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Jüdische Wochenschau · 1964-11-27 · 2092 (27.11.1964) · p. [Seite 12]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2092 (27.11.1964)
Date
1964-11-27
Page
[Seite 12] (sequence 12)
Language
German, Spanish
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« o CO g 3 _ fc a 2 e *> -S <5 “ g < O FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXV. BUENOS AIRES, VIERNES 27 DE NOVIEMBRE DE 1964 No 2092 10.- EL EJEMPLAR en toda la República PUEYRREDON 2190 I« izq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Debatte und Abstimmung im Konzil Mit überwältigender Mehrheit wurde auf dem Oeku. menischen Konzil die Dekla ration über die Haltung der Kirche gegenüber den Juden angenommen, durch welche in Zukunft untersagt wird, die Juden, und zwar sowohl in früheren Zeiten wie die heutigen Juden, des Gottesmordes zu beschuldigen. Der genaue Wortlaut der Deklaration liegt noch nicht vor. Es handelt sich um eine Vorabstimmung, deren Bedeutung darin liegt, dass diese Stellungnahme im Prinzip als beschlossen gilt, während es möglich ist, noch gewisse textliche Aenderungen bis zur definitiven Annahme dieser Erklärung vorzuneh men. Die endgültige Entschei düng wird erst auf der nächsten Sitzungsperiode des Konzils erfolgen, die entweder für das J <hr 1965 oder 1966 einberufen wird. DIE WORTE DES KARDINALS BEA Rom. — Bevor die Abstimmung ihren Anfang nahm, richtete Kardinal Agostin Bea eine Ansprache an die Versammlung, in der er folgendes ausführte: „Wir behandeln hier die Pläne des allmächtigen Gottes, die An. eikennung seiner Wohltaten die Verurteilung des Hasses und der Verfehlungen der Vergangenheit und ihre Vermeidung in der Zukunft. Auch die Kirche und mit hir das Konzil müssen ihre Mission erfüllen und können nicht in Schweigen verharren. „Es war unmöglich, eine Deklaration zu formulieren, die nicht von irgendeiner Seite in irgendeiner Form interpretiert werden könnte und die einen jeden befriedigen würde. Wenn man über die Notwendigkeit dieser Deklaration urteilt, muss man bedenken, dass es von grösster Wichtigkeit ist, dass die j Kirche, die christliche Welt und die öffentliche Weltmeinung ihre Aufmerksamkeit auf die Probleme dieser Deklaration lenken. Ihre Bedeutung und ihr ungeheurer j Wert liegen in den Frtichj ten, die wir erwarten dür-! fen. Zum ersten Mal in der Konzilsgeschichte werden in feierlicher Weise Richtlinien über dfe Beziehungen mit Nichtchristen aufgestellt, und der Dialog der Kirche mit den Milliarden von Nichtchristen hat daher begonnen.“ Hierauf erläuterte Kardinal Bea die technischen Einzelheiten des Dokuments. Er betonte, dass die Koordinierungs-Kommission des Konzils und seine Verfasser sich darin einig waren, dass diese Deklaration in die Doktrin ,De Ecclesia“ eingeschlossen werden müsse. Um allerdings die logische Entwicklung die- | ser Doktrin nicht zu gefähr- : den und die Abstimmung so , wrie ihre darauffolgende Ver, : kündung durch den Papst nicht zu ersci-; -v:en, sei be- 1 schlossen worden, die Dekla- : ration über die Nichtchristen j nach ihrer endgültigen An- ■ nähme in zweiter oder drit. j ter Lesung als Zusatz an I den Schluss der Doktrin .De! Ecclesia" zu setzen. Dies ha- ' be ausserdem den Vorteil,! den ausschliesslich religiö-! sen Charakter der Deklara- | tion gegen jedwede unbe- : rechtigte politische Ausle- I gung in ein klares Licht zu | rücken. Zur Bedeutung die-! ser Deklaration trage auch die Tatsache bei, dass sie | nicht streng dogmatisch son- ■ dern eher pastoral sei. I Die Ausführungen des Kar. sprach von der „gläubigen Menschheit, die wir nicht nur als Individuen sondern als eine Gemeinschaft betrachten, die auf Erden wandelt“. Seiner Mahnung, zur Mutter Maria, die jetzt zur „Mutter der Kirche" erhoben wurde zu beten, fügte er hinzu, dass diese Gebete auch „die Bedürfnisse der Menschheit, die sozialen und allgemeinen Nöte des menschlichen Lebens nicht nur für die einzelnen Men. sehen sondern für alle Mitglieder einer Gemeinschaft von Brüdern" einschliessen sollen, denn „unsere Zeit hat erwiesen dass alle Menschen eine Gemeinsamkeit bilden.“ GENUGTUUNG IN ISRAEL Tel Aviv. — In Israel wur. de der Beschluss des Vatika- Berkhf des Generals Gdd Bu Vereinte Nationen. — Generalleutnant Odd Bull, der Chef der Waffenstillstandskommission der UN für den Vorderen Orient, übergab heute einen Bericht dem Generalsekretär U Thant über die letzten Zwisoheniälle an der syrischen Grenze. Nach den Mitteilungen von U Thant gipfelt der Bericht in der Feststellung, dass die Aktion tatsächlich von den Syrern begonnen wurde Es sei bereits an einem der vorhergehenden Tage zu einem Zwischenfall gekommen, der aber durch das sofortige Eingreifen der UN Beobachter beigelegt werden konnte. Durch den Schusswechsel wurden drei israelische Soldaten getötet und neun verletzt. Ferner wurden zwei Mitglieder des Kibbuz Dan verletzt. Ver. schiedene Gebäude dieses Kibbuz wurden schwer beschädigt. Auf der syrischen Seite gab es sieben Tobe und 26 Verletzt«. Die israelischen Flugzeuge sind vor Abschluss der vereinbarten Einstellung des Feuers aufgestieeen. Die Verwendung von schweren Bomben durch die Israelis konnte nicht festgestellt werden weil die Syrer den UN Beobachtern die Inspektion der angegriffenen Objekte nicht gestattet haben. Ebenfalls seien die kriegerischen Aktionen damit eingeleitet worden, dass die Syrer eine israelische Patrouille beschossen haben. FUER ISRAELS VERTEIDIGUNG London. — Die Berichte, da:« die britische R« gierung Israel zwei Unter seeboote verkauft habe fanden jetzt ihre Bestätigung. Beide Einheiten sollen Anfang des Jahres 1965 an Israel übergeben werden. (ITA) dinals, der den Text der Deklaration aufgesetzt hat, wurden mit grosser Aufmerksamkeit von den Versammelten angehört, die seine Wor te mit starkem Applaus belohnten. Ueber das Ergebnis der Abstimmung äusserten verschiedene Bischöfe, Sachverständige und Mitglieder des Sekretariats für die christliche Einheit, die auf einer Pressekonferenz der nordamerikanischen Bischöfe zugegen waren, dass die erzielte Mehrheit zahlenmässig eine freudige Ueberra schung darstelle. Die Optimisten hatten rund 250 bis 300 Neinstimmen erwartet, und die Gegenstimmen zählten weniger als 100. Ein nordamerikanischer Bischof legte Wert auf die Feststellung, dass viele Patriarchen und Bischöfe der orientali. sehen Katholischen Kirche sich von Form und Inhalt der Deklaration befriedigt erklärten und äusserten, dass sie nicht gegen sie stimmen würden. ERMAHNUNG DES PAPSTES Vatikanstadt. — Papst Paul VI. erteilte am Sonntag nach Abschluss des Kirchenkonzils der auf dem Platz vor dem St. Peters Dom versammelten Menge seinen traditionellen Segen. Er forderte die Gläubigen auf. Gott für den glücklichen Ausgang der dritten Phase des Oekumeni. sehen Konzils zu danken. Er nisehen Konzils über die Ju. den im allgemeinen mit Befriedigung aufgenommen und der Erwartung Ausdruck gegeben, dass die nächste Tagung des Konzils die Erklärung bestätigen werde. Oberrabbiner Iser Unterman iiusserte allerdings, das Kirchenkonzü habe „einen Schritt vorwärts getan, doch -es müsse noch sein Bedauern über die von den Juden erlittenen Verfolgungen aussprechen“. Der Religionsminister erklärte, „wenn die Deklaration über die Juden auf der nächsten Sitzungsperiode des Konzils endgültig ratifiziert wird so würde dies als Ausdruck einer wahren Reue über die Verfolgungen der Juden und einen Appell an die christliche Welt zu betrachten sein, dem Antisemitismus ein Ende zu setzen“. Die Presse berichtete fast ausschliesslich mit Genug, tuung über die Deklaration des Konzils und betonte die Erwartung, dass der Beschluss auf der nächsten Konzilsitzung seine Bestätigung finden werde. Die liberale Zeitung „Haaretz“ schreibt: „Wir sind zwar zufrieden mit dem, was in Rom angenommen wurde, doch haben wir uns niemals a’s schuldige am Tode Chri sti betrachtet.“ Die Zeitung der Nationalen Partei „Hatzofeh“ erachtet es dagegen für notwendig, dass der Zusammenhang zwischen dem jetzigen Beschluss des Konzils und dem „Schweigen des Papstes Pius XII. wäh rend des Krieges, als die Juden von den Nazis verfolgt wurden" hergestellt werden müsse. REAKTION IN KAIRO Kairo. — Kyrollos VI. von Alexandrien, der sich „Seine Heiligkeit" nennt, bezeichne te den Beschluss des Kirchenkonzils der die Juden von jeglicher Schuld an der Kreuzigung Christi freispricht, als „imperialistische Verschwörung“ wie die halboffizielle Nachrichten-Agentur in Mittelost, „Mena“ mitteilt. Kyrollos der sich auch Oberhaupt der Afrikanischen Koptischen Kirche nennt, beabsichtigt, wie die „Mena“ ferner meldet, die Bischöfe, Erzbischöfe und Kardinäle dieser Kirche zu einem Treffen in Alexandrien einzuladen, um „eine drastische Haltung gegen den imperialistischen Plan zu beziehen. der das Oekumeni. sche Konzil missbraucht hat, um eine Erklärung zü erlassen, in der Juden von dem Mord an Jesus Christus freigesprochen werden“. Die genannte Agentur berichtet im weiteren, Kyrollos habe behauptet, dass „die Resolution des Kirchenkon. zils eine imperialistische Verschwörung darstellt, die nichts mit dem Christentum gemein hat“ und diesen Worten hinzugefügt: „Alle jene, die sich in Ungläubige zu verwandeln und diese gottlose Deklaration zu unterschreiben wünschen, mö gen zur Bibel zurückkehren und aufmerksam die Ge schichte der Kreuzigung lesen." KOMMENTAR IN TRANSJORDANIEN Amman. — Der transjordanische Aussenminister Ka. dri Toukan erklärte dass „die Juden seit jeher für den Tod Christi die Verantwortung trugen und ständig einen Kampf gegen die Christenheit geführt haben“ Er kommentierte den Beschluss des Oekumenischen Konzils über die Frage der Schuld an der Kreuzigung Christi und kam zu dem Schluss, dass der Freispruch der Juden eine definitive Bestäti gung der aggressiven Absich ten Israels bilde und ein Ansporn für Israels Täuschungsmanöver sei, um die Araber warnen Bonn Bonn. — „Wenn die Deutsche Bundesrepublik die Politik Israels unterstützt. so werden sich die Araber gegen ihren Willen gezwungen sehen, Beziehungen mit der deutschen Ostzone aufzunehmen", so heisst es in einem jetzt von dem Pessedienst der Botschaft Syriens in Bonn veröf. fentliehten Communiqué. „Dieser Prozess würde sich noch beschleunigt sehen, wenn Westdeutschland engere Beziehungen mit dem Staat Israel herstellt und Ihm weiter militärische Hilfe leistet“ wie dieses Dokument im weiteren besagt. WIDERSTAND GEGEN BOYKOTT Genf. — Die schweizer Gesellschaft Ring, die sich mit der Finanzierung von Hotelbauten beschäftigt, Ivat eine Aufforderung des arabischen Boykott-Comites ab gelehnt, das gedroht hatte, die Firma auf die schwär ae Liste der Araber zu setzen, falls sie ihre Geschäfte mit Israel nicht abbricht. Der Präsident der Gesellschaft erklärte: „Unsere Weltorganisation kann ohne Hotels in den arabischen Ländern bestehen“. Mit dem ausdrücklichen Hinweis dass die Firma völlig nichtjüdisch ist, sagte Herr Ring, „die Welt, einschliesslich die Araber, müsste glücklich sein dass das jüdische Volk endlich eine Heimat gefunden hat, in der es in seinem eigenen La/nd seine aussergewöhnlichen Qualitäten zu entwickeln imstan de ist.“ (ITA) diplomatische Anerkennung des Vatikans zu erreichen. KOMMENTARE AUS USA New York. — Vierzehn jüdische Organisationen begrüssten den Ausgang der Abstimmung des Kirchenkonzils zugunsten der vorgeschlagenen Erklärung der Katholischen Kirche über die Beziehungen zu den Ju. den mit dem Ausdruck der „Befriedigung“. In einem gemeinsamen Communiqué erklärten sie, dass die schliessliche Annahme der Deklara. tion „den Fortgang eines Prozesses darstellt, der zur wirksamen Ausschaltung des Antisemitismus und zu einem besseren Verständnis zwischen den Völkern beitragen wird.“ An anderer Stelle heisst es in diesem Communiqué: „Wenn die Konzilsväter die Promulgation dieses Dokuments beschlossen haben, so wird die Katholische Kirche einen historischen Beitrag zum Fortschritt der einträchtigen Beziehungen zwischen den Völkern der grossen Religionen geleistet haben. Wir betonen erneut unseren Glauben an die entscheidende Rolle des Judentums als getrennte religiöse Gemeinschaft, die berufen ist, zur Erreichung der der Mensch, heit gemeinsamen Ziele beizutragen.“ Diese Erklärung trägt die Unterschrift der fclgendenden jüdischen ' Organisationen: American Jewish Committee, Amerikanisch Jüdischer Kongress, Bne Berit, Liga gegen Diffamierungen der Bne Berit Zentralkonferenz der nordamerikanischen Rabbiner, Jüdisches Arbeiter. Comité, Jüdische Kriegsveteranen der USA, Beirat für gemeindliche Beziehungen, Rabbinische Versammlung, Amerikanischer Rabbiner- Rat, Verband nordamerikanischer Jüdischer Gemein, den, Orthodoxe Gemeinden von Nordamerika United Synagogue und Jüdischer Weltkongress. Besondere Würdigung er fährt das Bemühen der nord amerikanischen Kardinäle und Bischöfe, „die begonnen haben, ein neues Kapitel von der gegenseitiger. Achtung zwischen allen Menschen zu schreiben.“ Die Abstimmung in Rom hat dazu gedient, die Aufmerksamkeit auf eine lange Geschichte von Untersuchungen und Befragungen über die religiösen Wurzeln des Antisemitismus zu lenken. Ln Prinzip ist der Ge danke des Gottesmordes und der Glauben, dass das jiidische Volk als Kollektiv eine besondere Schuld am Tode Christi trägt, vor mein’ als 400 Jahren von der Kirche abgelehnt worden. Das Tridentiner Konzil, das von 1545 bis 1563 tagte, entschied, dass Jesus freiwillig den Tod auf sich genommen habe, um für die sündige Natur aller Menschen Sühne zu leisten. MEINUNG ISRAELI¬ SCHER RABBINER Jerusalem. — Rabbi Isser Unterman, der Oberrabbiner der israelischen Aschkenasim, äusserte, er „begrüsse wärmsten“ den Schritt des Kirchenkonzils, das in erster Lesung eine Deklaration an genommen hat, welche die Juden von der besonderen Schuld an der Kreuzigung Christi befreit und den Antisemitismus verurteilt. „Die Tatsache dass die grosse Katholische Kirche zu der Ueberzeugung gelangt ist, dass ihre Haltung zum jüdischen Volk revidiert werden muss, kann von uns nur wärmstens begrüsst werden“, erklärte er. Im weiteren gab er der Hoffnung Ausdruck, dass die Kirche „das Wachstum des Staates Israel als historisches Ereignis mit Sympathie betrachten werde, da es nach unserem festen Glau, ben eine Erfüllung des in der Heiligen Schrift erwähnten göttlichen Versprechens darstellt.“ Der sefardische Oberrabbiner Jizchak Nissim lehnte es seinerseits ab, sich zu diesem Thema zu äussern. Bis dieser Beschluss des Konzils nicht vom Vatikan als Teil des Dogmas „De Ecclesia“ eine öffentliche Bekanntgabe erfahre, so erklärte das Büro von Rabbi Nissim,- „müsse das Dokument einzig und allein als eine interne Angelegenheit der Katholischen Kirche angesehen werden.“ Diplomatischer Sieg Vereinte Nationen. — Israel gewann am vergangenen Wochenende einen bedeutenden diplomatischen Sieg, nachdem es einen Monat lang um die Aufnahme in die aus Entwicklungs-Ländern gebildete „Gruppe 77“ gekämpft hatte. Der November-Präsident dieser Gruppe, Botschafter Cue. vas Cancino aus Mexiko, hatte Israel eingeladen, an der in einigen Tagen stattfindenden Sitzung der Gruppe teilzunehmen und in diesem Sinne alle anderen Mitglieder verständigt. (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N^ 826.205

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