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Jüdische Wochenschau · 1964-11-27 · 2092 (27.11.1964) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2092 (27.11.1964)
Date
1964-11-27
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Viernes, 27 de Noviembre de 1964 L A SEMANA ISRAELITA Año XXV, — No 2#92 — 3 Angeklagte schwer belastet Alle, die an Kriegsverbrecher - Prozessen teilnehmen oder auch nur auf einer einzigen Sitzung des Gerichts gewesen sind, alle, die sich mit diesem furchtbaren Kapitel unserer Vergangenheit beschäftigen hierüber lesen, forschen, diskutieren, werden immer wieder von neuen Grausamkeiten überrascht, die über di« Schandtaten in Auschwitz (und anderen Lagern oder Schreckensstätten) berichtet werden. Am 96. Verhandlungstag des Auschwitz-Prozesses — inzwischen waren_ mehr als 100 Verhandlungen — berichtet der ehemalige Haft, ling Färber aus Prag, wie er trotz strengen Verbots durch einen Spalt desmit Brettern vernagelten Fensters des Blocks 11 in Auschwitz auf den Hof mit der viel zitierten Schwarzen Wand geblickt habe, an der so viele unschuldige Menschen von | der SS erschossen worden 1 sind. Färber sagte:; „An einem Herbsttag 1943 | sah ich ganz früh im Hof an der Wand von Block 11 I — nicht an der Schwarzen! Wand — ganz allein ein j kleines Mädchen stehen. Es I hatte so ein bordeauxrotes Kleidchen an und einen kleinen Zopf. Die Händchen hielt es an der Seite, wie ein Soldat. Es schaute auch einmal an sich herunter und wischte sich den St >ub von den Schuhen. Dann stand es wieder ganz still da. Darauf sah ich, wie Boger in den Hof kam. Er nahm das Kind an der Hand — es ging ganz brav mit — und stellte es mit dem Gesicht gegen die Schwarze Wand. Es schaute sich noch einmal um. Boger drehte ihm den Kopf wieder gegen die Wand, ging zurück und erschoss das Kind mit seinem Gewehr. Ich kannte Boger, denn ich sah ihn oft, wie er mit seinem Rad und dem Gewehr in den Block 11 fuhr.“ „Wie alt war das Kind?" „Sechs bis sieben Jahre. Ein kleines. die nächsten Worte sind nicht mehr zu verstehen. ..Die Leichenträger sagten später, es war ein polnivon JAKOB KATZ-ROGASEN sches Kind dessen Eltern einen oder zwei Tage vorher auch dort erschossen worden seien.“ Dam. sagt Färber, der immer wieder seit Beginn seiner Vernehmung zu dem Angeklagten Dylewski herüber schaut, er möchte „noch eine Sache vom Block 11“ erzählen da er im Gerichtssaal noch einen SSnicht, weil er hierzu gezwungen wurde. Viele Zeugen im Auschwitz-Prozess haben vollkommen übereinstimmend ausgesagt, dass es eine Charakterfrage gewesen sei, ob jemand mordete oder nicht. Ein Zeuge erinnerte an den Fall des sogen. .Funktionshäftlings“ Hans Rohrig, der sich mit den Worten „Ich Mann wiedererkannt habe.; bin kein Henker“ geweigert Er berichtet von einer vier. I habe, gemeinsam mit ande. köpfigen F&ndlie, die eben- : ren Kapos an der Liquidiefalls im Hof von Block 11 1 rung des Theresienstädter umgebracht worden sei ein ( Familien - Lagers teilzunehetwa 35 Jahre alter Mann, ' men. Dem Mann sei nichts MOEBELHAUS Das Hans der 3 Geschäf te mit der grössten Auswahl. SARMIENTO H47 T. E. 35 - 7033 CABILDO 2614 PAMPA 4$79 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten. Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung. JETZT VERSTECKEN SIE DAS GESICHT. — Nazi verbreche^ die jetzt in Westdeutschland abgeurteilt werden, decken sich das Gesicht zu als sie fotografiert werden soL len. Heute, da sie keine Waffen in der Hand halten, können sie niemandem mehr in die Augen sehen. der einen Jungen an der Hand gehalten und eine jüngere Frau, die ein kleines Kind auf dem Arm getragen habe. „Nach etwa einer halben Stunde kam ein SS-Mann und schoss sofort dem Kind, das die Mutter auf dem Arm trug, mit seiner Pistole in den Kopf. Die Mutter fiel mit ihrem Kind zu Boden. Er erschoss die Mutter, den Mann und auch den Jungen. Hier sehe ich den SS-Mann wieder.“ Färber zeigt auf Dylewski, der aufsteht. „Ich kannte ihn unter dem Namen Klaus. Die Polen nannten ihn Klauski.“ „Woher kannten Sie den Namen?“ passiert. Auch von anderen ähnlichen Fällen berichtet dieser Zeuge. — Eine aus Israel kommen, de Zeugin erkennt in dem ehemaligen Apotheker Dr. Capesius, der eine besonders unrühmliche Rolle in Auschwitz gespielt haben dürfte, den SS-Offizier wieder, der ihre beiden Brüder, ihre Schwester und ihren Vater mit vielen anderen Unglücklichen in die Gaskammer geschickt hat. Dieser Capesius hat sich — wie alle diese negativen Helden — auch aufs Leugnen verlegt. Bei dieser Zeugin geht das schwer, denn sie kannte ihn vor den Verfolgungen bereits genau. Sie sagte: „Dr. Capesius kenne ich fort — Dr. Capesius. Ich freute mich, als ich ihn sah. Aber als ich vor ihm stand, fragte er nur — wie alt bist du? — und schickte mich nach rechts.“ Ihre Geschwister und ihr Vater wurden gleich der grossen Gruppe der Todeskandidaten nach links zugeteilt, die anschliesend sofort in die Gaskammern getrieben wurden. Sie selbst habe zunächst nicht den Mut gefunden den sie ohne ein Zeichen des Wie. dererkennens anblickenden SS-Offizier anzusprechen. Aber dann habe sie ihn doch j bitten wollen, sie doch nicht j von ihrer Familie zu trennen. Sie habe zu ihm gehen wollen, aber ein SS-Mann ' versperrte den Weg. 1 „Ist das nicht Dr. Cape- sius?“ fragt« ich den Solda- I ten. Er machte grosse, erstaunte Augen und s gte: | „Das ist der Apotheker Dr. ' Capesius. Woher kennen Sie : ihn?“ Ich sagte, aus P.umä- I nien. Aber andere Häftlin- ' ge drängten mich ab.! Sie habe nicht mehr die I Kraft gehabt, sich an Cape- : sius zu wenden. Nach wenij gen Tagen sei sie von Ausch. 1 witz aus weiter in die Gegend von Riga verschleppt j worden, wo sie zusammen ' mit anderen Frauen im i Wald Bäume habe fällen j müssen. Sie überlebte als einzige der-Familie. Capesius bestreitet nach wie vor jemals auf der Rampe über Leben und Tod der Häftlinge entschieden zu haben. „Das Wohnen stimmt. Aber die Schilderung 1939 mit meiner Frau ist nicht existent. Ich war nie nachts auf der Rampe. Das meine Landsleute dies in Exemplaren behauptet haben ist keine Bestätigung- Darüber ist in Rumänien ein Komplott geschmiedetworden.“ Auch im Angesicht dieser eindeutigen Aussage leugnet Capesius, wie sie alle leugnen, wie selbst der „grosse“ SS-General Wolff zu feige war, seine Verbrechen einzugestehen. Ein verworfenes, korruptes System das Menschen zu Mördern und Feiglingen gemacht hat. LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires — PUEYREDON 2190, 1? izq-T. E. 83-2613 22. Kislew 5725 27. November 1964 Neonazis in Australien Melbourne. — Die Zeitung der staatlichen australischen Universität veröffentlichte einen antisemitischen Artikel, j Sein Verfasser, E. Cawthron, j identifizierte sich mit den i Zielen des Nationalsozialisj mus und zeigte die Schwie. 1 rigkeiten auf, die es zu iiberj winden gelte, um „die neue I soziale Ordnung“ aufzurichten. j Als eines dieser Ziele nann- 1 te Cawthron den Kampf gegen die Weltjudenheit wegen „der Folgen der jüdischen Intrigen und der Erschütterung unseres kulturellen westlichen Erbes. Der Kommunismus und der unkontrollierte Kapitalismus müssen auf diese Intrigen zurückgeführt werden“. Ein weiteres Ziel bildet nach Ansicht des Artikelschreibers „die Wahrung der rassischen „Von da; Häftlingen. Ich j noch aus Bukarest, wo ich kannte auch Stiebitz und Palitsch. Aber die sehe ich nicht hier.“ Aus den Einzelheiten der Darstellung dieses wie zahlreicher anderer. Zeugen kann man ersehen, dass hier mit Willkür, Grausamkeit und Lust gemordet worden ist. Vielleicht neigt auch der Aussenstehende manchesmal zu der Auffassung, dass diese niedrigen Mörder, diese entarteten Menschen in schwarzer Uniform, unter einem Zwang gestanden haben, dass sie so handeln mussten, wie sie es getan haben, dass von 1935 bis 1938 lebte. Ich wohnte im gleichen Haus; ich im Parterre und Dr. Capesius im zweiten Stock. Er war Vertreter der Bayer- Werke. Manchmal ' sprach ich mit ihm und seiner Gattin.“ Sie hatte Capesius zuletzt im Jahre 1939 in einem Park ihrer Heimatstadt in Siebenbürgen getroffen und dort mit ihm und seiner Frau eine Tasse Kaffee getrunken. Fünf Jahre später war sie Anfang Juni 1944 zusammen mti achttausend anderen jüdischen Frauen, Männern »nd Kindern zur sie keinen Ausweg hattenj Zeit der ungarischen" Judenl auch wenn sie selbst von! Vernichtung aus Siebenbürdem Unrecht überzeugt wa ren, das sie begingen. Diese Auffassung ist falsch. Wer mordete und quälte, tat es, weil er sich dazu hergab, Teppichhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEXTUPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN EUER JEDES GEMUETLICHE HEIM. Eigen« Fabrikation — Unverbindliche Vorführung Auf Wunsch Zahlungserleichterungen MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN, AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. Verkauf an Private nur Samstag und Ssnalif von 9—19 Uhr im Ausstellungshaus Calle ANDONAEGUI 2083 4 Quader m Statten Urqtriiu Tel.: 52-2993 gen im Viehwagen nach Auschwitz verschleppt worden. Es war Nacht, als sie auf der hell erleuchteten Rampe des Massenvemichtungshgers Birkenau aus dem Wagen getrieben wurde. „Dann mussten wir zur Rampe gehen, wo sie uns teilten. Dort stand ein ps- Offizier. Ich erkannte ihn so- Geschichtliche Ausstellung Rom. — Der Geschichte der jüdischen Gemeinde der „Ewigen Stadt“ ist eine Ausstellung gewidmet, die vor kurzem in Rom eröffnet wurde. Die ersten Juden kamen im Jahre 60 vor der Zeitenwende als Gefangene in die Stadt. 20 heute in Rom lebende jüdische Familien können den Nachweis erbringen. dass ihre Vorfahren seit f;'st 2.000 Jahren Bürger der Stadt sind. (AWZj j Identität“ der Australier und | „die Verhütung einer Vermi schung mit anderen Rassen“. i (ITA)!; Jüdische Tochter I London. — Im „Jewish Chronicle“ wurde anlässlich i der kürzlichen Ernennung I von Harvey Rose zum Peer auf Lebenszeit erzählt, dass; der neue Peer vor einigen Jahren seine jüdische Toch-; ter unter die Chuppa führte, j Das Ehepaar Rose adoptierte 1939 ein junges Flüchtlingsmädchen aus Deutschland. Es erwartete nicht, dass die junge Helga sich in | religiöser Hinsicht dem Hau. se einfügen sollte, sondern ermunterte sie, ihre jüdische Religion einzuhalten. Helga heiratete auch einen Juden, der zeitweise an der Hebräi- , sehen Universität in Jerusalem las. Die Hochzeit fand ' vor einigen Jahren statt. 2 Ferienreisen Europa - Israel Abfahrten mit K.L.M.: 13. JANUAR 1965 20. JANUAR 1965 «««»■•>»—M»ee»M r>JJNTERTm \ v,<SS'} 5 \.s*—•>* Su Agencia de Viajes T U C U M A N 978, p. 4 T. E. 35.2567 und 35-2779 ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ★ ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRÄGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung ★ BUEROSTUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T. L: 83 - 2613 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Verwaltun gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen, T. E.: 80 - 6930 PUEYRRED0N 2190 esq. Av. US HERAS

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