schatzmeister Are Pincus mitteilte, der an Stelle des erkrankten Präsidenten der Exekutive, Mosche Sharett. Bericht erstattete. Pincus hob hervor, dass dieses Budget erhöht werden müsse, und forderte die Judenheiten der verschiedenen Länder auf, grössere Beiträge für diesen Zweck zu leisten, da Israel allein unmöglich die notwendige Zahl von Lehrern zur Verfügung stellen könne. Zum Thema Einwanderung und Absorption berichtete er, dass in den letzten vier Jahren 250.000 neue Immigranten in Israel ankamen, von denen 90 Prozent bei ihrer Ankunft nichts besessen und unter denen sich äusserst zahlreiche schwierige soziale Fälle befanden. Wohl habe die Industrie Arbeitsplätze bereit gestellt, doch noch seien diese unge niigend und noch verdienen viele dieser Neuankömmlinge weniger als das Existenzminimum. Auch leben trotz aller Anstrengungen immer noch rund 33.000 neue Einwanderer in Notsiedlungen und mehr als 30.000 Familien in Einzknmer-Wohnungen. Die ungenügenden Mittel für die Fortsetzung der Ein. gliederung, so führte Pincus aus, bilden einen Faktor der Unruhe und gefährden die Grundlagen der israelischen Demokratie. Hierbei unterstrich er, dass 70 Prozent des Wohnungsbaus für Neueinwanderer von den israeli sehen Steuerzahlern bestritten werden, die unmöglich noch schwerer belastet werden kennten. Deshalb wandte er sich an die Juden in der Welt mit dem Ersuchen, ihre Anstrengungen zu erhöhen, um zur Befriedigung dieser praktischen Bedürfnisse in grösserem Masse beizusteuern. Zum Schluss erwähnte Arie Pincus. dass seit 1960 insge samt 22.000 Juden aus dem Westen und aus Lateinamerika in Israel eingewandert sind. Er unterstrich, dass weder Israel noch die Jewish Agency diesen Einwanderern Bedingungen bieten könne, die sie in so entwickelten Ländern wie Nordamerika oder England vorfinden, und „die Anziehungskraft, die Israel für diese Einwanderer aus der westlichen Sphäre hat, kann nur das Resultat der zionistischen Erziehung und eine geistige Bereitschaft darstellen, die für den Mangel an Bequemlichkeiten entschädigt.“ ANDERE REDNER Dr. Emanuel Neumann, der Präsident der Weltunion der Allgemeinen Zionisten, forderte entschiedene Massnahmen zur Verhütung der Gefahr, dass sich der arabischisraelische Konflikt zu einer internationalen Spannung auswachsen könne. Er betonte, dass „wir Augenzeugen des Beginns einer antisemi tischen Internationale mit Sitz in Kaiso sind". Daher schlage er vor, die Politische Abteilung der Jewish Agency wieder zu errichten, um die Bemühungen Israels zu unterstützen. Dr. Israel Goldstein forderte die Delegierten auf. bei der Aufnahme neuer Gruppen zu bedenken, dass „wir nicht für alle jüdischen Gruppierungen gerade stehen können sondern eine rein zionistische Organisatian bleiben müssen.“ Frau Dr. Miriam Freund. Expräsidentin der Hadassa, verlangte die dringliche Durchführung eines Programms für die jüdischen Studenten, deren Erfassung die zionistische Bewegung vernachlässigt habe. Nach Anhören verschiedener anderer Redner wurden die Sitzungen unterbrochen, um den Delegierten die Möglichkeit zu bieten, die Einwandererzentren zu besichtigen. DIE REDE ESHKOLS Jerusalem. — Premierminister Levi Eshkol hielt vor dem 26. Zionistenkongress eine Rede über die politische und militärische Situation Israels, in deren Verlauf er sich mit den ständigen Be drohungen gegen Israel beschäftigte, die vom ägyptischen Präsidenten Abdel Gamal N<;'sser ausgehen. Israel benötigt eine jährliche Einwanderung von 40.000 Juden aus den fortgeschrittenen Ländern und die Intensivierung der zionistischen Erziehungsarbeit, um den nasserschen Herausforderungen gegeniibertreten zu können. Die Sicherheit Israels, so sagte er, sei die erste Sorge des Staates Die Sicherheit Israels ist zugleich auch die Frontlinie der jüdischen Existenz in der Welt. Während Nasser sich ausländischen Besuchern gegenüber gemässigt äusserst, spricht er ohne Hemmungen zu seinem eigenen Volke von seinen wirklichen Absichten. Er sagt, der Krieg sei unvermeidlich; aber er möchte sich das Recht Vorbehalten, wann der Krieg ausbricht Aus diesem Grunde ist Israel gezwungen, eine gewaltige Kraft gegen diese Drohungen aufzubrauohen. Wenn auch schon viel auf diesem Gebiet erreicht sei, so soll man doch verstehen, dass Waffen allein nicht genügen. Israel muss seine Ueber. legenheit in der Qualität der Menschen, ihrer Ausbildung und ihrer Gpferbereitscnaft bewahren. Israel hat sich darum bemüht, alle Anstrengungen zu machen, die erforderlich sind, um das Land zu entwickeln und seine Auf nah. mefähigkeit zu erhöhen, vor allen Dingen auch durch die Erschliessung neuer Wasserquellen. Es besteht die Notwendigkeit einer neuen Intensivierung der Industrialisierung, wobei das Land auf die Hilfe der ausländischen jüdischen Gemeinchaften mit ihren grossen Erfahrungen, Kenntnissen und Kapitalien rechnet. Aber alle diese Anstrengungen beruhen auf einer neuen grossen Einwanderung, nachdem die Alija aus den Ländern der Bedrängnis sich ihrem Abschluss nähert. DER RUSSISCHE STANDPUNKT In seinen weiteren Ausführungen gab Eshkol seiner Hoffnung Ausdruck, dass die russische Haltung in der jüdischen Frage sich einer Korrektur unterziehen wird, insbesondere gegenüber den russischen Juden. Dieses Problem sei nicht von unserer Tagesordnung gestrichen. Es gäbe weder überzeugende Gründe noch irgendwelche ideologischen Grundsätze des Kommunismus, die dazu zwingen würden, die Einheit des jüdischen Schicksals zu leugnen. Aus allen diesen Gründen haben wir die Hoffnung, sagte Eshkol, dass sich in dieser Hinsicht eine Wandlung vollzieht. Trotzdem aber können wir noch nicht mit einer grösseren Auswanderung aus Russland rechnen. Deswegen müssen wir unser Augenmerk auf die Einwanderung aus den westlichen Ländern richten, die sich durch die Zionistische Organisation vollziehen muss. Die Zionistische Organisation muss neue Aufgaben auf sich nehmen. Wir brauchen junge Intelligenzler, Wissenschaftler und Techniker, die uns dabei helfen sollen, den Staat weiter zu formen. Wir brauchen eine Pionierbewegung. die der Zionistischen Organisation hilft, die jüdische Erziehung in der Diaspora ziu verstärken. Die Regierung Israels Und die Zionistische Organisation sind darin übereingekommen, das Prinzip gemeinschaftlicher Verantwortlichkeit für die Zukunft des jüdischen Volkes und Israels anzuerkemien und deswegen die grösste Hilfe bei den Be mühungen fiir die stärkere Erfassung der Jugend in ihrer jüdischen Erziehung zu leisten. Aber Israel kann nicht die Anstrengungen der Diaspora ersetzen, da auf diesem Gebiet die Hauptlast der Verantwortung bei den Juden in den verschiedenen Ländern liegt. Die volle Zusammenarbeit zwischen der Regierung und der Zionistischen Weltorganisation wird fortgesetzt werden. Aber wir Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ RiUMABNIENs MINISTERPRÄSIDENT, Glieorgihe Maurer, erklärte, sein Land wolle die Handelsbeziehungen zu anderen Nationen verstärken, unabhängig von deren socialem System... — PAKISTAN wählte seinen Präsidenten Ayub Khan für eine weitere Amtszeit wieder. — SUEDVIETNAM ist auch weiterhin der Schauplatz wilder Terroraktionen, die immer ernstere Formen annehmen — Zwischen KAMBODSCHA und THAILAND kam es zu neuen Konflikten, bei denen das Rote China sich bereit erklärt hat, an Kambodscha Waffen zu liefern. — ABDULLAH AL-SALLAL, der Präsident des Yemen, eine Figur von Nassers Gnaden, besuchte Kairo, während in der Zeit seiner Abwesenheit nicht weniger als 24 yenvenitische Minister demissionierten. — Die BERLINER MAUER, eines der grössten westdeutschen Propagandamittel, öffnete sich in den Weihnachtstagen, sodass tausende Westberliner ihre Verwandten hinter der Mauer besuchen konnten. — Die KONGO-DEBATTE, die in der Generalversammlung der UN geführt wurde, zeigte, dass die afrikanische Einheit durchaus kein sicherer Fakt im internationalen Wettspiel ist, — Eine FUENFTE KOLONNE der Roten Chinesen wurde in Indien entdeckt. — Bei den WAHLEN IN NIGERIA sind unvorhergesehene Schwierigkeiten aulgetreten, die einmal mehr zeigten, auf wie schwachen Füssen die jungen afrikanischen Länder stehen. — PREMIER WILSON forderte die russischen Machthaber, Kosygin und Mikoyan, auf, die Kontrolle der Aufrüstung zu verschärfen. — Herr GENERALISIMO FRANCO verteidigte die religiöse Freiheit, was gewiss anerkennenswert ist. Warum aber nur die religiöse Freiheit, wird man nicht mit Unrecht fragen? — WASHINGTON lehnte einen rotchinesischen Vorschlag über einen Vertrag ab, dass keines der beiden Länder jemals einen Atombombenangriff gegen das andere Land führen werde. — GIUSEPPE SARAGAT, Sozialdemokrat und bisher Aussenminister seines Landes, wurde nach 20 (!) vergeblichen Wahlgängen zum Präsidenten Italiens gewählt. — Die REGIERUNG IN PEKING richtete scharfe Angriffe gegen Brasilien, nachdem dort neun chinesische Kommunisten zu langen Freiheitsstrafen verurteilt worden sind. — BRASILIEN erklärte sich offiziell bereit, einer „Regierung des freien Kuba“ Exilsrechte zu gewähren. — BOLIVIEN ist wieder der Organisation der amerikanischen Völker beigetreten. — können nicht davon Abstand nehmen, in erster Linie die Mitglieder der zionistischen Bewegung aufzufordern, nach Israel zu kommen. DIE REDE ABBA EBANS Der Vizepremier Israels, Abba Eban, sprach ebenfalls vor dem Kongress und wies auf die Feindseligkeit der arabischen Weit gegenüber Israel hin. Die arabische Feindschaft muss in den bisherigen Grenzen gehalten werden. Unsere Anstrengungen gehen dahin, das Eindringen dieser feindlichen arabischen Einstellung in anderen Gebiet unserer internationalen Beziehungen zu verhindern. Der Schlüssel zum Frieden im Mittleren Osten liegt aussei halb dieses Gebietes in den Händen von hundert Regierungen, an die sich Israel ebenso wie seine Nach, barn wendet, und bei denen es Freundschaft und Unterstützung sucht. Augenblicklich unterhält Israel diplomatische Beziehungen mit 90 Ländern. Es gibt nicht ein Land der westlichen Welt, das sich weigern würde. volle diplomatische Beziehungen mit Israel zu unterhalten. Eban wies darauf hin, dass ein festes und wachsendes Vertrauen in den Beziehun- Gedenkfahrt nach Bergen-Belsen Düsseldorf. — 100 Jugendgruppenleiter der Naturfreundejugend aus dem Rheinland und aus Westfalen besuchten vor kurzem die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Am Mahnmal wurde ein Kranz niedergelegt. Die Jugendleiter wollten mit der Gedenkfahrt zum Ausdruck bringen, dass „bei den Prozessen gegen die Naziverbrecher und in der bisherigen Wiederguimachungs - Praxis keine ausreichenden Schritte des deutschen Volkes unternommen worden sind, das geschändete Recht wieder in seine Würde einzusetzen — (AWZ) gen mit den Vereinigten Staaten vorherrscht. Mit allen lateinamerikanischen Ländern verbindet Israel Freundschaft, jenen Ländern, die seinerzeit die Hälfte aller Stimmen für die Zulassung Israels zu den UN gegeben haben. Israel sei kein isolierter Mittelmeerstaat, sagte Eban, sondern ein Hort universeller jüdischer Verantwortung und ein Stolz des ganzen jüdischen Volkes. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N? 826.206